Golf-KriseDer große Bluff

Am Persischen Golf versucht der Iran, die Welt unter Druck zu setzen. Die Antwort darauf kann nur Gegendruck sein. von 

Die iranische Marine bei einem Manöver in der Straße von Hormus

Die iranische Marine bei einem Manöver in der Straße von Hormus  |  © Ebrahim Noroozi/AFP/Getty Images

Ein Sturm im Wasserglas? Das "Glas" ist die Straße von Hormus am Persischen Golf. Sie ist 30 Kilometer breit, doch die eigentliche Tanker-Passage misst bloß zwei. Durch dieses Nadelöhr fließt ein Fünftel der weltweiten Ölexporte, und seit Weihnachten spielt das Mullah-Regime dort Krieg .

Genauer: Teheran zündelt mit einem großangelegten Seemanöver namens Velayat ("Herrschaft") und versucht, die Welt mit allerlei Drohgebärden zu kujonieren. "Nicht ein Tropfen Öl" werde durch die Meerenge gelangen, so denn die Sanktionen verschärft würden. Dazu gab’s zur Jahreswende ein Feuerwerk mit zwei Test-Raketen , die im Agitprop zu Langstrecken-Waffen aufgeblasen wurden (und die der Iran nicht hat). Zum Muskelspiel gehörte auch das Protzen mit dem Eigenbau von nuklearen Brennstäben. Gute Propaganda, schlechte Physik: Diese werden mit nur drei Prozent reinen Urans bestückt, die Bombe erfordert die Anreicherung auf 90-plus.

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Das Drama im Golf wäre bloß eine Farce wie in Charlie Chaplins Film Der große Diktator, wo Hitler und Mussolini einander mit Würsten und Spaghetti bedrohen. Doch die Bedrängnis des Regimes ist real. Zum einen quälen die Sanktionen immer heftiger. Die Inflation beträgt 12 Prozent, die Arbeitslosigkeit (offiziell) 15. Die Opposition spricht von 20. Der Rial fällt jährlich um 10 Prozent. Zum Zweiten: In acht Wochen stehen Parlamentswahlen an.

Die Bedrängnis des Regimes ist real, die Sanktionen quälen immer heftiger

Die Mullahkratie leidet noch immer unter dem Schock der breiten Demokratiebewegung von 2009, die trotz Tod und Terror nicht aufgibt. Das Regime will sich mit dem Urnengang als demokratisches Vorbild für die arabische Welt anbiedern – als Vorreiter des "Frühlings". Nur verbringen die Hauptfiguren der Erhebung – Moussawi und Karroubi – die meiste Zeit unter Hausarrest. Sie haben wie der frühere Präsident Chatami zum Boykott aufgerufen, um die Legitimierung des Regimes durch Wahlen zu vereiteln. Was liegt also näher, als eine einheitsstiftende "Krieg in Sicht"-Krise anzuzetteln?

Es ist nur ein Krieg der Worte und Manöver, gewiss. Aber dahinter steht die grundsätzliche Herausforderung durch den revolutionären Iran. Wäre der Iran bloß ein revisionistischer Staat, also einer, der meint, ihm stehe mehr zu, als er hat, könnte man mit ihm paktieren: eine Konzession hier, ein Kompromiss dort. Doch revolutionäre Regime lassen sich nicht besänftigen. Sie wähnen, eine Heilslehre zu verkörpern, sei’s eine göttliche wie die der Ajatollahs oder eine weltliche wie die der französischen, nationalsozialistischen oder bolschewistischen Revolution. Die Erlösung akzeptiert kein Appeasement.

Solche Regime wurden in der Geschichte durch Krieg gestoppt (Napoleon, Hitler) oder durch Eindämmung gezähmt (Stalin und Erben). Krieg im Golf? Wer den sät, erntet eine Katastrophe, die der Vorstellungskraft trotzt. Deshalb bleibt das Gerede von einem US- oder israelischen Luftangriff auf Irans Atomanlagen nur Gerede. Deshalb möge man auch das Kriegsspiel der Herren Chamenei und Ahmadinedschad nicht mit Realität verwechseln.

Leserkommentare
    • PigDog
    • 07. Januar 2012 23:44 Uhr
    241. Na ja,

    ein echter Joffe halt.

    Ich lese Ihn mittlerweile noch, um mich zu amüsiern.
    Ernstnehmen kann ich seine doch recht platte, einseitige Weltsicht nicht mehr.

    @ Redaktion: Wenn Sie mir eine sachlichere Bezeichnung als "platte, einseitige Weltsicht" anbieten können - ich lerne gerne dazu. Als ernstzunehmende Diskussionsgrundlage kann ich derlei beim besten Willen nicht ansehen!

    @ J. Joffe: "...bloß ein revisionistischer Staat, also einer, der meint, ihm stehe mehr zu, als er hat..."

    Wer legt denn fest, was wem "zusteht"?
    Steht es den USA zu, anderen Ländern Vorschriften zu machen? Zu entscheiden, wer Atomwaffen haben darf und wer nicht?

    "Das Ur-Problem aber bleibt: eine revolutionäre Macht, welche die Vorherrschaft zwischen Levante und Hindukusch anstrebt und diese mit dem Griff zur Bombe zu untermauern sucht."

    Ist das "Ur-Problem" fast aller momentanen Konfliktherde auf dieser Erde nicht viel eher das imperialistische Auftreten einer im Niedergang befindlicher Supermacht...???

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Danke Herr Joffe"
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    [...]

    Leider spielen die Amerikaner nicht die Rolle, welche Sie Ihnen freundlicherweise zugestehen. Das werden die Iraner selbst erledigen. -Im übrigen spricht alles spricht dafür, das das die Amerikaner genauso so sehen.

    Wissen Sie eigentlich - das zuviel Hass Magengeschwüre hervorruft? Passen Sie auf sich auf.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sc

  1. Man kann sich mindestens drei Szenarien ausmalen:
    1. Der Iran wird mürbe gemacht durch Sanktionen und dann angegriffen bis das Velayat System klein beigibt und das Experiment beendet ist....
    2. Die Ammariyon Gewaltideologen überzeugen Khamenei, dass jetzt losschlagen die einzige Chance ist das System zu retten. Das bedeutet Israel wird einiges von verschiedenen Seiten abbekommen, in Syrien wird die Situation weiter brutalisieren, Libanon, Gaza, Irak, Afghanistan werden mit einbezogen werden usw usf. Manche werden sich freuen den lahmen Tiger erfolgreich provoziert zu haben.
    3. Der Iran wird sanktioniert und unter Druck gehalten, die Machtkaste zerfleischt sich vor oder nach den Parlamentswahlen von selbst. Die Frage ist was kommt dann?
    Den Iranerinnen und Iranern ist die dritte Variante zu wünschen und das danach eine Art Referendum über die Herrschaftsform stattfindet, dass sie sich endlich von alleine zu einer Regierungsform finden, die ihnen die Möglichkeit gibt als selbstständig denkende Wesen auch in der Öffentlichkeit aufzutreten.

    Eine Leserempfehlung
  2. wir Deutsche wollen in keinen Krieg hineingeschrieben werden.

    Weder durch den Umweg über Repressalien, noch direkt.

    Als Herausgeber der Zeit, neben Helmut Schmidt sollten Sie dies akzeptieren und verinnerlichen.

    Wir Deutsche sind weder antiamerikanisch noch antizionistisch.

    Deutschland arbeitet, produziert und verkauft. Von internationalen Schachspielen mögen wir verschont werden.

    Mit den von den USA ausgehenden Finanzproblemen ist Europa voll auf beschäftigt und die hieraus resultierende Hauptlast liegt offensichtlich auf Deutschland.

    Goldman-Sachs hat Griechenland beraten bei deren kreativer Buchführung und Staats-Finanzierung.

    Merrill lynch ist federführend in Italien beteiligt gewesen.

    Gegen einen Iran Krieg wird Deutschland nicht intervenieren können.

    Zustimmung können Sie zwar durch Ihren Artikel versuchen zu erhaschen, erwarten können Sie ihn nicht.

    Deutschland und Krieg geht nicht zusammen, bleibt nur die Hoffnung auf deutsches Geld und das Spiel über Bande, sprich Deutschland möge in der EU eine Intervention befürworten.

    kujonieren - dieses Wort ist allein für einen längeren Monolog geeignet, mit satirischem Anklang.

    du, deiner, dir, dich, mir, meiner, mir, mich
    konju, ejaku

    7 Leserempfehlungen
  3. wirklich nicht an - eher auf sachliche Informationen.

    Was ist das für ein Blödsinn, den Ihr Meysamn verzapft? Der ist nicht nur aussergewöhnlich schlecht informiert sondern hat darüber hinaus eine reihe von verständnisprobleme:

    Richtig ist hingegen das der Präsident der Abgeordneten, niemand geringeres als Ali Larijani der ehemalige Unterhändler in Sachen Atom Mousavi am späten Nachnmittag zum Wahlsieg gratuluert hatte.

    Richtig ist weiterhin das allgemein ein Wahlsieg der Reformisten erwartet wurde. Diese Erwartung war begründet in der hohen Wahlbeteiligung von 85 %: Die Jungwähler und die überwiegende Anzahl der Leute, welche die Wahl Ahmadinejads 2005 boykotiert hatten, sind 2009 an die Wahlurnen gegangen in der Hoffnung, Reformen und Erneuerung wählen zu können.

    Ansonsten ist es der blanke Unsinn was Sie da zitieren -
    werden Sie eigentlich von den iranischen Hardlinern direkt bezahlt oder zitieren sie sowas freiwillig?

    2 Leserempfehlungen
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    "Was ist das für ein Blödsinn, den Ihr Meysamn verzapft? Der ist nicht nur aussergewöhnlich schlecht informiert sondern hat darüber hinaus eine reihe von verständnisprobleme"

    3. Versuch
    Dieses mal von Paul Craig Roberts :

    http://www.counterpunch.o...

    '...A number of commentators have expressed their idealistic belief in the purity of Mousavi, Montazeri, and the westernized youth of Terhan. The CIA destabilization plan, announced two years ago (see below) has somehow not contaminated unfolding events.

    The claim is made that Ahmadinejad stole the election, because the outcome was declared too soon after the polls closed for all the votes to have been counted. However, Mousavi declared his victory several hours before the polls closed. This is classic CIA destabilization designed to discredit a contrary outcome. It forces an early declaration of the vote. The longer the time interval between the preemptive declaration of victory and the release of the vote tally, the longer Mousavi has to create the impression that the authorities are using the time to fix the vote. It is amazing that people don’t see through this trick...

  4. > ...gutmenschlich-beifallheischendes Antikriegsgeschwurbel

    Danke, dass Sie es einem leicht machen über Ihren Beitrag rasch hinwegzublättern.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Moral oder nicht?"
  5. Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/sc

    4 Leserempfehlungen
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    Weder ist es Amerikahass, noch Israel-Hass.

    Die überwiegende Anzahl der Mitforisten möchten nur, dass Deutschland sich an keinem Krieg beteiligt.

    Wer nicht für uns ist, ist gegen uns?

    Falsch, wir wollen auf Grund unserer Geschichte neutral sein.

    >Wenn man sich die meisten Kommentare hier durch den Kopf >gehen lässt, kann man Gott auf Knien danken , dass die >deutsche Politik durch Wahlen und nicht durch irgenwelche >Foren bestimmt wird.

    Man möchte Ihnen zustimmen, möchte Ihnen fast zu der Selbsterkenntnis gratulieren, den man aus Ihren Worten lesen könnte. Aber ach, dann geht es weiter wie gewohnt, "Amerika-Hass", "Anti-Zionismismus etc. Sie taugen eben nicht zum praeceptor Germaniae.

    Ich habe keine Lust über ihre Motive zu spekulieren, stelle aber klar, dass ich mich von Ihnen verleumdet und beleidigt fühle:

    ICH KENNE KEINEN AMERIKA-HASS
    ICH EMPFINDE KEINEN ANTI-ZIONISMUS
    DAS REGIME DER MULLAHS IST MIR ZUWIDER
    Trotzdem empfinde ich den Artikel von Joffe nicht als einen positiven Beitrag.

  6. wie Meyssan halten wir nichts. Sein Quatsch über 9/11 haben uns schon gereicht. Da kann man genauso täglich Press-tv lesen.

    Eine Leserempfehlung
  7. 248. Nö - -

    [...]

    Leider spielen die Amerikaner nicht die Rolle, welche Sie Ihnen freundlicherweise zugestehen. Das werden die Iraner selbst erledigen. -Im übrigen spricht alles spricht dafür, das das die Amerikaner genauso so sehen.

    Wissen Sie eigentlich - das zuviel Hass Magengeschwüre hervorruft? Passen Sie auf sich auf.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sc

    Antwort auf "Na ja,"

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  • Schlagworte UN | Iran | Golf | IAEA | Krieg | Sanktion
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