Ins Innere
Die Mutter aller Reisen: Ins Innere, zu den ungelösten Rätseln des eigenen Ichs
Weil am Jahresende 2012 die Götter vom Himmel steigen und der Kalender untergeht, habe ich beschlossen, diese Reise ein zweites Mal zu unternehmen. Beim ersten Mal war das Ergebnis irgendwie unbefriedigend. Als blühender junger Mann war ich aufgebrochen, es war das Pfingstwochenende nach dem Nato-Doppelbeschluss, da nahm ich an konspirativem Ort allerhand Rauch- und Rauschwaren ein, um in eine noch nie gesehene Welt vorzudringen: in mein Innerstes. Stunden später kehrte ich zurück und konnte mich an nichts mehr erinnern, nur an diese eine geheimnisvolle Botschaft aus den Tiefen meines noch nachbebenden Astralleibs: »Karbole verbiegen verboten.« Was wollte ich mir damit sagen? War es eine Warnung? Ein Wink aus dem Jenseits, ein Fingerzeig? Oder war ich einfach noch nicht reif, den Sinn dieser Botschaft zu verstehen?
Diesmal werde ich mich besser vorbereiten, diese Mutter aller Reisen muss unbedingt gelingen. Körperarbeit ist gefragt: Sich reingießen in den treuen Ledersessel, auf den Knien das geliebte Reiseplaid, die Salzsteinlampe sorgt für ionisierte Luft. Jetzt werde ich meinem Körper endlich all jene Drogen zuführen, die ich noch nie in meinem Leben genommen habe: eine Portion frisches Opium, einen Löffel Meskalin, ein Priselchen hochreines Heroin und ein großes Glas Jägermeister. Für alle Fälle, soll ja auch ordentlich brezeln. Dann dämmert’s irgendwo, ich fühle feinstofflich, Fanfarenklänge, ruckelnd setzt sich mein Kommandosessel in Bewegung, die Tour geht los. In einem Höllentempo lasse ich Raum, Zeit und das olle Bewusstsein hinter mir und dringe mitsamt Sessel in mein Unterbewusstsein vor.
Seltsames Terrain. Große, helle Räume, in denen absolut nichts los ist. Hab ich etwa Ruhetag? Ein Stockwerk tiefer wabern meine Träume. Hab ich jetzt keinen Sinn für, ich schlafe ja nicht. In einer weiteren Halle ruhen meine Erinnerungen, vor allem die Reiseerinnerungen sind tadellos erhalten: Katar 2004, Albanien 1995, DDR 1987. Sogar Italien 1974, hatte ich schon total vergessen. Nur die Erinnerung an den ersten Trip ins Ich, die ist nirgendwo zu finden.
Niemand weiß was, keiner hat je von einer geheimnisvollen Botschaft gehört. Ich bin entsetzt. Gerade will ich meine Erinnerungen anbrüllen, dass sie sich gefälligst mal anstrengen sollen und dass das ja wohl ein ziemlich jämmerliches Bild sei, das sie hier... da wache ich auf. Verdammt – ich kann mich an nichts erinnern. Zwischen den Resten von Pülverchen und Substanzen auf meinem Plaid finde ich einen Zettel. Die Schrift ist kaum lesbar, doch der Text kommt mir bekannt vor: »Karbole verbiegen verboten.« Ich werde wohl doch die Götter fragen müssen, wenn sie endlich vom Himmel steigen.
Oliver Maria Schmitt
- Datum 07.01.2012 - 09:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.1.2012 Nr. 02
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Die Welt geht laut Mayakalender genausowenig unter wie am 31.12., es beginnt nur eine neue "lange Zählung"!
auf den zugehörigen Tafeln ziemlich eindeutige Bilder, auf denen u.a. der fliegende Drache/die fliegende Schlange eines Gottes große Mengen an Wasser über die Erde speit.
Wüsste nicht, wie man das anders interpretieren soll, als dass laut Glauben der Maya ein Gott eine Flutkatastrophe schickt.
auf den zugehörigen Tafeln ziemlich eindeutige Bilder, auf denen u.a. der fliegende Drache/die fliegende Schlange eines Gottes große Mengen an Wasser über die Erde speit.
Wüsste nicht, wie man das anders interpretieren soll, als dass laut Glauben der Maya ein Gott eine Flutkatastrophe schickt.
Jetzt fängt die ZEIT auch schon mit dem Maya-Kalender[...] an. Was dürfen wir als nächstes erwarten? [...]
Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
Naja, letztendlich muß die ZEIT ja auch Auflage machen. Ich frage mich nur, ob sie nun die Zielgruppe wechselt?
Nur die Ruhe, diese Maya-2012-Weltuntergangserwähnung ist doch ganz offensichtlich nur der Aufhänger, um die Top-5 der persönlichen Lieblingsreiseziele von XY aufzuziehen.
Außerdem ist der der Weltuntergang längst auf den 28. Dezember verschoben worden, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.
Es geht hier um Mythen und Sehnsüchte ....
Ich kann Karin Ceballos Betancur nur beipflichten. Auch ich werde das kleine Tango-Café nicht verraten. Und wenn ich einen letzten Wunsch hätte würde ich den Abend dort verbringen.
Naja, letztendlich muß die ZEIT ja auch Auflage machen. Ich frage mich nur, ob sie nun die Zielgruppe wechselt?
Nur die Ruhe, diese Maya-2012-Weltuntergangserwähnung ist doch ganz offensichtlich nur der Aufhänger, um die Top-5 der persönlichen Lieblingsreiseziele von XY aufzuziehen.
Außerdem ist der der Weltuntergang längst auf den 28. Dezember verschoben worden, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.
Es geht hier um Mythen und Sehnsüchte ....
Ich kann Karin Ceballos Betancur nur beipflichten. Auch ich werde das kleine Tango-Café nicht verraten. Und wenn ich einen letzten Wunsch hätte würde ich den Abend dort verbringen.
Naja, letztendlich muß die ZEIT ja auch Auflage machen. Ich frage mich nur, ob sie nun die Zielgruppe wechselt?
Das Ende einer Ära ist ein Ende - ja. Sie macht auch Platz für eine neue Ära. Wenn bis dahin wenigstens der sich in Verallgemeinerungen verirrende Aberglaube gestorben ist, kann diese Ära vielversprechend werden.
Nur die Ruhe, diese Maya-2012-Weltuntergangserwähnung ist doch ganz offensichtlich nur der Aufhänger, um die Top-5 der persönlichen Lieblingsreiseziele von XY aufzuziehen.
Außerdem ist der der Weltuntergang längst auf den 28. Dezember verschoben worden, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag
Es geht hier um Mythen und Sehnsüchte ....
Ich kann Karin Ceballos Betancur nur beipflichten. Auch ich werde das kleine Tango-Café nicht verraten. Und wenn ich einen letzten Wunsch hätte würde ich den Abend dort verbringen.
nur um das in Europa wohl bekannteste Gesicht des weltweit allein den Ton bestimmenden, monströsen Finanz- und Kapital- (Un)Wesens zu nennen, dem denn zugestimmt?!
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