Sudan: Von Darfur nach Homs
Wie das Regime des Sudan von den arabischen Revolutionen profitiert
© ASHRAF SHAZLY/AFP/Getty Images

Mustafa al-Dabi leitet die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien.
Erst Geheimdienstchef, dann Menschenrechtsbeobachter: Die Laufbahn des Mohammed Mustafa al-Dabi gehört wohl zu den erstaunlichsten Wandlungen auf der internationalen Bühne. Seit dem 26. Dezember leitet der Sudanese die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien, die dort unter anderem die Entlassung politischer Häftlinge kontrollieren und den Abzug des Militärs aus den Städten überwachen soll. Seinen ersten Report will al-Dabi in diesen Tagen vorlegen. Nicht nur die syrische Opposition fragt sich, was wohl herauskommen mag bei einem Berichterstatter, der mit dem Einsatz von Gewalt gegen Zivilisten weit mehr Erfahrung hat als mit deren Verhinderung.
Al-Dabis Lebenslauf dürfte zumindest in Stichpunkten auch der Arabischen Liga vorgelegen haben: ab 1989 Chef des militärischen Geheimdienstes unter Sudans Machthaber Omar al-Baschir; von 1993 bis 1999 mitverantwortlich für die militärischen Operationen im Bürgerkrieg gegen den Südsudan – genau gesagt: für Khartoums Politik der verbrannten Erde.
1999 war er mehrere Monate in Darfur im Einsatz und stärkte dort die Dschandschawid, jene arabischstämmigen Reitermilizen, die systematisch Dörfer plünderten und niederbrannten. Mit den Verbrechen in Darfur befasst sich inzwischen der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag, der Sudans Präsidenten Omar al-Baschir mit Haftbefehl sucht.
Aus der Chefetage der Sicherheitsdienste wechselte al-Dabi in die Diplomatie, wurde Botschafter in Katar und, wie es so schön heißt, eine »bekannte Größe« auf dem internationalen Parkett. Für die amerikanischen Geheimdienste hatte er sich schon früher als kooperativer Kontaktmann erwiesen –beim Kampf gegen Al-Kaida. Nun also soll er an leitender Stelle helfen, die Gewalt des syrischen Regimes gegen die Opposition einzudämmen.
Schon bald nach seiner Ankunft hatte al-Dabi die Lage in der Protesthochburg Homs mit den Worten kommentiert, es sehe dort »ein bisschen durcheinander« aus, es gebe aber »nichts Beängstigendes«. Jeder Protest gegen diese Personalie ist also berechtigt. Auch in Teilen der Arabischen Liga regt sich Unmut.
Aber es lohnt darüber hinaus, al-Dabis Wandlungsfähigkeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie ist weniger individuelles Merkmal als Ausdruck und Folge der Überlebensstrategie repressiver Staaten im Zeitalter der humanitären Interventionen – politischer wie militärischer Art. Solche Regime nutzen inzwischen geschickt das oft taktische Verhältnis der westlichen Staaten zu den Menschenrechten. Und sie profitieren von den Aufmerksamkeitslücken der internationalen Öffentlichkeit. Der Sudan versteht sich darauf besonders gut.
Auch im Sudan hatten Dissidenten versucht, den Arabischen Frühling auszurufen, doch ihre Proteste erstickten die dortigen Sicherheitsdienste im Keim. Ganz anders reagierte Khartoum auf den Aufstand im Nachbarland Libyen. Während des Krieges lieferte der Sudan Waffen an die libyschen Rebellen und präsentierte sich ganz ungeniert als »Befreier« – gewissermaßen in einer Reihe mit Nicolas Sarkozy, al-Dschasira und der Nato. Entsprechend herzlich bedankte sich der Nationale Übergangsrat nach Gaddafis Sturz beim Antrittsbesuch in Khartoum.





Offensichtlich kann sich nur Europa Idealismus leisten, und auch nur die unter uns, die nicht täglich in internationale Politik und Geschäfte verwickelt sind.
Menschenrechte kommen leider icht gerade an erster Stelle, und Machtausübung ist nicht mit ihnen gekoppelt.
So z.B. der Internationale Gerichtshof,
"der Sudans Präsidenten Omar al-Baschir mit Haftbefehl sucht."
So schwer zu finden dürfte ein Staatspräsident ja eigentlich nicht sein. Schade, dass gute Absichten und ein hohes Ansehen (ich spreche von Den Haag) nicht immer auch weitreichende Befugnisse bedeuten.
Was die Beobachterposition des netten Sudanesen angeht, so verhält es sich wohl ähnlich wie mit "moderaten Taliban", die man in Kabul für sich gewinnen will.
Idealismus kann man sich in den meisten Ländern der Welt nicht leisten.
Für das einfache Volk (zum dem größtenteils auch die Rebellenkämpfer gehören, die einfach mal so die Seiten wechseln) geht es ums nackte Überleben, und für die höher gestellten Personen und Regierungsmitglieder geht es um Erhalt von Reichtum, Macht und Einfluss, und letzten Endes damit verbunden auch ums nackte Überleben.
Wenn selbst im vermeintlich so zivilisierten, ethisch und moralisch bedachtsamen Deutschland die Menschenrechte angesichts guter geschäftlicher und diplomatischer Beziehungen (z.B. China, oder Waffenhandel mit diversen Nationen) hinten anstehen müssen, wie können wir dann im Arabischen Frühling das Wunder der objektiven Neutralität zum Wohle der Menschheit erwarten?
Hören Sie bitte auf vom arabischen Frühling zu reden!
begonnen.
Immer wenn ich schulmeisternde Menschen mit erhobenen Zeigefingern ihre Weisheiten, Belehrungen, Ideologien und Warnungen verkünden sehe, geht bei mir innerlich alles auf Abwehr.
Diejenigen mit diesem Verhaltensmuster, die ich bisher kennengelernt habe, waren meist wenig angenehme Zeitgenossen.
Entfernt. Nehmen Sie Abstand von generalisierenden und diffamierenden Äußerungen. Die Redaktion/mak
Als Ergänzung zur Meinungsbildung empfehle ich das umfangreiche Sudan-Kapitel in Peter Scholl-Latours aktuellem Buch "Arabiens Stunde der Wahrheit: Aufruhr an der Schwelle Europas", das klarmacht, welche Interessensphären im Sudan kollidieren und warum die USA ein großes Interesse an der Kriminalisierung des (Nord-)Sudan haben.
unserer Informationsversorgung an,dirk.
Aber wenn der Name Scholl-Latour fällt, rümpft ein großer Teil der TV-Gemeinde die Nase, weil sie noch diesen etwas schrulligen alten Herrn aus der letzten Laberrunde zur besten Sendezeit vor Augen hat.
Da glaubt man doch lieber den Meldungen der großen, seriösen Nachrichtenagenturen wie dpa, AFP und Reuters.
Und den Organen unserer freien Presse, die diese leicht verdaulich vorgekauten Versatzstücke der organisierten Desinformation weiterverbreiten.
unserer Informationsversorgung an,dirk.
Aber wenn der Name Scholl-Latour fällt, rümpft ein großer Teil der TV-Gemeinde die Nase, weil sie noch diesen etwas schrulligen alten Herrn aus der letzten Laberrunde zur besten Sendezeit vor Augen hat.
Da glaubt man doch lieber den Meldungen der großen, seriösen Nachrichtenagenturen wie dpa, AFP und Reuters.
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Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Beiträgen zum konkreten Thema an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc
"naja eher einer Struktur, wie man sie bei den Juden oder den Zigeunern findet."
Gehts noch?
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Gehts noch?
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