AustralienEin riesiges Minenloch

Australien ist Weltmeister im Export von Eisenerz und Kokskohle – doch die Industrie zerstört kostbares Ackerland und verschmutzt das Grundwasser. Die Bürger protestieren.

Die Morgensonne malt helle Streifen aufs sattgrüne Hügelland. Ian Moore, ein kräftiger Kerl mit weichen Gesichtszügen, hat seine Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen. Er ist hier der Farmer, seine Rinder faulenzen im Eukalyptusschatten. Dahinter, verborgen im Dunst, liegen die Weingärten. Und die monströsen, graubraunen Krater der Kohleminen.

Die traditionsreiche australische Weinregion Hunter Valley, rund 200 Kilometer westlich von Sydney gelegen, hat sich seit einigen Jahrzehnten in das größte Kohleabbaugebiet Australiens verwandelt. Unermüdlich reißen Maschinen hier die Erde auf, um den Rohstoffhunger Chinas zu bedienen.

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Das ist schon so, solange der 63-jährige Farmer denken kann. Die Kohleindustrie war schon da, als sein Großvater noch mit dem Pferdekarren durch die Weideidylle rumpelte. Aber seit zehn Jahren, sagt Moore, schaufelten die Bagger wie im Wahn.

Immer schneller, immer mehr wird exportiert, und immer öfter gräbt sich die Kohle-industrie auch durch fruchtbares Farmland. Güterzüge mit bis zu 80 Waggons donnern vorbei. Seitdem gigantische Fräsen auch unterirdisch Kohle abbauen können, hat der Highway Risse, sind ganze Landstriche mit Weinstöcken, Wohnhäusern und Kuhweiden metertief abgesackt. »Die Industrie ist völlig durchgedreht«, sagt Moore, und in seiner Stimme schwingt ohnmächtige Wut mit.

Der Bauer ist damit nicht allein. In ganz Australien schlägt dem Bergbau zurzeit massiver Protest entgegen. Bürger aus allen Schichten der Gesellschaft wehren sich gegen die ungezügelte Expansion der Kohle- und Erdgasindustrie, mit der das Land gerade zur globalen Energie-Supermacht aufsteigt. Sie laufen Sturm gegen die Rohstoff-Bonanza, die Raubbau an ihrem Land bedeutet.

Auch politisch steht die mächtige Kohleindustrie unter Druck, die in Australien 80 Prozent des Stroms speist und das Land zum weltgrößten Pro-Kopf-Klimaverschmutzer macht. Mitte Oktober verabschiedete das Parlament nach langem Ringen ein Emissionshandelssystem. Zu Beginn dieses Jahres wurde ein Fixpreis für Kohle eingeführt. Das wird die Gewinne der Branche schmälern.

615 Tage lang schützten Anwohner mit einer Sitzblockade ihren Boden

Teurer aber könnte die Rohstoffkonzerne der Volksaufstand zu stehen kommen. Dieser sei dabei, die »größte soziale Bewegung in der Geschichte Australiens« zu werden, sagt Drew Hutton, Grünen-Aktivist und Präsident der Protestallianz Lock the Gate. Es geht um Ressourcen und um die Grundsatzfrage, was dem trockensten Kontinent der Erde, auf dem Menschen leben, wichtiger sein sollte: lukrative Rohstoffexporte oder fruchtbares Ackerland.

42,5 Prozent des Farmlandes im Hunter Valley sind seit 1980 dem Kohlebergbau zum Opfer gefallen, belegt das nationale Statistikamt. Und jetzt soll Ian Moore dran sein.

Hüfthoch wächst der Futterklee auf seinen Weiden, so gut ist die Erde. Er spürt das weiche Gras, hört die fernen Schreie der Papageien und das Muhen seiner Kühe. Sehen kann er das alles nicht. Der Farmer ist mit den Jahren fast völlig erblindet, und vielleicht dachten die Chefs der Kohlekonzerne deshalb, sie hätten leichtes Spiel mit ihm.

»Man behandelt mich wie einen Menschen zweiter Klasse«, sagt Moore, die trüben Augen ins Leere gerichtet. Er hat schlecht geschlafen letzte Nacht, und seine Hände zittern so sehr, dass seine Frau den vollen Kaffeebecher vorsichtshalber zur Seite rückt. »Die wollen mein Leben zerstören! Wie kann so etwas rechtens sein?«

Leserkommentare
  1. Sie bahnt sich in Down Under an. Frage ist nur wie lange es dauert. Durch Chinas Nachholbedarf werden fossile Brennstoffe sowie Rohstoffe wieder zunehmend gefördert. Dies verursacht zusätzliche Probleme mit dem Klimawandel. Die Sorglosigkeit der Großindustrie wird zum Albtraum aller Menschen. Wir sollten uns wieder besser mit alternativer Lebensform beschäftigen z. B. Ackerbau und Viehzucht. Viel weniger ist jetzt bedeutend mehr!!!!

    • c66
    • 08.01.2012 um 23:15 Uhr

    guter Artikel, hier einige Bemerkungen:

    1. Meines Wissens liegen die größten Nickel-Vorkommen in Neu-Kaledonien und Russland, nicht in Australien.

    2. Bei meinem letzten Aufenthalt in Australien erzählte man mir, dass Ingenieure mir rund 250 Tausend Austral-Dollar pro anno (rund 200 T€/a) Einstiegsgehalt (!!) in diese Minen gelockt werden. Ist allerdings nicht jedermanns Sache, in der Wüste zu leben. Es sind da schon Milliarden-Investitionen den Bach runter gegangen, weil das Personal es da nur wenige Monate ausgehalten hat.

    3. Es gibt m.W. kein Land, welches mehr verstädtert ist als Australien. Und nur wenige interessiert das outback. Das outback ist dafür da, um den Reichtum zu generieren. Und Bauern müssen da verschwinden. So die Denkweise.

    4. Umweltschutz in Australien ist bislang nicht mehr als eine Lach-Perle, und das bei besten Bedingungen. Beispiel: Man will die Produktion von Solarmodulen dieses Jahr auf sagenhafte 10 MW hinaufhiefen - aus Eigenproduktion (letztes Jahr in Deutschland etwa 20 MW pro Tag!) Windparks? Selten, trotz tausende Kilometer Küsten. Und der Hammer war die Opposition zur CO2-Tax: Wenn wir die Kohle nicht verbrennen, tun es eben die Chinesen. Habe selten so unterbelichtete Typen reden gehört, und das bei großer Zustimmung in der Bevölkerung. Na dann .... Good night, Australia.

    3 Leserempfehlungen
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    • spacko
    • 09.01.2012 um 10:45 Uhr

    So blöd sind die Aussies nicht, sie sind nur nicht so religiös verblendet.
    Wetten, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe erst dann abnimmt, wenn die Rohstoffe aufgebraucht sind oder die Menschheit verschwindet? Es wird immer jemanden geben, der mit dem Finger auf andere zeigt - aber selbst keine Lust hat, auf seinen Standard zu verzichten.
    Wir haben hier zwar mehr Tempel (a.k.a "Windparks"), aber an den Tatsachen werden wir Deutsche als selbstgerechte Ökoträumer auch nichts ändern selbst wenn wir uns komplett zu Jägern und Sammlern asketisieren.
    Aber tuet ruhig weiter Buße, es hilft zumindest dem Selbstwertgefühl!

    • spacko
    • 09.01.2012 um 10:45 Uhr

    So blöd sind die Aussies nicht, sie sind nur nicht so religiös verblendet.
    Wetten, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe erst dann abnimmt, wenn die Rohstoffe aufgebraucht sind oder die Menschheit verschwindet? Es wird immer jemanden geben, der mit dem Finger auf andere zeigt - aber selbst keine Lust hat, auf seinen Standard zu verzichten.
    Wir haben hier zwar mehr Tempel (a.k.a "Windparks"), aber an den Tatsachen werden wir Deutsche als selbstgerechte Ökoträumer auch nichts ändern selbst wenn wir uns komplett zu Jägern und Sammlern asketisieren.
    Aber tuet ruhig weiter Buße, es hilft zumindest dem Selbstwertgefühl!

  2. Australien hat ja als erstes die Glühbirne verboten, also muss es ihnen doch ernst sein mit dem Umweltschutz...
    Gäbe es in GER vergleichbare Kohlevorkommen wie in AUS oder auch wie Öl in NOR, würden wir es auch fördern und uns bzgl CO2 und Umweltschutz nicht weit aus dem Fenster lehnen. Das eröffnet die Chancen auf Beschäftigung und Wohlstand, konsolidierte Haushalte und auch auf einen veritablen Sozialstaat.
    Die Prioritäten liegen nun einmal so wie sie liegen.

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    Weil es die Glühbirnen verboten hat, meinen Sie es ernst mit dem Umweltschutz... :)
    Oder war das etwa nur Symbolpolitik?

    Weil es die Glühbirnen verboten hat, meinen Sie es ernst mit dem Umweltschutz... :)
    Oder war das etwa nur Symbolpolitik?

  3. 4. Profit

    Wie stellte einst Karl Marx fest:
    "300 Prozent Profit und es gibt kein Verbrechen auf dieser Welt
    was es ( das Kapital) nicht riskiert..." Ob da wohl 300 Prozent
    heute noch reichen ??

    Eine Leserempfehlung
  4. Weil es die Glühbirnen verboten hat, meinen Sie es ernst mit dem Umweltschutz... :)
    Oder war das etwa nur Symbolpolitik?

    Antwort auf "Prioritäten"
    • spacko
    • 09.01.2012 um 10:45 Uhr

    So blöd sind die Aussies nicht, sie sind nur nicht so religiös verblendet.
    Wetten, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe erst dann abnimmt, wenn die Rohstoffe aufgebraucht sind oder die Menschheit verschwindet? Es wird immer jemanden geben, der mit dem Finger auf andere zeigt - aber selbst keine Lust hat, auf seinen Standard zu verzichten.
    Wir haben hier zwar mehr Tempel (a.k.a "Windparks"), aber an den Tatsachen werden wir Deutsche als selbstgerechte Ökoträumer auch nichts ändern selbst wenn wir uns komplett zu Jägern und Sammlern asketisieren.
    Aber tuet ruhig weiter Buße, es hilft zumindest dem Selbstwertgefühl!

    Antwort auf "Good night, Australia,"
    • Bus-x
    • 09.01.2012 um 13:49 Uhr

    Nun ja, Amerika, UK und auch Australien sind doch radikalkapitalistische Länder. Profit ist wichtig, ein offener Markt ist wichtig (die Besitzer der Löcher sitzen im Ausland), d.h. der Gewinn geht nach aussen und Australien
    bleibt auf seinen Erdlöchern, für die Ewigkeit verdorbenem
    Grundwasser und allen anderen Schäden sitzen. Und die Politiker sehen bis zur nächsten Wahl und halten die Luft an.
    Gut ist dass das Internet Nachrichten schneller trägt als es die Politik und die Presse sehen und wahr haben will.

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