DIE ZEIT: Mit Ihrem Programm »Studenten machen Schule« gehen Lehramtsstudenten in den Unterricht und führen dort Workshops durch. Was bringen sie den Schülern bei?

Robert Greve: Die Studierenden helfen den Schülern, etwas vor der Klasse zu präsentieren, Word und PowerPoint anzuwenden oder gezielt im Internet zu recherchieren. Das sind Dinge, die in den Abschlussprüfungen an Schulen wichtig sind, aber es sind auch Kompetenzen, welche die Schüler später im Studium, in der Ausbildung und im ganzen Leben gebrauchen können.

ZEIT: Können das nicht die Lehrer unterrichten?

Greve: Wenn sie sich einarbeiten, schon. Aber die studentischen Tutoren beschäftigen sich im Studium quasi täglich mit diesen Dingen und können es daher besonders gut vermitteln.

ZEIT: Wie laufen die Workshops ab?

Greve: Jede Schule kann mitmachen und sich Workshops aus unserem Angebot aussuchen. Dann kommen studentische Tutoren jeweils für eine Doppelstunde in die Schule und arbeiten mit bis zu 20 Schülern pro Gruppe zum Beispiel an der Literaturrecherche. Dafür gehen sie gemeinsam in den Computerraum und probieren aus, wie man etwa in Onlinekatalogen von Bibliotheken passende Bücher findet. Im Jahr 2011 haben wir auf diese Weise rund 20.000 Schüler aller Schulformen in fünf Bundesländern geschult: in Berlin , Brandenburg , Hessen , Hamburg und Bremen .

ZEIT: Die Schulen nehmen Ihr Angebot also gut an?

Greve: Erst hatte ich Bedenken, ob es überhaupt genug Schulen geben würde, die mitmachen wollen, aber die meisten finden es toll, wenn junge Leute kommen. Die Schulen sind mit immer mehr Erwartungen von außen konfrontiert, die können sie gar nicht mehr alle allein erfüllen. Deswegen müssen sie sich zwangsläufig öffnen und solche Impulse hereinlassen.

ZEIT: Was haben die Tutoren davon?

Greve: Das Lehramtsstudium ist überwiegend theoretisch. Unsere Tutoren zählen aber zu den besonders engagierten Studenten, die nur darauf warten, in die Schulen zu kommen. Dabei nehmen sie den Lehrern aber keine Arbeit ab. Sie unterstützen in erster Linie die Schüler, damit sie besser vorbereitet in den Unterricht und in die Prüfungen gehen. Gleichzeitig sammeln sie Erfahrungen im Klassenzimmer. Beide Seiten profitieren also.

ZEIT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Greve: Ich habe in Berlin das Gymnasium besucht. 2007 mussten die Schüler dort für ihr Abitur erstmals eine Facharbeit schreiben und eine Präsentation durchführen. Da habe ich den Rektor meiner ehemaligen Schule gefragt, ob wir nicht eine Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag anbieten wollen, um die Schüler darauf vorzubereiten. Ich hatte mit 15 Teilnehmern gerechnet, es hat sich aber fast der komplette Abi-Jahrgang angemeldet. Dann ging alles sehr schnell. Mit zwei Kommilitoninnen habe ich »Studenten machen Schule« ins Leben gerufen, unser Angebot hat sich ausgebreitet, und inzwischen sind 142 Lehramtsstudierende für uns tätig. Sie sind jährlich an 170 Schulen unterwegs, rund 100 davon in Berlin, und werden von den Schulen finanziert.

ZEIT: Haben Sie auch auf Lehramt studiert?

Greve: Ich habe einen Lehramtsbachelor gemacht, weil ich eigentlich mal Lehrer werden wollte. Aber das Programm ist so erfolgreich, dass ich mich jetzt erst mal Vollzeit seiner Koordination widme. Berufsbegleitend mache ich einen MBA in Bildungsmanagement. Aber das schließt ja nicht aus, dass ich später doch noch Lehrer werde.