LehrerausbildungEndlich die Schule von innen sehen

Wenn angehende Lehrer nicht aufs Referendariat warten wollen, können sie sich als Tutoren bei "Studenten machen Schule" engagieren von Julia Nolte

DIE ZEIT: Mit Ihrem Programm »Studenten machen Schule« gehen Lehramtsstudenten in den Unterricht und führen dort Workshops durch. Was bringen sie den Schülern bei?

Robert Greve: Die Studierenden helfen den Schülern, etwas vor der Klasse zu präsentieren, Word und PowerPoint anzuwenden oder gezielt im Internet zu recherchieren. Das sind Dinge, die in den Abschlussprüfungen an Schulen wichtig sind, aber es sind auch Kompetenzen, welche die Schüler später im Studium, in der Ausbildung und im ganzen Leben gebrauchen können.

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ZEIT: Können das nicht die Lehrer unterrichten?

Greve: Wenn sie sich einarbeiten, schon. Aber die studentischen Tutoren beschäftigen sich im Studium quasi täglich mit diesen Dingen und können es daher besonders gut vermitteln.

Robert Greve
Robert Greve

27, hat einen Lehramtsbachelor gemacht und ist Programmleiter von "Studenten machen Schule".

ZEIT: Wie laufen die Workshops ab?

Greve: Jede Schule kann mitmachen und sich Workshops aus unserem Angebot aussuchen. Dann kommen studentische Tutoren jeweils für eine Doppelstunde in die Schule und arbeiten mit bis zu 20 Schülern pro Gruppe zum Beispiel an der Literaturrecherche. Dafür gehen sie gemeinsam in den Computerraum und probieren aus, wie man etwa in Onlinekatalogen von Bibliotheken passende Bücher findet. Im Jahr 2011 haben wir auf diese Weise rund 20.000 Schüler aller Schulformen in fünf Bundesländern geschult: in Berlin , Brandenburg , Hessen , Hamburg und Bremen .

ZEIT: Die Schulen nehmen Ihr Angebot also gut an?

Greve: Erst hatte ich Bedenken, ob es überhaupt genug Schulen geben würde, die mitmachen wollen, aber die meisten finden es toll, wenn junge Leute kommen. Die Schulen sind mit immer mehr Erwartungen von außen konfrontiert, die können sie gar nicht mehr alle allein erfüllen. Deswegen müssen sie sich zwangsläufig öffnen und solche Impulse hereinlassen.

ZEIT: Was haben die Tutoren davon?

Greve: Das Lehramtsstudium ist überwiegend theoretisch. Unsere Tutoren zählen aber zu den besonders engagierten Studenten, die nur darauf warten, in die Schulen zu kommen. Dabei nehmen sie den Lehrern aber keine Arbeit ab. Sie unterstützen in erster Linie die Schüler, damit sie besser vorbereitet in den Unterricht und in die Prüfungen gehen. Gleichzeitig sammeln sie Erfahrungen im Klassenzimmer. Beide Seiten profitieren also.

ZEIT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Greve: Ich habe in Berlin das Gymnasium besucht. 2007 mussten die Schüler dort für ihr Abitur erstmals eine Facharbeit schreiben und eine Präsentation durchführen. Da habe ich den Rektor meiner ehemaligen Schule gefragt, ob wir nicht eine Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag anbieten wollen, um die Schüler darauf vorzubereiten. Ich hatte mit 15 Teilnehmern gerechnet, es hat sich aber fast der komplette Abi-Jahrgang angemeldet. Dann ging alles sehr schnell. Mit zwei Kommilitoninnen habe ich »Studenten machen Schule« ins Leben gerufen, unser Angebot hat sich ausgebreitet, und inzwischen sind 142 Lehramtsstudierende für uns tätig. Sie sind jährlich an 170 Schulen unterwegs, rund 100 davon in Berlin, und werden von den Schulen finanziert.

ZEIT: Haben Sie auch auf Lehramt studiert?

Greve: Ich habe einen Lehramtsbachelor gemacht, weil ich eigentlich mal Lehrer werden wollte. Aber das Programm ist so erfolgreich, dass ich mich jetzt erst mal Vollzeit seiner Koordination widme. Berufsbegleitend mache ich einen MBA in Bildungsmanagement. Aber das schließt ja nicht aus, dass ich später doch noch Lehrer werde.

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Leserkommentare
  1. Die Entprofessionalisierung der Schulen im Allgemeinen und der Gymnasien insbesondere wird weiter vorangetrieben: Die Gymnasiasten in Berlin, Bremen, Brandenburg, Hessen und Hamburg sollen angeblich wirklich nicht wissen, wie man im Internet nach Literatur sucht? Und die Lehrer angeblich auch nicht? Wenn Herr Greve als Berliner Bildungsexperte wirklich niemals in der Schule eine Facharbeit geschrieben hat (sie wurde dort erst 2007 eingeführt), hat er hoffentlich in einer Eliteuni gelernt, wie man wirklich bibliographiert! Das, was er und seine Studenten den Schülern beibringen wollen, ist Basiswissen, über das diese schon lange verfügen.
    Aber jeder, wirklich jeder glaubt, er müsse in die Schule, um dort der unwissenden Lehrerschaft beizubringen, worum es heute wirklich geht. Neben den rein theoretisch ausgebildeten Bildungsforschern reden auch Politiker, Eltern und jetzt eben auch irgendwelche Leute mit einer Geschäftsidee dazwischen.
    Nur zur Information: 1. werden junge Leute mit dem ersten Staatsexamen (in Bayern immer noch!) zwei Jahre lang in den Schulen auf ihren Lehrerberuf vorbereitet. 2. werden in allen Bundesländer gerade diese Referendare (und bei Lehrermangel auch Quereinsteiger mit passendem Studium) im Schulbetrieb eingesetzt, damit man Geld sparen kann. 3. ist in den letzten Jahren das Durchschnittsalter der Kollegien wegen der Pensionierung der durch die erste Gymnasialreform der 70er Jahre notwendig gewordenen zusätzlichen Lehrer.

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    Ach herrje, da kommen "irgendwelche Leute" daher und machen offenkundig, dass das Schulsystem länderübergreifend heute nicht mehr in der Lage ist, den Schülern die Kompetenzen zu vermitteln, die sie für eine erfolgreiche Schul- und spätere Bildungslaufbahn brauchen. Das ärgert natürlich die Pädagogen, die angeblich die einzigen sind, die etwas von Bildung verstehen und dennoch nicht in der Lage sind, diese auch wirklich zu vermitteln.

    Don't kill the messenger!

    Die Schulen, die an dem Programm teilnehmen, sind nicht dazu gezwungen worden. Auch in anderen Bundesländern gibt es reichlich Lehrkräfte, die Schwierigkeiten im Umgang mit Internet, Email, Präsentationstechniken und so weiter haben. Die jüngeren KollegInnen, die nun mal nicht alle Klassen gleichzeitig unterrichten können, fangen das nicht auf. Warum also nicht Studierende hinzu ziehen? Was ist so schlimm daran, dass man sich hier spreizen und anderen Studierten die Kompetenz absprechen muss?

  2. Ach herrje, da kommen "irgendwelche Leute" daher und machen offenkundig, dass das Schulsystem länderübergreifend heute nicht mehr in der Lage ist, den Schülern die Kompetenzen zu vermitteln, die sie für eine erfolgreiche Schul- und spätere Bildungslaufbahn brauchen. Das ärgert natürlich die Pädagogen, die angeblich die einzigen sind, die etwas von Bildung verstehen und dennoch nicht in der Lage sind, diese auch wirklich zu vermitteln.

    Don't kill the messenger!

    Die Schulen, die an dem Programm teilnehmen, sind nicht dazu gezwungen worden. Auch in anderen Bundesländern gibt es reichlich Lehrkräfte, die Schwierigkeiten im Umgang mit Internet, Email, Präsentationstechniken und so weiter haben. Die jüngeren KollegInnen, die nun mal nicht alle Klassen gleichzeitig unterrichten können, fangen das nicht auf. Warum also nicht Studierende hinzu ziehen? Was ist so schlimm daran, dass man sich hier spreizen und anderen Studierten die Kompetenz absprechen muss?

    Antwort auf "Ist schon wunderbar!"
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    sich von einem Studenten (egal was er studiert) heilen oder gar operieren zu lassen?

  3. sich von einem Studenten (egal was er studiert) heilen oder gar operieren zu lassen?

  4. Je mehr Elternverbände, Wirtschaftsverbände, Psychologen, Politiker, Drogenbeauftragte, Studenten, Gewerkschaftsvertreter und ähnliche Möchtegern-Schulprofis in die Lehrpläne hineinpfuschen, desto mehr ergibt es das Flickwerk ohne jegliches Gesamtkonzept (das mal da war) und desto unzufriedener werden alle (die oben genannten, die Schüler und die Lehrer) mit dem Ergebnis!
    Außerdem: Präsentationstechniken sind weder das Wichtigste in der Uni oder am Arbeitsmarkt und sind (in ihrer Vielfalt - wenn man von diesen ewigen Powerpoint-Präsentationen mal abgeht) so leicht erlernter, dass es selbst ältere Lehrer können! Fragen Sie mal Ihren kleinen Bruder!

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    Natürlich kann man den Umgang mit diesen Programmen lernen, die Frage ist doch aber, ob es die Lehrer auch tun. So lange mehr Bedarf als Angebot besteht, sehe ich kein Problem, dass Lehramtsstudenten diese Inhalte unterrichten und ihre praktische Fähigkeiten ausbauen. Außerdem werden Lehramtsstudenten auch innerhalb von Praktika und schulpraktischen Übungen auf die Schüler "losgelassen".

    • jon777
    • 08. Januar 2012 10:24 Uhr

    Ich hoffe diese Tutorials werden nicht vom Steuerzahler bezahlt!
    Warum muss man Schüler konditionieren lizenspflichtige Programme zu nutzen?

    Für Textverarbeitung und Präsentation gibt es genauso lizensfreie Software wie zum Beispiel OpenOffice.org
    http://de.wikipedia.org/w...

    Interessant wäre dagegen einmal auf die Kritik der Präsentationssoftware einzugehen.

    im Wesentlichen
    Gegenüber der Präsentationssoftware werden folgende Einwände genannt:

    Die Vorgaben des Programms führen zu übermäßiger Vereinfachung komplexer Gedanken, reduzieren die Rolle des Präsentierenden, die Form überwältigt den Inhalt.

    Oft sind die Folien schwer lesbar, unverständlich oder lenken ab.

    Da eine Folie nur wenig Informationen transportieren kann, kommt es oft zu einer schwer erträglichen Häufung von Folien. Kontext und Relationen fallen dem zum Opfer.

    Schüler neigen zur Überladung der Folien mit Farben, Bildern und Animationen.

    http://gymnasium.bildung....

    Es geht mir keinesfalls darum Technik abzulehnen, aber sollte es nicht das Ziel sein kritischen Umgang mit ihr zu vermitteln?

    • jon777
    • 08. Januar 2012 10:30 Uhr

    Wer erste Hinweise zu einer guten Präsentation sucht sollte das
    http://fudder.de/artikel/...

    mal lesen.

  5. 1. ES GIBT KEINE LEHRPLÄNE MEHR!!Die Zeit der bis ins Detail vorgeschriebenen Vorgehensweise für Lehrer ist (sagt Halleluja) schon seit einigen Jahren vorbei. Es wird nach Kompetenzen, Rahmenplänen und Bildungsstandards unterrichtet. Der Unterricht ist ausgerichtet auf die Ausbildung der Kompetenzen (Sach-, Methoden-, Medien-, Selbst-,Sozial-). Dem Lehrer steht dabei frei (bzw. er/sie muss dabei) 60% der Gesamtunterrichtszeit vollkommen eigenständig gestalten. Außerdem geht der Trend zur Öffnung der Schulen. Lernen fürs und vom Leben.
    2. Die Nutzung von neuen Medien gehört in den Bereich Medienkompetenz, der fester Bestandteil des Kompetenzmodells ist.
    3. Mein kleiner Bruder kann trotz Aufwachsen im Internetzeitalter, trotz Informatikkursen, trotz Studium, noch nicht mal vernünftig Google benutzen. Bloß weil man sich den ganzen Tag im Internet rumtreibt, heißt das noch lange nicht, dass man kompetent und sinnvoll damit umgehen kann. Selbst Uni-Dozenten scheinen noch nicht begriffen zu haben, dass eine Power-Point mit neon-grünem Hintergrund nicht gut kommt. Und Präsentationtechniken umfassen auch solche Dinge wie Organisation, Strukturierung und Sich-Selbst-Präsentieren. Das sind Dinge, die man imho in vielen Lebenslagen braucht.
    4. Ich habe viele Lehrer erlebt (auch die jüngeren um die Mitte 30), die immer noch skeptisch gegenüber dem Internet sind. Sie sind nicht gerade geeignet, den Schülern den Umgang damit zu erklären.
    ...

  6. 8. teil 2

    5. Diese Programme laufen sicher nicht im luftleeren Raum. Es wird vorher Schulungen/Planung geben.

    Was mich ehrlich gesagt stört, ist, dass in der Überschrift dieses Programm als Überbrückung zwischen Abschluss udn Ref gepriesen wird, aber ich nichts von Bezahlung höre. Ich seh nicht, warum mir das Arbeitsamt gestatten sollte, statt nen Job zu suchen, lustig ohne Entlohnung praktische Erfahrungen zu sammeln und weiterhin in der Statistiken rumzugeistern. Für das AA zählen solche Dinge nur, wenn ich während der Zeit nicht mehr in ihrer Statistik bin. Im schlimmsten Fall werten Sie solch eine Arbeit als "Nicht-zur-Verfügung-Stellen-für-den-Arbeitsmarkt" und kürzen mir die Bezüge

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    • ztc77
    • 08. Januar 2012 20:26 Uhr

    Nach dem Referendariat steht der von den Abschlussprüfungen geschwächte Anwärter erst einmal in der Schere zwischen Bewerbungen-Formulieren, Wartezeit und Arbeitsamt. Letzteres erwartet fast immer, dass er sich von seinen Eltern aushalten lässt. Egal ob es sich um eine blutjunge Anwärterin handelt oder um eine Alleinerziehende. Stellt er/sie aber doch einen Antrag, so wird er gezwungen, als 1€-Jobber Laub zu sammeln o.ä.... Verweigert er auch das und will trotzdem Geld, wie es sein Recht ist, muss er sich im Sozialgerichtsprozess sein Recht erkämpfen und ist auf die Hilfe von Gewerkschaftern angewiesen... Diese prangern dann diese Zustände in unserem Deutschland an und bleiben ungehört, die Medien wie hier die ZEIT stürzen sich lieber auf Berichte wie den obenstehenden.

    Ich begrüße daher den Kommentar, der die Komponente des Arbeitsamtes mit anspricht. Noch besserer Journalismus würde diesen Problembereich in der Art beleuchten, indem er die Perspektive der Studenten/Studentinnen, der Tutorenprogrammfirmen, des Arbeitsamtes und der Gewerkschaften einander gegenüberstellt.

    Auch wenn d

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