Afghanistan Ein bisschen Frieden
In Kabul funktioniert die Müllabfuhr, im unruhigen Kundus gehen die Mädchen wieder zur Schule. Ist das genug der Normalität, um Afghanistan sich selbst zu überlassen? Fünf Jahre nach seinem letzten Besuch reist unser Autor Navid Kermani durch ein Land, das lange nichts als Krieg kannte – und sich fragt, was danach kommt.
© Roberto Schmidt/AFP/Getty Images

Afghanische Jugendliche spielen Fußball in Kabul
Nach fünf Jahren zurück in Kabul: Was mir als Erstes auffällt, sind die Mauern vor den Mauern all jener Gebäude, die den Staat, das Kapital oder das Ausland repräsentieren, davor eine dritte Wand aus Betonsäcken und Wärter mit Maschinengewehren. Nach einer ersten Begutachtung wird man vor eine Eisentür geführt und durch ein Sichtgitter ein weiteres Mal betrachtet. Öffnet sich die Tür, tritt man in eine Schleuse, in der die Tasche durchwühlt, der Ausweis kontrolliert und der Körper abgetastet wird. Schließlich klopft ein Herr, der als Einziger kein Maschinengewehr trägt, gegen eine weitere Eisentür. Wieder öffnet sich ein Schiebefenster, ein kurzer Blick, dann darf man endlich eintreten und steht – vor der ursprünglichen Mauer des Gebäudes. Das ist Standard geworden in den gehobenen Hotels und Restaurants, den Banken und Shoppingmalls in Kabul, der Ablauf in drei Etappen wahrscheinlich normiert, nur dass vor Botschaften oder Ministerien bereits die Zufahrtsstraßen gesperrt sind. Entsprechend haben die Hotels und Restaurants auch keine Schilder oder Leuchtreklamen, sie sind von außen nur an einem Vordach aus Eisen und dem Stacheldraht über dem äußeren Sandwall zu erkennen.
Ist das Leben in Afghanistan also noch unsicherer geworden? Nein, antworten all die gewöhnlichen Menschen, die nicht für den Staat, das Kapital oder das Ausland arbeiten und die ich in Kabul anspreche – auf Straßen, in Läden oder im Bekanntenkreis. Die Lage sei zwar nicht gut, sagen sie, aber sie sei besser geworden. Einerseits verletzt es das Gebot der Höflichkeit, sich gegenüber Gästen zu beklagen, Ausländern gar; andererseits hat vor fünf Jahren kein Fahrer, Händler oder Bekannter von einer Besserung gesprochen. Was ich auf Anhieb sehe: Im Stadtzentrum jedenfalls ist die Armut nicht mehr so offensichtlich, keine bettelnden Frauen in Burka mehr alle paar Meter, keine Banden von Kindern, die sich an Klebstoff berauschen, dafür unzählige Kebabstände, viel mehr Geschäfte, überhaupt so etwas wie Stadtleben, eine Müllabfuhr zum Beispiel, oh Wunder, und zwei, drei Parkanlagen, die zum Verweilen einladen. Abends die Überraschung, dass es Strom gibt, Straßenlaternen zwar noch nicht, sodass Kabul weiter im Dunkeln liegt, aber in manchen Geschäften strahlen nackte weiße Leuchten, und in den Fenstern der Wohnhäuser ist das fahle Licht von Energiesparlampen zu erkennen.
Licht! Als ich das letzte Mal in Kabul war, gab es täglich drei Stunden Strom, und den auch nur tagsüber. Fünf Jahre Wiederaufbau waren damals bereits vergangen, prächtige Geberkonferenzen hatte es gegeben und Hilfszusagen in einem Umfang, dass rechnerisch kein Afghane mehr unter der Armutsgrenze hätte leben müssen. Heute liegt Afghanistan im Human Development Index noch immer auf Rang 172 von 182 erfassten Staaten, und doch könnte der Fortschritt greifbarer nicht sein, den es für eine Millionenstadt bedeutet, durchgehend mit Strom versorgt zu werden. Auch scheint der Staat in Gestalt der Soldaten und Polizisten, die an jeder Ecke stehen, ein Mindestmaß an Ordnung zu gewährleisten. Die Kriminalität sei praktisch nicht mehr existent, sagen die Kabuler, was übersetzt bedeutet, dass man sich nachts in den eigenen vier Wänden nicht mehr mit der Bewachung der Fenster und Türen abwechseln muss.
Es gibt Gefahren, ja, aber sie sind zugleich konkreter und abstrakter geworden: konkret, weil nicht mehr das allgemeine Chaos und die Gesetzlosigkeit die Sicherheit jedes einzelnen Kabulers bedrohen, sondern die Gewalt sich gezielt gegen die Vertreter, Nutznießer und Garanten der herrschenden Ordnung richtet; abstrakt, weil niemand weiß, wer wann wo das nächste Attentat verübt oder ob vielleicht einfach nur jemand mit dem Maschinengewehr in der Hand durchdreht. Die westliche Militärmacht ist aus den Straßen verschwunden, keine rasenden Panzerkolonnen mehr, die den Staub aufwirbeln, an den Checkpoints nunmehr afghanische Sicherheitskräfte, die anders als die Nato-Soldaten in ihren Schutzanzügen nicht wie Astronauten aussehen. Statt Springerstiefeln trägt der afghanische Rekrut auch schon mal Turnschuhe. Die Kabuler, mit denen ich ins Gespräch komme, sind froh, dass der Eindruck der Besatzung schwindet, und fürchten zugleich, was geschehen könnte, wenn die ausländischen Soldaten das Land 2014 real verließen, betonen dabei auffällig oft den Konjunktiv. Schon ihre Verwandten, die 30 Kilometer entfernt wohnen, können nicht mehr ohne Weiteres besucht werden – zu gefährlich.
Das ist ein Problem auch für die Berichterstattung: Weite Teile des zerklüfteten Landes sind praktisch nicht mehr zu bereisen, nicht für Afghanen und schon gar nicht für ausländische Besucher. Zwar mögen die meisten Städte sicher sein, aber die Straßen sind es nicht. Berichterstatter gelangen fast ausschließlich an jene Orte, die von Flugzeugen angesteuert werden, allenfalls noch in die Dörfer ringsum. Das bedeutet, dass jeder Blick auf das Land notwendig einseitig und lediglich von jenen Gebieten aus erster Hand zu berichten ist, in denen es elementare Fortschritte gibt: Polizisten auf den Straßen, geöffnete Schulen, Strom, eine irgendwie geartete öffentliche Verwaltung. Die Alternative wäre, embedded zu reisen, also bei der Nato akkreditiert. Dann trüge man selbst einen dieser Astronautenanzüge mit Helm und schusssicherer Weste, wäre unterwegs in Militärflugzeugen und Panzerwagen, bei jedem Gespräch mit Dorfbewohnern umringt von Soldaten und untergebracht in Hochsicherheitstrakten. Weniger eingeschränkt wäre der Blick damit nicht.
Als die einzig sichere Verkehrsader des Landes gilt die Verbindung zwischen Kabul und Masar-i-Scharif im Norden: knapp 500 Kilometer lang, fließt sie über malerische Berge und durch sanftgrüne Täler. Bei Kabul neu ausgebaut, geht die Straße schon bald in eine staubige Piste über, auf welcher der Teer zehn Jahre nach Beginn des Wiederaufbaus, der Milliarden für den Ausbau des Straßennetzes vorsah, mal größere, mal kleinere Inseln bildet. Vollständig abgetragen ist der Belag in den zahlreichen Tunneln, die noch aus der Regierungszeit von Mohammed Daud Khan in den siebziger Jahren stammen. Weil auch die Beleuchtung fehlt, die es einmal gegeben haben muss, fährt man in eine schwarze Staubwolke hinein, in der blitzartig die Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge aufleuchten.
Kaum eines der Dörfer an den Berghängen links und rechts verfügt über Strom und fließendes Wasser – wohlgemerkt liegen sie nicht in der Wildnis, sondern in der meistbefahrenen Region des Landes. Nach Schulen fragt man hier vergeblich. Dafür erfährt man, was aus Nutzfahrzeugen wird, die in Deutschland nicht mehr gefahren werden: ob der Bus von Zipfel Reisen, der Lastwagen der Firma Matschke aus Bochum oder Transporter der Spedition Willi Betz – alle sind sie da. Der gesamte Fuhrpark des afghanischen Transportwesens scheint gebraucht in Deutschland erstanden worden zu sein.
Anders als Kabul war Masar-i-Scharif nie eine Schönheit, eilig errichtete Zementbauten an Straßen wie mit dem Lineal gezogen, als einzige Attraktion der Schrein, in dem angeblich Imam Ali ruht, der vierte Kalif und Cousin des Propheten Mohammed. Der Basar birst vor Waren aus Zentralasien, dem Iran, der Türkei und China, die Straßen sind sauber, Ampeln regeln den Verkehr, wo in der Hauptstadt noch weitgehend freie Fahrt herrscht und an den Kreuzungen also Stillstand.
Es ist Donnerstag, später Nachmittag, halb Masar-i-Scharif scheint zum Schrein zu pilgern. Obwohl der Kult um die Toten den puritanischen Taliban ein Dorn im Auge ist und ein einziger Attentäter Dutzende, wenn nicht Hunderte Menschen mit sich in den Tod risse, gibt es vor keinem der vier Eingänge, die auf das parkähnliche Gelände mit der blauen Moschee führen, Kontrollen. Hinter einer angelehnten Tür haben sich Sufis, islamische Mystiker, dicht gedrängt auf Teppichen versammelt. Nach der Predigt ihres Führers, eines weißbärtigen Greises, der von irdischer und himmlischer Liebe spricht, hebt der Sänger zum Zikr an, der musikalischen Versenkung in Gott. Seinen ekstatischen Gesang untermalen die anderen Sufis mit ihrem Atem, den sie im Chor rhythmisch hauchen. Allmählich geraten die Köpfe in Bewegung, dann kreisen die Oberkörper elliptisch. Ein zweiter, jüngerer Sänger fällt ein, der Rhythmus beschleunigt sich, der Gesang wird lauter. Nun erheben sich die etwa dreißig Sufis, die Oberkörper wirbeln verzückt.
Das Gebiet des heutigen Afghanistans ist eines der Quellgebiete der islamischen Mystik; viele Heilige sind hier begraben und einige der größten Dichter des Sufismus. Man wusste, dass auch während des Krieges und selbst unter den Taliban, die alle musikalischen Riten zur Straftat erklärten, mystische Orden im Geheimen existierten. Aber dass sich die Sufis heute wieder an öffentlichen Orten zum Zikr versammeln, vor dem Abendgebet am Schrein des Imam Ali, ohne Wächter, bei angelehnter Tür, widerlegt mehr als alle Bulletins der Nato die Meinung, nichts sei gut in Afghanistan.
Zwei deutsche Panzerwagen fahren über die Schotterpiste von Dehbadi, die einzigen ausländischen Truppen, die ich auf der Fahrt über die Dörfer rund um Masar-i-Scharif sehen werde. In den sieben von 34 Provinzen, in denen die sogenannte Sicherheitsverantwortung an die afghanische Armee übergegangen ist, soll auch optisch demonstriert werden, dass der Abzug möglich sei. Keiner der Menschen am Straßenrand scheint den Deutschen Beachtung zu schenken, die reglos aus kleinen Fenstern blicken.
Ich frage die Männer verschiedenen Alters, die in einem Hauseingang stehen, was sie von den Vorbeifahrenden halten. Höfliche Leute, die Deutschen, sagt einer, aber keine Krieger, führen immer nur in ihren Panzern herum und könnten vor Angst kaum atmen, wenn sie mal aussteigen müssten. Nicht schlimm, sagt ein anderer, der Krieg sei schließlich vorbei. Ob denn jetzt schon Frieden herrsche?, frage ich verwundert. Ja, seufzen alle auf, das sei jetzt Frieden. Dass die ausländischen Truppen das Land verlassen wollen, finden die Männer deshalb in Ordnung.
»Vielleicht sind sie ja auch müde von uns«, murmelt einer verständnisvoll.
Und die Taliban?
»Als sie das erste Mal kamen, kannten wir sie nicht, sie waren ja nicht von hier. Aber jetzt wissen wir, dass ihr Geschäft das Morden ist und den Leuten Angst einzujagen. Sie werden es nicht wagen zurückzukehren.«
Anders als der Irak, der unter Saddam Hussein zwar eine brutale Diktatur, aber zugleich ein funktionierender Staat war, kannten die Afghanen vor dem Einmarsch des Westens kaum etwas anderes als Rechtlosigkeit, bittere Armut und Krieg. Rechtlos sind sie trotz Wahlen immer noch, arm ebenfalls – aber dankbar sind die Menschen in Dehbadi schon, dass sie nun wenigstens in Sicherheit leben, dankbar auch den ausländischen Soldaten.
»Früher dachte ich, Gesundheit sei das Wichtigste«, erzählt ein pensionierter Lehrer, der in Sekunden Tee, Gebäck und Nüsse auf seinen Teppich zaubert. Aber dann habe er gemerkt, dass es gar nicht hilft, gesund zu sein, wenn nicht auch Frieden herrscht: »Wozu will man denn leben im Krieg?«
In den Analysen, die ein Schreckensszenario aus Chaos und Bürgerkrieg an die Wand malen, wird zu wenig bedacht, dass die Afghanen selbst ein Wort mitzureden haben, wenn es um ihre Zukunft geht. Als die Taliban 1996 vom Süden aus das Land eroberten, war es im Bürgerkrieg versunken. Auch in den Regionen, die nicht von Paschtunen bewohnt sind, überwog zunächst die Erleichterung, dass überhaupt jemand für Ordnung sorgt. Heute würden sich zumindest im Norden die Menschen auflehnen, da sie vom Frieden gekostet haben. Nahe Kundus wurde eine Mädchenschule geschlossen, aufgrund des Drucks der Taliban, war weltweit zu lesen. Niemand auf der Welt las, dass die Schule schon bald wieder geöffnet wurde – aufgrund des Drucks der Eltern.
»Wir haben nicht genug Räume!«, klagt die Konrektorin einer Grundschule, eine kräftige Usbekin mit Goldzähnen.
»Vorsicht«, tuschelt ihr Vorgesetzter, »der Herr schreibt für eine ausländische Zeitung, wir sollten uns zufrieden zeigen.«
»Ach was«, ruft die Konrektorin und führt den Besucher in die überfüllten Klassen, in denen in drei Schichten von morgens bis abends gelernt wird, links die Mädchen, rechts die Jungen. Sie sind die erste Generation, die noch keinen Krieg erlebt hat.
Was wollt ihr einmal werden?, frage ich in die Klasse.
Es dauert ein wenig, bis sich jemand traut, aber als das erste Mädchen einmal angefangen hat zu reden, kennen auch ihre Mitschüler keinen Halt. Seltsam nur, dass alle denselben Berufswunsch haben: Arzt.
»Sie wollen heilen«, erklärt die Konrektorin. Ob denn niemand etwas anderes werden wolle, möchte ich von den Kindern wissen und höre nach einigen Sekunden der Stille ein Mädchen in der letzten Reihe etwas tuscheln.
»Wie bitte?«, fragt die Konrektorin.
»Ich werde Pilotin«, erklärt das Mädchen mit fester Stimme.
Rund 400 Kilometer entfernt, im Pandschirtal, herrscht andächtige Stille. Als solle er auch als Toter auf sein Volk achtgeben, ruht das Grab von Schah Massud auf einem Bergvorsprung, der von drei Seiten die herrlichsten Blicke auf das Tal erlaubt, oben die kahlen, steilen Gipfel, unten der weiß sprudelnde Fluss und die hellgrünen Bäume und Wiesen, wie hineingesprenkelt die Lehmdörfer, deren kräftiges Braun die Farbe der Berge spiegelt. Ein beständiger Strom von Menschen tritt an den schlichten schwarzen Stein, der von Sand bedeckt ist, darauf eine Glasscheibe mit dem Namen des Schahs. Sie beten, sie machen Fotos, legen Blumen ab, einzelne rezitieren den Koran. Im kollektiven Gedächtnis der Afghanen ist nicht der 11. September 2001 als der Tag eingeschrieben, der die Welt veränderte, sondern der 9. September 2001: An dem Tag wurde Schah Massud von zwei Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt. Heute weiß man, dass die beiden Attentäter, die sich als belgische Journalisten ausgaben, dem Netzwerk Al-Kaida angehörten und der Mord die Anschläge in den Vereinigten Staaten vorbereitete. Vor dem erwarteten Gegenangriff sollte der letzte Gegner in Afghanistan aus dem Weg geräumt und damit die Herrschaft der Taliban auf das ganze Land ausgedehnt werden.
Die Nacht verbringe ich bei ehemaligen Mudschahedin, die für Schah Massud in den besten und den schlechtesten Tagen kämpften – kräftige, bärtige Männer mit schwarz-weißen Tüchern um den Hals. Strom gibt es in dem Bergdorf nicht, Wasserleitungen auch nicht, aber Lagerfeuer, Quellwasser und als einzigen Luxus ein batteriebetriebenes Radio. Die Hänge sind so fruchtbar, dass sich die Menschen selbst ernähren können – das hat immer für die Unabhängigkeit des Pandschirtals gesorgt, dessen schmalen Zugang ihr Führer in den schlimmsten Tagen mit Sprengstoff versperrte.
Wenn nur ein Mensch auf Erden gewusst habe, was es bedeute, wenn Afghanistan in die Hände der Taliban fiele, dann sei es Schah Massud gewesen, sagen die Männer. Habe der Schah denn nicht die Welt vor dem Terror der Al-Kaida gewarnt?, fragt einer. Nicht einmal um Unterstützung habe er gebeten, nur verlangt, dass Pakistan die Taliban nicht weiter mit Waffen und Geld versorge. Aber niemand habe ihn gehört, nicht die Vereinigten Staaten, nicht Europa, nicht einmal der Iran, der erbittertste Gegner der Taliban, niemand habe sich Ende der neunziger Jahre für Afghanistan interessiert, außer den multinationalen Energiekonzernen.
»Dieser Mann hat die Berliner Mauer gesprengt«, spielt einer der Männer auf die Niederlage an, die Schah Massud der Sowjetunion in den achtziger Jahren bereitete. Es klingt nicht pathetisch, es klingt wie eine simple Feststellung. Aber die Welt habe Schah Massud wegen einiger Öl- und Gasleitungen allein gelassen.
Wo die Gefährten Schah Massuds heute seien, frage ich. Sie seien Politiker geworden, sagen die Männer, sehr geschäftstüchtige Politiker, die Ministerien vorstünden und Paläste bewohnten, aber es in zehn Jahren nicht geschafft hätten, Schah Massud ein anständiges Grabmal zu bauen. Finanziert worden sei die Gedenkstätte von einer Stiftung und Schah Massuds eigener Familie. Charisma und Herzensgröße, Weitsicht und Demut seien eben leider nicht ansteckend, sagen die Männer. Niemand in Afghanistan sei Schah Massuds Weg gefolgt.
Wie sehen Sie die Zukunft Afghanistans?, frage ich.
»Schlimmstenfalls legen wir in den Eingang des Tals wieder Sprengstoff«, antwortet einer.
Kandahar, im Süden des Landes, ein paar Tage später. Wieder einmal eine regionale Friedenskonferenz. In engen Stuhlreihen drängen sich mehrere Hundert Delegierte in traditionellen Gewändern, neben ihnen, am Rand, sitzt ein halbes Dutzend Frauen mit Kopftüchern, dahinter ein ganzes Kontingent von Presseoffizieren der Isaf, der internationalen Schutztruppen, manche mit Fotoapparaten, andere mit Videokameras, zwischen ihnen embedded einige Journalisten, die ihre Schutzwesten und Helme abgelegt haben, auf der Bühne versinken afghanische Amtsträger und westliche Generäle in tiefen Sesseln. Nur die Taliban, um die es eigentlich geht, weil sie doch für den Frieden gewonnen werden sollen, die sitzen nirgends im fensterlosen Saal.
Man könne, ja müsse die Regierung für vieles kritisieren, sagt einer der Redner. Aber jetzt sei nicht der Moment für Dispute. Jetzt brenne das afghanische Haus, und alle müssten anpacken, um das Feuer zu löschen. Der Applaus ist laut und anhaltend.
Nach den Afghanen spricht General John Allen. Er sei gekommen, um zuzuhören und zu lernen, hebt er an. Er hat in seiner kurzen Dienstzeit als Oberbefehlshaber der internationalen Schutztruppen bereits die Tonlage verinnerlicht, mit der man in Afghanistan am meisten erreicht. Alle Entscheidungen müssten von Afghanen selbst getroffen werden, die Isaf unterstütze lediglich die legitimen Vertreter des Volkes, beteuert Allen ein ums andere Mal, um genauso oft zu versichern, dass die internationale Gemeinschaft Afghanistan auch nach 2014 nicht im Stich lassen werde. Die Taliban verlören immer weiter an Boden, ihre Anschläge seien Ausdruck ihrer Schwäche. Während der kräftig gebaute General in betont bescheidener Modulation spricht, als sei er beschämt von dem Privileg, vor dieser erlauchten Versammlung auftreten zu dürfen, verwandelt sein schmaler Übersetzer selbst die Anreden in einen flammenden Appell. »Lassen Sie mich von Herzen sprechen«, sagt der General, worauf der Übersetzer die Hand tatsächlich an die Brust legt: Viel zu lange gehe der Krieg schon, so viel Leid hätten alle erfahren, jeder im Land sei müde. Auch auf der anderen Seite der Front wünschten sich viele Krieger nichts sehnlicher, als zu ihren Familien zurückzukehren. Jetzt sei die Zeit für sie, nach Hause zu kommen. Nicht alle Kämpfer werde man überzeugen. Aber jene, die bereit seien, die Geschicke ihres Landes friedlich mitzubestimmen, denen reiche man heute die Hand.
»Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gottes reichen Segen«, beendet der General seine Ansprache und bedankt sich auf Paschtunisch. Der Applaus dauert nicht länger als zwei, drei Sekunden.
Ob die Rede so schlecht gewesen sei, frage ich meinen Nebenmann, der für den persischsprachigen Dienst der BBC arbeitet. »Nein, nein«, antwortet der Kollege, früher hätten die Nato-Generäle immer so martialisch geklungen; so einen Bescheidenen wie diesen Mister Allen hätten sie hier noch nicht gehört. Weshalb der Applaus dann so kurz ausgefallen sei, möchte ich wissen. Kein Stammesvertreter lasse sich gern dabei beobachten, wie er einem General der Nato applaudiert. Die Taliban hätten überall ihre Spitzel.
Die Straße, die zu Hadschi Aga Lalai in Kandahar führt, Mitglied des Provinzrates und Führer des Stammes der Alkosai, ist abgesperrt, vor der Tür seines Hauses Wachleute mit Maschinengewehren. Von knapp fünfhundert Stammesführern in der Provinz Kandahar, die mit der Regierung zusammenarbeiteten, ist Lalai der Einzige, den die Taliban noch nicht umgebracht haben. Die Schlaufe des schwarzen Turbans wohlplaziert auf der Brust, empfängt er mit einer stillen, weihevollen Umarmung und führt mich in den Empfangsraum, wo die einzigen Stühle des Hauses stehen. Auch Lalai erklärt, die Lage sei besser geworden, der Gegner aus weiten Teilen der Provinz vertrieben worden, weil die Nato den Kampf endlich aufgenommen habe. Bis vor einigen Monaten hätten die Menschen der Region den Eindruck gehabt, dass die militärischen Strategien mancher Mitgliedsländer sich mehr an den Zwängen der jeweiligen Innenpolitik als an der Gefechtslage ausrichteten.
Das heißt, Sie beklagen nicht die Härte, sondern die Zurückhaltung mancher ausländischer Truppen?
»Das ist nun einmal keine Übung hier«, antwortet Lalai.
Ja, es habe Opfer gegeben, sehr viele unschuldige Opfer, aber das sei nicht zu vermeiden in einem schmutzigen Krieg, in dem die eine Seite sich bevorzugt in Häusern gewöhnlicher Dorfbewohner versteckt halte und die andere Seite aus Furcht vor Verlusten den Bodenkampf meide. Die Dorfbewohner hätten keine andere Wahl, als die Taliban zu beherbergen, weil umgebracht werde, wer nicht kooperiere. Und wenn die Dörfler aus Not kooperierten, ereile sie der Tod oft aus der Luft. Weder der Regierung noch der Nato mit all ihren Soldaten, Panzern und Aufklärungsflugzeugen sei es gelungen, die Menschen vor den Taliban zu schützen, das sei ein großes Versagen. Gerade heute habe er aus einem seiner Dörfer gehört, dass Taliban sich mit Drohungen Einlass in die Häuser verschafft hätten. Kurz darauf seien schwer bewaffnete amerikanische Truppen ins Dorf gestürmt und hätten nicht nur die feindlichen Kämpfer, sondern auch viele männliche Dorfbewohner verhaftet. Den ganzen Tag telefoniere er schon herum, um die eigenen Leute wieder freizubekommen. Allein im Gebiet seines Stammes seien in den letzten Jahren 18 Schulen und fünf Krankenstationen gebaut worden – aber jetzt seien alle verwaist, weil sich die Menschen nicht mehr in die Klassen und zu den Ärzten trauten, alle Entwicklungsarbeit sei umsonst gewesen.
Ob die Regierung ihn ausreichend schütze, ihn, einen Stammesführer, der sich gegen die Taliban wendet? Hadschi Aga Lalai hebt die Hände. Er vertraut auf Gott und seine eigenen Wachleute. Zwei Attentate hat er schon überlebt.
Von Alexander dem Großen gegründet, ist das heutige Kandahar das Zentrum des paschtunischen Siedlungsgebietes, damit auch die heimliche Hauptstadt der Taliban; hier zogen sie 1994 zuerst ein, hier hielten sie die Stellung 2001 am längsten. Hier hielt Mullah Omar im April 1996 den Mantel des Propheten in die Höhe und rief sich zum Amir al-Momenin aus, zum Befehlshaber aller Muslime weltweit. Diese Stadt hoffen die Taliban als erste wieder zu erobern. Entsprechend wirkt Kandahar noch immer wie im Belagerungszustand, auf den Zufahrtsstraßen alle hundert Meter die Checkpoints der afghanischen Armee, im Zentrum die Panzerwagen der Nato an jeder größeren Kreuzung, am Himmel Überwachungszeppeline und Hubschrauber.
Kaum einen Häuserblock gibt es, der nicht vom Krieg erzählt: An diesem Rekrutierungsbüro der Polizei hat sich ein Attentäter in die Luft gesprengt, in jener Schule wurden Geiseln genommen, dort stand einmal ein Haus, in dem sich Taliban versteckt hielten. Anders als im Norden scheint in Kandahar jeder einen Freund, einen Verwandten zu haben, der ungute Erfahrungen mit den ausländischen Soldaten gemacht hat, sei es bei einer Straßenkontrolle, sei es bei einer Hausdurchsuchung, sei es bei einem Luftangriff aufs Heimatdorf. Lediglich die Kanadier, die eine Zeit lang hier Dienst taten, werden von der Kritik ausgenommen; außerdem hat Kanada die sonnenbetriebenen Straßenlaternen spendiert, über die sich die ganze Stadt freut. Und die Taliban? Viele antworten ausweichend. Zu drückend scheint die Angst, etwas zu sagen, was ein Spitzel weitertragen könnte.
Wird man von einem Handwerker oder Händler zum Tee eingeladen, was in Kandahar nicht so schnell geschieht wie im Rest des Landes, erfährt man kaum Gutes – über die Taliban so wenig wie über den Staat. Stattdessen Verschwörungstheorien: Der Krieg sei nur ein Vorwand, damit die amerikanische Besatzung fortdauert – agierten denn die Taliban nicht von Pakistan aus? Sei nicht Pakistan ein Vasall Amerikas? Und könne man wirklich glauben, dass die größte Militärmacht der Welt nicht mit ein paar Tausend Kämpfern auf Pick-ups fertig werde? Was immer man von dem Verdacht halten mag, den in Kandahar fast jeder Bewohner zu hegen scheint – in jedem Fall sollte die Isaf darüber nachdenken, die Heerschar ihrer Presseoffiziere nicht nur für die Betreuung westlicher Journalisten einzusetzen. Auch die Afghanen haben viele Fragen.
Mulawi Abdel Asis vom Stamm der Nursai erwartet mich mit seinen Männern abends auf einer Decke, die mitten auf einer unbeleuchteten und ungepflasterten Straße Kandahars ausliegt. Vor Kurzem noch Oberster Richter der Taliban in der Provinz Helmand, ist er einer der ranghöchsten ehemaligen Widerstandskämpfer, die sich dem sogenannten Friedensprozess angeschlossen haben. Das Haus, das die Regierung ihm und seiner Familie gestellt habe, verfüge über keinen eigenen Bereich für die Frauen, entschuldigt sich Abdel Asis, daher müsse er jedes Mal vor die Tür gehen, wenn Besuch komme. Aber ist es denn nicht zu riskant, seinen Tee hier mitten auf der Straße zu trinken?, frage ich und meine nicht die Gefahr, im Dunkeln überfahren zu werden. Er wisse, dass zehn Selbstmordattentäter auf ihn angesetzt seien, antwortet Abdel Asis, aber das Haus, das ihm die Regierung gestellt habe, sei nun einmal zu klein, er könne niemanden darin empfangen, dabei erwarte er eigentlich jeden Tag 60, 70 Gäste. Der Regierung sei es offenbar egal, ob er in Würde lebe oder umgebracht werde. Und was ist mit den hehren Worten, friedenswillige Taliban mit offenen Armen zu empfangen? Daran habe er geglaubt, meint Abdel Asis, aber jetzt stelle er fest, dass alles nur Gerede sei, die Regierung gar nicht an Frieden interessiert sei.
Mulawi Abdel Asis hat eine betörend milde Stimme. Gleichsam in Zeitlupe schwingt der Oberkörper vor und zurück, während der Blick sanft auf seinem Gegenüber ruht. Überhaupt ist der Umgangston der Männer von einer Freundlichkeit, ja Zartheit, dass sich das Feindbild, das ich mir von einem ehemaligen Talib gemacht hatte, schon nach einigen Minuten in Luft auflöst. Ein älterer Herr nennt den Stammesführer ironisch Präsident und fragt, ob man das Gespräch nicht beim Essen fortsetzen könne. Während Abdel Asis noch lächelnd meinen obligaten Einwänden lauscht, keinen Hunger zu haben, nach Hause zu müssen, nicht zur Last fallen zu wollen, wird schon die Plastikdecke auf dem Teppich ausgebreitet und das Essen aufgetragen, Salat, Brot, Joghurt, Kräuter und ein unwiderstehlich gewürztes Curry, zum Nachtisch Trauben und Melonen.
Nach dem Essen erzählt Mulawi Abdel Asis seine Geschichte, die ich notgedrungen ungeprüft mitschreibe, das Notizbuch von einer Taschenlampe beleuchtet, die einer der Männer für mich hält: Noch ein Jugendlicher, habe er sich Anfang der neunziger Jahre den Taliban angeschlossen, damit Raub, Vergewaltigung und Mord im Land ein Ende fänden. Ihr Regiment sei streng gewesen, ja, aber absolut gerecht, niemand habe über dem Gesetz gestanden, Mord, Ehebruch, Vergewaltigung, Diebstahl, Päderastie, Hunger, Korruption, das alles habe es unter den Taliban nicht gegeben. Allerdings hätten mit der Zeit immer mehr Ausländer das Wort geführt, Pakistaner und Araber vor allem, und es sei bereits Ende der neunziger Jahre zu Konflikten innerhalb der Bewegung gekommen. Der kapitale Fehler der Taliban sei der Pakt mit Osama bin Laden gewesen. Mit Al-Kaida habe das Verhängnis begonnen, und das hätten viele Kommandanten vorausgesehen, manche Osama bin Laden sogar für einen amerikanischen Agenten gehalten. Mullah Omar jedoch habe alle Einwände in den Wind geschlagen. Es sind doch unsere Brüder, habe er gesagt, unsere Gäste.
Nach der Vertreibung der Taliban 2001 habe Mulawi Abdel Asis sich den Behörden gestellt und sei amnestiert worden, das Dokument trage er immer noch bei sich. Geld habe er fortan im Waffenhandel verdient. Das Schlüsselerlebnis, den Kampf wieder aufzunehmen, sei eine Szene am Musa-Kala-Fluss gewesen: Aus einiger Entfernung habe er ausländische Soldaten gesehen, die eine afghanische Frau kontrollierten, also auch den Leib abtasteten. Spontan habe er eine seiner Waffen genommen und auf die Soldaten geschossen – ohne zu treffen, fügt er bedauernd hinzu. Zwar sei er geflohen, aber bald schon verhaftet und im Gefängnis misshandelt worden. Wieder in Freiheit, habe er Männer um sich gesammelt und sich wieder den Taliban angeschlossen.
»Auch die Taliban sind erschöpft und von inneren Konflikten zermürbt«, sagt Mulawi Abdel Asis, der sein Alter auf 32 schätzt. Die Afghanen, die ohnehin nur noch ein Viertel der Kämpfer ausmachten, seien frustriert, weil längst pakistanische Pandschabis den Ton angäben, aber nicht nur die, sondern auch Araber, Zentralasiaten, sogar Chinesen. Die Ausländer seien nicht nur äußerst brutal, sie veruntreuten auch Geld, töteten jeden, der nicht mit ihnen zusammenarbeite, zerstörten die Schulen, vor allem die Mädchenschulen. Er selbst sei im pakistanischen Quetta zwei Tage lang inhaftiert worden, weil er die ausländischen Taliban zu scharf kritisiert habe. Später habe er gehört, dass die Amerikaner angekündigt hätten, das Land zu verlassen. Er betrachte Mullah Omar noch immer als Amir al-Momenin, als Befehlshaber der Gläubigen, auch heute noch. Aber die Taliban seien nicht mehr, was sie anfangs waren, sondern leider von Ausländern gesteuert, die kein Interesse an Afghanistan hätten und dessen Zerstörung in Kauf nähmen. Wenn die Regierung den afghanischen Kämpfern nur ein konkretes Angebot machen würde, würden sich viele dem Friedensprozess anschließen und die Seite wechseln. Er selbst habe durchaus noch Kontakt zu alten Gefährten, aber welches Argument habe er denn, um sie für den Frieden zu gewinnen, wenn er nicht einmal Gäste gebührend empfangen könne?
Ich frage Mulawi Abdel Asis, was er konkret von der Regierung erwarte. Ein größeres Haus, antwortet er, eine Arbeit für seine Männer und für sich selbst ein Amt. Welches zum Beispiel? Das Amt des Vorsitzenden des Gelehrtenrates der Stadt, schlägt Abdel Asis vor; der bisherige Vorsitzende sei vor Kurzem ermordet worden. Aber er könne auch eine theologische Schule leiten oder dergleichen. Und politische Forderungen? Die Gefangenen müssten freikommen, meint Abdel Asis und fügt erst auf eine weitere Nachfrage hinzu, dass nach einem Friedensschluss natürlich auch die Scharia wieder gelten müsse. Das Land sei schließlich islamisch, aber die Mehrheit der Frauen sei gar nicht oder nicht richtig verschleiert. Die Burka müsse es nicht sein, das Gesicht dürfe frei bleiben. Nein, gegen Mädchenschulen hätten die Taliban nichts, bekräftigt Abdel Asis, oder jedenfalls nicht die wahren Taliban, nicht Mullah Omar, der ganz anders sei, als viele Menschen meinten, ein bescheidener, stiller Mann, der Kinder liebe und die Barmherzigkeit. Wie oft habe er selbst erlebt, wie Mullah Omar jemanden begnadigte, der etwa seinen Bart rasiert hatte; der Amir al-Momenin habe immer auch an die Familie eines Sünders gedacht.
Ob er den Entschluss bereue, sich von den Taliban abgewandt zu haben? Und wie er ihn bereue, antwortet Mulawi Abdel Asis, ohne zu zögern. Aber zurück könne er auch nicht, die Taliban tränken schon sein Blut.
Ein Bettlaken über dem Bauch, der Oberkörper spindeldürr und die Schenkel mit Wunden übersät, die an der frischen Luft trocknen, liegt Rahmatullah im Hofe des Mirwais-Krankenhauses in Kandahar. Die Unterarme, vom Jod noch gelb, zeigen im rechten Winkel nach oben, als sollte jeder die Stümpfe sehen, an denen bis vor ein paar Tagen seine Hände waren. Die Haare stehen ihm zu Berge, aber das ist nur vom Staub, und Rahmatullah macht dazu das friedfertigste Gesicht.
Er sei 20 Jahre alt, sagt er, Schäfer von Beruf und mit der Herde unterwegs gewesen, als er auf dem Boden etwas Metallenes entdeckt habe, so eine runde Scheibe. Er habe sie aufgehoben, ja, und da sei die Mine auch schon explodiert. Er habe schon geahnt, dass es etwas Gefährliches sein könnte, aber er sei neugierig gewesen, habe auch gar nicht richtig nachgedacht. Dann lacht Rahmatullah, weil man sich ja über so eine Dummheit bei niemandem beschweren könne, lacht so herzlich und breit, dass die oberen Backenzähne zu sehen sind. Selbst die Angehörigen, die um das Bett herum stehen, ein Kind und Männer verschiedenen Alters, von denen der älteste ihn streichelt, müssen jetzt schmunzeln über die Dummheit von Rahmatullah oder vielleicht nur, weil das Lachen so rührend ist auch für sie.
Hat man denn die Menschen auf dem Land noch immer nicht über die Gefahren von Minen aufgeklärt?, frage ich fassungslos. »Ja, doch«, sagt Rahmatullah, sie hätten schon mal etwas gehört, aber so genau nun auch nicht Bescheid gewusst, was es mit diesen Teilen auf sich hat. Was er denn tue, wenn er zurückkehre aufs Dorf, ob irgendwer ihm helfe, ein Staat oder eine Hilfsorganisation? »Gott hilft«, antwortet Rahmatullah und fängt wieder an zu lachen.
- Datum 09.01.2012 - 19:03 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.1.2012 Nr. 02
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Tja, mir fehlen die Worte! Unaufgeklärte Steinzeit halt. Ist mir wirklich alles zutiefst fremd!
ohne die NATO geht es nicht!
(Wie konnten die Afghanen nur die Zeit seit der Schöpfung bis heute überleben?)
afghanistan war nicht immer so wie es jetzt ist. zu der zeit als die deutschen wie barbaren aufeinander losgegangen waren und fern von zivilisation waren..sich sogar nicht wuschen, lebten afghanen in einem zivilisierten großreich. nur weil die taliban und die politik das land so zerstört haben heisst es noch lange nicht das afghanen seit ihrer schöpfung unter diesen verhältnissen gelebt haben.
ich finde das eine frechheit von einem deutschen, dessen land nicht einmal eine halb so alte geschichte und kultur aufweisen kann, so beledigt zu werden. afghanistan (teil des perserreiches) hat über 8000 jahre kultur !!!
afghanistan war nicht immer so wie es jetzt ist. zu der zeit als die deutschen wie barbaren aufeinander losgegangen waren und fern von zivilisation waren..sich sogar nicht wuschen, lebten afghanen in einem zivilisierten großreich. nur weil die taliban und die politik das land so zerstört haben heisst es noch lange nicht das afghanen seit ihrer schöpfung unter diesen verhältnissen gelebt haben.
ich finde das eine frechheit von einem deutschen, dessen land nicht einmal eine halb so alte geschichte und kultur aufweisen kann, so beledigt zu werden. afghanistan (teil des perserreiches) hat über 8000 jahre kultur !!!
Liest man Presse die sich nicht ausschließlich der Propaganda einer kriegführenden Partei verschreibt(Ich meine damit deutsche Presse im Allgemeinen, nicht ausschließlich die ZEIT), so drängt sich einem ein völlig anderer Eindruck auf.
Suchen sie mal in russischen, chinesischen oder arabischen Quellen(den ersten beiden bringt Propaganda gar nichts und bei letzterem meine ich speziell Al Jazeera) nach derart positiver Berichterstattung über Afghanistan, sie werden kaum etwas finden. Dort ist der Realismus wesentlich präsenter und man kommt zu anderen Schlussfolgerungen als die westlichen Medien.
Wir erinnern uns, ein Ermüden der Taliban wird immer wieder als Durchhalteparole gegeben. Dies war noch nie der Fall. Ganz im Gegenteil. Die Taliban sind nicht erschöpft, sie wittern Morgenluft und brauchen nur noch auf einen Abzug der Truppen zu warten, bevor man die Marionettenregierung in Kabul absetzt.
Auch ist die Normalität, die sich nach 10 Jahren Angriffskrieg insbesondere in Kabul durchgesetzt hat, ausschließlich der Präsenz der ausländischen Truppen geschuldet. Besucht man stattdessen Randgebiete, insbesondere Frontlinien, weiß man, was man davon zu halten hat. Weiterhin wird selbst diese Normalität regelmäßig von spektakulären Angriffen und Anschlägen der Taliban erschüttert.
Dies ist nur ein Punkt im Artikel, der negativ auffällt. Die Schlussfolgerungen sind trotz der Lehren aus der Geschichte die völlig falschen. Zu optimistisch, zu naiv.
... könnten vor Angst kaum atmen, wenn sie mal aussteigen müssten."
Diese Angsthasen sollten sich mal ein Beispiel an Gerhard Schröder, Strukki, Joschka Fischer und anderen mutigen, angstfreien und energischen Politikern nehmen - von denen sie dorthin geschickt wurden.
Immerhin wird unsere Freiheit jetzt auch am Hindukusch verteidigt.
... ein Zitat. Youssou N'Dour, Nothing's in Vain (2002). Viel emotionaler. Vor oder nach 9-11, ich weiss es nicht.
Trotz der teilweise haarsträubenden Passagen, zuerst einmal vielen Dank für diesen ausführlichen Lagebericht. Seit 2001 hat man eine Beschreibung der Zustände vor Ort vergeblich suchen und immer gleich Wertungen lesen müssen. Wer genau las, dem blieb trotzdem nicht verborgen, wie lächerlich bescheiden die Ergebnisse waren, gemessen an den hochtrabenden Zielen.
Ich finde den Bericht keineswegs zu positiv, wie einige Vorkommentatoren, sondern erschreckend. Es wird klar, dass der Friede, wenn überhaupt, nur oberflächlich vorhanden ist. Bald schon wird man im Land beginnen, den Bürgerkrieg der Neunziger erneut auszufechten.
Mission completely not accomplished!
Mit den "haarsträubenden Passagen" meine ich z.B. die Bemerkung, Al-Kaida hätte einen Lokalfürsten umgebracht, um der Reaktion der Amerikaner auf 9/11 vorzubeugen. Extrem absurd, denn weshalb sollte Al-Kaida die lokalen Interessen der Taliban verfolgt haben? Wie hätte Al-Kaida vorhersehen sollen, dass sich die USA für ihre kopflose Rache ein Opfer aussuchen, welches mit den Anschlägen gar nichts zu tun hatte? Was hätte dieser Anschlag in diesem Sinne positives beigetragen? Wahrscheinlich ist der Autor selbst Opfer der Verwirrstrategie der Berichterstattung geworden, mit der uns ständig eingebläut wurde, dass die Taliban eine internationale Gefahr darstellen würden.
Die Anmerkung wurde entfernt. Die Redaktion/mk
Die Anmerkung wurde entfernt. Die Redaktion/mk
Alle Al-Qaida Kämpfer die ihre Waffen niederlegen, bekommenn 100.-Euro/Monat
aus Deutschland.
Solange bezahlt wird (Ein bisschen Frieden)
Nato und auch Usa bezahlten Al-Qaida Kämpfer in Afghanistan Geld, also ein bezahlter Frieden.
Wenn kein Geld mehr bezahlt wird....
Die Anmerkung wurde entfernt. Die Redaktion/mk
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