Tunesien Jung, cool und Salafist
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Vom Feminismus hat Anissa die denkbar schlechteste Meinung

Dann aber kam Paris, »die rassistischste Stadt Europas«, wie Anissa sagt. Wo sie die französische Linke aus der Nähe kennenlernte, »ihre Parteikämpfe, ausgefochten mit allen Tricks, Finten und Lügen«. Und immer wieder die Paare, die sich trennten, die Ehebrüche, die Libertinage. »Keine Werte«, sagt Anissa, und sie meint damit: keine religiösen Werte. Was schlecht dazu passt, dass sie die linksradikale Partei PCOT hochschätzt, weil das »echte Kämpfer« seien. Sind das nicht durch und durch Atheisten? »Es sind gute Menschen«, antwortet sie.

Vom Feminismus, besonders dem tunesischen, hat Anissa die denkbar schlechteste Meinung. Alles alte Jungfern oder frustrierte Geschiedene! »In Tunesien jedenfalls«, fügt sie hinzu, »heißt Feministin sein, gegen die sozialen Normen zu verstoßen, mit Alkohol und Sex als Mittel der Selbstbestätigung. Als wenn das nun die Moderne wäre, und nicht Wissenschaft, Technik, Kultur. Und als wenn die Mehrheit der tunesischen Frauen nicht andere Sorgen hätte.« Ihr zufolge ist der tunesische Feminismus eine Ideologie der in den Küstenstädten des Landes konzentrierten Bourgeoisie. Da mischt sich Falsches mit Richtigem, und es zeigt sich, dass Anissa die braunen Lederbände ihrer Eltern durchaus gelesen hat. Ein typischer Fall. Wie auch in Algerien prägt immer wieder der Marxismus die Diskurse, eine Spur aus der Zeit des sowjetischen Einflusses in Nordafrika.

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Im Maghreb können Gespräche unerwartete Wendungen nehmen. Es kommt vor, dass man sich als Europäer gemütlich in einer Unterhaltung einrichtet, schließlich scheint ihr ein gemeinsames Verständnis dessen zugrunde zu liegen, was ein valides Argument ist – und dann kippt plötzlich alles um, wie in den Vexierbildern, die eine alte Frau oder ein junges Mädchen zeigen, je nachdem, was man sehen will. Man braucht beispielsweise nur das Existenzrecht Israels zu erwähnen. Oder es taucht die Frage auf, wie man denn so über Hitler denke. Als wenn die Meinungen darüber auseinandergehen könnten! Doch, leider, zuweilen gehen sie darüber auseinander.

Nur an diesem Tisch heute nicht, gottlob und hamdulillah. Küsschen auf die Wangen zum Abschied. Seither setzen wir unser Gespräch fort, auf Facebook.

 
Leser-Kommentare
  1. Gesetze zu waehlen, die ihnen richtig erscheinen. Das Problem ist einerseits, dass wohl keine Einstimmigkeit herrscht und damit den Nicht-Konformen Normen aufgezwungen
    werden, die gegen die Menschenrechte verstossen. Zum andern
    haengt Tunesien sehr vom Turismus ab und auch die Turisten
    haben das Recht zu bestimmen in welcher Umgebung sie Ferien
    machen wollen. Da sind Konsequenzen absehbar, die ertragen
    werden muessen - und rede mir keiner von Boykott!

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    Und das sieht nicht so aus...

    Volk die Regierung hat, die es verdient! (Joseph Marie de Maistre)

    Und das sieht nicht so aus...

    Volk die Regierung hat, die es verdient! (Joseph Marie de Maistre)

  2. ...für diesen interessanten Artikel. Es ist schön mal etwas über andere Kulturen und Religionen zu lesen ohne das der Verfasser gleich ein Werteschema ansetzt. Solche Artikel, in denen die Menschen ihre Lebensweisen erklären und schildern tragen meiner Meinung nach viel mehr zur Verständigung bei als der böse Wink mit dem heilgen Stock der westlichen Lebensweise.

    11 Leser-Empfehlungen
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    Was soll "schön" daran sein zu erfahren, dass Islamisten die Todesstrafe, Peitschenhiebe und Handabhacken befürworten? Oder dass Frauen die Polygamie als Legitim betrachten und sich somit selbst entwerten? Wenn sie das nicht gemeint haben, was dann weckte bei ihnen das Bedürfnis von "schön" zu sprechen? Große Verwunderung meinerseits!

    Was soll "schön" daran sein zu erfahren, dass Islamisten die Todesstrafe, Peitschenhiebe und Handabhacken befürworten? Oder dass Frauen die Polygamie als Legitim betrachten und sich somit selbst entwerten? Wenn sie das nicht gemeint haben, was dann weckte bei ihnen das Bedürfnis von "schön" zu sprechen? Große Verwunderung meinerseits!

  3. Und das sieht nicht so aus...

    15 Leser-Empfehlungen
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    • xpeten
    • 06.01.2012 um 19:04 Uhr

    auch behaupten.

    • xpeten
    • 06.01.2012 um 19:04 Uhr

    auch behaupten.

    • mussec
    • 06.01.2012 um 17:52 Uhr

    Menschen die unterdrückt werden oder sich unterdrückt fühlen fordern immer ihre Demokratischen Rechte.
    Egal welcher Gruppe sie angehören.
    Das ist ein allgemeines Minderheiten Phänomen.
    Oft haben sie auch mit Demokratie gar nichts am Hut.

    Das zeigt sich in jedem Land. Und jeder Gesinnung.
    Selbst die NPD in Deutschland legitimiert ihre Existenz auf Basis der Demokratie.

    Grundsätzlich gilt: Man unterstützt Feinde seiner Feinde nicht mit Waffen.
    Man unterstützt auch Militante in einer Diktatur nicht, vor allem nicht, wenn man nicht weiß, was deren Ziel ist.
    Erst wenn die UNO entscheidet, dass interveniert wird, sollte interveniert werden.
    Und dann bitte richtig und nicht indem man irgendwelche unbekannten Variablen unterstützt.

  4. Noch sind es junge Menschen, die sich in einer neu gewonnenen Freiheit einrichten. Da sind extreme Auswüchse vollkommen normal, in Europa wahlweise historisch bedingt extreme rechte oder linke Ansichten, im Mahgreb eben extreme Linke oder islamistische Ansichten.
    Hierüber zu urteilen sollte man erst in ein paar Jahren wenn die Realität und die Tagespolitik die "politischen Spitzen" eingeschliffen haben und einzelne Personen die Folgen extremer Positionen erkannt und für sich relativiert haben.

    Erst was dann noch vorhanden ist und Taten folgen lassen will und nicht zu dem Kreis der "harlosen Spinner" gehört muss betrachtet und beurteilt werden.

  5. Die Geschichte von Safa und ihren Freunden erinnert fatal an die Entwicklung des Irans nach dem Sturz des Schahs. Für viele bürgerliche Schahkritiker ging es auch darum das alte korrupte Regime aus der Welt zu schaffen. Solch etablierte Regime sind häufig evolutionär, also mit demokratischen Mitteln. kaum zu verändern. Die Machstrukturen sind auf vielen Ebenen zu festgefügt. Was es deshalb in den Augen von Vielen bedurfte war eine Revolution. Und die Religion, der Islam , sollte diese Funktion übernehmen. Für das Bürgertum bedeutete es eine Verstärkung der eigenen Möglichkeiten, sich die starke Religiosität der Märkte und Dörfer zu versichern. Man ging den Pakt mit dem "Teufel" ein, um das ungeliebte Regime hinwegfegen zu können. Wer dann letztlich die Macht errang ist bis heute zu besichtigen.

    Ähnlich scheint es nun in Tunesien zu laufen. Man versucht mit Hilfe der Religion den Staat "besenrein" zu bekommen. Auch dies dürfte sich als Fehler erweisen. Denn letztlich werden sich dann immer die durchsetzen, die bei jeder Fragestellung eine noch authetischere und radikalere Auslegung im Sinne des Islams verlangen.

    Wirklich "gute Nachrichten"...

    17 Leser-Empfehlungen
  6. "Na, und einige der europäischen Touristinnen erst, die sich gerade wieder einfinden! Auf diesen letzten Punkt können wir uns sogar einigen."

    Über arabische Migranten in Europa mit nicht-westlicher Kleidung rümpfen sie dann auch die Nase, ja?

    Wohl eher nicht. Das wäre dann ja "intolerant", oder?

    18 Leser-Empfehlungen
  7. gesetzt? Die Menschen haben sich seit 12000 Jahren nicht verändert. Es sind immer dieselben Handlungsmotive, Wünsche und Normen, die das Leben ausmachen. Die Technik und die Wisenschaften haben daran nichts verändert, wie immer vorausgesetzt wird. Der Mensch bleibt immer der gleiche, egal in welcher Zeit er lebt. Auch gibt es allle Meinungen und Positionen in Politik/Wissenschaft usw... zu allen Zeiten.

    Das enstscheidende dabei ist, dass das Dasein hier und alles, was diese Welt charakterisiert, bloß temporal ist und vorbei geht. Das zweite Leben in der eigentlichen Realität aber ist ewig. Deshalb ist der Mensch gut beraten, hier so zu leben, dass es ihm in der ewigen Realität gut geht. Und das bedeuted: Gottes Gebote halten. Das macht Sinn und ist vernünftig und vor allem vorrausschauend.

    In der Schule, der Uni und der Presse herrschen kurzsichtige und eigentlich törichte Meinungen darüber. Da gilt es als irgendwie rückständig und anachronistisch, sich an die Gebote zu halten. In Wahrheit ist das aber blanke Torheit.

    Eine Leser-Empfehlung
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    veraendert hat. Vor allem gab es damals noch keine der
    Offenbarungen, auf die Sie sich berufen. Der Glaube an
    das Leben nach dem Tode ist eine sehr persoenliche Sache
    und kann nicht fuer die Menschheit verbindlich gemacht werden. Aber praktisch: welche Gebote meinen Sie denn, die
    von allen eingehalten werden sollen? Fuer mich sind das nur
    die von der Bergpredigt, aber leider scheint sich niemand
    darum zu scheren.

    "Das zweite Leben in der eigentlichen Realität aber ist ewig. Deshalb ist der Mensch gut beraten, hier so zu leben, dass es ihm in der ewigen Realität gut geht. Und das bedeuted: Gottes Gebote halten. Das macht Sinn und ist vernünftig und vor allem vorrausschauend."

    Und was ist, wenn es nur eine Realität gibt? Eine nicht ewige? Und nur ein Leben im hier und jetzt? Und es gibt gar keinen Gott, dessen Gebote man befolgen müsste? Vielleicht schließen sich Vernunft und Gott aus. Und vielleicht ist das genau das Problem, das in dem Artikel beschrieben wurde.

    • ovid99
    • 07.01.2012 um 3:38 Uhr

    @ste-phan: Die ewige Realität ist leider, oder Einstein sei Dank, ein frommer Wunsch. Aber wenn es Gott gäbe, wäre er nie für das Abhacken von Händen. Oder das Steinigen von Ehebrecherinnen. Der Islam zerstört Zug um Zug die Errungenschaften eines modernen, weltoffenen Denkens. Und wir sehen philosophierend zu, wie die Würde des (der) Menschen mit Füßen getreten wird.

    Lieber Ste-phan, auch wenn man an Gott glaubt - wieso halten Sie es für selbstverständlich, dass Gott tatsächlich das gutheißt, was in Koran und Altem Testament an Rechtsprechung und überstrengen Sitten steht? Wer sagt denn, dass das, was Propheten als "göttlichen Willen" verkünden, wirklich in jedem Punkt Gottes Wille ist? Es könnte doch auch sein, dass die Quelle der "Inspiration" von ganz woanders herkam? Wenn man animmt, dass Gott der Gott der Gerechtigkeit ist: Warum sind dann viele Bestimmungen so ungerecht? Ungerecht gegenüber Nichtmuslimen, z. B., die nach dem Koran einen untergeordneten und rechtlich eingeschränkten "Dhimmi"-Status bekommen sollen? Kann das wirklich göttlicher Wille sein? Oder ist es nicht vielmehr "menschlich-allzu menschlicher" Wille? Was mich stört, ist, dass "Allah" allmählich sogar bei uns in Europa von manchen immer mehr mit "göttlich" gleichgesetzt wird - sogar Patrick Bahners in seinem Buch: "Die Panikmacher" ist das passiert - obwohl es doch weltweit sehr viele, unterschiedliche Gottesvorstellungen gibt! Man sollte die verschiedenen Gottes-Vorstellungen schon genau differenzieren.

    veraendert hat. Vor allem gab es damals noch keine der
    Offenbarungen, auf die Sie sich berufen. Der Glaube an
    das Leben nach dem Tode ist eine sehr persoenliche Sache
    und kann nicht fuer die Menschheit verbindlich gemacht werden. Aber praktisch: welche Gebote meinen Sie denn, die
    von allen eingehalten werden sollen? Fuer mich sind das nur
    die von der Bergpredigt, aber leider scheint sich niemand
    darum zu scheren.

    "Das zweite Leben in der eigentlichen Realität aber ist ewig. Deshalb ist der Mensch gut beraten, hier so zu leben, dass es ihm in der ewigen Realität gut geht. Und das bedeuted: Gottes Gebote halten. Das macht Sinn und ist vernünftig und vor allem vorrausschauend."

    Und was ist, wenn es nur eine Realität gibt? Eine nicht ewige? Und nur ein Leben im hier und jetzt? Und es gibt gar keinen Gott, dessen Gebote man befolgen müsste? Vielleicht schließen sich Vernunft und Gott aus. Und vielleicht ist das genau das Problem, das in dem Artikel beschrieben wurde.

    • ovid99
    • 07.01.2012 um 3:38 Uhr

    @ste-phan: Die ewige Realität ist leider, oder Einstein sei Dank, ein frommer Wunsch. Aber wenn es Gott gäbe, wäre er nie für das Abhacken von Händen. Oder das Steinigen von Ehebrecherinnen. Der Islam zerstört Zug um Zug die Errungenschaften eines modernen, weltoffenen Denkens. Und wir sehen philosophierend zu, wie die Würde des (der) Menschen mit Füßen getreten wird.

    Lieber Ste-phan, auch wenn man an Gott glaubt - wieso halten Sie es für selbstverständlich, dass Gott tatsächlich das gutheißt, was in Koran und Altem Testament an Rechtsprechung und überstrengen Sitten steht? Wer sagt denn, dass das, was Propheten als "göttlichen Willen" verkünden, wirklich in jedem Punkt Gottes Wille ist? Es könnte doch auch sein, dass die Quelle der "Inspiration" von ganz woanders herkam? Wenn man animmt, dass Gott der Gott der Gerechtigkeit ist: Warum sind dann viele Bestimmungen so ungerecht? Ungerecht gegenüber Nichtmuslimen, z. B., die nach dem Koran einen untergeordneten und rechtlich eingeschränkten "Dhimmi"-Status bekommen sollen? Kann das wirklich göttlicher Wille sein? Oder ist es nicht vielmehr "menschlich-allzu menschlicher" Wille? Was mich stört, ist, dass "Allah" allmählich sogar bei uns in Europa von manchen immer mehr mit "göttlich" gleichgesetzt wird - sogar Patrick Bahners in seinem Buch: "Die Panikmacher" ist das passiert - obwohl es doch weltweit sehr viele, unterschiedliche Gottesvorstellungen gibt! Man sollte die verschiedenen Gottes-Vorstellungen schon genau differenzieren.

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