Wirtschaftspolitik Der Glaubenskrieg
Wie kann der Westen die Krise überwinden – mit noch mehr Geld, wie es Amerika will? Oder mit konsequentem Sparen, wie es die Euro-Staaten planen? Zwischen Politikern und Publizisten eskaliert der Streit.
© Joe Raedle/Getty Images

Frisch aus der Druckerpresse: Banknoten im Bureau of Engraving and Printing in Washington
John Maynard Keynes wusste es schon vor fast einem Jahrhundert: »Die Ideen der Ökonomen und politischen Philosophen, seien sie richtig oder falsch, sind mächtiger, als man im Allgemeinen glaubt. Tatsächlich wird die Welt von wenig anderem beherrscht.« Jetzt, mitten in der Finanz- und Schuldenkrise, tobt der Kampf um die wirtschaftliche Wahrheit besonders heftig, und er wird auch das Jahr 2012 prägen.
Wo die Konfliktlinie verläuft, verdeutlichte niemand besser als der britische Premier David Cameron, als er im Dezember vom Tisch der Europäer aufstand und sich auf seine Insel zurückzog: Das Stabilitätsdiktat für Europa, diese Mischung aus Solidarität, Sparen und Bankenregulierung – das können die anderen wollen, aber ohne Großbritannien. Seither ist klar, was sich seit Beginn der Krise abzeichnet: Die Angelsachsen hängen mehrheitlich einem Glauben an, die Kontinentaleuropäer einem anderen.
Too little, too late, das werfen die Amerikaner den Deutschen mantrahaft vor, wenn es ums Geldausgeben geht. Schon unter Bush drängte Washington im Jahr 2008 die deutsche Regierung, einen möglichst großen Bankenrettungsschirm zu spannen. Kurze Zeit später verlangte Amerika von Angela Merkel, schnellstens Konjunkturprogramme aufzulegen. Zu klein, riefen die amerikanischen Politiker und Ökonomen über den Ozean, als die deutsche Bundeskanzlerin nach Monaten des Zögerns und nur unter höchstem Druck der Partnerländer doch noch welche auflegte.
Seither sind die Rufe nach mehr Konjunkturmilliarden nicht verstummt. Sie wurden nur noch übertönt von der Forderung, endlich alle Prinzipien aufzugeben, um Europa aus der Krise herauszukaufen. Egal, ob die gefährdeten Mittelmeerländer nun sparen oder nicht, in jedem Fall soll sich Berlin mit ihnen gemeinsam verschulden und außerdem die Zentralbank von der Leine lassen. Wie ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten sollen die Zentralbanker die Schulden europäischer Krisenländer gefälligst ohne Limit aufkaufen, damit die Zinsen für diese Länder sinken und die Banken mit Staatsanleihen in ihrem Besitz keine Verluste erleiden.
- Oktober 2009
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© Vladimir Rys/Getty ImagesDie griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.
- 16. Dezember 2009
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© Justin Lane/dpaAls erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.
- 11. Februar 2010
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© John Thys/Getty ImagesDie Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.
- 2. Mai 2010
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© Jean-Christophe Verhaegen/AFPDie EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).
- 8. Mai 2010
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© Bernd Weißbrod/dpaDas Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine "verheerende Inflationspolitik" betrieben.
- 10. Mai 2010
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© Frank Rumpenhorst/dpaDie Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.
- 7. Juni 2010
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© Georges Gobet/AFPDie Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.
- 29. September 2010
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© John Thys/Getty ImagesEU-Währungskommissar Olli Rehn präsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.
- 30. September 2010
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© Bernd Thissen/dpaDie Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.
- 21. November 2010
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© David Cannon/Getty ImagesIrland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
- 28. November 2010
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© Georges Gobet/AFPDie Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.
- 16. Dezember 2010 /25. Januar 2011
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© Frank Rumpenhorst/dpaDie EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.
- 11. März 2011
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© Sean Gallup/Getty ImagesDie Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.
- April 2011
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© Wolfgang Kumm/dpaInnerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."
- 7. April 2011
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© Patrick Pleul/dpaAuch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.
- Juli 2011
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© Vincenzo Pinto/AFPDie Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."
- 21. Juli 2011
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© Ralph Orlowski/Getty ImagesDie Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.
- 8. August 2011
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© Daniel Roland/AFPDie Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.
- August 2011
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© David Ramos/Getty ImagesDie Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.
- 16. August 2011
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© Patrick Kovarik/AFPMerkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.
- 31. August 2011
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© Sean Gallup/Getty ImagesDas Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.
- August/September 2011
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Banken Frankfurt
© Alex Grimm/Getty ImagesDie europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.
- 7. September 2011
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Bundesverfassungsgericht
© Ralph Orlowski/Getty ImagesErneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.
- Mitte September 2011
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© Sakis Mitrolidis/AFPDie Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen "zwecklos", aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.
- 29. September 2011
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© Sean Gallup/AFP/Getty ImagesDer Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.
- Oktober 2011
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© Odd Andersen/AFP/Getty ImagesAm 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.
- Anfang November 2011
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Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou
© Orestis Panagiotou/EPA/dpaAm 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
- Mitte November 2011
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Mario Monti
© Filippo Monteforte/AFP/Getty ImagesNach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.
- Dezember 2011
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David Cameron in Brüssel
© Eric Feferberg/AFP/Getty ImagesAm 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor's Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.
- 13. Januar 2012
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© Getty Images
Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.
- 31. Januar
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© Getty Images
Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem neuen Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Die Regierungschefs verabschieden auch den dauerhaften Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll.
- 21. Februar
Die EU-Finanzminister bringen in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Einigung der Minister mit Griechenland ist auch Voraussetzung für die Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des überschuldeten Landes. Sie sollen nun auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands soll dadurch auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.
- 8. März 2012
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© Oli Scarff/Getty Images

Der Parthenon auf der Akropolis
Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.
Es ist nicht immer leicht, Angela Merkel zu sein. Ihren Kritikern in Übersee will sie viel zu wenig vom einen und gleichzeitig zu viel vom anderen.
Too much, too early, das hört man aus London und Washington, wenn Kerneuropa nicht bloß neue Gesetze für die Banken beschließt, sondern die Finanzmärkte insgesamt regulieren will. Eine Steuer auf alle Finanzmarktgeschäfte lehnen die USA und Großbritannien ab, auch wenn sie das kontinentaleuropäische Herzensprojekt ist. Hedgefonds wollen sie ebenfalls weder hinreichend durchleuchten noch kontrollieren.
Der Kontrast ist enorm, und er beschränkt sich nicht auf ein paar Offizielle. Die global erscheinende Financial Times aus London greift die deutsch dominierte Krisenpolitik des Kontinents fast täglich an. Zum Beispiel zeigt ihr prominentester Kolumnist, Martin Wolf, in schöner Regelmäßigkeit auf, dass die Deutschen die Krise nicht verstanden hätten. Sonst würden sie ja zu Hause die Löhne steigen lassen und die Geldhähne öffnen, statt in Inflationsangst zu erstarren. Bei der rund 5.500 Kilometer weiter westlich erscheinenden New York Times ist es vor allem der Nobelpreisträger Paul Krugman, dem kein europäischer Schritt weit genug geht. Neue Konjunkturmilliarden und Zentralbankbillionen wären das Einzige, das ihn zufriedenstellen könnte.
- Datum 05.01.2012 - 13:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.1.2012 Nr. 02
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Mit dem "Sparen" in Berlin ist es leider nicht weit her, denn Schäuble kündigte gerade erst an, dass er für 2012 ein noch höheres Defizit eingeplant habe als für 2011.
...und mehr Pragmatismus, weniger ideologische Grabenkämpfe finden sie hier:
http://www.spiegel.de/wir...
...mit Sachverstand. Danke für den Link.
...mit Sachverstand. Danke für den Link.
Nach meinem zugegeben über 20 Jahre altem Laien-Verständis bedeutete "Keynesianismus" übrigens, die Nachfrage zu stärken, in dem man den Bürger mit Kaufkraft ausstattet, etwa durch großzügigen Lohnerhöhungen. Und nicht etwa, den Großbanken Geld zu schenken und im Übrigen auf den trickle-down-Effekt zu hoffen.
Ob ichs schon damals falsch verstanden habe oder ob der Begriff inzwischen von interessierten Kreisen gekidnapt worden ist, kann ich nicht sagen.
versteht man, dass der Staat dann Geld ausgibt, wenn weder die Wirtschaft etwas investieren will noch der Bürger etwas ausgeben kann.
Wenn der Bürger nach 20 Jahren Realverlust kein Haus mehr bauen kann, und daher auch die Baufirmen und Baustoffhändler keine Hallen mehr bauen, und keiner Farbe mehr kauft, geht der Staat eben her und baut Schulen und Kindergärten, renoviert Altenheime, isoliert Häuser.
Dadurch kommen wieder Geld unter die Leute, und vielleicht kommt wieder etwas in Gang.
Es geht dem "Keynesianismus" nicht um "das Schuldenmachen"- wie es die un-populistische Presse Glauben machen möchte, es geht um das Investieren! (Und das, zur Not, auch mit Schulden. )
Und daher geht es um die Real-Wortschaft, wozu Bankenrettung eben gerade nicht gehört.
Den Kern der Theorie von Keynes bildet das sogenannte ,,deficit-spending''. Man investiert in einer schlechten Konjukturphase um dann während des ,,Booms'' die Ausgaben wieder einzunehmen vlt sogar mit Gewinn. Das geschiet natürlich meistens über Neuverschuldung, denn das Budget des Bundes/der Länder wird wohl keine überpropotionalen Überschüsse enthalten.
Geld ausgeben ist einfach, nur hats halt nicht immer mit dem Hinterhereffekt geklappt und so häufen sich immer mehr Schulden an.
versteht man, dass der Staat dann Geld ausgibt, wenn weder die Wirtschaft etwas investieren will noch der Bürger etwas ausgeben kann.
Wenn der Bürger nach 20 Jahren Realverlust kein Haus mehr bauen kann, und daher auch die Baufirmen und Baustoffhändler keine Hallen mehr bauen, und keiner Farbe mehr kauft, geht der Staat eben her und baut Schulen und Kindergärten, renoviert Altenheime, isoliert Häuser.
Dadurch kommen wieder Geld unter die Leute, und vielleicht kommt wieder etwas in Gang.
Es geht dem "Keynesianismus" nicht um "das Schuldenmachen"- wie es die un-populistische Presse Glauben machen möchte, es geht um das Investieren! (Und das, zur Not, auch mit Schulden. )
Und daher geht es um die Real-Wortschaft, wozu Bankenrettung eben gerade nicht gehört.
Den Kern der Theorie von Keynes bildet das sogenannte ,,deficit-spending''. Man investiert in einer schlechten Konjukturphase um dann während des ,,Booms'' die Ausgaben wieder einzunehmen vlt sogar mit Gewinn. Das geschiet natürlich meistens über Neuverschuldung, denn das Budget des Bundes/der Länder wird wohl keine überpropotionalen Überschüsse enthalten.
Geld ausgeben ist einfach, nur hats halt nicht immer mit dem Hinterhereffekt geklappt und so häufen sich immer mehr Schulden an.
Die Antwort kann nur sein an den richtigen Stellen sparen und an wiederum den richtigen Stellen für die Zukunft investieren.
Es wird soviel unnützes Geld verpulvert welches an den richtigen Stellen eingesetzt uns neue Marktchancen erschließen würden. Doch die Lobbyisten die ganz eng bei den Pilotikern sitzen haben diese unsere Volksvertreter fest im Griff, sodaß Sparen an den richtigen Stelln nicht passieren wird, leider.
...die "richtigen" Stellen? Immer wenn es konkret wird, gehen nämlich die Meinungen auseinander.
In D mag das auch mal noch angehen, weil wir per Exportüberschuss von den Schulden anderer Länder leben.
Normalerweise funktioneren Minderausgaben des Staates nämlich nie, egal an welcher Stelle, wenn sich die Privatverschuldung nicht gleichzeitig erhöht. Letzteres geschieht aber nur bei positiven Konjunkturaussichen und sicherem Arbeitsplatz...
...die "richtigen" Stellen? Immer wenn es konkret wird, gehen nämlich die Meinungen auseinander.
In D mag das auch mal noch angehen, weil wir per Exportüberschuss von den Schulden anderer Länder leben.
Normalerweise funktioneren Minderausgaben des Staates nämlich nie, egal an welcher Stelle, wenn sich die Privatverschuldung nicht gleichzeitig erhöht. Letzteres geschieht aber nur bei positiven Konjunkturaussichen und sicherem Arbeitsplatz...
Es geht - zuvördesrt - nicht um einen "Glaubenskrieg":
Das Wesen eines Glaubenskrieges liegt darin, dass man sicher nie weiss, wer Recht hat. Gott hült sich in Schweigen.
Mit dem Euro sieht es ganz anders aus. Das ist ein menschliches Konstrukt. Das kann funktionieren - oder nicht. Die DM hat in einem Wirtschaftsraum wie Deutschland recht und schlecht funktioniert, als Transfer-Union funktioniert: Es gab und gibt steuerkräftige Staaten (im Süden) und nicht-steuerkräftige Staaten (im Norden).
Dass die Erweiterung (und Umbenennung) der DM ohne Transfer-Funktion nicht funktionieren kann, lag auf der Hand. Und das ist kein "Glaubenskrieg".
Die deutsche Politik hat eine unausgeglichene Handelsbilanz - und das nun schon über Jahrzenhnte hinweg! - zur Staatsdoktrin erklärt. Das ist eine Frage des Glaubens, der Ideologie.
Dass aber der Euro das Ungleichgewicht auf Dauer nicht aushält, ist jedoch Keine Frage des Glaubens. Man kann nicht in einer Ecke eines Swimming-Pools Wasser aufstapeln. Da kann man glauben, bis man blau anläuft.
Dass in D. die Angst vor Inflation tagtäglich geschürt wird ist richtig; trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass der größte politische Gau der deutschen und internationalen Geschichte eine Folge von Deflation (und nicht Inflation) war. Solange das Geld nicht an die Realwirtschaft weitergegeben wird, ist doch von Inflation noch nichts zu spüren, dh. die Angst sollte eher die vor einer rezessiv-deflationären Entwicklung sein (vgl. Entwicklungen im Euroraum, USA, Japan).
Im Text heißt es: "Deutschland dagegen lebt stark vom freien Welthandel..." Wie gedenken denn die deutschen Regierenden nach abgewürgter Konjunktur im Euroraum (Schuldenbremse und Sparpakete, aber keine Lösung der divergierenden Wettbewerbsfähigkeiten) und angesichts der enormen Handelsbilanzdefizite in den USA vom Welthandel zu profitieren, wenn es alsbald keine Defizitländer mehr gibt bzw. geben darf? Oder vertraut man da etwa auf China als kapitalistischen Problemlöser?
"Zur Not auch ohne die Angelsachsen sollte der Kontinent das Projekt der Finanzmarktregulierung so zu Ende bringen, dass Banken und Fonds tatsächlich als Diener der Wirtschaft agieren und nicht umgekehrt." Komisch, von deutscher Seite habe ich zum Thema noch nicht wirklich etwas Entscheidendes vernommmen. In den USA wurde zumindest mal angedacht, das traditionelle Bankengeschäft vom Investmentbanking zu lösen - das ist zwar keine Regulierung, macht den Staat aber zumindest nicht mehr erpressbar.
Das Geld kommt eben am Ende doch in der Realwirtschaft an.
Sämtliche Investitionen im Casino werden am Ende an die Konsumenten weitergegeben, sei es direkt in Ge- und Verbrauchsgütern wie Immobilien und Rohstoffen durch Teuerung im Endpreis, oder über Firmenbeteiligungen, welche den höheren Renditedruck dann durch geringere Löhne und/oder Entlassungen an die Mitarbeiter weitergeben werden.
Das Problem hierbei ist sogar noch verschärft: Die Banken bekommen das "neue", volkswirtschaftlich überschüssige Geld als erste, können ihre Zockereien mit Rohstoffen und Immobilien also noch zu alten Preisen beginnen, ehe sich der Markt langsam anpasst. Die letzten in der Kette sind immer die Konsumenten/Mieter/Bewohner, welche dann die Inflation voll zu spüren bekommen. Insofern ist diese Form des billigen Geldes fÚr Großbanken auch eine Form der Enteignung der Menschen zugunsten einiger weniger.
Ich fände es sehr interessant, einmal makroökonomisch belastbare Daten hierzu zu erhalten, wie viele ihrer phantastischen Gewinne die Banken diesem Effekt - dem intrinsischen Geldausgabe-Vorsprung bei der Inflationsbildung - verdanken. Leider habe ich hierzu jedoch noch nichts gefunden, obwohl dieses systemische Enteignungsproblem eigentlich schon zu naheliegend ist, um es einfach zu übersehen.
Das Geld kommt eben am Ende doch in der Realwirtschaft an.
Sämtliche Investitionen im Casino werden am Ende an die Konsumenten weitergegeben, sei es direkt in Ge- und Verbrauchsgütern wie Immobilien und Rohstoffen durch Teuerung im Endpreis, oder über Firmenbeteiligungen, welche den höheren Renditedruck dann durch geringere Löhne und/oder Entlassungen an die Mitarbeiter weitergeben werden.
Das Problem hierbei ist sogar noch verschärft: Die Banken bekommen das "neue", volkswirtschaftlich überschüssige Geld als erste, können ihre Zockereien mit Rohstoffen und Immobilien also noch zu alten Preisen beginnen, ehe sich der Markt langsam anpasst. Die letzten in der Kette sind immer die Konsumenten/Mieter/Bewohner, welche dann die Inflation voll zu spüren bekommen. Insofern ist diese Form des billigen Geldes fÚr Großbanken auch eine Form der Enteignung der Menschen zugunsten einiger weniger.
Ich fände es sehr interessant, einmal makroökonomisch belastbare Daten hierzu zu erhalten, wie viele ihrer phantastischen Gewinne die Banken diesem Effekt - dem intrinsischen Geldausgabe-Vorsprung bei der Inflationsbildung - verdanken. Leider habe ich hierzu jedoch noch nichts gefunden, obwohl dieses systemische Enteignungsproblem eigentlich schon zu naheliegend ist, um es einfach zu übersehen.
...dafür gibt es doch jetzt mehr als genug Beispiele.
Vorallem wenn man sich Irland ansieht wird das doch auffällig.
Das Land hat eine solide Wirtschaft mit Handelsbilanzüberschuss.
Pleite ist es fast ausschließlich wegen der Banken. (Die geplatzte Immobilienblase ist nur das Pünktchen auf dem "i")
Und nach drei (von mind. sieben) Etatkürzungen gibt es sowas wie einen Binnenmarkt nicht mehr. Das Land hält sich nur Dank des Exportüberschusses gerade noch über Wasser.
Bricht der weg ist der Ofen genauso schnell aus wie beim Rest der PIGS deren Wirtschaft wesentlich(!) schlechter dasteht.
Je mehr gespart, je mehr Geld aus der Wirtschaft genommen wird desto schlimmer wird das.
Das Geld wird ja nicht verwendet um die Wirtschaft anzukurblen, sondern um bereits ausgegebens Geld zurückzuzahlen.
Das kann nur ein Minus ergeben.
Nicht die Banken brauchen mehr Geld, die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber sind es denn die hätten es in der Hand die Wirtschaft anzukurbeln, aber gerade denen nimmt man das Geld weg und wundert sich das die Steuereinnahmen weniger werden, das Betriebe pleite machen etc.
Selbst die zwei Lohnkürzungen bei den staatlich Angestellten waren letzen Endes kontraproduktiv, da die eingesparten 1,7Milliarden in der Wirtschaft fehlten und sowohl Arbeitsplätze als auch Steuereinnahmen kosteten.
Die berühmte Schlange die sich selbst in den Schwanz beisst.
Was soll man machen?
Wenn ich das wüßte, wäre steinreich :-), ich weis leider nur was nicht geht...
...ist einfach: Geld drucken und sinnvoll investieren (statt es den Banken zu geben). Maßvoll versteht sich, Ziel: Vollbeschäftigung.
Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber und ist es heute mal wieder.
Ob das in der Euro-Zone funktioniert, bezweifle ich aber. Der Moral-Hazard bei den Transfers ist politisch ein Pulverfass.
Man kann halt nicht alles haben, maximale Stabilität, gemeinsame Währung und keine Transfers und das alles bei wachsender Wirtschaft. Von irgendwas wird man sich verabschieden müssen...
...ist einfach: Geld drucken und sinnvoll investieren (statt es den Banken zu geben). Maßvoll versteht sich, Ziel: Vollbeschäftigung.
Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber und ist es heute mal wieder.
Ob das in der Euro-Zone funktioniert, bezweifle ich aber. Der Moral-Hazard bei den Transfers ist politisch ein Pulverfass.
Man kann halt nicht alles haben, maximale Stabilität, gemeinsame Währung und keine Transfers und das alles bei wachsender Wirtschaft. Von irgendwas wird man sich verabschieden müssen...
versteht man, dass der Staat dann Geld ausgibt, wenn weder die Wirtschaft etwas investieren will noch der Bürger etwas ausgeben kann.
Wenn der Bürger nach 20 Jahren Realverlust kein Haus mehr bauen kann, und daher auch die Baufirmen und Baustoffhändler keine Hallen mehr bauen, und keiner Farbe mehr kauft, geht der Staat eben her und baut Schulen und Kindergärten, renoviert Altenheime, isoliert Häuser.
Dadurch kommen wieder Geld unter die Leute, und vielleicht kommt wieder etwas in Gang.
Es geht dem "Keynesianismus" nicht um "das Schuldenmachen"- wie es die un-populistische Presse Glauben machen möchte, es geht um das Investieren! (Und das, zur Not, auch mit Schulden. )
Und daher geht es um die Real-Wortschaft, wozu Bankenrettung eben gerade nicht gehört.
Wenn sie Keynes oder Milton Friedmans Monetarismus (das ist im übrigen die herrschende Lehre in den USA) verstehen wollen, lesen sie den Artikel im Link unter Punkt 2.
Erhard steht übrigens für Ordoliberalismus und dem ökonomischen Mainstream in Deutschland. Dabei ist gerade 2008 und 2009 in Deutschland bewiesen worden, dass Keynes recht hatte: vor allem die Kurzarbeit und unser Sozialsystem haben uns bisher gerettet. Keynes Thema war immer das Aufrechterhalten einer Binnennachfrage, um Fehlallokationen in der Grundnachfrage (Bäcker, Metzger, Handwerker) zu vermeiden. Sein typisches Beispiel ist die Bezahlung von Arbeitslosen für das Flaschenausgraben. Dieses Beipiel beinhaltet drei wesentliche Prinzipien keynsianischen Denkens:
- Sicherung der ökonomischen Freiheit
- Erhaltung der Nachfrageentscheidung als Basis für Investition
- Sicherung von Beschäftigung als Grundlage des Wohlstands (wir würden flapsig von ABM-Maßnahmen sprechen).
Keynes verstand etwas von Haushalt (= Ökonomie). Volkswirtschaftlich gesehen ist der Ausdruck "Sparen" grober Unfug, denn durch Sparen wird dem Geldkreislauf jeweils Kapital entzogen und wir werden eigentlich permanent ärmer als reicher. Gegen diesen Eindruck hilft dann nur noch Gelddrucken. Das können heute dank Computerhandel und Internet aber alle Geschäftsbanken.
Selten habe ich einen so profunden Artikel gelesen wie diesen.
Wenn sie Keynes oder Milton Friedmans Monetarismus (das ist im übrigen die herrschende Lehre in den USA) verstehen wollen, lesen sie den Artikel im Link unter Punkt 2.
Erhard steht übrigens für Ordoliberalismus und dem ökonomischen Mainstream in Deutschland. Dabei ist gerade 2008 und 2009 in Deutschland bewiesen worden, dass Keynes recht hatte: vor allem die Kurzarbeit und unser Sozialsystem haben uns bisher gerettet. Keynes Thema war immer das Aufrechterhalten einer Binnennachfrage, um Fehlallokationen in der Grundnachfrage (Bäcker, Metzger, Handwerker) zu vermeiden. Sein typisches Beispiel ist die Bezahlung von Arbeitslosen für das Flaschenausgraben. Dieses Beipiel beinhaltet drei wesentliche Prinzipien keynsianischen Denkens:
- Sicherung der ökonomischen Freiheit
- Erhaltung der Nachfrageentscheidung als Basis für Investition
- Sicherung von Beschäftigung als Grundlage des Wohlstands (wir würden flapsig von ABM-Maßnahmen sprechen).
Keynes verstand etwas von Haushalt (= Ökonomie). Volkswirtschaftlich gesehen ist der Ausdruck "Sparen" grober Unfug, denn durch Sparen wird dem Geldkreislauf jeweils Kapital entzogen und wir werden eigentlich permanent ärmer als reicher. Gegen diesen Eindruck hilft dann nur noch Gelddrucken. Das können heute dank Computerhandel und Internet aber alle Geschäftsbanken.
Selten habe ich einen so profunden Artikel gelesen wie diesen.
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