Iranische Streitkräfte bei einem Manöver © EBRAHIM NOROOZI/AFP/Getty Images

Das Regime des Irans mag Unsicherheit streuen über seine wahren Absichten. Die Straße von Hormus, die Halsschlagader der Weltwirtschaft, für Öltanker sperren ? Auf die Drohung folgte eine ganze Reihe von widersprüchlichen Stellungnahmen aus Teheran . Bluff oder nicht, eine Botschaft der gefährlichen Manöver am Golf ist klar: Noch mehr Sanktionen , noch mehr Gängelung durch den Westen wird sich die Islamische Republik nicht bieten lassen. Hinter der militärischen Protzerei steckt ein Land, das in die Enge getrieben ist. Jetzt, so sehen es seine Führer, ist der Zeitpunkt gekommen, Amerika und Europa das zurückzuzahlen, was sie dem Iran so viele Jahre über angetan haben.

Das Regime in Teheran hat Angst, aus gutem Grund. Seit der ehemalige US-Präsident George W. Bush den Iran in einer berüchtigten Rede vor dem Kongress im Januar 2002 zusammen mit Nordkorea und dem Irak Saddam Husseins auf die "Achse des Bösen" setzte, hat sich der Druck auf das Regime stetig erhöht. Die Sanktionen der UN zeigen Wirkung. Es geht mittlerweile um die Existenz der Islamischen Republik Iran.

Die Regierung mag sich von den Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat seit 2006 in vier verschiedenen Runden verschärft hat, unbeeindruckt zeigen – im Land sind ihre Folgen immer deutlicher zu erkennen. Sie treffen den Iran dort, wo er am empfindlichsten ist – bei der Öl- und Gaswirtschaft. 80 Prozent seiner Haushaltseinnahmen erwirtschaftet das Land durch Öl- und Gasexporte. Durch die wachsende internationale Isolation kann der Iran seine Anlagen nicht mehr erneuern oder modernisieren. Das hat schwerwiegende Folgen. Die Produktionskapazität der iranischen Erdölwirtschaft liegt heute bei geschätzten 3,5 Millionen Barrel am Tag. Das sind 600000 Barrel weniger als beim Amtsantritt von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2005. Außerdem gibt es keine internationalen Firmen mit entsprechendem Fachwissen, die noch im Iran arbeiten. Das Land muss Diesel und Benzin teuer importieren.

Lange Zeit hat das Regime die Preise im Inland subventioniert. Doch nach und nach kürzte es die Subventionen, um die ohnehin hohe Inflation nicht weiter anzuheizen. Millionen Iraner erleben seither an der Zapfsäule die Folgen westlicher Eindämmungspolitik. Sie kommt die Iraner teuer zu stehen.

Der Auslöser für die Drohung, die Straße von Hormus zu sperren, ist der Plan der Europäer und Amerikaner, den Druck noch weiter zu erhöhen . Iranische Ölexporte sollen unterbunden werden. Auf ihrem nächsten Außenministertreffen will die EU darüber beraten, Geschäfte mit der iranischen Zentralbank zu verbieten. Über diese Zentralbank wird die Bezahlung für iranisches Erdöl abgewickelt. Mit anderen iranischen Banken ist es schon länger nicht mehr möglich, Geschäfte zu tätigen. Eine Blockade der Zentralbank käme einem Erdölembargo gleich, für den Iran hätte das schwerwiegende Folgen. Immerhin 18 Prozent seines Erdöls verkauft das Land in Staaten der Europäischen Union.

Der zweitgrößte Abnehmer iranischen Öls ist China mit einem Anteil von 22 Prozent. China wird sich an einem De-facto-Embargo wohl nicht beteiligen, doch hat auch Peking Schwierigkeiten, seine Rechnungen mit dem Iran abzuwickeln. Inzwischen werden chinesische Güter direkt gegen iranisches Öl getauscht. Auch Indien , ein weiterer großer Abnehmer iranischen Öls, hat lange gebraucht, bis es einen Zahlungsweg für die Lieferungen des Jahres 2010 fand. Die Transaktion gelang schließlich über eine türkische Bank. Für den Iran wird es also zunehmend schwer, an dringend benötigte Einnahmen zu kommen. Die Drohung, die Meerenge von Hormus zu schließen, bedeutet kurzum: Wenn ihr uns den Ölhahn abdreht, tun wir mit euch das Gleiche!