Das Kraftwerk ist eineinhalb Meter hoch und hat in etwa die Grundfläche einer Waschmaschine. Aber wenn es wirklich das Kraftwerk der Zukunft sein soll, müsste es sehr, sehr viele davon geben. Genaugenommen müsste deutschlandweit eines in jedem Hauskeller stehen. Dann könnten Massen privater Kleinkraftwerke in Sachen Energieversorgung mit den Meilern weit draußen vor der Stadt ernsthaft konkurrieren.

Einer dieser Zauberkästen ist der Baxi Innotech Gamma – ein Brennstoffzellenheizgerät unter einer glatten Oberfläche. Das Ding produziert gleichzeitig Strom und Wärme. Kraft-Wärme-Kopplung heißt das altbekannte Prinzip. Neu an Gamma ist, dass der Kasten in der Leistung auf die über 18 Millionen Einfamilienhäuser in der Bundesrepublik zugeschnitten ist. "Ab 2014 sind wir damit am Markt", verspricht Guido Gummert, Geschäftsführer von Baxi Innotech in Hamburg . Nach seinen Schätzungen könnten 250.000 der ohnehin jährlich 640.000 zum Austausch anstehenden Standardheizungen durch ein solches Energiepaket ersetzt werden. Und weil sich das theoretisch für Unternehmen, Gebäudeeigentümer und die Umwelt lohnen kann, der Markt also viel verspricht, ist die Konkurrenz nicht weit. Was Baxi Innotech noch ankündigt, ist bei Vaillant mit dem ecoPower und bei Senertec mit dem Dachs Stirling seit dem vergangenen Herbst schon Wirklichkeit.

Der Nutzen der Kraft-Wärme-Kopplung, abgekürzt KWK, ist unbestritten, weil der Verbrauch fossiler Ressourcen und damit die CO₂-Emissionen schlagartig sinken. Ein konventionelles Kohlekraftwerk etwa könnte mit der bei der Stromproduktion frei werdenden Wärme einen Fluss wie die Elbe mühelos um mehrere Grad Celsius aufheizen. Statt die thermische Energie im großen Stil ungenutzt zu lassen, wie es immer noch üblich ist, setzt die KWK auf kleine und dezentrale Einheiten, die mehr als 90 Prozent der im Brennstoff enthaltenen Energie verwerten – in Form von Strom und Wärme, die an Ort und Stelle abgenommen werden.

Die eigentliche Chance der Brennstoffzellenheizgeräte: Sie liefern besonders wenig Wärme pro Kilowattstunde Strom. Denn um ökonomisch sinnvoll zu funktionieren, müssen Kleinstkraftwerke möglichst viele Betriebsstunden pro Jahr arbeiten. Hierbei dürfen sie nie mehr Wärme produzieren, als zwischen Dachfirst und Fundament abgenommen werden kann. Zugleich sollte ein hoher Anteil des produzierten Stroms selbst verbraucht und nicht ins Netz eingespeist werden – ein Elektroauto wäre dafür geradezu ideal.

Einem ganzen Heer kleiner und weit verteilter Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen könnte in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Energiewende zukommen. Der Ökostromanbieter Lichtblick etwa schaltet seine rund 400 bisher in Betrieb genommenen Zuhausekraftwerke immer dann an, wenn gerade zu wenig Strom im Netz ist – wenn beispielsweise kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Schwankungen, die wegen der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energie drohen, können so ausgeglichen werden. Strom aus unflexiblen Atom- und Kohlekraftwerken braucht man dafür nicht. Um das langfristige Ziel von 100.000 Zuhausekraftwerken zu erreichen, setzt Lichtblick auch auf ein besonderes Geschäftsmodell: Die Kleinkraftwerke werden nicht verkauft, sondern per Contracting vertrieben. Bei diesem Modell vermieten Hauseigentümer, vereinfacht gesagt, ihren Keller, während Lichtblick die Wärme des Blockheizkraftwerks ins Haus verkauft und den Strom ins Netz.