KriminalromanBlutiger Zahltag

Mike Nicols großer Krimi "Payback" von Tobias Gohlis

Als ahnten sie, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, ziehen sich die drei Männer in dem alten weißen Toyota wie besessen Mannenberg rein. Drei Stunden lang läuft Abdullah Ibrahims Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung.

Dann dringen die Männer in das Haus ein, das sie beobachtet haben, schlagen die Hausfrau nieder und betäuben ihre sechsjährige Tochter. Schnitt. Mike Nicol eröffnet Payback mit einer klassischen Prolog-Szene: ein Maximum an Gewalt, Spannung und Zeitlosigkeit.

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Dagegen stehen die Hoffnungen zweier Männer auf gedeihliche Zukunft. 1998, vier Jahre nach den ersten freien Wahlen in Südafrika , wollen Mace Bishop und Pylon Buso das erworbene Anrecht auf Wohlstand realisieren. Jahrelang haben sie Waffen für die Befreiungsbewegung geschmuggelt. Jetzt bieten sie reichen Touristen Sicherheit, haben etwas Geld auf den Caymans und wechseln alle paar Jahre in eine bessere Wohnlage. Alles easy, alles dabei zu vernarben. Bis eine alte Schuld eingefordert wird: Mace und Pylon sollen den Club eines Junggangsters gegen Bombenanschläge seitens der islamistischen Vigilantenorganisation PAGAD (People Against Gangsters And Drugs) schützen. Bei den Verhandlungen dabei: PAGAD-Anwältin Sheemina February. Sein Pech, dass Mace sie nicht wiedererkennt.

Revenge – Rache ist das Motto der Krimi-Trilogie, die mit Payback einsetzt. Mike Nicol verschärft darin, was bereits seine vier anderen Romane auszeichnete: Unter "Writing South Africa" (so das Thema seiner Poetikdozentur 2002 in Essen) versteht er die literarische Anamnese der Gewaltstrukturen seines Landes.

In Wellen kommt die Gewalt zurück. Mace’ Tochter Christa ist das Mädchen, das betäubt und entführt wird, um ihn gefügig zu machen. Weil Nicol Gewalt als Realität wahr- und ernst nimmt, beendet Maces Gegenaktion zwar das kurze Leben des Entführers. Doch der Preis ist hoch: Christa bleibt, von einer Kugel getroffen, querschnittsgelähmt. Das ist gar nicht mehr thrillerhaft putzige action. Sondern angemessene Härte.

Payback ist Ausnahmeliteratur. Aber Südafrika ist keine Ausnahme. Hier ist der clash of civilizations Alltag. An der Südspitze Afrikas ist die Zukunft Gegenwart: im Zusammenprall von Nord und Süd, Schwarz und Weiß, Schwarz und Schwarz, Reich und Arm und allem, was dazwischen Tag für Tag emporschäumt. Daher ist es kein lokalkoloristischer Einfall, sondern Ergebnis genauer Beobachtung, dass Nicol die realen Bombenanschläge von PAGAD in seinen Fall einwebt. Die nachts aufglühenden Drogendiscos, Yuppies in Ekstase und fromme Gangster – das sind eindrückliche Snapshots aus dem Umbruch einer wild beschleunigten Welt. In der die harmonischen Zukunftsträume der überhaupt nicht fried-fertigen Protagonisten Mace und Pylon zermahlen werden zwischen Rache und Gier, globaler Gewalt und lokaler Macht. Nach Deon Meyer und Malla Nunn können wir nun Mike Nicol entdecken als Autor aus Südafrika – mit Weltformat.

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Leserkommentare
  1. Eine Zusammenfassung mag der Kritker noch schreiben können, aber was im letzten Absatz als "Kritik" daher kommt, ist Gestammel ohne Zusammenhang und ohne Bezüge.

    Herausgeschleuderte, kurze Sätze sind stilistisch nicht zwangsläufig gut. In diesem Fall produzieren sie Leere und werfen Fragen auf - klären aber gar nichts zur Qualität des besprochenen Romans.

    "Payback ist Ausnahmeliteratur." Was ist bitte eine Ausnahmeliteratur?

    "Aber Südafrika ist keine Ausnahme." Von was ist Südafrika keine Ausnahme?

    "Hier ist der clash of civilizations Alltag. An der Südspitze Afrikas ist die Zukunft Gegenwart..." Ist der Herr Gohlis jetzt unter die Wahrsager gegangen und weiß, wie es zukünftig in Südafrika zu geht? Da weiß er vermutlich mehr als die Bewohner des Landes.

    "Die nachts aufglühenden Drogendiscos..." Ohje, da glüht wieder etwas, was gar nicht glühen kann.

    "Nach Deon Meyer und Malla Nunn können wir nun Mike Nicol entdecken als Autor aus Südafrika – mit Weltformat." Wir entdecken Herrn Nicol jetzt mit Weltformat oder entdecken wir mit Herrn Nicol einen Autor von Weltformat? Und was ist "Weltformat"?

    Hier schreibt ein "Kritiker" nichts anderes als hohle Phrasen, die sich gut als Klappentext für den Verlag machen. Mit Literaturkritik hat das nichts zu tun.

  2. Rückstandfreie Kritiken. Schnell wieder aus dem Gedächtnis gelöscht. Sprache als reiner Produktionsfaktor ohne jeglichen Gedanken an Wiederlesensfreude. Was soll´s, morgen erscheint die neue Zeitung.
    Ich frage mich nur, was haben die jeweiligen Autoren davon?

  3. Wer sich mit dem südafrikanischen Krimiromanautor Roger Smith auseinandersetzt, der weiß, dass einige Autoren die Atmosphäre der Angst zu gerne mit blutigen Eigenschaften der subjektiven Perzeption versehen. Oder anders ausgedrückt - Es wird gerne übertrieben. Krimis entspringen daher nur selten der Realität: http://wp.me/pNjq9-lx.

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  • Schlagworte Toyota | Easy | Essen | Gewalt | Payback | Südafrika
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