GeschlechterrollenDie Schmerzensmänner

Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt. Für die Frauen wird das zum Problem. von 

Es könnte alles so einfach sein. Vielversprechend bricht das neue Jahr an und wartet auf nichts anderes, als ausgekostet zu werden – champagnerbeschwipst, Hand in Hand schlendernd. Doch irgendwie klappt es nicht. Einer kneift. Der junge Mann von heute feiert nicht trunken vor Glück mit seiner neuen Liebsten – er steht abseits und fröstelt. Verkopft, gehemmt, unsicher, nervös und ängstlich ist er, melancholisch und ratlos. Er hat seine Rolle verloren.

Schuld an seiner jungmännlichen Identitätskrise ist, wie immer, die Gesellschaft. Sie war es schließlich, die verlangte, dass sich der Mann (natürlich der junge) verstärkt neue Attribute zulegen sollte. Einfühlsam, reflektiert, rücksichtsvoll und bedacht, gerne auch einmal: schwach sollte er sein. Den Startschuss dazu lieferte 1984 – der junge Mann spielte damals noch auf der Krabbeldecke – Herbert Grönemeyers Frage »Wann ist ein Mann ein Mann?« Es war diese Melodie, die den jungen Mann seine Adoleszenz hindurch begleitete, pünktlich zum Abitur sang Grönemeyer dann auch schon nicht mehr von Männern und Frauen, sondern nur noch, in bezaubernder Melancholie, wie der junge Mann fand, vom »Menschen«.

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Doch was als eine begrüßenswerte Mentalitätsreform des alten Männerbildes begann, hat inzwischen groteske Züge angenommen. Das eigene Leben reflektierend und ständig bemüht, sein Handeln und Fühlen sensibel wahrzunehmen, nach außen zu kehren und zu optimieren, hat er sich auf einer ewigen Metaebene verheddert, von der er nicht wieder herunterkommt.

Die erfolgreiche Kommunikation mit seinem weiblichen Gegenüber, in Liebesdingen ohnehin notorisch unwahrscheinlich, ist damit noch ein Stück weiter in Richtung Unmöglichkeit gerückt. Denn auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.

Dabei schien ja eigentlich gerade alles aufzugehen. Der jahrhundertelange Prozess der Häutungen von einem Rollen- und Beziehungsideal zum nächsten hatte endlich einen vermeintlich gesunden Endpunkt gefunden. Kein Gott bestimmt nun mehr die Liebe, der Minnesänger mit seiner Obsession des Unmöglichen hat Ruhe gegeben, die romantische Vollverblendung ist überkommen, und auch die rein zweckrationale Eheschließung passé. Das moderne Beziehungsideal, die frei gewählte, auf romantischen Gefühlen basierende, aber in der Form reziproke Partnerschaft führt zwei zusammen, die es als »Lebensgefährten« im Wirrwarr der komplexen Welt versuchen wollen. Sowohl die Gleichheit als auch die Ungleichheit der Geschlechter finden in dieser Idee der Liebe ihren Platz, die neuen Eigenschaften wie die alten. Als Partner wissen beide ihre Gefühle zu reflektieren und auf Augenhöhe zu kommunizieren, das Zusammenleben ist ein respektvoller Aushandlungsprozess, und nur der kleine Rest, das eben, was das Geschlechtsneutrale aus dem Team-Gedanken vertreibt, beruht auf Komplementarität. Anziehungskraft kommt erst durch Unterschied. Flirten, Umwerben, Erobern ist nichts für die Metaebene.

Doch genau an diesem letzten Punkt ist der junge Mann falsch abgebogen. Er weiß nicht mehr, wann es Zeit ist zu kommen. Statt fordernd zu flirten, gibt er sich als einfühlsamer Freund. Schüchtern in einer Baumwollstrickjacke hinter einer Hornbrille versteckt, steht er in dunklen Großstadtbars und hält sich an einem Bier fest. Als Gefährte ist er vielleicht ein bisschen grüblerisch, aber man kann gut mit ihm reden. Er achtet auf sich, ist höflich, lieb, immer gepflegt und gewaschen, benutzt Parfums und Cremes, macht Diäten und hört wunderbar melancholische Mädchenmusik. Nur wenn der entscheidende move gefragt ist, er sich herüberbeugen und die junge Frau endlich küssen sollte, fängt sein Kopfkino an. Vielleicht möchte die junge Frau gar nicht geküsst werden? Vielleicht würde sie sonst selber den ersten Schritt tun? Vielleicht sollte man die Beziehung lieber doch nicht auf die gefährliche Ebene der Erotik ziehen, sondern platonisch belassen? »Ich gebe zu, dass ich dich mag«, singt es schließlich vom Mixtape, das er seiner Angebeteten aufnimmt, anstatt den ersten Schritt zu wagen. Schön klingt es, ungelenk kommt es an.

Leserkommentare
  1. Traurig, aber wahr. So ist es leider. Als Frauenversteher bist Du alles für eine Frau, nur kein Liebespartner. Du bist einfach nur ein Freund. Frau sucht, ob instinktiv oder bewusst eben doch mehr als den Frauenversteher. Sie sucht auch 2012 immer noch einen Beschützer, Ernährer, Versorger, Jäger und keinen, bei dem sie bei einer Tasse Tee ihr Herz ausschütten kann.

    Und Mann sucht, ob instinktiv oder bewusst, immer noch die, die am ehesten in der Lage ist, ihm Nachkommen zu gebähren, ihm den Rücken frei zu halten, damit er morgens auf die Jagd gehen kann, um seine Familie zu ernähren.

    Wer etwas anders erzählt, lügt, egal ob Frau oder Mann. Auch Herbert Grönemeyer.

    War ich mal der Frauenversteher, durfte ich die Aangebetete bestenfalls im Arm halten, damit sie sich bei mir ausheulen konnte. Mehr lief aber nicht. War ich Mann, mit allen Vor- und Nachteilen, die Männlichkeit so mitsich bringt, heulte sie sich bei anderen aus und ging mit mir eine Beziehung ein.

    41 Leserempfehlungen
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    So traurig ( und wahr ) es ist, Sie haben leider Recht. Das was weiblicherseits vorgegeben wird, stimmt mit dem tatsächlich geforderten selten überein.

    Wer heute Mann ist, hat selten was zu lachen.

    Aber im Gegensatz zu einem anderen Kommentar ist das auch nicht traurig. Frauen benutzen seit jeher die gleichen Tricks, von offensichtlich bis subtil, um Männer zu verführen. Ganze Generationen von Männern haben sich von Frauen und Medien jedoch einreden lassen, sie müssten sich verhalten wie Frauen, um Frauen zu erobern. Gleichzeitig haben die Frauen sich selber auf ein Heiligenpodest erhoben. Dadurch entstanden die im Artikel beschriebenen Grübler, die sich ständig fragen, wie sie es der Prinzessin recht machen können.
    Hintergrund des ganzen: Frauen lieben solche Männer, von denen sie wissen, dass diese sie begehren, und die sie gleichzeitig als "guten Freund" an der langen Leine lassen können. Er ist nämlich immer da, um ihr Ego zu boosten und ihr zuzuhören. Sexuelle Kontakte pflegt sie dann jedoch mit Männern, die sich wie Männer verhalten.
    Wer das als Mann durchschaut, hat ein deutlich entspannteres Leben, mehr Selbstvertrauen und viel mehr Spaß. Männer, seid Männer! (Ich hoffe, dass viele das nicht glauben, und weiter der Ideologie verhaftet als "Waschlappen" durch die Gegend laufen möchten. Erhöht nur meine Chancen, und die bösen Blicke der Waschlappen, weil sie nicht verstehen, was passiert, ja, tut mir Leid, das macht auch Spaß...)

    der im Artikel als Waschlappen dargestellte Mann versteht Frauen gerade nicht das ist ja gerade das Problem. Statt Frauen zu verstehen orientiert er sich an irgendwelchen zweifelhaften Normen die durch die Gesellschaft an ihn herangetragen werden.

    Stimmt doch einfach nicht! Ich habe auch keinen "Beschützter und Ernährer" Dabei sehe ich nicht schlecht aus und verdiene verdammt viel Kohle! [...] Und PS: Ja, ich habe einen Mann, sogar einen Traummann!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/sc

    • Infamia
    • 06. Januar 2012 14:42 Uhr

    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und wetten, ein Busfahrer, und sei er noch so nett, gebildet und charmant, käme für Sie nicht in Frage (Stichwort Versorger, denn als Busfahrer wird er Ihren gewohnten Lebensstil einfach nicht mittragen können)? Und entweder kratz dies an seinem Ego und er versucht es bei Ihnen gar nicht erst oder Sie ziehen den Busfahrer gar nicht erst in Betracht, weil Sie ihm mangelnde Bildung vorwerfen, sonst wäre er ja kein Busfahrer. Auf die Idee, er könnte ja Busfahrer aus Leidenschaft sein, kämen Sie gar nicht. Wir Menschen sind eben so, wie wir sind. vorurteilsbeladen und unseren Urinstinkten folgend, auch wenn wir gerne anders agieren würden. Die Gene sind schuld.

    ... diese Dichotomie "Ernaehrer und Beschuetzer" oder "Waschlappen". I habe definitiv nie einen "Ernaehrer" gesucht, ernaehren kann ich mich alleine. Aber ich finde es attraktiv, wenn jemand eine lockere Selbstsicherheit ausstrahlt. Die muss sich ja nicht in beruflichem Erfolg begruenden oder ausdruecken.

    • tecnyc
    • 07. Januar 2012 16:52 Uhr

    Für alle, die es etwas genauer wissen möchten, sollten sich diesen fast schon legendären Aufsatz von Elvira J. durchlesen

    http://forum.chip.de/smal...

    Ich persönlich denke, dass dieser Wandel des Rollenbildes das Ergebnis der 68er und Linken ist. Dieses haben ja schon immer eine Umerziehung des Menschen gefordert.
    Die 68er und Linken haben ja bekanntlich auch Multikulti gepredigt und tun es ja heute immer noch. Gepredigt haben sie auch die antiautoritäre Erziehung und die freie Liebe. Dem Kommunismus standen sie oft auch nahe. Das alles hat sich bekanntlich sehr gut durchgesetzt und bewährt ;)

    Es gibt Artikel in der ZEIT, über die überraschen. So sehr, dass einem die Haare zu Berge stehen und man sich fragt, wie es dazu kommen konnte, dass so ein Schwachsinn gedruckt wird. Es ist jedoch nicht nur Schwachsinn, sondern ein Schlag ins Gesicht einer Männergeneration, die Machotum nicht mehr nötig hat, weil ihr Selbstbewusstsein auf selbstgewählten Stärken aufbaut und nicht auf Unterdrückung und Überrumpelung der Frau. Gleichberechtigung bedeutet keinesfalls Gleichmachung. Es geht um Partnerschaft, wer auch immer welchen Part übernehmen kann und möchte. An der Reflexion eigener Gefühle und einem adäquaten Umgang damit kann ich ehrlich gesagt nicht schlechtes finden. Viele Männer der jetzigen Großvätergeneration haben da so ihre Probleme mit und das ist kein Geschenk (auch nicht für ihre Beziehungen gewesen), sondern tut mir Leid.
    Ich finde die Jammerei, besonders auch in den Kommentaren, nach der Rückkehr des starken Mannes, der sich fordernd nimmt, was er begehrt ohne zu fragen, weil Frau das so braucht, echt erbärmlich. "Die Natur ist macho", so drückt sich Anissa, junge Salafistin aus Tunis, eine Seite weiter in der ZEIT zu dem Thema aus "Beim Sex herrscht der Mann über die Frau, das sagt doch alles." Es scheint auch in diesem Land Frauen zu geben, die sich die Rückkehr ins Archaische wieder wünschen. Freiheit ist halt anstrengend. Dann lieber wieder ein bisschen was auf die Fresse..und am besten hinterm Herd verstecken..

    Es ist Geschmacksache. Der Beschützer entpuppt sich als ein "Besitzer"...

    bei solchen kommentare (auch die antworten) frage ich mich, ob es in euerer welt nur schwarz und weiss gibt. was du schilderst lässt sich mmn ganz einfach erklären: eingefahrenes jagdverhalten. du "suchst" immer wieder den gleichen typ frau (oder evtl. zwei typen) und wunderst dich dann, dass sie sich immer gleich verhalten. frauen wollen i.a. einen interessanten mann, der auch selbst etwas zu erzählen hat, aber natürlich auch zuhören kann, wenn frau was erzählen möchte. was hilft einem ein mann, der zwar gut zuhören kann, aber einem sonst zu tode langweilt? es gibt auch etwas dazwisch ;)
    ad jäger und ernährer: ich habe die leise vermutung, dass eben diese einstellung grund des problems ist. sucht euch frauen, die sich selbst ernähren können. allerdings sind diese i.a. nicht durch materialle dinge zu beeindrucken und eine solche an sich zu binden bedarf etwas aufwand. selbstmitleid wird da allerdings nicht gerne gesehen ;)

    • SusaS
    • 30. Januar 2012 20:19 Uhr

    ... so ein Unfug. Jede neue Balance braucht eine Zeit um austariert zu sein und jedes Pendel - einmal angestoßen - schwingt erstmal zu stark in die Gegenrichtung bevor es in die Mitte kommt.

    Eine Frau wünscht sich in der Tat einen Mann, zu dem sie aufblicken kann, den sie bewundern kann. Viele Männer bewundern schließlich auch die Frauen, in die sie sich verlieben, zwar zunächst auch äußerlich, aber soll es länger halten und der Mann mit dieser Frau glücklich werden, bewundert er an ihr sicher nicht nur ihr Aussehen!

    Und Frauen wollen eben auch nicht NUR die Metaebene, nicht NUR Vorsicht, etc. Sie wollen erobert werden und wollen an dem Mann etwas zum Bewundern finden und...

    ... aber ehrlich, geht doch auch anders, als nur über die alte Macho-Schiene! Ich habe eine wunderbaren sensiblen Mann, mit dem man phantastisch reden kann und zwar auch über Selbstreflexion, etc. Er schlägt mir kaum je einen Wunsch ab, etc... aber ich umgekehrt eben auch nicht! Und... er schafft es mich zu begeistern, ihn für seine liebevolle Gelassenheit zu bewundern, wenn ich die Ruhe verliere, etc. Er stellt etwas auf die Beine. Ich aber genauso. Ich bewundere ihn und er bewundert auch mich.

    Die Jungs, die oben im Text beschrieben werden, sind nicht zu verweichlicht, zu gefühlsduselig oder dergleichen, sondern stecken voller Selbstzweifel. Das ist natürlich nicht sexy. Ist das für einen Mann bei einer Frau etwa sexy???

    Richtig ist: Frau will noch immer erobert werden! Das wars aber auch schon!

  2. So traurig ( und wahr ) es ist, Sie haben leider Recht. Das was weiblicherseits vorgegeben wird, stimmt mit dem tatsächlich geforderten selten überein.

    Wer heute Mann ist, hat selten was zu lachen.

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    Antwort auf "Traurig aber wahr"
    • TAR86
    • 06. Januar 2012 9:09 Uhr

    Zumindest ist er bei manchen da. Ich habe es oft genug gesehen und schon selbst versucht.

    http://xkcd.com/513/

    4 Leserempfehlungen
  3. Das ist schon ein ziemlich fieser Satz. Am besten aber, er kommt nicht zu früh.

    Ansonsten ist selbst schuld, wer auf Grönemeyer hört.

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    "Männer haben Muskeln,
    Männer sind furchtbar stark,
    Männer können alles,
    Männer kriegen 'nen Herzinfarkt und
    Männer sind einsame Streiter,
    müssen durch jede Wand, müssen immer weiter"

    Da steckt viel Wahrheit dahinter :-)

    Selten wurde ein Adjektiv so treffend gewählt.

  4. sondern ziemlich alt.

    Irgendwie erinnert mich das an mittelalterliche Minne, bzw. das was uns davon überliefert wurde. Das muß auch alles ziemlich lange gedauert haben, es gab selbst gedichtete Lieder (Mixtapes), lange Wartezeiten, keusche Treffen etc.

    2 Leserempfehlungen
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    Sex mit denen gab es nur im Tagelied einer Art Idee, die aber keine Umsetzung finden konnte.

    Wer also mit dem Rumminnen zufrieden ist, sollte ruhig weiter Akustikgitarre spielen und seinen struppigen Vollbart mit Krümeln krönen...

  5. 8. Word!

    Wie man so schön sagt. Seh ich genauso, wenn wir mal dem Artikel folge, haben sich die Männer - ob jetzt im Endeffekt zu ihrem Nachteil sei mal dahin gestellt - erfolgreich entwickelt, dann sind jetzt halt die Frauen dran, ganz einfach. Kein Männerbild verlangen, das sie nach außen verurteilen und so...
    Naja, fand den Artikel traurigerweise abschnittsweise ziemlich präzise, wenn auch überspitzt, auf meine Verhaltensmuster zutreffend, aber darüber war ich mir schon vorher bewusst. Nur dran machen kann ich nix, weil: Ich bin wie ich bin (Um mal in Grönemeryerscher Rhetorik zu bleiben)

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schade..."
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    • gorgo
    • 06. Januar 2012 9:55 Uhr

    Junger Mann, Sie erkennen sich wieder und sagen: ich bin nun mal so. Richtig, bleiben Sie so! Es war vor zwanzig, dreißig Jahren - also vor der Verabschiedung des Machos - auch nicht einfacher für einen jungen unerfahrenen Mann eine Beziehung zu finden, zu halten, glücklich zu sein. Meiner Erfahrung nach haben junge schon damals ungelenke Tapes mit zweideutig-eindeutigen Botschaften produziert und ein guter Teil bekam nicht die Angebetete. Dass Frau mit diesem oder jenem erst etwas, dann wieder nichts und dann peinlich gar nichts anfangen kann - dass wurde damals nur etwas anders rationalisiert, als heute in diesem Artikel... Und ja: Zögerlichkeit, bei Mann und Frau, heißt halt immer: Nicht ganz so sehr zu wollen, wie man gerne möchten tät. Und das kommt letztlich schnell als Nicht-Liebe rüber, bei Mann und Frau, oder?
    Auch die Freundinnen haben sich schon damals darüber "unterhalten" - und übrigens hatten auch die Damen heftigen, häufigen und - letztlich heilbaren Liebeskummer.
    Und nur nach außen gab der im Umgang mit der noch nicht zur Beziehung gediehenen Liebe (das waren in dieser Gruppe 99 %) sich damals gern besonders "männlich" - deshalb der Eindruck, es habe sich viel geändert.
    Die Findephase ist immer mit möglichen Härten durchsetzt (auch wenn man nicht immer sucht...)Lasse sich aber niemand einreden, es habe an zuviel Gefühl, Ehrlichkeit oder Senisibililtät gelegen. Nur um sich selbst kreisen (Wieviel Prozent) - das kommt immer schlecht, auf die Dauer

    Es stimmt, dass Frau einen selbstbewussten Jäger sucht, und Mann eine frauliche Frau, und dass auch die Gesellschaft dies so will.
    Aber, der Jäger und die Hausfrau sind dadurch nicht zwangsläufig die Gewinner, nur weil sie der natürlichen, gesellschaftlichen Norm folgen. Sie sind vielleicht ganz arme Kerle, die abends abgeschafft nach Hause kommen (weil sie ja die Familie ernähren müssen), die keine Zeit mehr für sich haben (weil sie ja die Kinder erziehen müssen). Und nach 10 Jahren folgt die nervenaufreibende Scheidung. Mit 50 dann der Herzinfarkt. Aber man hat funktioniert.

    Unser schüchtern, fröstelnd melancholisch dastehender junger Mann, der zwar allein aber viel Zeit für sich hat, ist vielleicht glücklich, und der heimliche Gewinner.

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