Die junge Frau fühlt sich ungewollt. Auch sie schmeißt ihr legendär destruktives Kopfkino an, sie fragt sich, wie die Songzeile über die "geteilte Einsamkeit" auf der Musikkassette zu interpretieren sei. Der junge Mann spricht nur nachts, betrunken, direkt zu ihr. Er sei verletzt worden in der Vergangenheit, er wolle seinerseits nicht verletzen, erklärt er mit ernstem Blick. Und schafft es danach schließlich doch noch, die junge Frau kurz zu küssen, nur um sich danach sofort für seine plumpe Hemmungslosigkeit zu entschuldigen. Die nächsten Treffen werden verkrampft. Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Körper haben keine Chance gegen ihre Köpfe, die junge Frau geht. Du machst alles richtig, murmelt sie traurig, sie meint den liebenswerten Gefährten. Du machst alles falsch, denkt sie und meint den gehemmten Liebhaber. "Vielleicht bin ich beziehungsunfähig?", fragt der junge Mann entschuldigend.

Statt seinen Stolz zu nehmen und nach einem letzten romantisch-heroischen Versuch einzusehen, dass es richtig wäre aufzugeben, trauert er, wochen-, monatelang. Er weiß nicht mehr, wann es Zeit ist zu gehen. Reden will er, immer wieder, besprechen, woran es lag, wie man seine Unsicherheit therapieren könnte. Er brennt neue Mixtapes, diesmal englischsprachige, von Bands, die Iron & Wine oder The Weepies heißen. Er denkt und fühlt und leidet. In stiller Melancholie, in modernem Werthertum singt er mit Bon Iver, einem bärtigen Barden in Holzfällerhemd und Kastratenstimme zur Akustikgitarre hymnisch seine Gefühle hinaus, wie er zieht er sich innerlich in eine Hütte im Wald zurück, um seine Trauer zu verstehen und zu artikulieren.

Auf die überfordernde Doppelbotschaft, in der Partnerschaft ebenbürtig, im Geschlechterspiel selbstbewusst zu sein, kann er nur mit noch mehr Reflektion antworten. Sie lässt ihn zurückkippen, jahrhunderteweit. "Du weißt ja, eigentlich mag ich dich sehr gerne / Doch du zerredest mich so lang, bis ich nicht mehr weiß, wo ich bin und was ich will / Melancholie, sei endlich still", besingt er in einer Neuauflage des Minnesängers die Unmöglichkeit seiner Liebe. Die Gedanken und Unsicherheiten seien einfach zu groß, die Frau viel zu stark, als dass er ihr geben könnte, was sie brauche.

Die junge Frau indes schimpft vor ihren Freundinnen, die böse Waschlappen-Metapher fällt. Als der junge Mann bei ihr klingelt, ihr ein letztes Tape mit seiner Bardenmusik übergibt und sie hoffnungsvoll um eine neue Chance bittet, regt sich nichts als der Wunsch, ihn tröstend in den Arm zu nehmen, anstatt sich flammend an seine starke Brust zu werfen.

Und so stehen sie am Ende zusammen, die verhinderten Partner, sich selber im Wege, freundschaftlich Arm in Arm. Bis sie sich nach einem letzten klärenden Gespräch endgültig trennen.

"Es könnte alles so einfach sein", singt Herbert Grönemeyer für sie. "Ist es aber nicht."

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