Geschlechterrollen Die Schmerzensmänner
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"Es könnte alles so einfach sein"

Die junge Frau fühlt sich ungewollt. Auch sie schmeißt ihr legendär destruktives Kopfkino an, sie fragt sich, wie die Songzeile über die »geteilte Einsamkeit« auf der Musikkassette zu interpretieren sei. Der junge Mann spricht nur nachts, betrunken, direkt zu ihr. Er sei verletzt worden in der Vergangenheit, er wolle seinerseits nicht verletzen, erklärt er mit ernstem Blick. Und schafft es danach schließlich doch noch, die junge Frau kurz zu küssen, nur um sich danach sofort für seine plumpe Hemmungslosigkeit zu entschuldigen. Die nächsten Treffen werden verkrampft. Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Körper haben keine Chance gegen ihre Köpfe, die junge Frau geht. Du machst alles richtig, murmelt sie traurig, sie meint den liebenswerten Gefährten. Du machst alles falsch, denkt sie und meint den gehemmten Liebhaber. »Vielleicht bin ich beziehungsunfähig?«, fragt der junge Mann entschuldigend.

Statt seinen Stolz zu nehmen und nach einem letzten romantisch-heroischen Versuch einzusehen, dass es richtig wäre aufzugeben, trauert er, wochen-, monatelang. Er weiß nicht mehr, wann es Zeit ist zu gehen. Reden will er, immer wieder, besprechen, woran es lag, wie man seine Unsicherheit therapieren könnte. Er brennt neue Mixtapes, diesmal englischsprachige, von Bands, die Iron & Wine oder The Weepies heißen. Er denkt und fühlt und leidet. In stiller Melancholie, in modernem Werthertum singt er mit Bon Iver, einem bärtigen Barden in Holzfällerhemd und Kastratenstimme zur Akustikgitarre hymnisch seine Gefühle hinaus, wie er zieht er sich innerlich in eine Hütte im Wald zurück, um seine Trauer zu verstehen und zu artikulieren.

Verfolgen Sie die Debatte

Mit ihrem Text über "Schmerzensmänner" hat Nina Pauer eine Debatte angeregt. Autoren und Blogger antworteten. Die FAZ, der Spiegel, die Bloggerin Julia Seeliger und der freie Journalist Jonathan Widder haben auf ihre Thesen reagiert. Bei uns erschienen Kommentare von Mely Kiyak, Harald Martenstein und Alain-Xavier Wurst.
Wenn Sie noch weitere lesenswerte Repliken kennen, schicken Sie eine Mail an community@zeit.de.

Auf die überfordernde Doppelbotschaft, in der Partnerschaft ebenbürtig, im Geschlechterspiel selbstbewusst zu sein, kann er nur mit noch mehr Reflektion antworten. Sie lässt ihn zurückkippen, jahrhunderteweit. »Du weißt ja, eigentlich mag ich dich sehr gerne / Doch du zerredest mich so lang, bis ich nicht mehr weiß, wo ich bin und was ich will / Melancholie, sei endlich still«, besingt er in einer Neuauflage des Minnesängers die Unmöglichkeit seiner Liebe. Die Gedanken und Unsicherheiten seien einfach zu groß, die Frau viel zu stark, als dass er ihr geben könnte, was sie brauche.

Die junge Frau indes schimpft vor ihren Freundinnen, die böse Waschlappen-Metapher fällt. Als der junge Mann bei ihr klingelt, ihr ein letztes Tape mit seiner Bardenmusik übergibt und sie hoffnungsvoll um eine neue Chance bittet, regt sich nichts als der Wunsch, ihn tröstend in den Arm zu nehmen, anstatt sich flammend an seine starke Brust zu werfen.

Und so stehen sie am Ende zusammen, die verhinderten Partner, sich selber im Wege, freundschaftlich Arm in Arm. Bis sie sich nach einem letzten klärenden Gespräch endgültig trennen.

»Es könnte alles so einfach sein«, singt Herbert Grönemeyer für sie. »Ist es aber nicht.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Traurig, aber wahr. So ist es leider. Als Frauenversteher bist Du alles für eine Frau, nur kein Liebespartner. Du bist einfach nur ein Freund. Frau sucht, ob instinktiv oder bewusst eben doch mehr als den Frauenversteher. Sie sucht auch 2012 immer noch einen Beschützer, Ernährer, Versorger, Jäger und keinen, bei dem sie bei einer Tasse Tee ihr Herz ausschütten kann.

    Und Mann sucht, ob instinktiv oder bewusst, immer noch die, die am ehesten in der Lage ist, ihm Nachkommen zu gebähren, ihm den Rücken frei zu halten, damit er morgens auf die Jagd gehen kann, um seine Familie zu ernähren.

    Wer etwas anders erzählt, lügt, egal ob Frau oder Mann. Auch Herbert Grönemeyer.

    War ich mal der Frauenversteher, durfte ich die Aangebetete bestenfalls im Arm halten, damit sie sich bei mir ausheulen konnte. Mehr lief aber nicht. War ich Mann, mit allen Vor- und Nachteilen, die Männlichkeit so mitsich bringt, heulte sie sich bei anderen aus und ging mit mir eine Beziehung ein.

    40 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So traurig ( und wahr ) es ist, Sie haben leider Recht. Das was weiblicherseits vorgegeben wird, stimmt mit dem tatsächlich geforderten selten überein.

    Wer heute Mann ist, hat selten was zu lachen.

    Aber im Gegensatz zu einem anderen Kommentar ist das auch nicht traurig. Frauen benutzen seit jeher die gleichen Tricks, von offensichtlich bis subtil, um Männer zu verführen. Ganze Generationen von Männern haben sich von Frauen und Medien jedoch einreden lassen, sie müssten sich verhalten wie Frauen, um Frauen zu erobern. Gleichzeitig haben die Frauen sich selber auf ein Heiligenpodest erhoben. Dadurch entstanden die im Artikel beschriebenen Grübler, die sich ständig fragen, wie sie es der Prinzessin recht machen können.
    Hintergrund des ganzen: Frauen lieben solche Männer, von denen sie wissen, dass diese sie begehren, und die sie gleichzeitig als "guten Freund" an der langen Leine lassen können. Er ist nämlich immer da, um ihr Ego zu boosten und ihr zuzuhören. Sexuelle Kontakte pflegt sie dann jedoch mit Männern, die sich wie Männer verhalten.
    Wer das als Mann durchschaut, hat ein deutlich entspannteres Leben, mehr Selbstvertrauen und viel mehr Spaß. Männer, seid Männer! (Ich hoffe, dass viele das nicht glauben, und weiter der Ideologie verhaftet als "Waschlappen" durch die Gegend laufen möchten. Erhöht nur meine Chancen, und die bösen Blicke der Waschlappen, weil sie nicht verstehen, was passiert, ja, tut mir Leid, das macht auch Spaß...)

    der im Artikel als Waschlappen dargestellte Mann versteht Frauen gerade nicht das ist ja gerade das Problem. Statt Frauen zu verstehen orientiert er sich an irgendwelchen zweifelhaften Normen die durch die Gesellschaft an ihn herangetragen werden.

    Stimmt doch einfach nicht! Ich habe auch keinen "Beschützter und Ernährer" Dabei sehe ich nicht schlecht aus und verdiene verdammt viel Kohle! [...] Und PS: Ja, ich habe einen Mann, sogar einen Traummann!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/sc

    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und wetten, ein Busfahrer, und sei er noch so nett, gebildet und charmant, käme für Sie nicht in Frage (Stichwort Versorger, denn als Busfahrer wird er Ihren gewohnten Lebensstil einfach nicht mittragen können)? Und entweder kratz dies an seinem Ego und er versucht es bei Ihnen gar nicht erst oder Sie ziehen den Busfahrer gar nicht erst in Betracht, weil Sie ihm mangelnde Bildung vorwerfen, sonst wäre er ja kein Busfahrer. Auf die Idee, er könnte ja Busfahrer aus Leidenschaft sein, kämen Sie gar nicht. Wir Menschen sind eben so, wie wir sind. vorurteilsbeladen und unseren Urinstinkten folgend, auch wenn wir gerne anders agieren würden. Die Gene sind schuld.

    ... diese Dichotomie "Ernaehrer und Beschuetzer" oder "Waschlappen". I habe definitiv nie einen "Ernaehrer" gesucht, ernaehren kann ich mich alleine. Aber ich finde es attraktiv, wenn jemand eine lockere Selbstsicherheit ausstrahlt. Die muss sich ja nicht in beruflichem Erfolg begruenden oder ausdruecken.

    • tecnyc
    • 07.01.2012 um 16:52 Uhr

    Für alle, die es etwas genauer wissen möchten, sollten sich diesen fast schon legendären Aufsatz von Elvira J. durchlesen

    http://forum.chip.de/smal...

    Ich persönlich denke, dass dieser Wandel des Rollenbildes das Ergebnis der 68er und Linken ist. Dieses haben ja schon immer eine Umerziehung des Menschen gefordert.
    Die 68er und Linken haben ja bekanntlich auch Multikulti gepredigt und tun es ja heute immer noch. Gepredigt haben sie auch die antiautoritäre Erziehung und die freie Liebe. Dem Kommunismus standen sie oft auch nahe. Das alles hat sich bekanntlich sehr gut durchgesetzt und bewährt ;)

    Es gibt Artikel in der ZEIT, über die überraschen. So sehr, dass einem die Haare zu Berge stehen und man sich fragt, wie es dazu kommen konnte, dass so ein Schwachsinn gedruckt wird. Es ist jedoch nicht nur Schwachsinn, sondern ein Schlag ins Gesicht einer Männergeneration, die Machotum nicht mehr nötig hat, weil ihr Selbstbewusstsein auf selbstgewählten Stärken aufbaut und nicht auf Unterdrückung und Überrumpelung der Frau. Gleichberechtigung bedeutet keinesfalls Gleichmachung. Es geht um Partnerschaft, wer auch immer welchen Part übernehmen kann und möchte. An der Reflexion eigener Gefühle und einem adäquaten Umgang damit kann ich ehrlich gesagt nicht schlechtes finden. Viele Männer der jetzigen Großvätergeneration haben da so ihre Probleme mit und das ist kein Geschenk (auch nicht für ihre Beziehungen gewesen), sondern tut mir Leid.
    Ich finde die Jammerei, besonders auch in den Kommentaren, nach der Rückkehr des starken Mannes, der sich fordernd nimmt, was er begehrt ohne zu fragen, weil Frau das so braucht, echt erbärmlich. "Die Natur ist macho", so drückt sich Anissa, junge Salafistin aus Tunis, eine Seite weiter in der ZEIT zu dem Thema aus "Beim Sex herrscht der Mann über die Frau, das sagt doch alles." Es scheint auch in diesem Land Frauen zu geben, die sich die Rückkehr ins Archaische wieder wünschen. Freiheit ist halt anstrengend. Dann lieber wieder ein bisschen was auf die Fresse..und am besten hinterm Herd verstecken..

    Es ist Geschmacksache. Der Beschützer entpuppt sich als ein "Besitzer"...

    bei solchen kommentare (auch die antworten) frage ich mich, ob es in euerer welt nur schwarz und weiss gibt. was du schilderst lässt sich mmn ganz einfach erklären: eingefahrenes jagdverhalten. du "suchst" immer wieder den gleichen typ frau (oder evtl. zwei typen) und wunderst dich dann, dass sie sich immer gleich verhalten. frauen wollen i.a. einen interessanten mann, der auch selbst etwas zu erzählen hat, aber natürlich auch zuhören kann, wenn frau was erzählen möchte. was hilft einem ein mann, der zwar gut zuhören kann, aber einem sonst zu tode langweilt? es gibt auch etwas dazwisch ;)
    ad jäger und ernährer: ich habe die leise vermutung, dass eben diese einstellung grund des problems ist. sucht euch frauen, die sich selbst ernähren können. allerdings sind diese i.a. nicht durch materialle dinge zu beeindrucken und eine solche an sich zu binden bedarf etwas aufwand. selbstmitleid wird da allerdings nicht gerne gesehen ;)

    • SusaS
    • 30.01.2012 um 20:19 Uhr

    ... so ein Unfug. Jede neue Balance braucht eine Zeit um austariert zu sein und jedes Pendel - einmal angestoßen - schwingt erstmal zu stark in die Gegenrichtung bevor es in die Mitte kommt.

    Eine Frau wünscht sich in der Tat einen Mann, zu dem sie aufblicken kann, den sie bewundern kann. Viele Männer bewundern schließlich auch die Frauen, in die sie sich verlieben, zwar zunächst auch äußerlich, aber soll es länger halten und der Mann mit dieser Frau glücklich werden, bewundert er an ihr sicher nicht nur ihr Aussehen!

    Und Frauen wollen eben auch nicht NUR die Metaebene, nicht NUR Vorsicht, etc. Sie wollen erobert werden und wollen an dem Mann etwas zum Bewundern finden und...

    ... aber ehrlich, geht doch auch anders, als nur über die alte Macho-Schiene! Ich habe eine wunderbaren sensiblen Mann, mit dem man phantastisch reden kann und zwar auch über Selbstreflexion, etc. Er schlägt mir kaum je einen Wunsch ab, etc... aber ich umgekehrt eben auch nicht! Und... er schafft es mich zu begeistern, ihn für seine liebevolle Gelassenheit zu bewundern, wenn ich die Ruhe verliere, etc. Er stellt etwas auf die Beine. Ich aber genauso. Ich bewundere ihn und er bewundert auch mich.

    Die Jungs, die oben im Text beschrieben werden, sind nicht zu verweichlicht, zu gefühlsduselig oder dergleichen, sondern stecken voller Selbstzweifel. Das ist natürlich nicht sexy. Ist das für einen Mann bei einer Frau etwa sexy???

    Richtig ist: Frau will noch immer erobert werden! Das wars aber auch schon!

    So traurig ( und wahr ) es ist, Sie haben leider Recht. Das was weiblicherseits vorgegeben wird, stimmt mit dem tatsächlich geforderten selten überein.

    Wer heute Mann ist, hat selten was zu lachen.

    Aber im Gegensatz zu einem anderen Kommentar ist das auch nicht traurig. Frauen benutzen seit jeher die gleichen Tricks, von offensichtlich bis subtil, um Männer zu verführen. Ganze Generationen von Männern haben sich von Frauen und Medien jedoch einreden lassen, sie müssten sich verhalten wie Frauen, um Frauen zu erobern. Gleichzeitig haben die Frauen sich selber auf ein Heiligenpodest erhoben. Dadurch entstanden die im Artikel beschriebenen Grübler, die sich ständig fragen, wie sie es der Prinzessin recht machen können.
    Hintergrund des ganzen: Frauen lieben solche Männer, von denen sie wissen, dass diese sie begehren, und die sie gleichzeitig als "guten Freund" an der langen Leine lassen können. Er ist nämlich immer da, um ihr Ego zu boosten und ihr zuzuhören. Sexuelle Kontakte pflegt sie dann jedoch mit Männern, die sich wie Männer verhalten.
    Wer das als Mann durchschaut, hat ein deutlich entspannteres Leben, mehr Selbstvertrauen und viel mehr Spaß. Männer, seid Männer! (Ich hoffe, dass viele das nicht glauben, und weiter der Ideologie verhaftet als "Waschlappen" durch die Gegend laufen möchten. Erhöht nur meine Chancen, und die bösen Blicke der Waschlappen, weil sie nicht verstehen, was passiert, ja, tut mir Leid, das macht auch Spaß...)

    der im Artikel als Waschlappen dargestellte Mann versteht Frauen gerade nicht das ist ja gerade das Problem. Statt Frauen zu verstehen orientiert er sich an irgendwelchen zweifelhaften Normen die durch die Gesellschaft an ihn herangetragen werden.

    Stimmt doch einfach nicht! Ich habe auch keinen "Beschützter und Ernährer" Dabei sehe ich nicht schlecht aus und verdiene verdammt viel Kohle! [...] Und PS: Ja, ich habe einen Mann, sogar einen Traummann!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/sc

    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und wetten, ein Busfahrer, und sei er noch so nett, gebildet und charmant, käme für Sie nicht in Frage (Stichwort Versorger, denn als Busfahrer wird er Ihren gewohnten Lebensstil einfach nicht mittragen können)? Und entweder kratz dies an seinem Ego und er versucht es bei Ihnen gar nicht erst oder Sie ziehen den Busfahrer gar nicht erst in Betracht, weil Sie ihm mangelnde Bildung vorwerfen, sonst wäre er ja kein Busfahrer. Auf die Idee, er könnte ja Busfahrer aus Leidenschaft sein, kämen Sie gar nicht. Wir Menschen sind eben so, wie wir sind. vorurteilsbeladen und unseren Urinstinkten folgend, auch wenn wir gerne anders agieren würden. Die Gene sind schuld.

    ... diese Dichotomie "Ernaehrer und Beschuetzer" oder "Waschlappen". I habe definitiv nie einen "Ernaehrer" gesucht, ernaehren kann ich mich alleine. Aber ich finde es attraktiv, wenn jemand eine lockere Selbstsicherheit ausstrahlt. Die muss sich ja nicht in beruflichem Erfolg begruenden oder ausdruecken.

    • tecnyc
    • 07.01.2012 um 16:52 Uhr

    Für alle, die es etwas genauer wissen möchten, sollten sich diesen fast schon legendären Aufsatz von Elvira J. durchlesen

    http://forum.chip.de/smal...

    Ich persönlich denke, dass dieser Wandel des Rollenbildes das Ergebnis der 68er und Linken ist. Dieses haben ja schon immer eine Umerziehung des Menschen gefordert.
    Die 68er und Linken haben ja bekanntlich auch Multikulti gepredigt und tun es ja heute immer noch. Gepredigt haben sie auch die antiautoritäre Erziehung und die freie Liebe. Dem Kommunismus standen sie oft auch nahe. Das alles hat sich bekanntlich sehr gut durchgesetzt und bewährt ;)

    Es gibt Artikel in der ZEIT, über die überraschen. So sehr, dass einem die Haare zu Berge stehen und man sich fragt, wie es dazu kommen konnte, dass so ein Schwachsinn gedruckt wird. Es ist jedoch nicht nur Schwachsinn, sondern ein Schlag ins Gesicht einer Männergeneration, die Machotum nicht mehr nötig hat, weil ihr Selbstbewusstsein auf selbstgewählten Stärken aufbaut und nicht auf Unterdrückung und Überrumpelung der Frau. Gleichberechtigung bedeutet keinesfalls Gleichmachung. Es geht um Partnerschaft, wer auch immer welchen Part übernehmen kann und möchte. An der Reflexion eigener Gefühle und einem adäquaten Umgang damit kann ich ehrlich gesagt nicht schlechtes finden. Viele Männer der jetzigen Großvätergeneration haben da so ihre Probleme mit und das ist kein Geschenk (auch nicht für ihre Beziehungen gewesen), sondern tut mir Leid.
    Ich finde die Jammerei, besonders auch in den Kommentaren, nach der Rückkehr des starken Mannes, der sich fordernd nimmt, was er begehrt ohne zu fragen, weil Frau das so braucht, echt erbärmlich. "Die Natur ist macho", so drückt sich Anissa, junge Salafistin aus Tunis, eine Seite weiter in der ZEIT zu dem Thema aus "Beim Sex herrscht der Mann über die Frau, das sagt doch alles." Es scheint auch in diesem Land Frauen zu geben, die sich die Rückkehr ins Archaische wieder wünschen. Freiheit ist halt anstrengend. Dann lieber wieder ein bisschen was auf die Fresse..und am besten hinterm Herd verstecken..

    Es ist Geschmacksache. Der Beschützer entpuppt sich als ein "Besitzer"...

    bei solchen kommentare (auch die antworten) frage ich mich, ob es in euerer welt nur schwarz und weiss gibt. was du schilderst lässt sich mmn ganz einfach erklären: eingefahrenes jagdverhalten. du "suchst" immer wieder den gleichen typ frau (oder evtl. zwei typen) und wunderst dich dann, dass sie sich immer gleich verhalten. frauen wollen i.a. einen interessanten mann, der auch selbst etwas zu erzählen hat, aber natürlich auch zuhören kann, wenn frau was erzählen möchte. was hilft einem ein mann, der zwar gut zuhören kann, aber einem sonst zu tode langweilt? es gibt auch etwas dazwisch ;)
    ad jäger und ernährer: ich habe die leise vermutung, dass eben diese einstellung grund des problems ist. sucht euch frauen, die sich selbst ernähren können. allerdings sind diese i.a. nicht durch materialle dinge zu beeindrucken und eine solche an sich zu binden bedarf etwas aufwand. selbstmitleid wird da allerdings nicht gerne gesehen ;)

    • SusaS
    • 30.01.2012 um 20:19 Uhr

    ... so ein Unfug. Jede neue Balance braucht eine Zeit um austariert zu sein und jedes Pendel - einmal angestoßen - schwingt erstmal zu stark in die Gegenrichtung bevor es in die Mitte kommt.

    Eine Frau wünscht sich in der Tat einen Mann, zu dem sie aufblicken kann, den sie bewundern kann. Viele Männer bewundern schließlich auch die Frauen, in die sie sich verlieben, zwar zunächst auch äußerlich, aber soll es länger halten und der Mann mit dieser Frau glücklich werden, bewundert er an ihr sicher nicht nur ihr Aussehen!

    Und Frauen wollen eben auch nicht NUR die Metaebene, nicht NUR Vorsicht, etc. Sie wollen erobert werden und wollen an dem Mann etwas zum Bewundern finden und...

    ... aber ehrlich, geht doch auch anders, als nur über die alte Macho-Schiene! Ich habe eine wunderbaren sensiblen Mann, mit dem man phantastisch reden kann und zwar auch über Selbstreflexion, etc. Er schlägt mir kaum je einen Wunsch ab, etc... aber ich umgekehrt eben auch nicht! Und... er schafft es mich zu begeistern, ihn für seine liebevolle Gelassenheit zu bewundern, wenn ich die Ruhe verliere, etc. Er stellt etwas auf die Beine. Ich aber genauso. Ich bewundere ihn und er bewundert auch mich.

    Die Jungs, die oben im Text beschrieben werden, sind nicht zu verweichlicht, zu gefühlsduselig oder dergleichen, sondern stecken voller Selbstzweifel. Das ist natürlich nicht sexy. Ist das für einen Mann bei einer Frau etwa sexy???

    Richtig ist: Frau will noch immer erobert werden! Das wars aber auch schon!

  2. So traurig ( und wahr ) es ist, Sie haben leider Recht. Das was weiblicherseits vorgegeben wird, stimmt mit dem tatsächlich geforderten selten überein.

    Wer heute Mann ist, hat selten was zu lachen.

    12 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Traurig aber wahr"
    • TAR86
    • 06.01.2012 um 9:09 Uhr

    Zumindest ist er bei manchen da. Ich habe es oft genug gesehen und schon selbst versucht.

    http://xkcd.com/513/

  3. Das ist schon ein ziemlich fieser Satz. Am besten aber, er kommt nicht zu früh.

    Ansonsten ist selbst schuld, wer auf Grönemeyer hört.

    11 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Männer haben Muskeln,
    Männer sind furchtbar stark,
    Männer können alles,
    Männer kriegen 'nen Herzinfarkt und
    Männer sind einsame Streiter,
    müssen durch jede Wand, müssen immer weiter"

    Da steckt viel Wahrheit dahinter :-)

    Selten wurde ein Adjektiv so treffend gewählt.

    "Männer haben Muskeln,
    Männer sind furchtbar stark,
    Männer können alles,
    Männer kriegen 'nen Herzinfarkt und
    Männer sind einsame Streiter,
    müssen durch jede Wand, müssen immer weiter"

    Da steckt viel Wahrheit dahinter :-)

    Selten wurde ein Adjektiv so treffend gewählt.

  4. sondern ziemlich alt.

    Irgendwie erinnert mich das an mittelalterliche Minne, bzw. das was uns davon überliefert wurde. Das muß auch alles ziemlich lange gedauert haben, es gab selbst gedichtete Lieder (Mixtapes), lange Wartezeiten, keusche Treffen etc.

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    Sex mit denen gab es nur im Tagelied einer Art Idee, die aber keine Umsetzung finden konnte.

    Wer also mit dem Rumminnen zufrieden ist, sollte ruhig weiter Akustikgitarre spielen und seinen struppigen Vollbart mit Krümeln krönen...

    Sex mit denen gab es nur im Tagelied einer Art Idee, die aber keine Umsetzung finden konnte.

    Wer also mit dem Rumminnen zufrieden ist, sollte ruhig weiter Akustikgitarre spielen und seinen struppigen Vollbart mit Krümeln krönen...

  5. 8. Word!

    Wie man so schön sagt. Seh ich genauso, wenn wir mal dem Artikel folge, haben sich die Männer - ob jetzt im Endeffekt zu ihrem Nachteil sei mal dahin gestellt - erfolgreich entwickelt, dann sind jetzt halt die Frauen dran, ganz einfach. Kein Männerbild verlangen, das sie nach außen verurteilen und so...
    Naja, fand den Artikel traurigerweise abschnittsweise ziemlich präzise, wenn auch überspitzt, auf meine Verhaltensmuster zutreffend, aber darüber war ich mir schon vorher bewusst. Nur dran machen kann ich nix, weil: Ich bin wie ich bin (Um mal in Grönemeryerscher Rhetorik zu bleiben)

    Antwort auf "Schade..."
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    • gorgo
    • 06.01.2012 um 9:55 Uhr

    Junger Mann, Sie erkennen sich wieder und sagen: ich bin nun mal so. Richtig, bleiben Sie so! Es war vor zwanzig, dreißig Jahren - also vor der Verabschiedung des Machos - auch nicht einfacher für einen jungen unerfahrenen Mann eine Beziehung zu finden, zu halten, glücklich zu sein. Meiner Erfahrung nach haben junge schon damals ungelenke Tapes mit zweideutig-eindeutigen Botschaften produziert und ein guter Teil bekam nicht die Angebetete. Dass Frau mit diesem oder jenem erst etwas, dann wieder nichts und dann peinlich gar nichts anfangen kann - dass wurde damals nur etwas anders rationalisiert, als heute in diesem Artikel... Und ja: Zögerlichkeit, bei Mann und Frau, heißt halt immer: Nicht ganz so sehr zu wollen, wie man gerne möchten tät. Und das kommt letztlich schnell als Nicht-Liebe rüber, bei Mann und Frau, oder?
    Auch die Freundinnen haben sich schon damals darüber "unterhalten" - und übrigens hatten auch die Damen heftigen, häufigen und - letztlich heilbaren Liebeskummer.
    Und nur nach außen gab der im Umgang mit der noch nicht zur Beziehung gediehenen Liebe (das waren in dieser Gruppe 99 %) sich damals gern besonders "männlich" - deshalb der Eindruck, es habe sich viel geändert.
    Die Findephase ist immer mit möglichen Härten durchsetzt (auch wenn man nicht immer sucht...)Lasse sich aber niemand einreden, es habe an zuviel Gefühl, Ehrlichkeit oder Senisibililtät gelegen. Nur um sich selbst kreisen (Wieviel Prozent) - das kommt immer schlecht, auf die Dauer

    Es stimmt, dass Frau einen selbstbewussten Jäger sucht, und Mann eine frauliche Frau, und dass auch die Gesellschaft dies so will.
    Aber, der Jäger und die Hausfrau sind dadurch nicht zwangsläufig die Gewinner, nur weil sie der natürlichen, gesellschaftlichen Norm folgen. Sie sind vielleicht ganz arme Kerle, die abends abgeschafft nach Hause kommen (weil sie ja die Familie ernähren müssen), die keine Zeit mehr für sich haben (weil sie ja die Kinder erziehen müssen). Und nach 10 Jahren folgt die nervenaufreibende Scheidung. Mit 50 dann der Herzinfarkt. Aber man hat funktioniert.

    Unser schüchtern, fröstelnd melancholisch dastehender junger Mann, der zwar allein aber viel Zeit für sich hat, ist vielleicht glücklich, und der heimliche Gewinner.

    • gorgo
    • 06.01.2012 um 9:55 Uhr

    Junger Mann, Sie erkennen sich wieder und sagen: ich bin nun mal so. Richtig, bleiben Sie so! Es war vor zwanzig, dreißig Jahren - also vor der Verabschiedung des Machos - auch nicht einfacher für einen jungen unerfahrenen Mann eine Beziehung zu finden, zu halten, glücklich zu sein. Meiner Erfahrung nach haben junge schon damals ungelenke Tapes mit zweideutig-eindeutigen Botschaften produziert und ein guter Teil bekam nicht die Angebetete. Dass Frau mit diesem oder jenem erst etwas, dann wieder nichts und dann peinlich gar nichts anfangen kann - dass wurde damals nur etwas anders rationalisiert, als heute in diesem Artikel... Und ja: Zögerlichkeit, bei Mann und Frau, heißt halt immer: Nicht ganz so sehr zu wollen, wie man gerne möchten tät. Und das kommt letztlich schnell als Nicht-Liebe rüber, bei Mann und Frau, oder?
    Auch die Freundinnen haben sich schon damals darüber "unterhalten" - und übrigens hatten auch die Damen heftigen, häufigen und - letztlich heilbaren Liebeskummer.
    Und nur nach außen gab der im Umgang mit der noch nicht zur Beziehung gediehenen Liebe (das waren in dieser Gruppe 99 %) sich damals gern besonders "männlich" - deshalb der Eindruck, es habe sich viel geändert.
    Die Findephase ist immer mit möglichen Härten durchsetzt (auch wenn man nicht immer sucht...)Lasse sich aber niemand einreden, es habe an zuviel Gefühl, Ehrlichkeit oder Senisibililtät gelegen. Nur um sich selbst kreisen (Wieviel Prozent) - das kommt immer schlecht, auf die Dauer

    Es stimmt, dass Frau einen selbstbewussten Jäger sucht, und Mann eine frauliche Frau, und dass auch die Gesellschaft dies so will.
    Aber, der Jäger und die Hausfrau sind dadurch nicht zwangsläufig die Gewinner, nur weil sie der natürlichen, gesellschaftlichen Norm folgen. Sie sind vielleicht ganz arme Kerle, die abends abgeschafft nach Hause kommen (weil sie ja die Familie ernähren müssen), die keine Zeit mehr für sich haben (weil sie ja die Kinder erziehen müssen). Und nach 10 Jahren folgt die nervenaufreibende Scheidung. Mit 50 dann der Herzinfarkt. Aber man hat funktioniert.

    Unser schüchtern, fröstelnd melancholisch dastehender junger Mann, der zwar allein aber viel Zeit für sich hat, ist vielleicht glücklich, und der heimliche Gewinner.

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