Residenzschloss Dresden: Ganz erbaulich
Ludwig Coulin lässt im Dresdner Residenzschloss alte Herrlichkeit wiederauferstehen. Er preist die Renaissance – und bisweilen auch den Sozialismus
© Arno Burgi/dpa

Ludwig Coulin im Großen Schlosshof des Dresdner Residenzschlosses
Der Lärm ist unerträglich, er kommt von Presslufthämmern und Rüttelplatten, von Sägen und Trennschleifern. Wer sich verständlich machen will, muss schreien. Wie Ludwig Coulin, der mitten im Großen Schlosshof steht. Und schwärmt.
»Hören Sie es?«, ruft er. »Wie musikalisch diese Baustelle ist! Ich liebe die Konzerte hier. Wenn ein Kran schwenkt, wenn der Betonmischer sich dreht oder eine Flex rotiert.« Es fühle sich an, sagt Coulin, »wie im Bayreuther Festspielhaus«.
Aber es ist das Residenzschloss, ganz im Herzen der Stadt Dresden. Dessen Akustik, preist der Bauherr, werde dereinst traumhaft sein – wenn einmal die Baumaschinen abgezogen sind. Die vier Flügel des Schlosshofs schirmten dann jedweden Straßenlärm ab. Jedes noch so leise Wort werde man verstehen können. Hier ein Konzert! Die Frage ist, wann es so weit sein kann. Ob nicht noch einige Jahre vergehen werden bis zu diesem Moment.
Ludwig Coulin und seine Mitarbeiter lassen das sächsische Schloss wiederauferstehen. In dem Generationen von Herrschern ihre Macht zur Schau stellten. Das schon 1289 erstmals erwähnt ist, dem aber erst August der Starke seinen großen Prunk verlieh. Um 1717 ließ er die Innenräume im zweiten Obergeschoss samt Audienzgemach, Schlafzimmer und Porzellanzimmer umgestalten. Ganz nach seinem Geschmack, barock also.
Wie so vieles in Dresden fiel dieses kurfürstlich-königliche Baukonglomerat aus fast sieben Jahrhunderten den Luftangriffen des 13. Februar 1945 zum Opfer. Die Giebel stürzten ein, Erker und Fenstergewände verglühten, vom Hausmannsturm brach die Spitze ab. Das Schloss brannte bis auf die Grundmauern nieder. Erst die Wendezeit brachte dem Haus wieder Glück.
1994 zog der Stuttgarter Coulin nach Dresden. Hier verantwortet er einen Etat von 337 Millionen Euro für den Wiederaufbau. 15,7 Millionen Mark hatte zuvor schon die DDR-Führung investiert. Ohne diese ersten Arbeiten wären die Nachwendemühen kaum denkbar gewesen. »Wenn die Kollegen im tiefsten Sozialismus nicht die Visionen gehabt hätten, wäre ich nicht hier«, sagt Ludwig Coulin. »Wer Zwinger und Semperoper wieder aufbauen kann, dachte ich, der schafft auch das Schloss. Und ich wollte mitschaffen.«
»In der DDR wäre man mit dem Wiederaufbau schon fertig«
Coulin hat Erfahrung mit prunkvollen Bauwerken. Ruinen schrecken ihn nicht. Sein Vater leitete einst den Wiederaufbau des Schlosses Stuttgart-Hohenheim – als das Rekonstruieren unter Architekten noch als Todsünde galt. Die Auffassung teilte der 16-jährige Sohn nicht, er packte im Schloss mit an. Später studierte er Architektur. Und nahm sich vor, alte Gemäuer zu retten.






gibt es noch solche Architekten. Es soll ja Experten geben, die behaupten, die (Bauhaus) - Architekten hätten nach 1950 mehr Kulturgut vernichtet als der 2. Weltkrieg. Und der geschmack- und gesichtslose Trend setzt sich fort. Kenne sogar drei Objekte, die einen Preis bekommen haben: entsetzlich !
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