Für die Antwort auf diese Frage müssen wir zwei akademische Disziplinen bemühen, sowohl die Physik als auch die Psychologie. Es geht hier nämlich nicht nur um die absolute Temperatur eines Gegenstands, sondern auch um unsere subjektive Temperatur-Erwartung.

Unser Hinterteil ist im Allgemeinen wärmer als die Zimmertemperatur, aber kälter als die Kerntemperatur des Körpers von 37 Grad Celsius. Herrschen im Zimmer 20 Grad, ist der Hosenboden etwa 30 Grad warm. Den Unterschied von 10 Grad merken wir, wenn wir uns auf einen Stuhl setzen – er fühlt sich kalt an.

Mit der Zeit gleichen sich die Temperatur von Hintern und Sitzfläche an, die Temperaturen bewegen sich aber nicht beide in Richtung der Mitte der Differenz, sondern werden beide wärmer. Steht man dann auf, kühlen beide wieder ab. Wie schnell, hat mit den Materialien von Stuhl und Kleidung zu tun. Aber auf jeden Fall wird der Stuhl nie wärmer als das Gesäß und kann sich deshalb nicht warm anfühlen, wenn man sich wieder draufsetzt.

Kommt man nun etwa in ein Restaurant und setzt sich auf einen Stuhl, auf dem kurz zuvor jemand gesessen hat, ohne dass man es wusste, dann erwartet man einen gewöhnlichen, nicht angewärmten Stuhl. Die höhere Temperatur überrascht dann – daher das Gefühl "warm", obwohl der Stuhl meist immer noch kälter ist als der Hintern.

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Und was, wenn wir direkt mit unserem Sitznachbarn den Stuhl tauschen? Dann gibt es (bei gleicher Hinterngröße) keinen objektiven Temperaturunterschied. Trotzdem ist bei manchen Menschen wohl die Vorstellung vom fremden Po so stark, dass sie auch hier eine rein psychologisch erklärbare "Fremdwärme" spüren.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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