Friedrich der Große Unser König?

Was ist an Friedrich dem Großen bewundernswert, was abstoßend? Acht persönliche Meinungen.

Fritz Stern

Diese schillernde Ausnahmegestalt unter den Hohenzollern war mir stets besonders präsent. Unauslöschbar meine Bilder im Kopf von der großen Unmenschlichkeit seines Vaters, jener Hinrichtung von Katte, Friedrichs Jugendfreund. Dann das Widersprüchliche des späteren Königs: ein Genie, Feldherr mit Flöte, einmalig im Europa des 18. Jahrhunderts. Aufklärung und aggressive Staatskunst fielen bei ihm zusammen – ein königlicher Vorfahr des korsischen Emporkömmlings Napoleon, dem er an Anstand und menschlicher Komplexität überlegen war. Vieles an seiner Politik war verwerflich, so zum Beispiel die Teilung Polens.

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Friedrich der Große

Am 24. Januar 1712 geboren, litt der Kronprinz mit musisch-intellektuellen Neigungen in seiner Jugend unter der brutalen Erziehung durch seinen Vater, den »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I.

1730 wurde Leutnant Katte, der Freund, dem Friedrich seine Pläne für eine Flucht nach England offenbart hatte, vor dessen Augen hingerichtet. 1733 heiratete Friedrich die ungeliebte, zeitlebens von ihm entfernt lebende Elisabeth von Braunschweig und verbrachte die Jahre von 1736 bis 1740 in Schloss Rheinsberg.

Herrschaft

1740 bestieg er den Thron, und es begann seine widersprüchliche Herrschaft: ein aufgeklärter, mit Voltaire korrespondierender Monarch im Potsdamer Schloss Sanssouci, musizierend und dichtend, der Kunst, der Philosophie und religiöser Toleranz verpflichtet – doch nach außen aggressiv. Mit drei von ihm angezettelten Kriegen konnte sich der große Feldherr Schlesien sichern; der letzte von ihnen, der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) gegen eine europäische Koalition aus Frankreich, Österreich und Russland, brachte Friedrich mehrfach an den Rand des Untergangs, dem er nur durch Glück entging. 1772 vergrößerte er sein Königreich nochmals enorm durch die Teilung Polens durch Russland, Österreich und Preußen.

Tod

Als Friedrich II. am 17. August 1786 starb, hatte er mit skrupelloser Intelligenz und zäher Willenskraft das karge, unbedeutende Preußen zu einer Großmacht geformt – dieser Herrscher beeindruckte Europa, und sein Mythos prägte fortan die deutsche Geschichte.

Im letzten Jahrzehnt habe ich aber oft an ihn gedacht: In den ersten Tagen seiner Herrschaft hat Friedrich die Folter als Mittel der Justiz abgeschafft, erstmals in Europa – ein Vorbild immer noch, leider auch für das Amerika von heute, in dem Folter wieder ein heiß umstrittenes Thema geworden ist.

Fritz Stern, geboren 1926, Historiker, ist emeritierter Professor an der Columbia University in New York

Leser-Kommentare
  1. Zwar nicht mit dem Vornamen "Friedrich"aber alle sind für
    sich für das große und das einzigartige.

    Jeder Olaf,Heinz,Klaus oder Gunter, alle halten sich für
    für die eigentliche Größe und tummeln sich permanent in
    Talkshows.
    Sie meinen Wissen zu besitzen und dieses Wissen vermitteln
    zu müssen obwohl die meisten Betrachter so wissend sind
    dass sie über diese Friedrichs süffisant lächeln.

  2. ...und ist meist etwas höher als normal.

    Also ich stelle mit Thea Dorn vor, wie sie Guttenberg, auf einer BMW GS sitzend, mit Fähnchen in der Hand anhimmelt, währen der Gigaliner auf der Autobahn antreibt.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. und seines bekanntesten Herrschers ist angesichts der Verwüstungen, die beide in der deutschen und europäischen Geschichte hinterlassen haben, wohl nur mit dem spezifischen Charakter deutscher „Eliten“ zu erklären. Es war aber kein Versehen, dass die Alliierten nicht nur die SS, sondern auch Preußen als kriminelle staatliche Formen verboten bzw. aufgelöst haben.
    Sicher gibt es Gründe für das Entstehen einer Struktur wie Preußen. Mit der Umwandlung seines Landes in ein Militärregime reagierte der Kurfürst auf die Hilflosigkeit, mit der er der Verwüstung seiner Länder im Dreißigjährigen Krieg hatte zusehen müssen. Es war eine pathologische Reaktion, eine Selbsttherapie, keine militärische Notwendigkeit.
    Und was den Philosophen und Freund der Künste betrifft: Friedrich war auf beiden Feldern Dilettant. Im ganzen 18. Jahrhundert war Deutschland das Land der Musik, der Philosophie und der Literatur, einfach weil junge Männer in Deutschland Künstler werden mussten, wenn sie etwas werden wollten. Die militärische Laufbahn war ihnen (mit Ausnahme Preußens) aus den oben genannten Gründen weitgehend versperrt. Die deutschen Kleinstaaten waren bei allen Nachteilen für die politische Entwicklung Brutstätten für Kunst, Kultur und Wissenschaft. Friedrich hat all das ignoriert, weil er nicht über die erforderliche Urteilskraft verfügte (Jugendliche Expressivität und soziale Dynamik).

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    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

    ...Sie da schreiben hat mit der (realen) Geschichte nicht viel zu tun.
    Sie kommen auch nur wieder aus der "Preussenhassecke" mit den immerselben unsachlichen und undifferenzierten Vorwürfen.
    Langweilig sind sie schon lange, ich weiß gar nicht wieso ich das noch kommentiere.

    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

    ...Sie da schreiben hat mit der (realen) Geschichte nicht viel zu tun.
    Sie kommen auch nur wieder aus der "Preussenhassecke" mit den immerselben unsachlichen und undifferenzierten Vorwürfen.
    Langweilig sind sie schon lange, ich weiß gar nicht wieso ich das noch kommentiere.

  4. 4. Bitte?

    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

  5. für diese Faszination, die von diesem Herrn für anscheinend so viele auszugehen scheint. Für mich gibt es jedenfalls weißderhimmel in dieser Zeit wichtigeres als diesen ehemaligen preußischen König. Und ich habe bisher noch nichts über ihn gelesen, was mir ihn als Mensch persönlich besonders nahe gebracht hätte. Wenn ich jetzt auch noch in der MAZ, die ihm die ganzen 8 Seiten des Wochenmagazins gewidmet hat, lese, daß sein Geburtstag übers ganze Jahr hinweg mit unglaublich kostspieligen Events gefeiert werden soll, dann gruselt es mich schon fast!Warum das alles?

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    Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

    Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

  6. Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

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    meinen Sie, sie müßten mir sagen, wann ich mich zu freuen habe? Ich kann mich nun einmal über Friedrich den Großen nicht freuen! Aber freuen Sie sich doch, über was Sie wollen!

    meinen Sie, sie müßten mir sagen, wann ich mich zu freuen habe? Ich kann mich nun einmal über Friedrich den Großen nicht freuen! Aber freuen Sie sich doch, über was Sie wollen!

  7. Und gar nicht so negativ, wie ich erwartet habe.
    Ja, im Gegensatz zu Napoleon und anderen vor/nach ihm sind seine Taten tatsächlich nicht so übermäßig schrecklich, dass man ihn anhand derer verteufeln kann.
    Das einzige, was mir sauer aufstößt ist dieser inflationäre Gebrauch des Wortes "Kadavergehorsam".
    Deutsche Soldaten und niedere Offiziere waren im Gegensatz zu anderen Armeen mit sehr vielen eigenen Rechten ausgestattet und konnten recht unabhängig handeln.
    Wenn das Kadavergehorsam ist, was haben dann die anderen Nationen gemacht?

  8. Bevor jetzt alle in Friedrichshymnen ausbrechen, sollte man auch mal hellsichtigere Köpfe zu Wort kommen lassen, solche die zu Zeiten dieses Tyrannen oder kurz danach gelebt haben. Deren Urteil fällt deutlich distanzierter aus.

    Zum Beispiel Lessing (der Friedrich's Preußen das sklavischste Land Europas nannte), Herder, Schiller ("Ich kann diesen Charakter nicht liebgewinnen") oder Johann Joachim Winckelmann ("Es schaudert mich die Haut vom Kopf bis zu den Zehen, wenn ich an den preußischen Despotismus und den Schinder der Völker denke").

    Vernichtend auch das Urteil der späteren Reformers Karl Frhr. vom und zum Stein, der eine Generation nach F.'s Tod die Reformen durchführte, die dann rückblickend das einzig Gute an Preußen's Geschichte darstellen: "Preußen wird unbedauert und ohne Nachruhm untergehen und man wird es für ein Glück halten, wenn die Macht, die durch ihren Ehrgeiz Europa erschütterte, die keine Pflichten weder gegen sich selbst noch gegen den europäischen Staatenbund erfüllt hat, zu sein aufhört."

    Thea Dorn's wunderlichen Schlußsatz kann man nur zu verstehen, wenn man weiß, daß sich manche Frauen gerne gruseln.

    Eine Leser-Empfehlung

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