Friedrich der Große Unser König?
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Thea Dorn

Thea Dorn

Friedrich der Große! Das geht runter, als hätte es eine PR-Agentur erfunden. Dabei sollte uns die Zunge erstarren, wenn wir diesen Namen aussprechen. Aber unsere jubiläumsselige Juxkultur bewahrt uns vor dem Schock. Wen kümmert’s, dass dieser Friedrich »groß« genannt wurde, nachdem er – frisch auf dem Thron – Schlesien zum ersten Mal und dann gleich wieder überfallen hatte? Dass er derjenige war, der das preußische Heer, das sein Vater, der in die »Langen Kerls« vernarrte »Soldatenkönig«, eher zum privaten plaisier aufgebaut hatte, in den Ernstfall trieb? Dass schon der zartbesaitete Jüngling notierte: »Ich schreite immer von Land zu Land, von Eroberung zu Eroberung, indem ich mir wie Alexander der Große immer neue Welten zur Eroberung vornehme«?

Wir begnügen uns mit dem Kartoffelkönig, dem Toleranten, dem Flötenspieler, dem Windhundliebhaber. Den könnten wir uns gut vorstellen, wie er die Weihnachtsansprache hielte. Der könnte bei Günther Jauch im weichen Sessel sitzen und dürfte dazu auch eine Prise Schnupftabak nehmen. Dass die Geschichte mit der Kartoffel höchstens zur Hälfte stimmt, dass seine Toleranz Friedrich nicht daran hinderte, das »unnütze Judenvolk« aus Breslau vertreiben zu lassen, dass seine Flötenstücke bestenfalls artig waren, während sein Windhundverhältnis Züge ins Unartige gehabt haben mag – darauf mögen sich die Schwarmintelligenzler aus dem Internet stürzen.

Wären wir ehrlich, müssten wir zugeben, dass uns dieser Maßlose, der so rücksichtslos gegen sich und die Welt agierte, zu Tode ängstigt. Wären wir noch ehrlicher, müssten wir zugeben, dass uns solch ein begnadeter Berserker fehlt, einer, der uns Zaghaften, die von morgens bis abends auf die Gesundheit achten und nicht nur beim Sport auf Ausgleich bedacht sind, vom Gaul herab zuruft: »Kerls! Wollt ihr denn ewig leben?« Monseigneur, ich gratuliere Ihnen, dass Sie vor 300 Jahren geboren worden sind.

Thea Dorn, geboren 1970, Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin

 
Leser-Kommentare
  1. Zwar nicht mit dem Vornamen "Friedrich"aber alle sind für
    sich für das große und das einzigartige.

    Jeder Olaf,Heinz,Klaus oder Gunter, alle halten sich für
    für die eigentliche Größe und tummeln sich permanent in
    Talkshows.
    Sie meinen Wissen zu besitzen und dieses Wissen vermitteln
    zu müssen obwohl die meisten Betrachter so wissend sind
    dass sie über diese Friedrichs süffisant lächeln.

  2. ...und ist meist etwas höher als normal.

    Also ich stelle mit Thea Dorn vor, wie sie Guttenberg, auf einer BMW GS sitzend, mit Fähnchen in der Hand anhimmelt, währen der Gigaliner auf der Autobahn antreibt.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. und seines bekanntesten Herrschers ist angesichts der Verwüstungen, die beide in der deutschen und europäischen Geschichte hinterlassen haben, wohl nur mit dem spezifischen Charakter deutscher „Eliten“ zu erklären. Es war aber kein Versehen, dass die Alliierten nicht nur die SS, sondern auch Preußen als kriminelle staatliche Formen verboten bzw. aufgelöst haben.
    Sicher gibt es Gründe für das Entstehen einer Struktur wie Preußen. Mit der Umwandlung seines Landes in ein Militärregime reagierte der Kurfürst auf die Hilflosigkeit, mit der er der Verwüstung seiner Länder im Dreißigjährigen Krieg hatte zusehen müssen. Es war eine pathologische Reaktion, eine Selbsttherapie, keine militärische Notwendigkeit.
    Und was den Philosophen und Freund der Künste betrifft: Friedrich war auf beiden Feldern Dilettant. Im ganzen 18. Jahrhundert war Deutschland das Land der Musik, der Philosophie und der Literatur, einfach weil junge Männer in Deutschland Künstler werden mussten, wenn sie etwas werden wollten. Die militärische Laufbahn war ihnen (mit Ausnahme Preußens) aus den oben genannten Gründen weitgehend versperrt. Die deutschen Kleinstaaten waren bei allen Nachteilen für die politische Entwicklung Brutstätten für Kunst, Kultur und Wissenschaft. Friedrich hat all das ignoriert, weil er nicht über die erforderliche Urteilskraft verfügte (Jugendliche Expressivität und soziale Dynamik).

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    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

    ...Sie da schreiben hat mit der (realen) Geschichte nicht viel zu tun.
    Sie kommen auch nur wieder aus der "Preussenhassecke" mit den immerselben unsachlichen und undifferenzierten Vorwürfen.
    Langweilig sind sie schon lange, ich weiß gar nicht wieso ich das noch kommentiere.

    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

    ...Sie da schreiben hat mit der (realen) Geschichte nicht viel zu tun.
    Sie kommen auch nur wieder aus der "Preussenhassecke" mit den immerselben unsachlichen und undifferenzierten Vorwürfen.
    Langweilig sind sie schon lange, ich weiß gar nicht wieso ich das noch kommentiere.

  4. 4. Bitte?

    Preußen als „kriminelle staatliche Form“, gleichzusetzen mit der SS? Friedrich der II. als Protofaschist? Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Die Verwüstungen Friedrichs sind gegenüber denen Napoleons eher vernachlässigbar. Beide haben aber neben Unheil auch viel Gutes bewirkt. Friedrich war in Kunst und Philosophie bei weitem kein Dilettant. Vielleicht lesen Sie bei Gelegenheit seine Schriften oder die Korrespondenz mit Voltaire. Außerdem hat er Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht etwa ignoriert, sondern in der Preußischen Akademie der Wissenschaften stark gefördert.

  5. für diese Faszination, die von diesem Herrn für anscheinend so viele auszugehen scheint. Für mich gibt es jedenfalls weißderhimmel in dieser Zeit wichtigeres als diesen ehemaligen preußischen König. Und ich habe bisher noch nichts über ihn gelesen, was mir ihn als Mensch persönlich besonders nahe gebracht hätte. Wenn ich jetzt auch noch in der MAZ, die ihm die ganzen 8 Seiten des Wochenmagazins gewidmet hat, lese, daß sein Geburtstag übers ganze Jahr hinweg mit unglaublich kostspieligen Events gefeiert werden soll, dann gruselt es mich schon fast!Warum das alles?

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    Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

    Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

  6. Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ist. Außerdem sollten sie sich freuen, wenn sich in Deutschland mit Geschichte beschäftigt wird und das Ereignis oder die Person nichts mit 1933 bis 45 zu tun hat.

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    meinen Sie, sie müßten mir sagen, wann ich mich zu freuen habe? Ich kann mich nun einmal über Friedrich den Großen nicht freuen! Aber freuen Sie sich doch, über was Sie wollen!

    meinen Sie, sie müßten mir sagen, wann ich mich zu freuen habe? Ich kann mich nun einmal über Friedrich den Großen nicht freuen! Aber freuen Sie sich doch, über was Sie wollen!

  7. Und gar nicht so negativ, wie ich erwartet habe.
    Ja, im Gegensatz zu Napoleon und anderen vor/nach ihm sind seine Taten tatsächlich nicht so übermäßig schrecklich, dass man ihn anhand derer verteufeln kann.
    Das einzige, was mir sauer aufstößt ist dieser inflationäre Gebrauch des Wortes "Kadavergehorsam".
    Deutsche Soldaten und niedere Offiziere waren im Gegensatz zu anderen Armeen mit sehr vielen eigenen Rechten ausgestattet und konnten recht unabhängig handeln.
    Wenn das Kadavergehorsam ist, was haben dann die anderen Nationen gemacht?

  8. Bevor jetzt alle in Friedrichshymnen ausbrechen, sollte man auch mal hellsichtigere Köpfe zu Wort kommen lassen, solche die zu Zeiten dieses Tyrannen oder kurz danach gelebt haben. Deren Urteil fällt deutlich distanzierter aus.

    Zum Beispiel Lessing (der Friedrich's Preußen das sklavischste Land Europas nannte), Herder, Schiller ("Ich kann diesen Charakter nicht liebgewinnen") oder Johann Joachim Winckelmann ("Es schaudert mich die Haut vom Kopf bis zu den Zehen, wenn ich an den preußischen Despotismus und den Schinder der Völker denke").

    Vernichtend auch das Urteil der späteren Reformers Karl Frhr. vom und zum Stein, der eine Generation nach F.'s Tod die Reformen durchführte, die dann rückblickend das einzig Gute an Preußen's Geschichte darstellen: "Preußen wird unbedauert und ohne Nachruhm untergehen und man wird es für ein Glück halten, wenn die Macht, die durch ihren Ehrgeiz Europa erschütterte, die keine Pflichten weder gegen sich selbst noch gegen den europäischen Staatenbund erfüllt hat, zu sein aufhört."

    Thea Dorn's wunderlichen Schlußsatz kann man nur zu verstehen, wenn man weiß, daß sich manche Frauen gerne gruseln.

    Eine Leser-Empfehlung

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