Israel: Wer hasst da wen?
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum diffamiert einen Israel-Kritiker
Im publizistischen Nahostkonflikt ist ein eher leichtfertiger Umgang mit dem Vorwurf des Antisemitismus üblich. Was gerade geschehen ist, sprengt allerdings diesen Rahmen. Die Frage ist, ob sie womöglich gemeinsam durchdrehen: Israel, das Land, das sich anschickt, eine Zwei-Staaten-Lösung durch neue Siedlungen endgültig zu verhindern, während zwei Drittel seiner jüdischen Bewohner nach einer aktuellen Umfrage den Palästinensern in einem gemeinsamen Staat die Bürgerrechte verweigern wollen. Und seine Lobby, die soeben in Gestalt des renommierten Simon-Wiesenthal-Zentrums den deutschen Journalisten Jakob Augstein zu einem der schlimmsten Antisemiten der Welt erklärt hat.
In einer Reihe mit Ahmadinedschad
Angeblich soll Kritik an Israel auch aus Sicht seiner verbohrtesten Anhänger erlaubt bleiben. Zum Nachweis für Antisemitismus taugt darum nach dieser Logik nicht eine beliebige Israel-Kritik, sondern nur eine, die so maßlos und abwegig ist, dass sie auch bei bestem Willen nur durch finstere Motive erklärt werden kann. Was also hat Augstein verbrochen? Es ist kaum zu glauben: Was ihm vorgehalten wird, geht über triviale Feststellungen kaum hinaus. Wie kann man ernsthaft bestreiten, dass Israel in Gaza seine eigenen Gegner heranzüchtet, wie Augstein beobachtet? Man mag die Isolation der Gaza-Bewohner richtig oder falsch finden; dass sie die Bedingungen für den fortgesetzten Erfolg von Hamas schafft, ist offensichtlich.
Oder: Was ist antisemitisch daran, US-Republikaner und die Netanjahu-Regierung als Nutznießer der antiamerikanischen Ausschreitungen in Libyen zu bezeichnen? Die israelische Rechte hat nie bestritten, dass sie Obamas Gegnern im Wahlkampf alles Gute wünschte, und tatsächlich haben die Republikaner den Tod des US-Botschafters in Bengasi kräftig ausgeschlachtet – all das ist unbestreitbar.
Sogar Israels Nuklearrüstung soll plötzlich über Kritik erhaben sein. In aller Welt kritisieren Atomwaffengegner Atomwaffen. Wer aber Bedenken gegen israelische Atomwaffen vorträgt, die einzigen in der Region, der muss Antisemit sein!
All das könnte komplett sinnlos wirken, aber leider hat es einen Sinn. Wer einen Publizisten wie Augstein mit Neonazis und islamistischen Hetzern in eine Reihe stellt, der glaubt offenbar, dass für Israel die öffentliche Debatte in westlichen Demokratien mindestens so bedrohlich ist, wie Antisemiten vom Schlag eines Ahmadinedschad es sind.








Zwischen der Kritik an einer Regierung und der Krtik oder Schmähung einer Rasse. Und der Begriff "Antisemit" wird in wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, um den Hass gegenüber der jüdischen Rasse darzustellen.
Sie setzen diese Anschauung mit bloßer zwar einseitiger (jedoch ist auch die Stellung der Bundesregierung zum Iran einseitig, ist Deutschland also antiislamisch, hassen wir diese Religionsanhänger?)völlig plakativ gleich und übersehen, dass er ein bloßer Kritiker ist.
Das hat auch nichts mit "Neo-Antisemitismus" zu tun, außer der Neo-Antisemitismus drückt sich darin aus, nicht in allen Punkten der israelischen Regierung oder allgemein einer Politik/Anschauung zuzustimmen, doch dann wäre wohl ein Großteil Deutschlands neo-antisemitisch.
Wer von einer „jüdischen Rasse“ spricht, sollte erst einmal erläutern, was er/sie damit meint. Soll sie genetische Gemeinsamkeiten haben, die sie von anderen Menschen unterscheidet? Wohl kaum. Wen die Nazis als Juden „klassifiziert“ haben, musste nach jüdischer Auffassung noch lange keiner sein – und umgekehrt. „Rassistischer“ Antisemitismus ist ein Hirngespinst.
Was bleibt also, wenn es um Antisemitismus geht? Um Vorurteile aufgrund des Glaubens dürfte es kaum gehen - ich kann mir niemanden vorstellen, der einen oder gar „die“ Juden wegen der Religion ablehnte. Gibt es andere Gemeinsamkeiten von Juden, die andere Menschen nicht haben? Nichts bekannt.
Wenn sich heute jemand kritisch mit der israelischen Politik im Nahen Osten auseinandersetzt, dann geht es um die israelische Politik in Taten und Worten, vor allem die Politik gegenüber Palästinensern im Gaza, im Westjordanland und in Israel selbst. Nicht um Glaubens- oder Rassenvorurteile.
Aber wenn man das einräumen wollte, würde ja der bequeme Antisemitismus-Vorwurf unbrauchbar.
Wer von einer „jüdischen Rasse“ spricht, sollte erst einmal erläutern, was er/sie damit meint. Soll sie genetische Gemeinsamkeiten haben, die sie von anderen Menschen unterscheidet? Wohl kaum. Wen die Nazis als Juden „klassifiziert“ haben, musste nach jüdischer Auffassung noch lange keiner sein – und umgekehrt. „Rassistischer“ Antisemitismus ist ein Hirngespinst.
Was bleibt also, wenn es um Antisemitismus geht? Um Vorurteile aufgrund des Glaubens dürfte es kaum gehen - ich kann mir niemanden vorstellen, der einen oder gar „die“ Juden wegen der Religion ablehnte. Gibt es andere Gemeinsamkeiten von Juden, die andere Menschen nicht haben? Nichts bekannt.
Wenn sich heute jemand kritisch mit der israelischen Politik im Nahen Osten auseinandersetzt, dann geht es um die israelische Politik in Taten und Worten, vor allem die Politik gegenüber Palästinensern im Gaza, im Westjordanland und in Israel selbst. Nicht um Glaubens- oder Rassenvorurteile.
Aber wenn man das einräumen wollte, würde ja der bequeme Antisemitismus-Vorwurf unbrauchbar.
Sie verquirlen hier einen antiimperialistisch motivierten Antizionismus mit einem immer rassistischen Antisemitismus. Ersteres ist die Meinung, dass niemand das Recht hat, willkürlich "Kolonien" in Gebieten zu errichten, wo andere Menschen wohnen; letzeres ist die Ursache von ersterem, nämlich die Ansicht, dass manche Völker "wertvoller" seien als andere und diesen anderen darum ihre Meinung aufzuzwingen hätten.
Antisemitismus richtet sich gegen Semiten, d.h. Menschen einer bestimmten, willkürlich abgegrenzten "Rasse"; Antijudaismus, der sich ebenfalls in erster Linie unter Antisemiten großer Verbreitung erfreut, gegen die jüdische Religion. Antizionismus hingegen kann, muss aber nicht antisemitisch motiviert sein.
"Dennoch ist Augstein latent judenfeindlich, wie es eben die aufgeklaerte Linke in Deutschland nun mal ist."
Ich gehe mal davon aus, dass Sie im extrem konservativen Lager zuhause sind, und sich deshalb solche Rundumschläge erlauben.
Zum Glück stimmt das nicht im Geringsten, und wahrscheinlich wissen Sie das auch, kamen aber aufgrund eines ansonsten Nichtgehörtwerdens zu der Möglichkeit hier mal auf die Sahne zu hauen.
Schon alleine dem Linken Lager per se Judenfeindlichkeit vorzuwerfen ist ziemlich hirnlos.
Sollten Sie aber gemeint haben, dass die Linke per se kritisch den extremen Zionisten gegenübersteht, dann hatten Sie sich wohl nur falsch ausgedrückt, und kommen der Sache etwas näher...
Herr Augstein ist ein Journalist, der ab und wann mal Aufmerksamkeit benötigt, die hat er jetzt bekommen und kann sich an seiner gesteigerten Popularität erfreuen.
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum macht sich leider lächerlich mit der Ächtung Herrn Augsteins, da gibt es hundert andere die schnellstens auf die (sinnlose) Liste müssten.
Schade auch, dass es kaum Menschen gibt, die "normal" über Israelis, Juden oder Zionisten reden können.
Aber wie ich schon einmal sagte, bin ich überzeugt davon, dass auch diese ewig Keulenschwingenden bald der Vergangenheit angehören. Diese Antisemitismuskeule oder den alten Judenhass, alles werden wir bald überwunden haben, ich kann nicht glauben, dass so viel Idiotie überleben kan.
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum bezieht sich in seiner abwegigen Einschätzung Augsteins auf Henryk M. Broder der als "respektierter Kolumnist und Antisemitismus-Experte" bezeichnet wird (klar - und Dieter Bohlen ist ein ernsthafter Musiker und Experte in Frauen-Fragen).
Augstein sollte den Mut haben und Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede stellen.
Es ist hanebüchen, was in Deutschland als Antisemitismus bezeichnet wird. Antisemitismus bedeutet Judenhass und nicht jedwede Kritik an der israelischen Regierung.
Es wird ja immer mit dem Vorwurf gearbeitet, dass Israel unter besonderer Beobachtung stünde und allein das schon antisemitisch sei. Ich für meinen Teil halte Israel für die einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten und lege deshalb (!) einen strengeren Maßstab an.
Was ich wirklich schlimm finde ist, dass echte Antisemiten sich mit Verweis auf die hysterische Verunglimpfung von Augstein, Walser und Grass exculpieren werden.
Was ich weiterhin sehr schlimm finde ist, dass man offenbar nicht weiß, wer Freund und wer Feind ist. Helmut Kohl war seinen Lippenbekenntnissen nach auch ein "Freund" Israels, was ihn nicht daran hinderte, den Export von Giftgas-Raketen an Saddam Hussein zu genehmigen. Israel wurde mit deutschem Giftgas beschossen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.... Kohl ist kein Antisemit und Augstein schon? Was für eine Farce!
...verboten oder unerwünscht ist, der soll bitte erklären, warum Angela Merkel und andere deutsche Politiker, wiederholt den illegalen Siedlungsbau in der Westbank kritisiert haben, ohne dafür von der ach so mächtigen jüdischen Lobby auf den Deckel zu bekommen. Ähnliches liest man oft in den Kommentaren von Zeit, Spiegel oder FAZ. Da kriegt keiner einen Brandbrief vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Liegt das vielleicht daran, dass diese Leute mit nachvollziehbaren und rationalen Argumenten Kritik an der israelischen Regierung üben, im Gegensatz zu Augstein, der lieber auf Verschwörungstheorien und antisemitische Stereotypen setzt?
Wer von einer „jüdischen Rasse“ spricht, sollte erst einmal erläutern, was er/sie damit meint. Soll sie genetische Gemeinsamkeiten haben, die sie von anderen Menschen unterscheidet? Wohl kaum. Wen die Nazis als Juden „klassifiziert“ haben, musste nach jüdischer Auffassung noch lange keiner sein – und umgekehrt. „Rassistischer“ Antisemitismus ist ein Hirngespinst.
Was bleibt also, wenn es um Antisemitismus geht? Um Vorurteile aufgrund des Glaubens dürfte es kaum gehen - ich kann mir niemanden vorstellen, der einen oder gar „die“ Juden wegen der Religion ablehnte. Gibt es andere Gemeinsamkeiten von Juden, die andere Menschen nicht haben? Nichts bekannt.
Wenn sich heute jemand kritisch mit der israelischen Politik im Nahen Osten auseinandersetzt, dann geht es um die israelische Politik in Taten und Worten, vor allem die Politik gegenüber Palästinensern im Gaza, im Westjordanland und in Israel selbst. Nicht um Glaubens- oder Rassenvorurteile.
Aber wenn man das einräumen wollte, würde ja der bequeme Antisemitismus-Vorwurf unbrauchbar.
Bitte lesen Sie sich meinen letzten Kommentar noch einmal. Israel wird dauernd von irgendjemanden wegen irgendwas kritisiert - oft zu Recht, oft zu Unrecht. Doch so oft, wie Sie das unterstellen, grüßt eben nicht die "Antisemitismuskeule".
Nennen Sie mir doch bitte ein Beispiel, bei dem eine Person des öffentlichen Lebens Israel rational und ohne unlautere Unterstellungen und Verschwörungstheorien kritisiert hat (auch mit, wie Sie sagen, den gleichen Maßstäben wie bei anderen Staaten) - und dann von einer nennenswerten jüdischen oder israelischen Organisation pauschal des Antisemitismus bezichtigt wurde.
Warum ist Grass nicht auf dieser Liste? Das wäre schon allein aufgrund seines "Gedichtes" und seiner verheimlichten SS-Mitgliedschaft sicher gerechtfertigt.
Daß Augstein, wenn auch Nachzügler, als der Antisemit benannt wird, der er ist, ist hingegen völlig gerechtfertigt. Wer, wie hier
http://www.spiegel.de/pol...
Israel am Ende noch für das Los der Schlecker-Frauen verantwortlich macht, und im gleichen Artikel dann die Lüge auftischt, der Iran würde nur deshalb die Atombombe bauen, weil er sich von Israels Ubooten bedroht fühlt (die ganz eindeutig -sollten sie tatsächlich mit Atomwaffen ausgerüstet sein- eine Zweitschlag-Waffe mit defensivem Charakter darstellen), der hat sich seinen Platz unter Antisemiten sicher verdient.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren