Ein Polizist beschützt die italienische Notenbank in Rom © Getty Images

Der Weihnachtsurlaub ist vorüber. Die Finanzkrise ist zurück. Sie sieht aus wie eine alte Bekannte, doch sie ist nicht mehr die Alte. Zwar gilt es immer noch, Europa zu retten, aber mehr denn je soll die Gemeinschaft auch reformiert werden. Nach wie vor müssen die Finanzmärkte funktionieren, jetzt aber muss es endlich gerecht zugehen. Alte Ideen mischen sich mit neuen, in der Politik entsteht frischer Elan – sei es beim Aufbau eines neuen Europas oder bei der Lastenverteilung zwischen den Ländern. So unvorhersagbar das Finanzgeschehen auch ist, steht doch fest: Die Krise 2012 wird kein Déjà-vu.

Hart wird sie, weil sich das Wachstum aus Europa zurückzieht. Bei den Deutschen hinterlässt das kaum Spuren, doch die Krisenländer wanken, ihre Schulden türmen sich höher als gedacht. Erschwerte Bedingungen sind das für den deutschen Versuch, Europa nicht bloß zu retten , sondern gleichzeitig – und nur so geht es! – zu verwandeln. 2011 hat Europa sich selbst einen Pakt versprochen, zu dem es jetzt stehen muss.

Stichwort neues Europa. Machen wir uns nichts vor: Die Mittelmeervölker halten die geplanten Regeln zur Schuldenbegrenzung für deutschen Stabilitätswahn. Sie ziehen nur mit, weil die rettenden Milliarden von Angela Merkel anders nicht zu haben sind. Aber damit nicht genug: Schnell muss das jetzt alles gehen. Schnell muss Europa den Plan umsetzen , muss Vertrauen schaffen, bevor den Griechen das Kapital und den Italienern die Geduld ausgeht.

Der neue Stabilitätspakt und die Finanzierung des Rettungsfonds, Arbeitsmarktreformen am Mittelmeer und künftige Konjunkturhilfen für die Krisenländer – all das bedingt einander. Dabei braucht Europa nicht nur das Vertrauen der Finanzmärkte, sondern auch das seiner Bürger. Und was Bürger für fair halten, gefällt Bankern nicht unbedingt.

Selbst die europaunwilligen Briten haben eine Börsensteuer

Das fängt bei der neuen Steuer auf Finanzmarktgeschäfte an. Frankreichs Präsident Sarkozy fordert die Abgabe jetzt , erst bei sich in Frankreich, später in Europa. Bloß nicht, sagt die deutsche Finanzlobby im Verein mit der FDP , dann flüchten alle Profis nach London und New York , weil Geldprofis überall auf der Welt Geschäfte machen wollen. Aber die Briten erheben selbst eine kleine Börsensteuer, und es geht ihnen gut dabei. Tatsächlich dürfte eine neue Abgabe den europäischen Ländern einige Milliarden eintragen und könnte spekulative An- und Verkäufe im Minutentakt so verteuern, dass manche Überhitzung vermieden würde. Es spricht also einiges für die Steuer, mit der Europa seinen Bürgern zeigen könnte, dass es mehr tut, als nur zu sparen.

Schwieriger wird es mit der Gerechtigkeit, wenn es um die Lastenverteilung zwischen den Nationen geht. 2011 gab es da ein merkwürdiges Ungleichgewicht. Europa versuchte fast alles, um den Krisenländern zu helfen – deren wohlhabende Bürger schafften dagegen Geld ins Ausland, und ihre Regierungen von Athen bis Madrid kamen mit den Reformen nur schwer voran.