MotivationLob macht Karriere

Und ist für jeden im Beruf wichtig. Aber welche Form der Anerkennung motiviert uns wirklich? von Peter Wagner

Claus von Wagner ist 34 Jahre alt und hat 2011 an gut 160 Abenden auf deutschen Kleinkunstbühnen gestanden. Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt 3 Sekunden Gegenwart , und darin spielt er einen jungen Mann, der in der Nacht vor einer Gerichtsverhandlung, in der es um das Sorgerecht für seine Tochter geht, sein Leben einer Bestandsaufnahme unterzieht. Das klingt ernst, ist aber lustig. Bei einem Auftritt in der Lach- und Schießgesellschaft in München fühlt sich das Publikum sehr gut unterhalten, der Applaus nach zweieinhalb Stunden versiegt nur langsam. Ein paar Wochen später versucht von Wagner in einem Kaffeehausgespräch das Gefühl zu beschreiben, das sich einstellt, wenn er sich vor den Zuschauern verneigt. »Der Moment strahlt eine unglaubliche Faszination aus«, sagt er. Was von Wagner macht, ist Autorenkabarett. Er schreibt seine Texte selber, und der Applaus und die lobenden Worte am Ende eines gelungenen Abends gehören deshalb ganz allein ihm. »Wenn die Eitelkeit eines Kabarettisten, sich alleine auf eine Bühne zu stellen und etwas zu sagen, auch noch belohnt wird«, sagt von Wagner, »dann hat das schon was.«

Der Münchner wird immer wieder als eine der Nachwuchshoffnungen des deutschen Kabaretts bezeichnet, weil er Politik und Alltag in sehr persönlichen und lebensnahen Programmen zusammenführt. Wagner selbst weiß gar nicht mehr genau, wie oft er schon mit einem Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde. Auf Wikipedia immerhin sind unter seinem Namen 16 Preise verzeichnet. All das Lob sei schon schön, sagt von Wagner und wirkt trotzdem nachdenklich. Lob ist nämlich nicht gleich Lob.

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Das richtige Lob und die damit verbundene Anerkennung sind etwas Zentrales im Leben. Kleinkinder kommen ohne Zuwendung und Bestärkung gar nicht aus, und bei erwachsenen Menschen ist es im Grunde nicht anders: Es gibt Manager, die behaupten, sie würden nicht wegen des Geldes aufstehen , sondern wegen der Aussicht, dass andere sie toll finden. Doch während uns schlechte Erlebnisse lange verfolgen, verpuffen schöne Erlebnisse sehr schnell. Lob ist wie Essen: Wir vertragen es dreimal am Tag und morgen schon wieder. Das Schulterklopfen und der erhobene Daumen sind deshalb Zeichen, um die wir gerne und vor allem im Berufsalltag kreisen. Erst mit der Gewissheit, dass der Chef zufrieden ist, stellt sich auch beim Mitarbeiter Zufriedenheit ein.

Früher, als Deutschland noch eine Agrargesellschaft war, spielte die Anerkennung der eigenen Arbeit durch andere womöglich eine geringere Rolle. Die Bauern fuhren morgens auf den Acker und bestellten das Feld. Am Abend fuhren sie wieder nach Hause und wussten, was sie getan hatten. Etwas geschafft zu haben – das macht zufrieden. In der Dienstleistungsgesellschaft dagegen, in einer von Computern und Büroarbeit dominierten Welt, hat der moderne Arbeiter häufig mit Projekten zu tun, die nie so richtig fertig werden. Er sieht am Abend nicht das fein gekrümelte Feld. Stattdessen braucht er eine explizit ausgesprochene Form von Anerkennung. Das Lob seines Vorgesetzten zum Beispiel. Doch das kommt so selten, und wenn, dann kommt es oft falsch rüber. Loben ist leider nicht leicht, man muss es lernen.

In den vergangenen Jahren ist eine ganze Reihe von Studien erschienen, in denen sich Menschen über zu wenig Lob am Arbeitsplatz beschweren. Wenn die Meinungsforscher von Gallup ihren Engagement Index vorstellen, steht dort eine Zahl, die sich seit Jahren kaum verändert: Nur jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer sagt, dass ihm für gute Arbeit auch Lob ausgesprochen werde. Während in den USA keine Konversation ohne Wörter wie great oder wonderful auskommt, steht das Lob in Deutschland im Verdacht, ein Werkzeug der Manipulation zu sein . Hierzulande wurde ja auch der Philosoph Friedrich Nietzsche geboren, der dem weltweiten Zitateschatz den Spruch »Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel« zufügte.

Claus von Wagner kennt viele Arten von Zuspruch, und manchen misstraut er tatsächlich. Loben, sagt er, habe viele Facetten. Der Kabarettist wird zum Beispiel skeptisch, wenn die Leute voreilig und laut Pointen wegklatschen. Dann stellt er sich die Frage, ob seine Zuschauer eigentlich auch zuhören. Claus von Wagner irritieren Menschen, die ihn nach seiner Vorstellung mit ihrem Lob vereinnahmen wollen. »Es gibt Leute, die besonders den politischen Teil des Abends loben und dann vor allem die Erwähnung bestimmter Politiker. Die möchten, dass du mit ihnen gedanklich in eine bestimmte Richtung läufst.« Von Wagner wundert sich auch manchmal über Berichte, in denen Journalisten in ihm den »neuen Stern am Kabaretthimmel« sehen. Das sei schön, sagt er. »Aber man darf es trotzdem nicht glauben.« In den Rezensionen der Programme von Kollegen stehe so was schließlich auch immer wieder.

Leserkommentare
    • Thuure
    • 14. Januar 2012 10:02 Uhr

    Daß Gelobtwerden angenehm und motivierend, andererseits aber auch manipulierend sein kann, ist vor allem eines - es ist banal. Bei dieser Hochstilisierung von Banalitäten a la "Lob ist nicht gleich Lob" (etwa mit der wahrscheinlich zwangsläfigen Folge, daß "Führungskräfte" nun UNBEDINGT einen Wie-lobe-ich-richtig-Lehrgang absolvieren müssen - ich vermute mal, daß es diese Lehrgänge in Us-Amerika gibt) kann man sich nur an den Kopf fassen. Da wird die Grenze zum geradezu Dämlichen nur haarscharf verfehlt. Aus einer deratigen Trivialdenke erwachsen dann so tolle Dinge wie Glückforschung und (wie gestern erst gehört) Untersuchungen zum volkswirtschaftlichen Schaden von Rauerpausen.
    Lesen wir doch wieder Nietzsche!

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    Der Artikel und das Thema wäre mit wesentlich weniger Wörtern ausgekommen und Banalität ist, dass der Mensch fast alles lernen muss, so auch das Loben.

    Loben setzt Anerkennug voraus - einer Leistung z.B.. So ist der letzte Absatz des Artikels sicher ein bedenkenswerter Ansatz - den sollte man aber nicht in einem Seminar lernen, sondern durch häufige Anwendung und die Freude an der Reaktion der gelobten Menschen.

    • Thuure
    • 14. Januar 2012 10:07 Uhr

    .. Raucherpausen...

  1. Wenn ich zum xten Mal frierend auf dem Bahnhof stehe, weil der Zug wieder mal Verspätung hat, wenn das Holzparkett nach dem Verlegen plötzlich Falten wirft, wenn sich die Leberwerte wegen eines falsch verordneten Medikaments dramatisch verschlechtern, wenn ich mit nie eintreffenden Experten-Prognosen überfrachtet werde und wenn ich hier so manchen Artikel lese, der mich schon von seiner Formulierung her in eine bestimmte Richtung drängen will,
    dann habe ich absolut keine Lust, hierfür Lob zu spenden, weder motivierendes noch taktisches noch sonst eins.

    Ich ziehe es vor, meine Arbeit möglichst gut zu erledigen statt mich in einen lobabhängigen Junkie zu verwandeln.

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    ... "lobabhängiger Junkie" bringt es auf den Punkt: Lob kann süchtig machen und hält den Gelobten fixiert auf den Lobabsonderer und desen Loben. Außerdem macht Gelobtwerden den Gelobten erstmal passiv, und manch Lober macht sich im Loben recht groß, setzt sich oben drauf.

    Überall heißt es derzeit: Loben, loben, loben! Ob in der Schule oder in der Altenpflege. Bitte nochmal überdenken.

  2. Der Artikel und das Thema wäre mit wesentlich weniger Wörtern ausgekommen und Banalität ist, dass der Mensch fast alles lernen muss, so auch das Loben.

    Loben setzt Anerkennug voraus - einer Leistung z.B.. So ist der letzte Absatz des Artikels sicher ein bedenkenswerter Ansatz - den sollte man aber nicht in einem Seminar lernen, sondern durch häufige Anwendung und die Freude an der Reaktion der gelobten Menschen.

  3. ... "lobabhängiger Junkie" bringt es auf den Punkt: Lob kann süchtig machen und hält den Gelobten fixiert auf den Lobabsonderer und desen Loben. Außerdem macht Gelobtwerden den Gelobten erstmal passiv, und manch Lober macht sich im Loben recht groß, setzt sich oben drauf.

    Überall heißt es derzeit: Loben, loben, loben! Ob in der Schule oder in der Altenpflege. Bitte nochmal überdenken.

    Antwort auf "Keine Lust auf Lob"
  4. Ich habe den Eindruck, dass hier zwei wesentlich verschiedene Begriffe nicht auseinander gehalten werden: Die Wertschätzung, die einem Menschen entgegenbringt, und die ausdrückt, ich/wir brauchen dich, und das Lob, das auf die Qualität von Arbeitsergebnissen abzielt.
    Nach meinen Beobachtung fehlt es im Arbeitsleben an Wertschätzung. Diese kann nicht durch "taktisches" Lob ersetzt werden. Vielmehr sollte man weniger gute oder schlechte Arbeitsergebnisse kritisieren. In einem Umfeld der Wertschätzung wird diese Kritik eher fruchten als ein taktisches Lob.

    • Capo321
    • 14. Januar 2012 14:43 Uhr

    Kann es sein, dass hier einige Zwangskritiker am Texten sind? :D
    Ich meine das ist ein nett geschriebener, informativer Artikel in einem ruhigen Ton und in den Kommentaren spiegelt sich so viel Missbilligung als ginge es um das Kopftuchverbot^^.

    Das dieser Artikel uns wahrscheinlich das Thema Lob nicht auf neuronaler/psychologischer Ebene darlegt, war schon an der Sparte Karriere (und nicht Wissen!) erkennbar. Da sollte man sich nicht über vermeintliche Banalität beschweren, besonders nicht bei der Überschrift.

    Im Übrigen ausformulierte Wertschätzung=Lob. Egal ob für Person oder Arbeit. Und wie eventuell aus diesem so "banalen" Artikel ersichtlich wurde, ist diese Art von Lob unbefriedigend, weil sie nicht lobt wofür man gelobt werden will. Die eigene Leistung.
    Ausserdem sind wir alle "Anerkennsungs-Junkies". Das ist unsere Natur und hält uns zusammen. Wäre uns allen egal welche Meinung etwas externes von uns hat/hätte (Gesellschaft, Gott, Verstorbene) wären wir keine sozialen Wesen und eine Gesellschaft wie diese wäre kaum möglich.

    Zum Autor: So schlecht war der Artikel gar nicht. Fühlen sie sich für ihre Leistung gelobt :D

  5. Jeder Mensch erlebt sich selbst gerne als wirksam, d.h. er moechte einen Unterschied in seinem Umfeld machen, etwas erreichen. Lob ist eine Rueckmeldung, dass man etwas positives erreicht hat, da eben die "marxistische Arbeitsfreude" am hergestellten Produkt heute wegfaellt oder sehr abstrakt in Gewinntabellen oder share holder value versteckt ist.

    In der modernen Industriegesellschaft, in der viele Arbeiten entweder nur dem Gewinn untergeordnet oder so zerstueckelt wurden, dass man im Hinblick auf seine eigene Taetigkeit, den Gesamtzusammenhang nicht mehr erkennen kann, ist Lob auch ein sinnstiftendes Element. Niemand hat auf Dauer Spass daran, einer sinnentleerten Taetigkeit nachzugehen.

    In Deutschland wird von allen und immer Hoechstleistung vorausgesetzt und es wird wenig gelobt. Es wuerde wirklich niemanden umbringen, ab und zu auch mal auszusprechen, dass man die Arbeit seiner Kollegen und Untergebenen schaetzt und dass sie einen wichtigen Beitrag fuer das Unternehmen darstellt.

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