Es ist dasselbe Motiv, das Catherine le Corre und Hans-Peter Lehmann zu Smava geführt hat: eine gewisse Skepsis gegenüber den Banken. Deshalb hat sich le Corre 9.750 Euro in dem Kredit-Netzwerk geliehen. Und Lehmann hat dort 10.750 Euro angelegt. Das Geld hatte er übrig, weil er sein Haus verkauft hatte. Le Corre hat es gebraucht, weil sie ein kleines Café aufmachen wollte.

"Ich vertraue den Banken nicht", sagt Catherine le Corre, 47 Jahre, die in Paris geboren wurde, im Baskenland aufgewachsen ist und zwei erwachsene Kinder hat. "Mir schien das ein interessanter Gedanke, dass man nicht einer Großbank das Geld gibt, ohne Einfluss darauf zu haben: Was macht die damit?", sagt Hans-Peter Lehmann aus Berlin , 55 Jahre, Sachgebietsleiter in der landeskirchlichen Grundstücksverwaltung.

Was die beiden tun, nennt sich im Englischen social lending , übersetzt also "soziales Verleihen". Gemeint ist die Kreditvergabe von Mensch zu Mensch , übers Internet. Die erste bekannte Plattform dieser Art stammt aus Großbritannien , sie wurde 2005 gegründet und heißt Zopa . In den USA sind über die weltweit größte Seite prosper.com inzwischen mehr als 280 Millionen Dollar verliehen worden, der Kredit-Marktplatz hat mehr als eine Million Mitglieder. Es gibt eigene Analyseseiten wie ericscc.com oder lendstats.com , die Prosper-Statistiken auswerten und nach den besten Anlagestrategien suchen. In Deutschland heißen die Online-Kreditnetze Auxmoney oder Smava . Bei Smava sind in den vergangenen Jahren mehr als 53 Millionen Euro verliehen worden.

Das Prinzip ist bei allen gleich: Der Kreditnehmer stellt sein Projekt vor und sagt, wofür er das Geld braucht. Der Kreditgeber kann sich dann entscheiden, ob er die neue Firma, den Garagenanbau oder das Café von Catherine le Corre finanzieren will. Le Corre hat 2010 über einen befreundeten Anwalt von Smava erfahren. Sie wollte im Berliner Bezirk Friedrichshain ein Café aufmachen, Süßes aus Frankreich anbieten. "Pâtisserie, chocolat, caramel" , zählt sie auf. Der Vorbesitzer wollte 25.000 Euro für den Laden. Einen Teil lieh sich le Corre von Freunden, aber es fehlten noch knapp 10.000 Euro. Also meldete sie sich bei Smava an. "Sie haben alles überprüft", sagt le Corre, drei Monate lang. Einkommensbescheinigungen, Kontoauszüge. Catherine le Corre hat mehrere Jobs. Sie arbeitet in einem Biomarkt und unterrichtet Französisch.

Anfangs schlug sie einen Zinssatz von 2,7 Prozent vor. Kaum jemand meldete sich. Am Ende landete sie bei 5,5 Prozent, Laufzeit 60 Monate. Nach weniger als 24 Stunden habe sie das Geld zusammengehabt. Heute läuft ihr Laden. Und sie zahlt jeden Monat 186,24 Euro ab. Bald ist sie bei der zwanzigsten Rate. Zwei Mal hat sie zu spät gezahlt. "Was soll ich machen? Ich kann nicht noch mehr arbeiten", sagt le Corre.

Kreditnehmer wie le Corre werden in Klassen eingeteilt, bei Smava reichen sie von A bis H, von sehr kreditwürdig bis nicht ganz so sehr. Ermittelt wird das mithilfe der Auskunftei Schufa. Grundvoraussetzung ist ein Monatseinkommen von mindestens 1.000 Euro. Bei Kreditnehmern der Klasse A liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Geld nicht zurückzahlen, bei 1,38 Prozent, bei H sind es 15,02 Prozent. Je höher das Ausfallrisiko, desto höher die Zinsen. Bis zu 50.000 Euro können Menschen sich bei Smava leihen.

Das Portal erhebt eine Vermittlungsgebühr. Bei einer Laufzeit von 36 Monaten liegt sie bei 2,5 Prozent. Diese 2,5 Prozent werden vom geliehenen Betrag gleich abgezogen und einbehalten.