Fragen an den Altkanzler Verstehen Sie das, Herr Schmidt?
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"Mein Glaube an die Gerechtigkeit Gottes hat große Löcher bekommen"

di Lorenzo: Wie ist es um diese Tugend bestellt?

Schmidt: Es ist eine der Konsequenzen der Nazizeit, dass im Grundgesetz vor allem die Rechte betont werden, nicht aber die Verantwortung, die Tugenden und Pflichten. Das ist einer von mehreren Gründen dafür, dass die Erziehung zur Verantwortung in Deutschland nicht ausreichend stattfindet. Man muss lernen, dass man das zu verantworten hat, was man selbst getan hat oder tun will oder was man unterlassen hat – und zwar aus Verantwortung vor dem eigenen Gewissen. Es wird Zeit, dass die Erziehung zur Verantwortung genauso großgeschrieben wird wie die Erziehung zur Wahrnehmung der eigenen Rechte.

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di Lorenzo: Glauben Sie an Gerechtigkeit?

Schmidt: Mein Glaube an die Gerechtigkeit Gottes hat große Löcher bekommen. Gott hat schreckliche Verbrechen geschehen lassen. Das Wort von der Gerechtigkeit Gottes habe ich nie verstehen können. Ich halte es für absurd.

di Lorenzo: Und die Gerechtigkeit auf Erden?

Schmidt: Die Gerechtigkeit auf Erden ist ein Ziel, das man anstreben muss, das man aber nie vollständig erreichen kann. Gerechtigkeit bleibt eine immerwährende Aufgabe.

di Lorenzo: Dazu haben Sie sich in Ihrer Rede auf dem SPD-Parteitag bekannt, auch dafür sind Sie bejubelt worden.

Schmidt: Der Jubel hatte etwas mit Sentimentalität zu tun.

di Lorenzo: Sind Sie selbst auch sentimental geworden, bei so viel Wärme und Zustimmung?

Schmidt: Nein. War mir ein bisschen zu viel.

di Lorenzo: Sie kokettieren!

Schmidt: Nein. Ich habe versucht, die Bühne so schnell wie möglich zu verlassen.

di Lorenzo: Als Sie wieder unten waren und sich endlich eine Zigarette anzünden konnten, gab es noch einmal Jubel.

Schmidt: Ja, ja. Auch das muss man in Gelassenheit ertragen. Es gibt viel Schlimmeres!

 
Leser-Kommentare
  1. Helmut Schmidt. Sie sind ein großartiger Mensch! Danke dafür das es sie gibt.

    Eine ganze Familie

  2. ihn sehr kritisch...er war in meinen Augen arrogant, der andere mißachtet. Heute wünschte ich mir diesen großartigen Politiker zurück auf die politische Bühne...doch leider, wie ich wurde er auch alt. Dennoch; danke für dieses Interview!

  3. Bei allem Respekt, was Schmidt da über die Auskömmlichkeit der Rente mutmaßt, zeugt von Unkenntnis. Der Altbundeskanzler möge sich für ein Update einmal mit den Fachleuten der Sozialverbände zusammensetzen.

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    • nasi79
    • 14.01.2012 um 21:24 Uhr

    das nicht so polemisch formulieren. Im Grunde pflichte ich Ihnen bei.

    Zum Interview: Ich mag Herrn Schmidt sehr. Ich hoffe, dass auch ich in einigen Jahren so "ruhig" über gesellschaftliche Probleme resümieren kann. Im Moment finde ich die Situation fast unerträglich. Glück wird fast immer mit Materialismus gleich gesetzt. Verantwortung geht von Generation zu Generation mehr verloren. Ich hoffe, meinen Kindern andere Werte vermitteln zu können.

    • nasi79
    • 14.01.2012 um 21:24 Uhr

    das nicht so polemisch formulieren. Im Grunde pflichte ich Ihnen bei.

    Zum Interview: Ich mag Herrn Schmidt sehr. Ich hoffe, dass auch ich in einigen Jahren so "ruhig" über gesellschaftliche Probleme resümieren kann. Im Moment finde ich die Situation fast unerträglich. Glück wird fast immer mit Materialismus gleich gesetzt. Verantwortung geht von Generation zu Generation mehr verloren. Ich hoffe, meinen Kindern andere Werte vermitteln zu können.

    • nasi79
    • 14.01.2012 um 21:24 Uhr

    das nicht so polemisch formulieren. Im Grunde pflichte ich Ihnen bei.

    Zum Interview: Ich mag Herrn Schmidt sehr. Ich hoffe, dass auch ich in einigen Jahren so "ruhig" über gesellschaftliche Probleme resümieren kann. Im Moment finde ich die Situation fast unerträglich. Glück wird fast immer mit Materialismus gleich gesetzt. Verantwortung geht von Generation zu Generation mehr verloren. Ich hoffe, meinen Kindern andere Werte vermitteln zu können.

  4. als jemals wieder eine SPD-Regierung oder eine, an der die SPD beteiligt ist.

    Die ursprüngliche Sozialhilfe wurde 1961 durch die CDU/CSU geschaffen.

    Die Bildungsexpansion wurde durch die Liberalen und die CDU eingeleitet.

    Die CDU schrieb 1947: "... Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. ..." http://www.kas.de/wf/de/3...

    Das ist heute dank der Politik von Rot-Grün wieder aktuell.

    Die CDU schrieb 1949: "... Die „soziale Marktwirtschaft“ steht aber auch im Gegensatz zur sogenannten „freien Wirtschaft“ liberalistischer Prägung. ... Diese Wirtschaftspolitik (der sozialen Marktwirtschaft) führt in sinnvoller Kombination von Geld- und Kredit-, Handels- und Zoll-, Steuer-, Investitions- und Sozialpolitik sowie anderen Maßnahmen dazu, daß die Wirtschaft in Erfüllung ihrer letzten Zielsetzung der Wohlfahrt und der Bedarfsdeckung des ganzen Volkes dient. ..."

    Wer heute auf die (Eigen-)Verantwortung der Bürger abstellt (ihre Pflichten), der leugnet seine eigene Mitverantwortung an den gegenwärtigen Verhältnissen. Und er greift indirekt das Sozialstaatsgebot des GG an.

    Das SGB II als Bettel- und Almosenrecht gibt es natürlich erst seit 7 Jahren, von Rot-Grün geschaffen. Also keine dritte Generation.

    Die Rechte des GG sind Abwehrrechte der Bürger gegen einen übermächtigen Staat. Sie sind durch positive gesetztes Recht (SGB II) teilweise außer Kraft gesetzt worden.

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    • mussec
    • 14.01.2012 um 21:40 Uhr

    Also wollen Sie uns zu verstehen geben, dass die CDU Antikapitalistisch ist?

    Wenn Sie mich davon überzeugen können, dann werde ich die CDU wählen. Das verspreche ich Ihnen.

    Ansonsten können Sie sich gerne einreden, dass die CDU eine antikapitalistische Partei ist.

    Und selbst Ihre Zitate beweisen maximal, dass die CDU vor über 60 Jahren vielleicht mal sozial gewesen sein könnte.

    Dass die Sozialhilfe von der CDU 1961 geschaffen wurde ist ja schon fast ein Skandal. Wieso gab es denn vorher noch keine. Jahrelang hat sie regiert. Die SPD übrigens damals noch nicht.
    Wenn wir aber noch weiter zurück gehen, sehen wir, dass die SPD an der Demokratie Bewegung in Deutschland nicht unbeteiligt war. Während die damaligen Konservativen weit von ihr (der Demokratie) entfernt waren.
    Wir könnten noch unendlich lange über Geschichte reden.
    Das aktuelle politische Geschehen können wir dadurch nicht rezensieren.

    • mussec
    • 14.01.2012 um 21:40 Uhr

    Also wollen Sie uns zu verstehen geben, dass die CDU Antikapitalistisch ist?

    Wenn Sie mich davon überzeugen können, dann werde ich die CDU wählen. Das verspreche ich Ihnen.

    Ansonsten können Sie sich gerne einreden, dass die CDU eine antikapitalistische Partei ist.

    Und selbst Ihre Zitate beweisen maximal, dass die CDU vor über 60 Jahren vielleicht mal sozial gewesen sein könnte.

    Dass die Sozialhilfe von der CDU 1961 geschaffen wurde ist ja schon fast ein Skandal. Wieso gab es denn vorher noch keine. Jahrelang hat sie regiert. Die SPD übrigens damals noch nicht.
    Wenn wir aber noch weiter zurück gehen, sehen wir, dass die SPD an der Demokratie Bewegung in Deutschland nicht unbeteiligt war. Während die damaligen Konservativen weit von ihr (der Demokratie) entfernt waren.
    Wir könnten noch unendlich lange über Geschichte reden.
    Das aktuelle politische Geschehen können wir dadurch nicht rezensieren.

    • mussec
    • 14.01.2012 um 21:31 Uhr

    Ich bewundere diesen Mann schon lange für seine Wortwahl.
    Allerdings ist es einfach nur eine Behauptung zu sagen, dass die Rente ausreichend sei.
    Das muss er in der Form dann auch beweisen können. Ich habe zwar noch sehr viel zur Rente, aber anmaßen über die Rente der einfachen Arbeiter zu urteilen kann ich mir nicht.
    Die 2. einfache Behauptung ist, dass Uralt Steuern gute Steuern sind.
    So sehr ich für einen höheren Steuersatz bin, kann ich die Logik hinter dieser Aussage nicht verstehen. Vielleicht meint er diese Steuern seien einfacher rechtzufertigen oder bürokratisch zu bewältigen. Trotzdem ein großes Fragezeichen.

    Wie er allerdings behaupten kann, dass man es in der Weimarer Republik einfacher hatte, weil man nicht soviel Ausländer integrieren musste klingt irgendwie lächerlich. Abgesehen von dem bitteren Nachgeschmack dieser Aussage in Verbindung mit der Gesellschaft von damals und seinem Bezug zum Fremden, sollte man sich vielleicht mal fragen, was man denn als Deutscher effektiv für die Integration der Ausländer an Kraft aufbringen musste.
    Rennen wir durch die Straßen, damit sich andere zu ihrem eigenen Vorteil integrieren?
    Laufen wir zu allen Migranten und verzichten auf unsere Freizeit um ihnen die deutsche Sprache beizubringen?
    Beeinträchtigt uns deren schlechte Integration in unserem Werdegang? Im Gegenteil. Ein Migrant, der kein Deutsch spricht ist keine Konkurrenz. Mal pragmatisch betrachtet.
    Eine Korrelation wie Schmidt sehe ich in keinster Weise.

    Eine Leser-Empfehlung
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    "... Wie er allerdings behaupten kann, dass man es in der Weimarer Republik einfacher hatte, weil man nicht soviel Ausländer integrieren musste... "

    Die Behauptung Schmidts ist sogar historisch falsch, denn wer mal im Ruhrgebiet sich umhört, weiß, dass heute noch dort viele Nachkommen polnischer Einwanderer aus den 1920ern leben.

    "... Wie er allerdings behaupten kann, dass man es in der Weimarer Republik einfacher hatte, weil man nicht soviel Ausländer integrieren musste... "

    Die Behauptung Schmidts ist sogar historisch falsch, denn wer mal im Ruhrgebiet sich umhört, weiß, dass heute noch dort viele Nachkommen polnischer Einwanderer aus den 1920ern leben.

  5. Auch ich danke für dieses Interview. Wo wären wir Zeitleser ohne Helmut Schmidt, der uns mit Weisheiten wie der folgenden beschenkt: "Richtig ist aber ganz gewiss, dass ein Kind es leichter hat, wenn es im Wohlstand aufwächst"? Was wird beim nächsten Interview herausgekommen? Dass man im Regen nass wird, wenn man keinen Schirm dabei hat? Oder dass Sozialdemokraten immer nur dann die Erhöhung des Spitzensteuersatzes fordern, wenn sie in der Opposition sind?

    18 Leser-Empfehlungen
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    Danke für ihren Kommentar.Ich befürchtete schon ich sei der Einzige der bemerkt,dass das Interview ein Potpourrie aus Widersprüchen,falschen Versprechungen und der Schilderung einer sehr befremdlichen Wahrnehmung der Realität ist.

    • GT
    • 16.01.2012 um 4:00 Uhr

    So verstehe ich Ihre Kommentar: alles was Schmidt sagt ist trivial.

    Ich habe 2 Bemerkungen dazu:

    Erstens: er zeigt Werte, die keineswegs jeder hat.

    Zweitens: zwar habe ich nicht zu alles was er sagt, eine Position, bin aber bei einen Punkt nicht seiner Meinung. Wie weit ein Kind kommt ist von die Werte seiner Eltern (bei die selbe Naturgegebenheiten) schon abhängig. Es braucht schon Zeit/Erfahrung bis das Kind eigene Werte, die unterschiedlich von die der Eltern sind, bauen/folgen kann. Und dann sind die Bedingungen mit Sicherheit anderes als wenn es von die Eltern die Werte "übernehmen" kann. Ich habe 2 mal das selbe Fach studieren müssen. Ein mal mit der Unterstützung meines Vaters, ein mal - ohne. Unterschied gibt es schon - in beide Dauer und Qualität. Und das ist nicht unbedeutend.

    Danke für ihren Kommentar.Ich befürchtete schon ich sei der Einzige der bemerkt,dass das Interview ein Potpourrie aus Widersprüchen,falschen Versprechungen und der Schilderung einer sehr befremdlichen Wahrnehmung der Realität ist.

    • GT
    • 16.01.2012 um 4:00 Uhr

    So verstehe ich Ihre Kommentar: alles was Schmidt sagt ist trivial.

    Ich habe 2 Bemerkungen dazu:

    Erstens: er zeigt Werte, die keineswegs jeder hat.

    Zweitens: zwar habe ich nicht zu alles was er sagt, eine Position, bin aber bei einen Punkt nicht seiner Meinung. Wie weit ein Kind kommt ist von die Werte seiner Eltern (bei die selbe Naturgegebenheiten) schon abhängig. Es braucht schon Zeit/Erfahrung bis das Kind eigene Werte, die unterschiedlich von die der Eltern sind, bauen/folgen kann. Und dann sind die Bedingungen mit Sicherheit anderes als wenn es von die Eltern die Werte "übernehmen" kann. Ich habe 2 mal das selbe Fach studieren müssen. Ein mal mit der Unterstützung meines Vaters, ein mal - ohne. Unterschied gibt es schon - in beide Dauer und Qualität. Und das ist nicht unbedeutend.

    • mussec
    • 14.01.2012 um 21:40 Uhr

    Also wollen Sie uns zu verstehen geben, dass die CDU Antikapitalistisch ist?

    Wenn Sie mich davon überzeugen können, dann werde ich die CDU wählen. Das verspreche ich Ihnen.

    Ansonsten können Sie sich gerne einreden, dass die CDU eine antikapitalistische Partei ist.

    Und selbst Ihre Zitate beweisen maximal, dass die CDU vor über 60 Jahren vielleicht mal sozial gewesen sein könnte.

    Dass die Sozialhilfe von der CDU 1961 geschaffen wurde ist ja schon fast ein Skandal. Wieso gab es denn vorher noch keine. Jahrelang hat sie regiert. Die SPD übrigens damals noch nicht.
    Wenn wir aber noch weiter zurück gehen, sehen wir, dass die SPD an der Demokratie Bewegung in Deutschland nicht unbeteiligt war. Während die damaligen Konservativen weit von ihr (der Demokratie) entfernt waren.
    Wir könnten noch unendlich lange über Geschichte reden.
    Das aktuelle politische Geschehen können wir dadurch nicht rezensieren.

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    Die Ausschnitte zeigen nur, dass die CDU vor über 60ig Jahren weiter war, als es die SPD jemals sein wird.

    Die Sozialhilfe wurde übrigens von Adenauer in Hinblick auf die rückkehrenden Kriegsgefangenen geschaffen. Sie war nie als dauerhaftes System angelegt gewesen. Denn die in den Düsseldorfer Leitsätzen formulierte aufeinander abgestimmte Politik war der Garant dafür, das die Sozialhilfe als letzte Rettungsleine diente, wenn eigene Erwerbstätigkeit, private Absicherung und alle anderen gesetzlichen Sozialversicherungen (Arbeitslosen, Kranken-, Unfall-, Knappschaftsversicherung) nicht mehr griffen oder greifen durften, wegen des Subsidiaritätsprinzips.

    Die Ausschnitte zeigen nur, dass die CDU vor über 60ig Jahren weiter war, als es die SPD jemals sein wird.

    Die Sozialhilfe wurde übrigens von Adenauer in Hinblick auf die rückkehrenden Kriegsgefangenen geschaffen. Sie war nie als dauerhaftes System angelegt gewesen. Denn die in den Düsseldorfer Leitsätzen formulierte aufeinander abgestimmte Politik war der Garant dafür, das die Sozialhilfe als letzte Rettungsleine diente, wenn eigene Erwerbstätigkeit, private Absicherung und alle anderen gesetzlichen Sozialversicherungen (Arbeitslosen, Kranken-, Unfall-, Knappschaftsversicherung) nicht mehr griffen oder greifen durften, wegen des Subsidiaritätsprinzips.

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