Schauspielerin Emma Watson © Chris Jackson/Getty Images

Wer sich hinstellt und dabei die Beine überkreuzt, Füße nebeneinander, sieht zwangsläufig etwas unbeholfen aus. Clowns im Zirkus stehen so da, bevor sie, begleitet von hellem Kinderlachen, hinfallen, und neuerdings auch weit gereiste junge Frauen wie Emma Watson , Emma Roberts und Alexa Chung. Kann es sein, dass Männer es attraktiv finden, wenn Frauen aussehen, als würden sie gleich stolpern? Sie mögen es ja auch, wenn Frauen kleine Füße und große Brüste haben. Ist diese wackelige Pose ein weiteres Anzeichen dafür, dass wir in einer konservativen Zeit leben, in der Frauen den Namen ihres Ehemannes auch dann annehmen, wenn er blöd klingt?

So wie unser Möbelgeschmack unterliegt die Art, wie wir für ein Foto posieren, dem Wandel der Zeit, und im Moment stellt man sich offenbar so unelegant wie möglich hin, wenn man fotografiert wird. Das Unbemühte ist unser ästhetisches Ideal. Selbst über Grace Kelly und Jackie O. , zwei Frauen mit nachweislich anstrengendem Leben, behaupten wir heute, sie verkörperten eine unangestrengte Eleganz. Eine ausgesuchte Garderobe kann man bestens konterkarieren, indem man dasteht wie eine Fünfjährige. Alexa Chung, die nur wegen ihres Kleiderschranks berühmt ist (und vielleicht wegen ihrer faszinierend dünnen Beine), steht da, als wäre es ihre Mutter gewesen, die ihr für den Besuch der Chanel-Modenschau ein Kleid angezogen hat. Emma Watson sieht im Burberry-Mantel so verlegen aus, als müsste sie gleich ein Weihnachtsgedicht aufsagen und nicht in der David-Letterman-Show auftreten.

Der Hang zur inszenierten Nachlässigkeit begann vor ein paar Jahren mit dem Bademantel-Look der Zwillingsschwestern Mary-Kate und Ashley Olsen. Die beiden, Kinderstars in einer vergessenen TV-Serie, hatten mit 18 Jahren schon so viel Geld verdient, dass ihnen Sorgfalt im Umgang mit Dingen verständlicherweise überflüssig erschien. Sie trugen Pelz und sahen dabei aus wie Leute, die ihre gekauten Kaugummis überall liegen lassen. Heute haben wir einen Ausdruck für Haar, das so gefärbt ist, dass es nicht gefärbt aussieht (virgin hair) .

Wahrscheinlich haben wir uns ein besonders perfides Schönheitsideal eingehandelt, das nicht nur Mühe, sondern auch Mühelosigkeit verlangt. Aber es gibt positive Nebeneffekte: Wir, die wir im Schatten junger Celebritys leben, können heute ungeschminkt ins Büro kommen und behaupten, das sei ein modisches Statement.

Außerdem kaschiert die verhunzte Ballerinaposition die sogenannte Reiterhose, ein Schönheitsproblem, von dem Emma Watson noch nie etwas gehört hat und das mit Pferden leider nichts tun hat.