Daniel Craig"Echte Helden sind schüchtern"

Das Interessanteste an starken Männern ist ihre Angst – sagt der britische Schauspieler Daniel Craig, Weltretter vom Dienst. Ein Gespräch über menschliche Schwächen und wie man sie überwindet. von Ralph Geisenhanslüke

Der Schauspieler Daniel Craig

Der Schauspieler Daniel Craig   |  © Dave Hogan/Getty Images

James Bond verfolgt auf Madagaskar einen Attentäter. Er stellt ihn im Kugelhagel. Bond schaut mit stahlblauen Augen in die Kamera, schießt auf einen Treibstofftank. Von dem Botschaftsgebäude bleibt eine rauchende Ruine. – Eine Filmszene am Anfang von Casino Royale. Nach solchen Bildern nahm das weltweite Kinopublikum Daniel Craig endlich als Star wahr. Ein Testosteronbrocken, bei dem die Kratzer auf dem Bizeps wichtiger sind als der Smoking (und den viele auch lieber ohne sehen). Ein Draufgänger, dem es egal ist, ob der Martini gerührt oder geschüttelt wird.

Überraschend weich ist deshalb sein Händedruck bei unserer Begrüßung. Warm und leise die Stimme. Dunkel umschatteter Blick aus wachen grauen Augen, die weniger blau sind als auf der Leinwand. Unter dem eng anliegenden Pullover zeichnen sich Pectoralis- und Deltamuskeln ab, gut ausgearbeitet, aber nicht überbetont. Er lässt sich schräg zur Tischkante in den Stuhl fallen. Seine Körperspannung bleibt konstant, der Rücken gerade. Ein Bein wippt über der Lehne in der Luft. Sein Name ist Craig. Daniel Craig.

DIE ZEIT: Mister Craig , wie oft haben Sie schon die Welt gerettet?

Daniel Craig: Bis vor Kurzem gar nicht so oft. Das kam erst mit James Bond. Insgesamt vielleicht zwei- oder dreimal.

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ZEIT: Sie haben in etwa sechzig Filmen gespielt. Können Sie noch alle auseinanderhalten?

Craig: Ich schaue manchmal in der Internet Movie Database nach und staune selbst.

ZEIT: Warum üben Actionhelden eine solche Faszination auf uns aus? Beschützen sie uns vor dunklen Mächten?

Craig: Helden sind interessant wegen ihrer Makel und Schwächen – und wie sie diese überwinden. Man schaut ihnen zu, wie sie über sich selbst hinauswachsen. Das möchte jeder können.

ZEIT: Kann man daraus etwas für das wirkliche Leben lernen?

Craig: Echte Helden im echten Leben sind meist eher schüchtern und laufen nicht stolzgeschwellt herum. Ich kenne Feuerwehrleute, die bei 9/11 dabei waren, die in die brennenden Türme reingingen, um Menschenleben zu retten. Sie sprechen nur widerwillig darüber.

ZEIT: Sind echte Helden immer solche wider Willen?

Craig: Die Geschichten werden hinterher zumindest von anderen erzählt. Wenn jemand sich mit seinen Taten brüstet, vermutet man meist zu Recht einen Münchhausen-Effekt.

ZEIT: Kann Heldentum einen Menschen überfordern?

Craig: Das klassische Beispiel ist Juri Gagarin, Held der Sowjetunion . Er wurde einfach angeschnallt und ins All geschossen . Der Staat brauchte einen Helden. Der arme Mann hatte nie eine Chance. Er war ein mutiger Mann, aber er begann zu trinken. Sein Ruhm zerstörte ihn.

Wenn Craig spricht, bricht er begonnene Sätze häufig ab. Sein suchender Blick wandert über den Boden, als würde er die Gedanken dort erst einfangen, ehe er sie formuliert.

ZEIT: In Ihrem neuen Film Verblendung spielen Sie keinen Actionhelden.

Craig: Der investigative Journalist Mikael Blomquist ist ehrlich und geradeheraus. Ein guter Kerl. Ich wollte, dass er sich so authentisch wie möglich verhält. Er rennt weg, wenn es Zeit dafür ist. Außer in einer meiner Lieblingsszenen, als Martin Vanger...

Leserkommentare
  1. Guten Tag,

    diese Aussage über Juri Gagarin wundert mich. Meines Wissens war er dabei eine Kampffliegerausbildung abzuschließen, als er bei einem Flugzeugabsturz während des Training umkam. Da passt übermäßiges Trinken nicht dazu.

    Kann jemand das belegen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber natürlich hat ein Russe gelegentlich etwas "Restalkohol", dadurch erklärt sich der Unfall jedoch nicht. Gagarins Alkoholismus ist nie bestätigt worden.

    Ich wollte natürlich nicht sage, dass Juri Gagarin betrunken war und deshalb abstürzte, sondern dass er eine Ausbildung als Kampfflieger gemacht hat, und daher kein Trinker sein konnte. Die Formulierung "ein Russe ..." finde ich erlich gesagt etwas unangebracht.

    Naja ich habe das Ganze vor allem geschrieben, weil ich es unsympatisch finde, wenn es jemand (in dem Fall Daniel Craig) es nicht so genau mit der Wahrheit nimmt.

  2. Würde ich gerne nachmachen, wie geht das genau?

  3. aber natürlich hat ein Russe gelegentlich etwas "Restalkohol", dadurch erklärt sich der Unfall jedoch nicht. Gagarins Alkoholismus ist nie bestätigt worden.

    • Azenion
    • 13. Januar 2012 18:15 Uhr

    Eine zutreffende Beobachtung, daß Menschen am ehesten ihre Angst vor der Gefahr überwinden (und sich damit in Gefahr begeben), wenn die Angst vor der Blamage noch größer wird!

    Deshalb sind insbesondere Jugendliche, die mangels Selbstbewußtsein sowieso ständig Angst vor der Blamage haben, so gefährdet, in ihren Cliquen gefährlichen Blödsinn zu treiben.

  4. Ich wollte natürlich nicht sage, dass Juri Gagarin betrunken war und deshalb abstürzte, sondern dass er eine Ausbildung als Kampfflieger gemacht hat, und daher kein Trinker sein konnte. Die Formulierung "ein Russe ..." finde ich erlich gesagt etwas unangebracht.

    Naja ich habe das Ganze vor allem geschrieben, weil ich es unsympatisch finde, wenn es jemand (in dem Fall Daniel Craig) es nicht so genau mit der Wahrheit nimmt.

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