Jüdische Zeitung Traum und Streit

"Jewish Voice from Germany": Rafael Seligmann bringt eine neue Zeitung heraus.

Der Publizist Rafael Seligmann

Der Publizist Rafael Seligmann

Die Juden und die Deutsche - darüber ist viel geschrieben worden und wird auch weiterhin geschrieben. Es ist eins der facettenreichsten, komplexesten Themen überhaupt, abgründig und traurig wie kein zweites. Es könnte aber auch ein Thema sein, dem noch eine große Zukunft bevorsteht. Das jedenfalls ist die Hoffnung, die der Journalist und Buchautor Rafael Seligmann hegt. Ein Vorschein dieser Hoffnung ist die von ihm herausgegebene Jewish Voice from Germany, eine neue, vierteljährlich erscheinende englischsprachige Zeitung im Tabloidformat, die eine Brücke schlagen will zwischen Juden und Nichtjuden, zwischen Geschichtlichem und Gegenwärtigem, zwischen Deutschland und der Welt: Das Blatt versuche, den Traum einer neuen Zusammengehörigkeit Realität werden zu lassen, fasst Seligmann im Editorial der ersten Ausgabe das Programm zusammen.

Dazu passt, dass in der Zeitung keineswegs nur jüdische Autoren schreiben. Im Aufmacher der ersten Seite fordert Heribert Prantl, Journalist der Süddeutschen Zeitung, ein Verbot der NPD; den Politik-Teil auf Seite drei eröffnet Uwe-Karsten Heye, ehemaliger Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, mit einer Analyse über das Vordringen der Fremdenfeindlichkeit in die Mitte der Gesellschaft.

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Neben der Politik gibt es noch einen Wirtschafts- und einen Kulturteil, die mit ein paar schönen Geschichten aufwarten, etwa über Eugen Gutmann, den Gründer der Dresdner Bank, oder Cynthia Barcomi, die den Bagel nach Berlin brachte. Trotz oder gerade wegen ihres Traums setzt die vom Herausgeber und über Anzeigen finanzierte Zeitung aber nicht auf Wohlfühljournalismus, sondern auf die Kontroverse. In ihren Nahost-Stücken fordern Seligmann und der Welt-Auslandschef Clemens Wergin etwa, dass Israel in die Offensive gehen müsse; nur meint Seligmann damit, dass Israel als erster Staat der UN Palästina anerkennen solle, während laut Wergin die Möglichkeit eines präventiven Militärschlags gegen den Iran nicht aus dem Blick geraten darf.

Als wäre das nicht genug Kontroverse, lässt Seligmann auch noch das Konzept der Jewish Voice from Germany diskutieren. So liegt der israelische Autor Ben Niran mit einer Kulturreportage über den wachsenden Zuzug junger Israelis nach Berlin ganz auf Blattlinie. Der Historiker Moshe Zimmermann schickt aus Jerusalem hingegen einen Fundamentalwiderspruch: Die Juden in Deutschland seien eine vernachlässigbare Größe; eine Wiedergeburt des deutsch-jüdischen Lebens bleibe aber auch deshalb aus, weil das Nationalismus-Konzept ausgedient habe und durch einen europäischen Referenzrahmen ersetzt worden sei.

Mit Zimmermanns Einwand steckt man allerdings schon tief in der nächsten Debatte. Denn die Abkehr vom Nationalstaat in Europa, die in der Tradition von Kants Ewigem Frieden gerade auch in Deutschland viele Anhänger findet, birgt für Israel eine Gefahr: Je mehr der Nationalstaat in Europa außer Kurs gerät, desto geringer könnte das Verständnis für die israelische Fixierung auf den ihren werden – und Israel würde isolierter dastehen als je zuvor.

An Stoff, zumindest dafür muss man kein Prophet sein, wird es der Jewish Voice from Germany in Zukunft also nicht fehlen.

 
Leser-Kommentare
  1. "Der Semit" von Abraham Melzer gibt, wird leider nicht erwähnt - schade

    Eine Leser-Empfehlung
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    hätten wir danach gesucht, hätten wir gefragt.

    hätten wir danach gesucht, hätten wir gefragt.

  2. 2. Simkhe

    Finde ich interessant und gut. Ich würde diese Zeitung gern abonnieren,könnten Sie bitte eine Information über die Bezugsmöglichkeiten für diese Zeitung in den Post hier stellen. Dankeschön.

  3. "...während laut Wergin die Möglichkeit eines präventiven Militärschlags gegen den Iran nicht aus dem Blick geraten darf."

    Ich brauche keine Zeitung, die Krieg und das damit verbundene Leid verherrlicht.

  4. Doch solche Überschriften erinnern ungut an einen Stürmer-Stil: "Ban Fascist Demons From Society"

    Ich bin auch ein wenig verwundert, dass Herr Westerwelle voreilig Vorschussloorbeeren austeil, bowohl er leider überhaupt keine Kenntnis zum Inhalt dieser Zeitung hat. Ich meine sollten wir nicht aufgeklärt genug sein, nicht jemanden aufgrund seiner Rasse oder Religion zu beurteilen, weder negativ noch positiv?

    "Wir brauchen engagierte Kenner der jüdischen Geschichte in Deutschland, mit einer Vision für die Zukunft, und wir brauchen Medien, die diese vermitteln und erklären.

    Auswärtiges Amt -
    Grußwort von Außenminister Guido Westerwelle
    www.auswaertiges-amt.de, 03.01.2012"

  5. "Die Seelen der Gojim sind von ganz anderer, minderer Art. Alle Juden sind von Natur gut, alle Gojim von Natur böse. Die Juden sind die Krone der Schöpfung, die Gojim ihr Abschaum." (Rabbi Shneur Zalman, einer der einflußreichsten Talmudgelehrten unserer Zeit, FAZ, 11. 3. 1994)

    "Araber sind Tiere, keine Menschen. Ihr Fleisch ist das Fleisch von Eseln, deshalb sollten sie wie Tiere behandelt werden." (Sharon Kalimi, SZ, 3. 3. 1999)

    "Die Palästinenser sind Tiere auf zwei Beinen!" (Menahim Begin, ehem. israelische Premierminister, New Statesman , 25. 6. 1982)

    "Die jüdische Lehre ist rassistisch, und das ist gut so." (Rechavam Zeevi, ehem. israelischer Tourismusminister, SZ, 27. 10. 2001).

    So Etwas sauge ich mir nicht aus den Fingern. Solange orthodoxe Juden in Israel Geschlechtertrennung befürworten, damit also die Welt zurück ins 19. Jahrundert zurück katapultieren wollen; und zudem Rabbiner, die oben genannten Textpassagen lehren, brauchen wir keine Brücken zwischen Juden und Nichtjuden. Denn diese Orthodoxen denken schlecht über jeden Ungläubigen.

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    ...orthodoxen Juden und Zionisten unterscheiden. Da gibt es noch weite Unterschiede.

    ...orthodoxen Juden und Zionisten unterscheiden. Da gibt es noch weite Unterschiede.

  6. ...orthodoxen Juden und Zionisten unterscheiden. Da gibt es noch weite Unterschiede.

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    Da gebe ich Ihnen Recht. Diesen Unterschied hab ich nicht trennscharf genug dargestellt.

    Allerdings finde ich es bednklich was Rabbiner für rassistische Lehren aus dem Tamud verbreiten.

    Natürlich, trifft das nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung in Israel zu.

    Dennoch muss man solche Äußerungen erwähnen, wenn auf der einen Seite von Brückenbau gesprochen wird und auf der anderen Seite versucht wird ein Land ins Mittelalter zurückzu katapultieren.

    Und ich wäre sehr froh darüber, wenn sich die Öffentlichkeit in Israel gegen solche extremen Ansicht auflehnen würde.

    Da gebe ich Ihnen Recht. Diesen Unterschied hab ich nicht trennscharf genug dargestellt.

    Allerdings finde ich es bednklich was Rabbiner für rassistische Lehren aus dem Tamud verbreiten.

    Natürlich, trifft das nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung in Israel zu.

    Dennoch muss man solche Äußerungen erwähnen, wenn auf der einen Seite von Brückenbau gesprochen wird und auf der anderen Seite versucht wird ein Land ins Mittelalter zurückzu katapultieren.

    Und ich wäre sehr froh darüber, wenn sich die Öffentlichkeit in Israel gegen solche extremen Ansicht auflehnen würde.

  7. Da gebe ich Ihnen Recht. Diesen Unterschied hab ich nicht trennscharf genug dargestellt.

    Allerdings finde ich es bednklich was Rabbiner für rassistische Lehren aus dem Tamud verbreiten.

    Natürlich, trifft das nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung in Israel zu.

    Dennoch muss man solche Äußerungen erwähnen, wenn auf der einen Seite von Brückenbau gesprochen wird und auf der anderen Seite versucht wird ein Land ins Mittelalter zurückzu katapultieren.

    Und ich wäre sehr froh darüber, wenn sich die Öffentlichkeit in Israel gegen solche extremen Ansicht auflehnen würde.

  8. Als ich gelesen habe, Seligmann- neue Zeitung, habe ich gedacht, super-ne Zeitung, die man als Türke lesen kann. Dann kommt dieser Kriegstreiber Clemens Wergin, von wegen Kontroverse! Seine Analysen sind so schlecht und sowas von lächerlich, dass ich jedes Mal bei der Hälfte seiner geistigen Ergüsse aufhöre, zu lesen. Seligmann sollte sich von solchen Rechtspopulisten fernhalten, solche Zusammenkünfte schaden ihm nur!

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