Ende November starteten der Energieriese Vattenfall und der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Jost de Jager die Maschine des größten norddeutschen Pumpspeicherkraftwerks . Es steht in Geesthacht an der Elbe . De Jager, CDU-Spitzenkandidat im kommenden Landtagswahlkampf, verkündete dort stolz: »Ohne solche Speicher klappt die Energiewende nicht.«

Stimmt. Das Kraftwerk speichert überschüssigen Strom, indem es Elbwasser in ein Staubecken hinaufpumpt. Bei hohem Elektrizitätsbedarf schießt das Speicherwasser zurück in den Fluss und erzeugt neuen Strom. Einst bunkerte das über 50 Jahre alte Pumpspeicherwerk Atomstrom. Das war unerwünscht und wurde lange politisch blockiert. Nun laufen die Turbinen wieder und produzieren »Ökostrom«. Doch der ist blutrot.

Denn das alte Werk saugt zwar mit Urgewalt bis zur Hälfte des Elbwassers an, verfügt aber über keine geeigneten Rechen oder Siebe zum Schutz der Fische. Sie werden in den Turbinen gehäckselt oder durch den hohen Druck getötet. Besonders paradox: Vattenfall hat ganz in der Nähe für 20 Millionen Euro die modernste Fischtreppe Europas errichtet. Sie hilft geschützten Arten wie Lachsen, Neunaugen oder Aalen, ein Sperrwerk zu überwinden – just am schleswig-holsteinischen Elbufer, wo dann das Monster lauert.

Diese Fischtreppe war als ökologischer Ausgleich gedacht. Denn im hamburgischen Moorburg baut Vattenfall ein großes Kohlekraftwerk. Dessen Kühlwassereinlass wird auf Druck der Hanseaten mit viel Fischschutz versehen – für 30 Millionen Euro. Und selbst der kann nicht alle Schäden verhindern.

Die Schleswig-Holsteiner machen die Ausgleichsmaßnahme nun zum Gespött. Dass sie den Fischschutz am Pumpspeicher erst in fünf Jahren nachrüsten wollen, haben sie den Hamburgern geflissentlich verschwiegen. Naturschutz ist ja Ländersache.