Die Frage: Bernd und Elfi haben sich auf einem Kletterkurs kennengelernt und wohnen seit einem Jahr zusammen. Vor allem auf ihren gemeinsamen Bergtouren verstehen sie sich gut. Nun ist Elfi ausgezogen, weil sie es nicht mehr erträgt, dass Bernd nicht über seine Gefühle spricht. Sonst hat sie eigentlich nichts an ihm auszusetzen und könnte sich gut vorstellen, mit ihm eine Familie zu gründen.

Aber jetzt will sie erst zurückkommen, wenn er mehr über sich redet. »Ich kann das nicht«, sagt Bernd. »In meiner Familie tut das niemand.« – »Aber ich will doch wissen, wie es dir geht«, stöhnt Elfi. »Was genau willst du wissen?« – »Ob du mit mir Kinder haben willst!« – »Aber ich habe dir doch schon gesagt, dass ich mir das vorstellen kann!«

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ich fürchte, Elfi muss entweder ihren Anspruch aufgeben und wieder einziehen oder sich von Bernd trennen und riskieren, an einen Mann zu geraten, der weniger aggressionsgehemmt ist als Bernd.

Denn die Gefühle, welche in einem Menschen entstehen, der unter Druck gesetzt wird, über seine Gefühle zu sprechen, sind entweder nicht echt oder aggressiv getönt. Ob Elfi solche Äußerungen dem Motto Bernds »Wenn ich nichts sag, passt’s!« vorziehen würde, lässt sich nicht sagen. Vielleicht kann sie ihn mehr lieben, wenn sie sich klarmacht, dass Männer wie er zwar wenig sagen, meist aber auch nicht mehr versprechen, als sie halten können.