Armut in Afrika"In jedem dritten Satz fiel das Wort Transparenz"

Gemeinsam mit dem Popstar Bono besuchte der Schauspieler Jan Josef Liefers in dieser Woche Entwicklunghilfeprojekte in Ghana. Er unterstützt die Organisation ONE. von 

Der Schauspieler Jan Josef Liefers als "Prof. Boerne" beim Tatort-Dreh

Der Schauspieler Jan Josef Liefers als "Prof. Boerne" beim Tatort-Dreh  |  © Bernd Thissen dpa/lnw

DIE ZEIT: Wenn man Ihren Namen zusammen mit » Afrika « googelt, taucht der Animationsfilm Madagascar auf, bei dem Sie den Löwen synchronisiert haben...

Jan Josef Liefers: Stimmt, das war meine erste Berührung mit dem Kontinent. Jetzt habe ich erlebt, wie nahe wir uns sind. Nach Ghana fliegt man keine sieben Stunden.

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ZEIT: Warum führt Ihr erster Afrika -Trip Sie gerade in ein Land, in dem Demokratie und Wirtschaft sich relativ gut entwickeln?

Liefers: Weil man zwei Dinge klar sehen kann: dass Entwicklungshilfe greift – was ja viele Leute bezweifeln –, aber auch, dass von allein kein Fortschritt in Gang kommt. Dass noch immer viel Unterstützung gebraucht wird.

ZEIT: Was fehlt?

Liefers: Deprimierend war unser Besuch in einem Geisterkrankenhaus. Da gibt es nicht mal Verbandszeug, eine einzige Krankenschwester trägt mit 25 Jahren die Verantwortung für 15.000 Menschen im Umkreis. Doch wir waren auch in einer Klinik im Süden, wo hoch motivierte Fachärzte Aids, Tuberkulose und Malaria bekämpfen. Unterstützt werden sie vom Globalen Fonds, den Regierungen und Stiftungen aus aller Welt finanzieren. Die Fortschritte sind unglaublich. Zum Beispiel können heute 61.000 Ghanaer durch Aids-Medikamente überleben; 2005 waren es 7.000. Europa darf jetzt angesichts der eigenen Probleme auf keinen Fall in Versuchung geraten, Hilfsgelder zu sparen.

ZEIT: Aber Ghana verfügt über einigen Reichtum: Gold, Mineralien, seit einem Jahr wird Erdöl gefördert...

Liefers: Besonders bei den Öleinnahmen sind viele Ghanaer besorgt, dass der Rohstoffsegen wie anderswo zum Fluch werden könnte. Man hat sich hier vorgenommen, in zehn Jahren von Entwicklungsgeldern unabhängig zu sein – aber dann dürfen keine Einnahmen in privaten Taschen verschwinden. In jedem dritten Satz unserer Gesprächspartner fiel das Wort Transparenz.

ZEIT: Weil es gut klingt?

Liefers: Parlamentarier und Nichtregierungsorganisationen schauen ihrer Regierung und der Wirtschaft hier extrem kompetent auf die Finger. Sie haben uns gesagt: Bei uns bemüht man sich, aber es gibt auch noch Schlupflöcher, und da sind wir auf euch Europäer angewiesen.

ZEIT: Was kann Europa tun?

Liefers: Wir brauchen ein Gesetz, wie es die USA im Rahmen ihrer Finanzreform bereits erlassen haben. Im Dodd-Frank Act sollen Rohstoffunternehmen dazu verpflichtet werden, Lizenzzahlungen, Steuern und Abgaben Land für Land, Projekt für Projekt genau aufzuschlüsseln. Frankreich und England unterstützen das – Deutschland tut es leider noch nicht. Das soll mir mal einer erklären!

ZEIT: Über die Details wird auch in den USA noch heftig gestritten.

Liefers: Deshalb darf Europa die USA nicht im Regen stehen lassen! Die Zahlen offenzulegen gäbe den Bürgern Ghanas und anderer afrikanischer Länder noch schärfere Instrumente an die Hand, um genau zu prüfen, wie viel die Regierungen einnehmen und ob das Geld der Bekämpfung der Armut zugutekommt. Entwicklungshilfe heißt eben nicht nur, Krankenhäuser oder Schulen zu bauen. Die Käufer der Rohstoffe müssten ihre Karten genau wie die afrikanischen Regierungen offenlegen. Das kostet im Übrigen wenig – und bringt viel mehr.

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  • Schlagworte Afrika | Armut | Aids | Animationsfilm | Bono | Entwicklungshilfe
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