Intersexualität: "Wie eine Kastration"
Manche Kinder kommen nicht eindeutig als Junge oder Mädchen auf die Welt, sondern als Intersexuelle. Oft operiert man sie ganz früh – für Kritiker ein Verstoß gegen Menschenrechte. Ein Streitgespräch
DIE ZEIT: Lucie Veith, Sie vergleichen die Behandlungsmethoden von Medizinern wie Herrn Hiort mit Genitalverstümmelung und Zwangskastration. Wie kommen Sie zu diesem Urteil?
Lucie Veith: Herr Hiort ist ein hervorragender Wissenschaftler und Arzt, an den man sich für eine medizinische Diagnose vertrauensvoll wenden kann. Gleichzeitig vertritt er aber eine Zunft von Medizinern, die systematisch gegen Menschenrechte verstoßen, weil sie unter anderem das Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht beachten.
ZEIT: Was werfen Sie ihm und seinen Kollegen konkret vor?
55, leitet den Verein Intersexuelle Menschen. Beruflich arbeitet sie als Verwaltungsangestellte und freischaffende Künstlerin.
Veith: Sie erklären intersexuelle Menschen wie mich zu Kranken, obwohl wir nicht krank sind. Sie operieren die Genitalien, ohne die Einwilligung der Betroffenen einzuholen, und bringen damit vielfaches Leid über sie. Das meine übrigens nicht nur ich. Auch der UN-Ausschuss gegen Folter, der Frauenrechtsausschuss, der UN-Sozialpaktausschuss sowie Amnesty International haben die Zwangsoperationen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland kritisiert.
50, ist in Lübeck Professor für Kinderheilkunde mit dem Spezialgebiet Hormonstörungen. Er koordiniert das große Forschungsprojekt EuroDSD (Disorders of Sex Development) und ist Sprecher des Netzwerks DSD/Intersexualität.
Olaf Hiort: Solche Vorwürfe sind für einen Arzt vernichtend. Sie treffen mich hart, denn mein Ziel ist natürlich, Patienten Leid zu ersparen. Ob mir das immer gelingt, weiß ich nicht. Sicher weiß ich jedoch, dass unsachliche Vorwürfe gegen Ärzte den Betroffenen nicht nützen. Dafür ist das Thema medizinisch zu kompliziert und ethisch zu wichtig.
ZEIT: In Kürze wird der Deutsche Ethikrat deshalb seine große Stellungnahme zur Intersexualität abgeben. Herr Hiort, können Sie uns erklären, worum es geht?
Hiort: Kinder werden als Junge oder Mädchen geboren. Doch von dieser Regel kann es Abweichungen geben: auf der Ebene der Chromosomen, der Hormone oder der Genitalien. Solch biologisch bedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung...
Veith: ...Computer haben Störungen. Ich bin ein Mensch. Wenn Sie Eltern sagen, dass ihr Kind eine Störung hat, nehmen Sie schon eine Wertung vor. Doch Geschlechtlichkeit ist keine Schublade, in die man passen oder für die man zurechtgeschnippelt werden muss.
ZEIT: Nennen wir es neutral Besonderheiten.
Hiort: Leichte Abweichungen wie eine Hypospadie begegnen uns relativ häufig. Bei einer von 200 Geburten kommt es etwa vor, dass bei Jungen der Ausgang der Harnröhre nicht auf der Penisspitze endet. Beim Ullrich-Turner-Syndrom fehlt jedem zweitausendsten Mädchen das zweite X-Chromosom. Sie sehen völlig weiblich aus, können aber keine Kinder bekommen, da die Eierstöcke nicht vollständig angelegt sind.
- Zwischen den beiden Geschlechtern
-
Am Anfang sind wir alle Zwitter: Bis zur sechsten Schwangerschaftswoche trägt jeder Fötus Anlagen für beide Geschlechter in sich. Erst danach prägen die Gene ein männliches oder weibliches Wesen. Die Chromosomenpaarung XY lässt Hoden und später den Penis wachsen, ein XX-Chromosomenpaar Eierstöcke, Gebärmutter und Klitoris.
Manchmal aber fehlen Chromosomen oder sind überzählig. Oder Enzyme versagen ihren Dienst, Hormone fallen aus. Ärzte zählen mehr als ein Dutzend verschiedener Syndrome, die mit dem Fachbegriff Sexualdifferenzierungsstörungen oder Intersexualität bezeichnet werden. Zu den häufigeren Störungsbildern gehören das Turner-Syndrom und das Klinefelter-Syndrom mit weiblichem beziehungsweise männlichem Erscheinungsbild. Menschen mit einer Androgen-Resistenz kommen äußerlich als Mädchen zur Welt, obwohl sie männliche Erbanlagen tragen und Hoden im Körperinneren haben. Mit Transsexualität – dem Gefühl, im Körper eines falschen Geschlechts zu leben – hat Intersexualität medizinisch nichts zu tun.
- Umgang mit Intersexualität
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Vor einigen Jahren haben sich in Deutschland Betroffene zusammengeschlossen. Sie werfen Ärzten schwere Therapiefehler vor und kämpfen für einen anderen Umgang mit Intersexualität. Unter anderem fordern sie, in Geburtsurkunden und Personalausweisen neben »männlich« und »weiblich« eine dritte Kategorie zuzulassen. Den Forderungen der Betroffenen haben sich Redner aller Parteien in einer Bundestagdebatte im vergangenen November in großen Teilen angeschlossen. Seit mehr als einem Jahr beschäftigt sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema Intersexualität. Es wird erwartet, dass er seine Empfehlungen im Februar abgeben wird.
Literarisch herausragend behandelt Jeffrey Eugenides das Thema im Roman Middlesex, ebenso John Colapinto im Tatsachenbericht Der Junge, der als Mädchen aufwuchs.
ZEIT: Sind das die Menschen, die man früher abwertend Zwitter oder Hermaphroditen nannte?
Hiort: Nein, so bezeichnete man eher Neugeborene, bei denen man das Geschlecht nur schwer bestimmen kann, zum Beispiel weil sie eine auffällig große Klitoris haben beziehungsweise einen sehr kleinen Penis. Ebenso kommt es vor, dass ein Neugeborenes völlig weiblich aussieht, die Ärzte aber gleichzeitig Hoden im Bauch finden. Im Jahr trifft dies in Deutschland auf rund 200 Neugeborene zu. Wie man diese Kinder behandeln soll, darum geht es in unserem Streit.






bis das Kind in der Lage ist selbst zu entscheiden. Alles andere halte ich für Unsinn! Einigermassen auf der sicheren Seite ist man, wenn das Kind in der Pubertät ist.
Wichtig ist für das Kind, der Umgang mit der Besonderheit, einerseits von den Eltern und anderen. Daran hapert es meistens.
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
"Jedes Mädchen darf mit Autos spielen, jeder Junge mit Puppen." Man sollte mal von den Themen von vor 50 Jahren loskommen, wobei die Kategorien männlich oder weiblich mit gutem Grund in der einen oder anderen Beziehung wohl noch lange (ewig?) gültig bleiben werden.
Es bleiben Zweifel
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
Leider ist es aber doch z.Zt. so,...
... das Gruppen von Nichtbetroffenen, die das "Schicksal" von außen betrachten, darüber entscheiden wollen, was für das einzelne Individuum richtig sein soll.
Zweifel werden immer bleiben, aber ich denke:" Wenn der/die Betroffene die Entscheidung trifft, dann fällt zumindest der Vorwurf gegenüber Anderen (Eltern, Ärzten) weg." Man entschuldigt sich selbst eher eine Fehlentscheidung als z.B. den Eltern.
"es bleiben Zweifel .... wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen."
Bisher machte eine Mehrheit von Ärzten, kategorisch heterosexuell Erzogenen und kategorisch unhinterfragt in Mann-Frau-Gegensätzenden Lebenden, d.h. im besten Fall: Nicht-Betroffenen über die Köpfe anderer hinweg die eigene Erfahrung völlig unreflektiert zum Maßstab.
Die Arroganz dieser mehrheitsgedeckten Selbstverständlichkeit gegenüber dem Leid einer Minderheit setzen Sie mit Kommentaren wie diesem bruchlos fort.
Warum fällt es so schwer, Leuten zuzuhören, die von Ihrem Lebensmodell - denn darum geht es - abweichen? Warum sollte es ein Problem darstellen, die Erfahrungen dieser Minderheit in die eigene Wahrnehmung und Handlungsweise respektvoll aufzunehmen?
Welche Unterstellungen projezieren Sie hier: Wo und wie lässt die Minderheit, die auf Ihrer Intersexualität beharrt, etwa Ihre oder anderer Menschen Lebensform/Lebensentscheidungen "nicht ansatzweise gelten" - wie Sie fälschlich suggerieren?
(Ich lebe übrigens heterosexuell mit traditioneller sexueller Identität - mein Leben und mein Weltbild ist jedoch durch die Möglichkeiten anderer Selbstbeschreibungen bereichert, nicht beeinträchtigt worden)
Es bleiben Zweifel
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
Leider ist es aber doch z.Zt. so,...
... das Gruppen von Nichtbetroffenen, die das "Schicksal" von außen betrachten, darüber entscheiden wollen, was für das einzelne Individuum richtig sein soll.
Zweifel werden immer bleiben, aber ich denke:" Wenn der/die Betroffene die Entscheidung trifft, dann fällt zumindest der Vorwurf gegenüber Anderen (Eltern, Ärzten) weg." Man entschuldigt sich selbst eher eine Fehlentscheidung als z.B. den Eltern.
"es bleiben Zweifel .... wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen."
Bisher machte eine Mehrheit von Ärzten, kategorisch heterosexuell Erzogenen und kategorisch unhinterfragt in Mann-Frau-Gegensätzenden Lebenden, d.h. im besten Fall: Nicht-Betroffenen über die Köpfe anderer hinweg die eigene Erfahrung völlig unreflektiert zum Maßstab.
Die Arroganz dieser mehrheitsgedeckten Selbstverständlichkeit gegenüber dem Leid einer Minderheit setzen Sie mit Kommentaren wie diesem bruchlos fort.
Warum fällt es so schwer, Leuten zuzuhören, die von Ihrem Lebensmodell - denn darum geht es - abweichen? Warum sollte es ein Problem darstellen, die Erfahrungen dieser Minderheit in die eigene Wahrnehmung und Handlungsweise respektvoll aufzunehmen?
Welche Unterstellungen projezieren Sie hier: Wo und wie lässt die Minderheit, die auf Ihrer Intersexualität beharrt, etwa Ihre oder anderer Menschen Lebensform/Lebensentscheidungen "nicht ansatzweise gelten" - wie Sie fälschlich suggerieren?
(Ich lebe übrigens heterosexuell mit traditioneller sexueller Identität - mein Leben und mein Weltbild ist jedoch durch die Möglichkeiten anderer Selbstbeschreibungen bereichert, nicht beeinträchtigt worden)
denn auch durch abwarten der Pubertät werden irreparable Fakten geschaffen, die ebenso unerwünscht sein können, wie eine Operation.
Insofern hat Frau Veith einfach Unrecht.
Richtig ist jedoch das nicht alle Ärzte sensibel genug mit dem Threma umgehen und früher häufig zu schnell gehandelt wurde. die Verbesserung der Situation kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es diese Fälle nach wie vor gibt.
Entscheidungen müssen laufend gefällt werden, mit Sicherheit aber auch vor der Pubertät, ob man weiter abwartet oder die drohenden Fakten durch eine Operation abwenden möchte.
Auch Nichthandeln ist eine Entscheidung die falsch sein kann.
Sicherheit darüber, was die richtige Entscheidung ist, gibt es da häufig erst im Nachhinein. Das Risiko ist nicht ausschließbar.
H.
Da in der Pubertät unverkennbar Fakten geschaffen werden, würde ich warten, bis sich die sexuelle Identität eines Kindes eindeutig feststellen lässt - also zum Einsetzen der Pubertät - und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen.
Zitat von Ihnen: "und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen."
haben Sie Quellen zur Schwere und Umkehrbarkeit (bzw. dem Bedarf) der jeweiligen Eingriffe? Hier fällt es irgendwie schwer, gefühlsmäßige von sachlich begründeten Meinungen zu unterscheiden.
Zitat von Ihnen: "und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen."
haben Sie Quellen zur Schwere und Umkehrbarkeit (bzw. dem Bedarf) der jeweiligen Eingriffe? Hier fällt es irgendwie schwer, gefühlsmäßige von sachlich begründeten Meinungen zu unterscheiden.
Unsere Gesellschaft ist leider nicht so "weit" und wird es möglicherweise auch niemals sein, von Geschlechterrollen frei zu sein.
Schon eine Zweijährige teilt ihre Umgebung ein in Junge, Mädchen, Mann, Frau. Meine Tochter hat mich Ewigkeiten gelöchert, wer was ist und warum, und immer wieder was sie ist.
Kinder möchten eindeutig zugeordnet werden können und sich selbst eindeutig zuordnen können. Es werden doch schon Mädchen in der Grundschule gehänselt, die kurze Haare und "Jungen"klamotten tragen.
Das Kind mit Eierstöcken und Penis muss irgendwo zugeordnet werden. In welcher Umkleidekabine soll es sich umziehen beim Schulschwimmen, zum Beispiel, ohne dass alle Glotzen und es Aufziehen?
Und schon bei der Geburt: Soll es Tom heißen oder Marie?
Gar keine Zuordnung zu treffen, wird dem Kind sicher in unserer heutigen Gesellschaft ebenfalls schaden zufügen. Eine eindeutige Zuordnung halte ich also für sehr wichtig.
Ob das allerdings gleich eine Operation sein muss, ist eine andere Frage. Denn als junger Erwachsener fühlt sich der Mensch vielleicht dem anderen oder gar keinem Geschlecht zugehörig.
Trotzdem, ein Kind muss einer der beiden Kategorien "Junge oder Mädchen" angehören, sonst wird seine Kindheit ein Spießrutenlauf.
Es sei denn, man wohnt irgendwo alleine in den Bergen und unterrichtet sein Kind zusammen mit den zwei Nachbarskindern zu Hause.
... Gesellschaft. Es muss ...
Nein, es muss nicht.
Die Namensgebung ist heute das kleinste Problem, es gibt genügend Auswahl und ist auch nicht unbedingt sofort geschlechtsandeutend (z.B. Andrea: deu = Frau, ital. = Mann).
Anstatt offen mit den Gegebenheiten umzugehen, aufzuklären und Toleranz zu schaffen bleibt man in der Mitte hängen. Nur nichts verändern und wenn doch, dann chirugisch "vertuschen".
"Spießruten laufen" gibt es in der Jugend sehr, sehr oft und hängt teilweise mit Kleinigkeiten zusammen. Dagegen muss "gekämpft" und Abhilfe geschaffen werden. Eine Anpassung, egal welcher Art, ändert niemals etwas an überkommenen Wertvorstellungen und genau darum geht es doch bei der Debatte: Was sind diese Kinder wert?
Ich sage dazu, es sind 100%ige Menschen die ein volles Anrecht auf die Menschenrechte haben!
... Gesellschaft. Es muss ...
Nein, es muss nicht.
Die Namensgebung ist heute das kleinste Problem, es gibt genügend Auswahl und ist auch nicht unbedingt sofort geschlechtsandeutend (z.B. Andrea: deu = Frau, ital. = Mann).
Anstatt offen mit den Gegebenheiten umzugehen, aufzuklären und Toleranz zu schaffen bleibt man in der Mitte hängen. Nur nichts verändern und wenn doch, dann chirugisch "vertuschen".
"Spießruten laufen" gibt es in der Jugend sehr, sehr oft und hängt teilweise mit Kleinigkeiten zusammen. Dagegen muss "gekämpft" und Abhilfe geschaffen werden. Eine Anpassung, egal welcher Art, ändert niemals etwas an überkommenen Wertvorstellungen und genau darum geht es doch bei der Debatte: Was sind diese Kinder wert?
Ich sage dazu, es sind 100%ige Menschen die ein volles Anrecht auf die Menschenrechte haben!
"Kinder werden als Junge oder Mädchen geboren." Was der Arzt hier am Anfang des Gesprächs als natürliche Tatsache darstellt, ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Bevor man durch Operationen in menschliche Natürlichkeit eingreift, sollte man in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht alles so einfach ist, wie wir es gerne darstellen, dass man nicht entweder als Mädchen oder als Junge geboren wird. Wenn wir jedem Einzelnen individuelle Freiheit garantieren wollen, müssen wir aufhören, uns selbst vorzugaukeln, die Welt wäre einfach zu verstehen!
Das scheint mir ein entscheidender Satz zu sein. So einfach das man einfach immer warten könnte, bis das Kind selbst eine Entscheidung treffen kann scheint mir die Lage längst nicht zu sein.
Hallo,
sollte man nicht eher auf die Erwachsenen hören, die solche Probleme am eigenen Leib (!) erfahren haben? Die meisten Intersexuellen scheinen ja unter einem solch frühen Eingriff im Erwachsenenalter zu leiden. Wieso hört darauf niemand, der betroffen ist?
Deren Meinung tendiert mit großer Mehrheit dahin abzuwarten, bis das Kind alt genug ist, um selbst zu entscheiden oder bis der Körper größtenteils ausgewachsen ist (was relativ zeitgleich sein dürfte).
Wo ist das Problem für die Familie selbst, wenn es über die Intersexualität ihres Kindes bescheid weiß und das Kind Tom nennt, Tom sich aber später eher weiblich fühlt und sich ab dem Zeitpunkt Lisa nennen will?
Klar hat das Umfeld evtl. erstmal Verständnisprobleme damit, aber das ist nochmal ein ganz anderer Punkt.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen als "krank" oder "falsch" oder "behindert" wahrgenommen werden und nicht als eine natürlich vorkommende Variante von Geschlechtern.
Und vor allem hätte ich gerne wirklich eine Antwort auf diese Frage:
Was tun, wenn einem äußerlich erscheinenden Mädchen die inneren Hoden entfernt werden, dieses Mädchen sich aber ab Pubertät wegen Hormonschüben, Wachstum und beginnender Sexualität eher männlich fühlt?
Was dann? Wie erklärt man diesem Jungen (!) dann, dass man als Eltern und Ärzte versagt hat und dass er seine Hoden nie wieder bekommen wird?
Hätte wirklich sehr gerne eine Antwort darauf.
Hallo,
sollte man nicht eher auf die Erwachsenen hören, die solche Probleme am eigenen Leib (!) erfahren haben? Die meisten Intersexuellen scheinen ja unter einem solch frühen Eingriff im Erwachsenenalter zu leiden. Wieso hört darauf niemand, der betroffen ist?
Deren Meinung tendiert mit großer Mehrheit dahin abzuwarten, bis das Kind alt genug ist, um selbst zu entscheiden oder bis der Körper größtenteils ausgewachsen ist (was relativ zeitgleich sein dürfte).
Wo ist das Problem für die Familie selbst, wenn es über die Intersexualität ihres Kindes bescheid weiß und das Kind Tom nennt, Tom sich aber später eher weiblich fühlt und sich ab dem Zeitpunkt Lisa nennen will?
Klar hat das Umfeld evtl. erstmal Verständnisprobleme damit, aber das ist nochmal ein ganz anderer Punkt.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen als "krank" oder "falsch" oder "behindert" wahrgenommen werden und nicht als eine natürlich vorkommende Variante von Geschlechtern.
Und vor allem hätte ich gerne wirklich eine Antwort auf diese Frage:
Was tun, wenn einem äußerlich erscheinenden Mädchen die inneren Hoden entfernt werden, dieses Mädchen sich aber ab Pubertät wegen Hormonschüben, Wachstum und beginnender Sexualität eher männlich fühlt?
Was dann? Wie erklärt man diesem Jungen (!) dann, dass man als Eltern und Ärzte versagt hat und dass er seine Hoden nie wieder bekommen wird?
Hätte wirklich sehr gerne eine Antwort darauf.
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht". Denn 12 Jahre Lernrückstand auf andere gleichaltrige junge Erwachsene holt ein Mensch nie wieder auf.
Frühe Operation + regelmäßige Hormontherapie ab der Pubertät ermöglichen einem Kind zudem eher, "normal" in das gewählte Geschlecht reinzuwachsen, als dauernde Zweifel während der Pubertät und dann mit 18 der Zwang, sich in die eine oder andere Richtung entscheiden zu müssen.
Wichtig ist aber eine umfassende Aufklärung. Im Aufklärungsgespräch sind Ärzte nämlich oft extrem auf die Darstellung der Folgen eines Nicht-Eingriffs fixiert, während sie zugleich die Gefahren und Nebenwirkungen einer OP oder Medikation herunterspielen. Und das nicht nur bei Geschlechts-Festlegungen, sondern auch bei Rücken-OPs oder der Verschreibung von Psychopharmaka. Diesem Druck sind die Patienten bzw. Eltern fast hilflos ausgeliefert.
Besser wäre es, gerade bei solchen nicht zeitkritischen, aber sehr lebensbestimmenden Eingriffen dem Patienten bzw. den Eltern einen von der Krankenkasse finanzierten Patientenanwalt zur Verfügung zu stellen. Der im Aufklärungsgespräch auch die möglichen negativen Wirkungen des Eingriffs hinterfragt, und der ebenso die Option des Nicht-Eingriffs beleuchtet.
Jag
Eltern dürfen sehr wohl für das Kind entscheiden
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht".
Wir sprechen hier "nur" über eine angeborene "Abnormität". Wenn man dem folgt, könnte man irgendwan auch für "gut" befinden, dass man
- das erstgeborene Kind, sofern ein Mädchen, einer Geschlechtsumwandlung unterziehen darf, da man einen männl. Erben benötigt.
- das man Mädchen bereits div. Brustamputationen unterwirft, da es in der Familie vermehrt Brustkrebs gab.
- das man Jugendliche, die bereits früh als schwul/lesbisch erkannt/geoutet sind einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, da sie dann "normal" in der Gesellschaft den bevorzugten Sexualpartner bekommt.
Entschuldigung für diese harten Beispiele, aber es geht nicht um ein lebensbedrohliches Kranheitsbild, wo nur ein pro oder contra Leben zählt.
Wir sollten uns "endlich" von unserer "normalen" Geschlechterdefinition verabschieden. Diese Menschen gab es schon immer, nur wurden sie a) versteckt oder b) verstümmelt und das ist falsch.
Eltern dürfen sehr wohl für das Kind entscheiden
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht".
Wir sprechen hier "nur" über eine angeborene "Abnormität". Wenn man dem folgt, könnte man irgendwan auch für "gut" befinden, dass man
- das erstgeborene Kind, sofern ein Mädchen, einer Geschlechtsumwandlung unterziehen darf, da man einen männl. Erben benötigt.
- das man Mädchen bereits div. Brustamputationen unterwirft, da es in der Familie vermehrt Brustkrebs gab.
- das man Jugendliche, die bereits früh als schwul/lesbisch erkannt/geoutet sind einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, da sie dann "normal" in der Gesellschaft den bevorzugten Sexualpartner bekommt.
Entschuldigung für diese harten Beispiele, aber es geht nicht um ein lebensbedrohliches Kranheitsbild, wo nur ein pro oder contra Leben zählt.
Wir sollten uns "endlich" von unserer "normalen" Geschlechterdefinition verabschieden. Diese Menschen gab es schon immer, nur wurden sie a) versteckt oder b) verstümmelt und das ist falsch.
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