"Geschlechtlichkeit ist kein Entweder-oder"
ZEIT: Was wird dann genau gemacht?
Hiort: Die Scheidenanlage wird erweitert. Umstritten ist dabei die Frage, ob eine Erweiterung, damit sie wirksam ist, im Kindesalter geschehen muss oder ob man damit warten kann. Wir plädieren bislang eher für einen frühen Eingriff.
Veith: Viele Menschen haben diesen Eingriff als traumatisierend erlebt. Viele von ihnen wollen ihre Scheide nach dem ständigen Dehnen nie mehr nutzen. Das ganze Operieren ist überhaupt nicht nötig.
ZEIT: Was würden Sie Eltern raten, wenn ihr Baby eine Klitoris hat, die wie ein Penis aussieht, was man sofort sieht, zum Beispiel am Strand?
Veith: Ich würde ihnen sagen, dass ich Erwachsene kenne, die als Baby genauso aussahen, nicht operiert wurden und heute ein erfülltes Leben führen.
Hiort: Aber manche lassen sich nicht überzeugen, besonders wenn sie aus einem anderen Kulturkreis kommen. Sie wollen das Beste für ihr Kind – und das kann aus ihrer Sicht eine Operation sein.
Veith: Afrikanische Eltern dürfen ihre Tochter in Deutschland auch nicht beschneiden lassen – selbst wenn sie das für notwendig erachten.
Hiort: Würden Sie es den Eltern etwa wegnehmen?
Veith: Im Extremfall ja. Aber häufig passiert ja das Gegenteil: Ärzte setzen die Eltern unter Druck, damit sie einer Operation zustimmen.
ZEIT: Wieso, meinen Sie, machen Mediziner das?
Veith: Weil sie es immer so gemacht haben. Würde jemand, der Dutzende Intersexuelle genitalverändert hat, jetzt damit aufhören, hieße das zuzugeben, dass er bisher das Lebensglück vieler Menschen zerstört hat. Zudem denken Ärzte in Stereotypen. Aber Geschlechtlichkeit ist kein Entweder-oder. Ich vergleiche sie eher mit einer Weltkugel mit zwei Polen, und wir Intersexuellen leben einfach näher am Äquator.
Hiort: Was sollen Eltern eines Kindes, das einen Penis hat und Eierstöcke, nach der Geburt machen? Sie müssen ihrem Kind ja einen Namen geben. Ein Kind ist niemals ein »Es«.
Veith: Ich habe nichts gegen die Zuweisung eines Erziehungsgeschlechts. Aber entscheidet sich Mathilda mit zwölf Jahren, dass sie jetzt Mathias sein möchte, haben wir ein Problem, wenn Mathias keine Hoden mehr hat. Deshalb: keine Operationen bis zur Volljährigkeit.
Hiort: Das sagt sich so leicht. Ich nenne ihnen den Fall einer 13-Jährigen mit sogenanntem 5-alpha-Reduktase-Mangel. Dieses Mädchen vermännlicht in der Pubertät langsam. Wollen Sie verbieten, dass wir da eingreifen, wenn die Betroffenen und die Familie es wollen? Auch Nichtstun kann psychische Folgen haben, die irreversibel sind.
Veith: Ziel muss es sein, Kinder ohne Stereotypen zu erziehen. Jedes Mädchen darf mit Autos spielen, jeder Junge mit Puppen. Dann wird die Frage, ob Junge oder Mädchen, irgendwann nicht mehr wichtig.
Hiort: Beim Ethikrat haben wir genau diese Dinge diskutiert und nach vier Stunden und zwanzig Tassen Kaffee mussten alle aufs Klo – und es gab nur zwei Türen zu den Toiletten.
Veith: Ich wäre auf das Behindertenklo gegangen, da steht keiner an!
Hiort: Sie unterschätzen, zu welchen Anpassungsleistungen die Kinder gezwungen werden. Bei Kindern mit Diabetes verwenden wir viel Energie darauf, Mitschüler aufzuklären, Lehrer zu schulen – und trotzdem muss ich akzeptieren, dass das Kind sagt: Ich gehe lieber aufs Klo und spritze mir da das Insulin. Denn die anderen sollen nicht wissen, dass ich anders bin. Wie viel schwerer fällt es dann, anderen zu erklären, dass man etwas Besonderes in Hinblick auf das Geschlecht ist.
ZEIT: Gibt es denn Kinder, die sagen: »Ich bin nicht Junge oder Mädchen, ich bin beides?«
Hiort: Mittlerweile ja. Eine Familie, die ich seit zehn Jahren begleite, hat beschlossen, abzuwarten, bis das Kind selbst entscheiden kann. Es ist jetzt in der vierten Klasse, und als es kürzlich sein Geschlecht angeben musste, männlich oder weiblich, hat das Kind sein Kreuz in der Mitte gemacht.
ZEIT: Lucie Veith, wie reagieren Menschen, wenn Sie sagen, dass Sie weder Mann noch Frau sind?
Veith: Es gibt einen großen Informationsbedarf. Aber wenn ich es dann erkläre, höre ich: »Das ist ja spannend« oder »Okay, wie Sie meinen«. Es gibt ja alles heutzutage. Persönlich werde ich nicht diskriminiert. Nur beim Arzt bekomme ich eine falsche Auswertung meiner Blutwerte, weil auf der Krankenkassenkarte steht, dass ich weiblich bin.
ZEIT: Wenn die Toleranz so groß ist, warum sind es so wenige, die diesen Weg gehen?
Veith: Die Toleranz ist nur groß, wenn man entschieden auftritt. Viele Intersexuelle haben erlebt, dass man ihnen sehr wehgetan hat. Über Jahre haben Väter geschwiegen und Mütter heimlich geheult. Nun wünschen sie sich nichts anderes, als ein normales Leben zu führen.
ZEIT: Werden die Kategorien männlich und weiblich irgendwann keine Rolle mehr spielen?
Veith: Die Gesellschaft ist schon heute viel weiter, als der pathologische Diskurs der Ärzte es nahelegt.
Hiort: Ich zweifle, ob die Gesellschaft jemals ein drittes Geschlecht akzeptiert. Die Menschen werden aber toleranter. Gerade Selbsthilfegruppen wie die Ihre haben schon jetzt unglaublich viel erreicht. Selbst die Apothekenumschau hat das Thema vor Kurzem kritisch behandelt. Das zeigt doch: Die Betroffenen brauchen sich nicht mehr zu verstecken.
- Datum 12.01.2012 - 12:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.1.2012 Nr. 03
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bis das Kind in der Lage ist selbst zu entscheiden. Alles andere halte ich für Unsinn! Einigermassen auf der sicheren Seite ist man, wenn das Kind in der Pubertät ist.
Wichtig ist für das Kind, der Umgang mit der Besonderheit, einerseits von den Eltern und anderen. Daran hapert es meistens.
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
"Jedes Mädchen darf mit Autos spielen, jeder Junge mit Puppen." Man sollte mal von den Themen von vor 50 Jahren loskommen, wobei die Kategorien männlich oder weiblich mit gutem Grund in der einen oder anderen Beziehung wohl noch lange (ewig?) gültig bleiben werden.
Es bleiben Zweifel
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
Leider ist es aber doch z.Zt. so,...
... das Gruppen von Nichtbetroffenen, die das "Schicksal" von außen betrachten, darüber entscheiden wollen, was für das einzelne Individuum richtig sein soll.
Zweifel werden immer bleiben, aber ich denke:" Wenn der/die Betroffene die Entscheidung trifft, dann fällt zumindest der Vorwurf gegenüber Anderen (Eltern, Ärzten) weg." Man entschuldigt sich selbst eher eine Fehlentscheidung als z.B. den Eltern.
"es bleiben Zweifel .... wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen."
Bisher machte eine Mehrheit von Ärzten, kategorisch heterosexuell Erzogenen und kategorisch unhinterfragt in Mann-Frau-Gegensätzenden Lebenden, d.h. im besten Fall: Nicht-Betroffenen über die Köpfe anderer hinweg die eigene Erfahrung völlig unreflektiert zum Maßstab.
Die Arroganz dieser mehrheitsgedeckten Selbstverständlichkeit gegenüber dem Leid einer Minderheit setzen Sie mit Kommentaren wie diesem bruchlos fort.
Warum fällt es so schwer, Leuten zuzuhören, die von Ihrem Lebensmodell - denn darum geht es - abweichen? Warum sollte es ein Problem darstellen, die Erfahrungen dieser Minderheit in die eigene Wahrnehmung und Handlungsweise respektvoll aufzunehmen?
Welche Unterstellungen projezieren Sie hier: Wo und wie lässt die Minderheit, die auf Ihrer Intersexualität beharrt, etwa Ihre oder anderer Menschen Lebensform/Lebensentscheidungen "nicht ansatzweise gelten" - wie Sie fälschlich suggerieren?
(Ich lebe übrigens heterosexuell mit traditioneller sexueller Identität - mein Leben und mein Weltbild ist jedoch durch die Möglichkeiten anderer Selbstbeschreibungen bereichert, nicht beeinträchtigt worden)
Es bleiben Zweifel
wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen.
Leider ist es aber doch z.Zt. so,...
... das Gruppen von Nichtbetroffenen, die das "Schicksal" von außen betrachten, darüber entscheiden wollen, was für das einzelne Individuum richtig sein soll.
Zweifel werden immer bleiben, aber ich denke:" Wenn der/die Betroffene die Entscheidung trifft, dann fällt zumindest der Vorwurf gegenüber Anderen (Eltern, Ärzten) weg." Man entschuldigt sich selbst eher eine Fehlentscheidung als z.B. den Eltern.
"es bleiben Zweifel .... wenn einzelne Betroffene allein ihr Schicksal, ihre Erfahrung zum Maßstab machen wollen und andere Meinungen oder aktuell bereits eingetretene Veränderungen nicht ansatzweise gelten lassen."
Bisher machte eine Mehrheit von Ärzten, kategorisch heterosexuell Erzogenen und kategorisch unhinterfragt in Mann-Frau-Gegensätzenden Lebenden, d.h. im besten Fall: Nicht-Betroffenen über die Köpfe anderer hinweg die eigene Erfahrung völlig unreflektiert zum Maßstab.
Die Arroganz dieser mehrheitsgedeckten Selbstverständlichkeit gegenüber dem Leid einer Minderheit setzen Sie mit Kommentaren wie diesem bruchlos fort.
Warum fällt es so schwer, Leuten zuzuhören, die von Ihrem Lebensmodell - denn darum geht es - abweichen? Warum sollte es ein Problem darstellen, die Erfahrungen dieser Minderheit in die eigene Wahrnehmung und Handlungsweise respektvoll aufzunehmen?
Welche Unterstellungen projezieren Sie hier: Wo und wie lässt die Minderheit, die auf Ihrer Intersexualität beharrt, etwa Ihre oder anderer Menschen Lebensform/Lebensentscheidungen "nicht ansatzweise gelten" - wie Sie fälschlich suggerieren?
(Ich lebe übrigens heterosexuell mit traditioneller sexueller Identität - mein Leben und mein Weltbild ist jedoch durch die Möglichkeiten anderer Selbstbeschreibungen bereichert, nicht beeinträchtigt worden)
denn auch durch abwarten der Pubertät werden irreparable Fakten geschaffen, die ebenso unerwünscht sein können, wie eine Operation.
Insofern hat Frau Veith einfach Unrecht.
Richtig ist jedoch das nicht alle Ärzte sensibel genug mit dem Threma umgehen und früher häufig zu schnell gehandelt wurde. die Verbesserung der Situation kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es diese Fälle nach wie vor gibt.
Entscheidungen müssen laufend gefällt werden, mit Sicherheit aber auch vor der Pubertät, ob man weiter abwartet oder die drohenden Fakten durch eine Operation abwenden möchte.
Auch Nichthandeln ist eine Entscheidung die falsch sein kann.
Sicherheit darüber, was die richtige Entscheidung ist, gibt es da häufig erst im Nachhinein. Das Risiko ist nicht ausschließbar.
H.
Da in der Pubertät unverkennbar Fakten geschaffen werden, würde ich warten, bis sich die sexuelle Identität eines Kindes eindeutig feststellen lässt - also zum Einsetzen der Pubertät - und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen.
Zitat von Ihnen: "und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen."
haben Sie Quellen zur Schwere und Umkehrbarkeit (bzw. dem Bedarf) der jeweiligen Eingriffe? Hier fällt es irgendwie schwer, gefühlsmäßige von sachlich begründeten Meinungen zu unterscheiden.
Zitat von Ihnen: "und dann mit diesem Fragen wie eine Kastration besprechen. Klitorisverkleinerunegn/entfernungen sehe ich sehr kritisch, das sollte man besser lassen."
haben Sie Quellen zur Schwere und Umkehrbarkeit (bzw. dem Bedarf) der jeweiligen Eingriffe? Hier fällt es irgendwie schwer, gefühlsmäßige von sachlich begründeten Meinungen zu unterscheiden.
Unsere Gesellschaft ist leider nicht so "weit" und wird es möglicherweise auch niemals sein, von Geschlechterrollen frei zu sein.
Schon eine Zweijährige teilt ihre Umgebung ein in Junge, Mädchen, Mann, Frau. Meine Tochter hat mich Ewigkeiten gelöchert, wer was ist und warum, und immer wieder was sie ist.
Kinder möchten eindeutig zugeordnet werden können und sich selbst eindeutig zuordnen können. Es werden doch schon Mädchen in der Grundschule gehänselt, die kurze Haare und "Jungen"klamotten tragen.
Das Kind mit Eierstöcken und Penis muss irgendwo zugeordnet werden. In welcher Umkleidekabine soll es sich umziehen beim Schulschwimmen, zum Beispiel, ohne dass alle Glotzen und es Aufziehen?
Und schon bei der Geburt: Soll es Tom heißen oder Marie?
Gar keine Zuordnung zu treffen, wird dem Kind sicher in unserer heutigen Gesellschaft ebenfalls schaden zufügen. Eine eindeutige Zuordnung halte ich also für sehr wichtig.
Ob das allerdings gleich eine Operation sein muss, ist eine andere Frage. Denn als junger Erwachsener fühlt sich der Mensch vielleicht dem anderen oder gar keinem Geschlecht zugehörig.
Trotzdem, ein Kind muss einer der beiden Kategorien "Junge oder Mädchen" angehören, sonst wird seine Kindheit ein Spießrutenlauf.
Es sei denn, man wohnt irgendwo alleine in den Bergen und unterrichtet sein Kind zusammen mit den zwei Nachbarskindern zu Hause.
... Gesellschaft. Es muss ...
Nein, es muss nicht.
Die Namensgebung ist heute das kleinste Problem, es gibt genügend Auswahl und ist auch nicht unbedingt sofort geschlechtsandeutend (z.B. Andrea: deu = Frau, ital. = Mann).
Anstatt offen mit den Gegebenheiten umzugehen, aufzuklären und Toleranz zu schaffen bleibt man in der Mitte hängen. Nur nichts verändern und wenn doch, dann chirugisch "vertuschen".
"Spießruten laufen" gibt es in der Jugend sehr, sehr oft und hängt teilweise mit Kleinigkeiten zusammen. Dagegen muss "gekämpft" und Abhilfe geschaffen werden. Eine Anpassung, egal welcher Art, ändert niemals etwas an überkommenen Wertvorstellungen und genau darum geht es doch bei der Debatte: Was sind diese Kinder wert?
Ich sage dazu, es sind 100%ige Menschen die ein volles Anrecht auf die Menschenrechte haben!
... Gesellschaft. Es muss ...
Nein, es muss nicht.
Die Namensgebung ist heute das kleinste Problem, es gibt genügend Auswahl und ist auch nicht unbedingt sofort geschlechtsandeutend (z.B. Andrea: deu = Frau, ital. = Mann).
Anstatt offen mit den Gegebenheiten umzugehen, aufzuklären und Toleranz zu schaffen bleibt man in der Mitte hängen. Nur nichts verändern und wenn doch, dann chirugisch "vertuschen".
"Spießruten laufen" gibt es in der Jugend sehr, sehr oft und hängt teilweise mit Kleinigkeiten zusammen. Dagegen muss "gekämpft" und Abhilfe geschaffen werden. Eine Anpassung, egal welcher Art, ändert niemals etwas an überkommenen Wertvorstellungen und genau darum geht es doch bei der Debatte: Was sind diese Kinder wert?
Ich sage dazu, es sind 100%ige Menschen die ein volles Anrecht auf die Menschenrechte haben!
"Kinder werden als Junge oder Mädchen geboren." Was der Arzt hier am Anfang des Gesprächs als natürliche Tatsache darstellt, ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Bevor man durch Operationen in menschliche Natürlichkeit eingreift, sollte man in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht alles so einfach ist, wie wir es gerne darstellen, dass man nicht entweder als Mädchen oder als Junge geboren wird. Wenn wir jedem Einzelnen individuelle Freiheit garantieren wollen, müssen wir aufhören, uns selbst vorzugaukeln, die Welt wäre einfach zu verstehen!
Das scheint mir ein entscheidender Satz zu sein. So einfach das man einfach immer warten könnte, bis das Kind selbst eine Entscheidung treffen kann scheint mir die Lage längst nicht zu sein.
Hallo,
sollte man nicht eher auf die Erwachsenen hören, die solche Probleme am eigenen Leib (!) erfahren haben? Die meisten Intersexuellen scheinen ja unter einem solch frühen Eingriff im Erwachsenenalter zu leiden. Wieso hört darauf niemand, der betroffen ist?
Deren Meinung tendiert mit großer Mehrheit dahin abzuwarten, bis das Kind alt genug ist, um selbst zu entscheiden oder bis der Körper größtenteils ausgewachsen ist (was relativ zeitgleich sein dürfte).
Wo ist das Problem für die Familie selbst, wenn es über die Intersexualität ihres Kindes bescheid weiß und das Kind Tom nennt, Tom sich aber später eher weiblich fühlt und sich ab dem Zeitpunkt Lisa nennen will?
Klar hat das Umfeld evtl. erstmal Verständnisprobleme damit, aber das ist nochmal ein ganz anderer Punkt.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen als "krank" oder "falsch" oder "behindert" wahrgenommen werden und nicht als eine natürlich vorkommende Variante von Geschlechtern.
Und vor allem hätte ich gerne wirklich eine Antwort auf diese Frage:
Was tun, wenn einem äußerlich erscheinenden Mädchen die inneren Hoden entfernt werden, dieses Mädchen sich aber ab Pubertät wegen Hormonschüben, Wachstum und beginnender Sexualität eher männlich fühlt?
Was dann? Wie erklärt man diesem Jungen (!) dann, dass man als Eltern und Ärzte versagt hat und dass er seine Hoden nie wieder bekommen wird?
Hätte wirklich sehr gerne eine Antwort darauf.
Hallo,
sollte man nicht eher auf die Erwachsenen hören, die solche Probleme am eigenen Leib (!) erfahren haben? Die meisten Intersexuellen scheinen ja unter einem solch frühen Eingriff im Erwachsenenalter zu leiden. Wieso hört darauf niemand, der betroffen ist?
Deren Meinung tendiert mit großer Mehrheit dahin abzuwarten, bis das Kind alt genug ist, um selbst zu entscheiden oder bis der Körper größtenteils ausgewachsen ist (was relativ zeitgleich sein dürfte).
Wo ist das Problem für die Familie selbst, wenn es über die Intersexualität ihres Kindes bescheid weiß und das Kind Tom nennt, Tom sich aber später eher weiblich fühlt und sich ab dem Zeitpunkt Lisa nennen will?
Klar hat das Umfeld evtl. erstmal Verständnisprobleme damit, aber das ist nochmal ein ganz anderer Punkt.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen als "krank" oder "falsch" oder "behindert" wahrgenommen werden und nicht als eine natürlich vorkommende Variante von Geschlechtern.
Und vor allem hätte ich gerne wirklich eine Antwort auf diese Frage:
Was tun, wenn einem äußerlich erscheinenden Mädchen die inneren Hoden entfernt werden, dieses Mädchen sich aber ab Pubertät wegen Hormonschüben, Wachstum und beginnender Sexualität eher männlich fühlt?
Was dann? Wie erklärt man diesem Jungen (!) dann, dass man als Eltern und Ärzte versagt hat und dass er seine Hoden nie wieder bekommen wird?
Hätte wirklich sehr gerne eine Antwort darauf.
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht". Denn 12 Jahre Lernrückstand auf andere gleichaltrige junge Erwachsene holt ein Mensch nie wieder auf.
Frühe Operation + regelmäßige Hormontherapie ab der Pubertät ermöglichen einem Kind zudem eher, "normal" in das gewählte Geschlecht reinzuwachsen, als dauernde Zweifel während der Pubertät und dann mit 18 der Zwang, sich in die eine oder andere Richtung entscheiden zu müssen.
Wichtig ist aber eine umfassende Aufklärung. Im Aufklärungsgespräch sind Ärzte nämlich oft extrem auf die Darstellung der Folgen eines Nicht-Eingriffs fixiert, während sie zugleich die Gefahren und Nebenwirkungen einer OP oder Medikation herunterspielen. Und das nicht nur bei Geschlechts-Festlegungen, sondern auch bei Rücken-OPs oder der Verschreibung von Psychopharmaka. Diesem Druck sind die Patienten bzw. Eltern fast hilflos ausgeliefert.
Besser wäre es, gerade bei solchen nicht zeitkritischen, aber sehr lebensbestimmenden Eingriffen dem Patienten bzw. den Eltern einen von der Krankenkasse finanzierten Patientenanwalt zur Verfügung zu stellen. Der im Aufklärungsgespräch auch die möglichen negativen Wirkungen des Eingriffs hinterfragt, und der ebenso die Option des Nicht-Eingriffs beleuchtet.
Jag
Eltern dürfen sehr wohl für das Kind entscheiden
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht".
Wir sprechen hier "nur" über eine angeborene "Abnormität". Wenn man dem folgt, könnte man irgendwan auch für "gut" befinden, dass man
- das erstgeborene Kind, sofern ein Mädchen, einer Geschlechtsumwandlung unterziehen darf, da man einen männl. Erben benötigt.
- das man Mädchen bereits div. Brustamputationen unterwirft, da es in der Familie vermehrt Brustkrebs gab.
- das man Jugendliche, die bereits früh als schwul/lesbisch erkannt/geoutet sind einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, da sie dann "normal" in der Gesellschaft den bevorzugten Sexualpartner bekommt.
Entschuldigung für diese harten Beispiele, aber es geht nicht um ein lebensbedrohliches Kranheitsbild, wo nur ein pro oder contra Leben zählt.
Wir sollten uns "endlich" von unserer "normalen" Geschlechterdefinition verabschieden. Diese Menschen gab es schon immer, nur wurden sie a) versteckt oder b) verstümmelt und das ist falsch.
Eltern dürfen sehr wohl für das Kind entscheiden
... oft genug müssen sie es sogar. Man kann ja nicht sagen: "Ich warte, bis das Kind 18 ist, dann soll es selber wählen, in welche Schule es geht".
Wir sprechen hier "nur" über eine angeborene "Abnormität". Wenn man dem folgt, könnte man irgendwan auch für "gut" befinden, dass man
- das erstgeborene Kind, sofern ein Mädchen, einer Geschlechtsumwandlung unterziehen darf, da man einen männl. Erben benötigt.
- das man Mädchen bereits div. Brustamputationen unterwirft, da es in der Familie vermehrt Brustkrebs gab.
- das man Jugendliche, die bereits früh als schwul/lesbisch erkannt/geoutet sind einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, da sie dann "normal" in der Gesellschaft den bevorzugten Sexualpartner bekommt.
Entschuldigung für diese harten Beispiele, aber es geht nicht um ein lebensbedrohliches Kranheitsbild, wo nur ein pro oder contra Leben zählt.
Wir sollten uns "endlich" von unserer "normalen" Geschlechterdefinition verabschieden. Diese Menschen gab es schon immer, nur wurden sie a) versteckt oder b) verstümmelt und das ist falsch.
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