Tourismus-UnternehmerWarten am Wasserloch

Nach mehreren Misserfolgen und Schicksalsschlägen suchte der afrikanische Farmer Louw Barnard sein Glück bei den Elefanten. von Daniela Meyer

Louw Barnard in seinem Senyati Safari Camp in Botsuana

Louw Barnard in seinem Senyati Safari Camp in Botsuana  |  © Daniela Meyer

Drei Monate lang saß Louw Barnard an seiner auf lange Holzpfähle gebauten Bar direkt am Wasserloch. Abend für Abend. Er wartete, zum Schluss verzweifelt, auf Tiere und Touristen. Ein letztes Mal hatte er versuchen wollen, etwas aufzubauen. Etwas, das nicht wieder scheitert. Etwas, das bleibt.

Sein gesamtes Vermögen, 2,5 Millionen Pula, umgerechnet rund 250.000 Euro, hatte er in seine Lodge investiert, sieben Kilometer entfernt vom berühmten Chobe-Nationalpark in Botsuana. Ein idealer Ausgangspunkt für touristische Aktivitäten. Riesige Elefanten- und Büffelherden durchstreifen das Buschland. Löwen, Leoparden, Flusspferde und Krokodile – was das Safariherz begehrt, kann man hier sichten.

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Louw hatte gehört, dass sich der Tourismus seines Landes schnell entwickeln würde. Zahlen aus einer Studie des World Travel & Tourism Council belegten das. Derzufolge avancierte der Tourismus vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 mit einem Wachstum von fast acht Prozent zum zweitwichtigsten Wirtschaftsstandbein Botsuwanas.

Das Land besteht zu rund 40 Prozent aus Nationalparks und Schutzgebieten. Im Norden liegt das Okavango-Delta – das größte Binnendelta der Welt. Im Zentrum erstreckt sich mit einer Fläche größer als Dänemark das Central Kalahari Game Reserve. Botsuana ist politisch stabil und durch großen Diamanten- und Tierreichtum interessant für internationale Investoren.

Queen Mum hat ihm einmal englische Toffees geschenkt

An dem Boom wollte auch Louw Barnard teilhaben. 2007 pachtete er ein Stück Land für umgerechnet 1.600 Euro im Jahr. Hübsche Chalets und kleine Waschhäuschen baute er fast zwei Jahre lang gemeinsam mit fünf Angestellten aus Naturstein, Lehm und Holz. Er ließ nach Wasser bohren und installierte eine Pumpe, die stündlich 3.000 Liter an die Oberfläche bringt. Vor dem so geschaffenen Wasserloch errichtete er eine mit Reet gedeckte Beobachtungsplattform inklusive Bar.

Senyati – Platz der Büffel – nannte er sein zwölf Hektar großes Paradies, in dem sich gestresste Stadtmenschen bei Tierbeobachtung und kühlen Drinks erholen sollten. Das war 2009, mitten in der Wirtschaftskrise. Ein Jahr, in dem weltweit gespart wurde – vor allem an Fernreisen. Obwohl Afrika südlich der Sahara mit einem Plus von sechs Prozent die einzige Weltregion mit steigenden Gästezahlen war, ließ sich kein einziger Tourist bei Louw blicken. Geschweige denn ein Büffel.

Jahrzehnte lang hatte sich Botsuana prächtig entwickelt. Auch, weil die demokratische Regierung die Einnahmen aus dem Diamantenverkauf in Infrastruktur, das Gesundheits- sowie das Telekommunikationswesen investierte. Seit der Unabhängigkeit 1966 ist das Land mit einem durchschnittlichen Wachstum von neun Prozent eine der sich am schnellsten vergrößernden Volkswirtschaften der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 7.000 US-Dollar im Jahr. Zum Vergleich: In Mosambik sind es 500 Dollar, in Sambia 1.400.

Louw verdiente erst einmal gar nichts. Um die Kosten zu decken, vermietete er sein Haus für 300 Euro pro Monat an französische Elefantenforscher und zog in ein Zimmer neben der Rezeption.

Leserkommentare
    • Guido3
    • 17. Januar 2012 22:44 Uhr

    Vor einem Jahr hat in Louws Senyati Camp ein Elefant vor dem Morgengrauen aus bis heute nicht ganz klaren Gründen ein Zelt mit 2 Deutschen angegriffen. Beide wurden durch die Luft geschleudert. Die Frau wurde vom Stoßzahn des Elefanten durchbohrt und lebensgefährlich verletzt. Lunge, Milz, Magen, Bauchspeicheldrüse und Nieren verletzt, diverse Rippen zertrümmert.

    In Botswana kann so etwas nicht behandelt werden. Südafrikanische Kliniken fliegen einen erst aus, wenn eine schriftliche Bestätigung einer Versicherung vorliegt, dass sie die Kosten übernimmt. Sonst lassen die einen jämmerlich verrecken. Das Leben hängt plötzlich davon ab, ein funktionierendes Fax zu finden.

    Es ging gut aus, aber das gehört irgendwie zur noch jungen Geschichte des Camps.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das hat doch nichts mit der lodge zu tun. Wenn man sich in diese Gegend begibt, nimmt man ein erhöhtes Risiko in Kauf.
    Dort gibt es auch Schlangen, Hyänen, Skorpione, Krokodile etc.
    Woher bekommt jemand ein Fax im Okavango Delta? Nach allen Erfahrungen ist es äusserst unwahrscheinlich, dass Elefanten ein Zelt angreifen, wenn sich die Insassen einfach ruhig verhalten. Man könnte auch im Delta, Moremi, Chobe, oder auf dem Sinai, von einer Schlange gebissen werden. Und es gibt sehr günstige Versicherungen, die man vernünftigerweise generell hat, wenn man sich ausserhalb seines Heimatlandes bewegt, so what?

  1. Das hat doch nichts mit der lodge zu tun. Wenn man sich in diese Gegend begibt, nimmt man ein erhöhtes Risiko in Kauf.
    Dort gibt es auch Schlangen, Hyänen, Skorpione, Krokodile etc.
    Woher bekommt jemand ein Fax im Okavango Delta? Nach allen Erfahrungen ist es äusserst unwahrscheinlich, dass Elefanten ein Zelt angreifen, wenn sich die Insassen einfach ruhig verhalten. Man könnte auch im Delta, Moremi, Chobe, oder auf dem Sinai, von einer Schlange gebissen werden. Und es gibt sehr günstige Versicherungen, die man vernünftigerweise generell hat, wenn man sich ausserhalb seines Heimatlandes bewegt, so what?

    Antwort auf "Unfall vor einem Jahr"
  2. nur zustimmen.
    Mich hat die Geschichte sehr beeindruckt. Ein Grund für mich, die Lodge einmal aufzusuchen.
    Vielen Dank für den Bericht!

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  • Schlagworte Botsuana | Südafrika | Tier | Wasser | Dänemark | England
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