Popsänger Max ProsaNie mehr zum Friseur

Noch ein Junge mit Gitarre. Aber was für einer! Max Prosa ist die erste Songwriter-Entdeckung des neuen Jahres.

Mit dicken Dylan-Locken: der Sänger Max Prosa

Mit dicken Dylan-Locken: der Sänger Max Prosa

Das mit Bob Dylan war nicht seine Idee. Sich mit den Größten zu messen – das weiß Max Prosa besser als seine Kritiker, die von Anfang an den Vergleich anstellten – birgt große Gefahren. Naiv, größenwahnsinnig, arrogant, so die vernichtenden Adjektive, die jemand herausfordert, der sich mit 22 Jahren eine Akustikgitarre um den Hals hängt, über Fantasie singt und sich anschickt, der neue deutsche Dylan zu werden. Selbst wenn es sich bei diesem Anwärter um ein Talent handelte – der große Weichspülwaschgang aus PR, Charts und Bravo würde ihn mitreißen, noch bevor es sich entfalten könnte. Der Junge mit der Gitarre? Tausendmal gesehen, tausendmal vergessen.

Im Fall von Max Prosa spricht aber einiges dafür, dass es ausnahmsweise anders kommen könnte. Das erste Indiz sind seine Locken. Unablässig wühlt der Berliner Sänger an diesem grauen Kreuzberger Morgen – er gibt gerade die ersten Interviews, durch die die Welt ihn kennenlernen soll – in dem wüsten Haarberg unter seiner verbeulten Cordmütze. Es scheint ihm egal zu sein, wie er wirkt. Gerade das könnte eitel erscheinen. Tut’s aber nicht. »Ich geh nicht mehr zum Frisör, aus Protest. Nie mehr!« Prosa grinst. Die Mütze wischt er sich vom Kopf.

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Für das Cover seines Debütalbums Die Phantasie wird siegen hat er sich noch auf das Label »Wuschelkopf« zurechtstutzen lassen, bunter Konfettiregen rieselt auf ihn, den unschuldig verträumten Sängerknaben mit den geschlossenen Augen. Heute, auf dem abgeranzten Sofa des Cafés, sind die blauen Augen offen, sein Blick erzwingt sofortiges Wegschauen. In schweren Schichten dunkler Klamottenkluft mehr liegend als sitzend, zerstört Prosa sein Softie-Image: Der Mensch auf der Platte, jung und rein, ist der eine. Dieser hier, verlottert, verlebt, der andere.

Max Prosa spielt Gitarre, seit er sechs ist. »Ich kannte keinen einzigen Künstler, ich wurde ganz anders sozialisiert«, sagt er, das Einzelkind aus Berlin-Charlottenburg, das gerne »Geschwister, die Anwalt werden«, gehabt hätte, um in Ruhe Philosophie zu studieren. Seine bislang größte persönliche Revolution war es, in den Stadtteil Neukölln umzuziehen. »Prosa« heißt Max natürlich nicht wirklich, Podeschwig, sein normaler Name, sei einfach kein Titel für »das Projekt«. Der Prosa kam vor ein paar Jahren dazu, als er anfing mit dem Dichten. In seiner Musik habe sich das nun also »verwahrheitet«.

Max Prosa redet gerne über seine Musik. Die Frage nach dem Dylan-Bezug spielt er zurück wie einen Schmetterball, den man kommen sieht. Klar, Dylan sei ein Vorbild, neben Hendrix, Bowie, Cohen, Rio Reiser. »Das ist keine aufgesetzte Eitelkeit von mir, im Alten rumzuwühlen. Dort sind eben die Sachen, die strahlen, deshalb hör ich das.«

Es ist 2012, nicht 1960. Max Prosa ist nicht Bob Dylan. Aber auch seine Sachen strahlen. Vierzehn Songs sind auf dem ersten Album gelandet, vierzehn Gedichte, vierzehn Geschichten. Sehnsucht ist das Thema dieser Textgalerie, die mit Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Cello und Mundharmonika in Musik verwandelt wurde. In Prosas Liedern geht es um unbestimmtes Verlangen, um einen Menschen, den es immer gerade dann am schlimmsten erwischt, wenn er es gestillt zu haben meint. »Nimm mich raus aus den Abgründen der Stadt«, bettelt Prosa, »nimm mich mit irgendwohin«. Es ist der Auftakt seiner Platte, ein schönes Gedicht, ein rundes Lied.

»Der Text allein muss klingen«, erklärt Max Prosa, jetzt voll in seinem Handwerk. Die Rhythmik, die Abstimmung der Worte beherrscht er perfekt. Prosa wagt es, Popstücke in Konjunktivformen zu schreiben, die heute zwar noch gelernt, aber höchstens in Deutschaufsätzen angewendet werden. Therapeuten heißen bei ihm wieder »Seelsorger«, er streicht Vokale – »ein weit’res Mal« – und hängt sie an anderer Stelle wieder an. »Es muss heißen ›Und dein Seelsorger lacht, wenn er vor deiner Türe steht‹. Bei Tür würde da nichts passieren, rein gar nichts!«

Leserkommentare
  1. Das Video geht nicht

    • Hermez
    • 14.01.2012 um 14:07 Uhr

    der ganze Typ geht gar nicht:)

    3 Leserempfehlungen
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    ...ich habe mich ja nicht getraut das zu schreiben, weil Sie vermutlich nun von der Zensur vernichtet werden. Generell ist die Musiksparte hier ja alles andere als objektiv oder seriös, das sollten Sie bedenke und wir alle kennen doch unsere platten und ordinären Geekies...

    ihr Kommentar geht auch mal gar nicht, vorallem nicht ohne Begründung;)

    ...ich habe mich ja nicht getraut das zu schreiben, weil Sie vermutlich nun von der Zensur vernichtet werden. Generell ist die Musiksparte hier ja alles andere als objektiv oder seriös, das sollten Sie bedenke und wir alle kennen doch unsere platten und ordinären Geekies...

    ihr Kommentar geht auch mal gar nicht, vorallem nicht ohne Begründung;)

  2. ...ich habe mich ja nicht getraut das zu schreiben, weil Sie vermutlich nun von der Zensur vernichtet werden. Generell ist die Musiksparte hier ja alles andere als objektiv oder seriös, das sollten Sie bedenke und wir alle kennen doch unsere platten und ordinären Geekies...

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    Antwort auf "OGOTTOGOTT...."
  3. ihr Kommentar geht auch mal gar nicht, vorallem nicht ohne Begründung;)

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  4. Ja, lieber Max Prosa! Endlich ein juger Mensch, der versucht etwas zu sagen, statt miserables Englisch zu plappern. Danke! Mache weiter und schäre Dich nicht darum was die "Kritiker" vor sich geben. Ich, obwohl ü60 werde Dein Fan bleiben. Schön, dass es Dich gibt.

    2 Leserempfehlungen
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    ...dass solch' deutschnationalen Plattitüden. Bei der Musik haue ich mir die Schere lieber dann doch lieber selbst in den Kopf, da sie weder melodisch noch noch irgendwas hat...

    ...dass solch' deutschnationalen Plattitüden. Bei der Musik haue ich mir die Schere lieber dann doch lieber selbst in den Kopf, da sie weder melodisch noch noch irgendwas hat...

    • ctuth
    • 14.01.2012 um 15:01 Uhr
    6. Frage:

    Wieso ein Video von einem grossen Videoportal verlinken, wo mann doch weiss, dass die GEMA dort alles zensiert was auch nur im entferntesten mit Musik zu tun hat?

    3 Leserempfehlungen
  5. ... insbesondere Sie, Frau Pauer.

    http://www.zeit.de/2012/0...

    Und dabei heisst es immer, Maenner wuessten nicht, was sie wollen ;)

  6. ...dass solch' deutschnationalen Plattitüden. Bei der Musik haue ich mir die Schere lieber dann doch lieber selbst in den Kopf, da sie weder melodisch noch noch irgendwas hat...

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