Damit Hagel entsteht, muss es zunächst einmal einen Temperaturunterschied zwischen der Luft am Boden und den höheren Atmosphärenschichten geben, etwa nach einem heißen Sommertag, an dem sich der Boden stark aufgeheizt hat. Dann steigt die Luft auf, kühlt sich ab und kann deshalb nicht mehr so viel Feuchtigkeit enthalten wie zuvor. Das Wasser kondensiert an kleinen Partikeln in der Luft – es bildet sich eine Gewitterwolke. Wenn es kalt genug ist, gefrieren die Tröpfchen zu Eis.

Damit nicht nur Schneeflocken entstehen, sondern kräftige Hagelkörner, muss es innerhalb der Wolke noch eine starke Konvektion geben, also Aufwinde, von denen die Eisbällchen immer wieder nach oben getragen werden. So können sie mehrmals in der Wolke zirkulieren und Schicht für Schicht wachsen. Irgendwann sind sie so schwer, dass sie vom Aufwind nicht mehr in der Luft gehalten werden und zu Boden fallen.

Am Tag sind die Temperaturunterschiede in der Luft größer als in der Nacht, deshalb finden die Gewitterwolkenbildung und auch der Hagel vorwiegend am Nachmittag statt. Aber wenn sich mehrere Gewitterzellen zu größeren Strukturen (sogenannten Mesoskaligen konvektiven Komplexen, kurz MCC) zusammenballen, dann verzögert sich die Sache.

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Die größte Intensität wird dann in der Nacht erreicht. Die Hagelkörner werden dabei immer dicker, sie wachsen auf mehrere Zentimeter Durchmesser an. Die Antwort also: Es hagelt nachts seltener als am Tag – aber wenn, dann sind die Auswirkungen schlimmer.

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