Es sollte endlich Schluss sein mit dem Hin und Her. Wohl auch deshalb fiel die Volksabstimmung über Stuttgart 21 im November so eindeutig aus. Soll der Tiefbahnhof halt gebaut werden, mag er mangelhaft und überteuert sein, Hauptsache, es ist endlich Ruhe. So dachten viele Bürger in Baden-Württemberg , als knapp 60 Prozent der Wähler für den Weiterbau des neuen Bahnhofs stimmten. Das Volksvotum war auch ein Ausdruck von Überdruss.

Tatsächlich schien Stuttgart seither zur Ruhe zu kommen. Am Bauzaun demonstrierte nur noch ein harter Kern von Bahnhofsgegnern, die Medien wandten sich ab, und der grüne Landesvater, der den neuen Bahnhof so gerne verhindert hätte, will ihn nun »konstruktiv-kritisch« begleiten. Fast wäre im Schwäbischen so etwas wie Frieden eingekehrt.

Doch nun sind alle wieder wütend – die Landesregierung, die Polizei und zunehmend auch die Bürger. Und zwar auf die Deutsche Bahn , weil die das Milliardenprojekt einfach nicht in den Griff bekommt.

Eigentlich wollte der Konzern in dieser Woche richtig loslegen mit den Bauarbeiten, in acht Jahren sollten die ersten Züge im unterirdischen Bahnhof einrollen. Wahrscheinlich ist das nicht, denn der Bau stockt gleich an mehreren Stellen. Ein Gericht stoppte im Dezember die wichtigen Arbeiten an der Grundwasserführung , ohne die die Baugrube nicht ausgehoben werden kann. Die Richter verlangen mehr Mühe beim Artenschutz.

Noch immer fehlt auch die Genehmigung zum Abholzen und Versetzen von 176 Bäumen im Schlossgarten. Hier sieht die Aufsichtsbehörde die Juchtenkäfer und Fledermäuse nicht ausreichend geschützt. Man könnte nun sagen, die Käfer sind schuld, wenn in diesem Land nichts vorangeht. Man könnte aber auch sagen, so sind nun mal die Gesetze und die Bahn konnte sich darauf einstellen.

Sie hatte sogar 15 Monate Zeit, um entsprechende Nachweise zu erbringen. Egal, ob die Behörde zu langsam geprüft oder die Bahn zu lange gewartet hat, der Streit um den Juchtenkäfer offenbart vor allem eine ziemlich schlampige Planung. Die traf auch die Stuttgarter Polizei. Monatelang bereitete die sich auf einen der größten und schwierigsten Einsätze in der Geschichte der Stadt vor, um die Fällarbeiten zu schützen. Mehrere Tausend Beamte aus der ganzen Republik wurden angefordert, am Ende blies ein erzürnter Polizeipräsident den Einsatz wieder ab. Von der fehlenden Genehmigung erfuhr er angeblich nur auf Nachfrage bei der Bahn.

Dass solche Pannen öffentlich werden, liegt daran, dass dieses Bahnprojekt unter Beobachtung steht wie kein anderes. Für den Konzern wird es zur Belastung. Er hat keine Landesregierung hinter sich, die auch mal beide Augen zudrückt. Wahrscheinlich, dass der Bahnhof später fertig wird als geplant. Wahrscheinlich auch, dass er sehr viel teurer wird . Ganz sicher aber wird weiter gestritten.