Beispiel Ökostrom. Hier ist der Begriff "öko" nicht geschützt. Umweltbewusste Kunden müssen erst mühsam recherchieren, bei welchem Zertifikat es sich um einen Anbieter von echtem Ökostrom handelt. Entscheidend ist, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden. Dieser Ausbau ist eines der wichtigsten Kriterien für echten Ökostrom .

Ähnlich verhält es sich im Textilbereich: Etwa 20 Gütesiegel für Textilien gibt es auf dem deutschen Markt. Echte Bio-Qualität verbirgt sich nur hinter wenigen Kennzeichen wie dem Textilsiegel Global Organic Textile Standard (GOTS). Es schließt auch soziale Standards mit ein und unterliegt strengen und regelmäßigen Kontrollen. Wenn hingegen ein Kleidungsstück aus "Bio-Baumwolle" angepriesen wird, heißt das noch lange nicht, dass dieses nicht konventionell gebleicht und gefärbt oder von Kinderhänden gefertigt wurde.

Diese Vielzahl von Labels höhlt das Vertrauen der Verbraucher aus. In manchen Branchen wird mit Siegeln regelrecht Greenwashing betrieben. Die Unternehmen versuchen so zum Beispiel, darüber hinwegzutäuschen, dass es kein umweltfreundliches Auto gibt. Und dass Fliegen auch dann nicht wirklich klimafreundlich wird, wenn die Lufthansa jetzt Bio-Kerosin nutzt.

Allerdings zeigt das Greenwashing der Betriebe auch, dass sich der ökologische Gedanke durchgesetzt hat: Die Marketingabteilungen glauben, dass sie eine kaufkräftige Schicht vor allem über ein grünes und soziales Image erreichen können.

Damit erschweren sie aber vielen echten Öko-Unternehmen ihr Geschäft: Einige der grünen Betriebe sind so klein, dass sie in den von den Großen initiierten Wettbewerb um die kostspieligen Zertifikate gar nicht eintreten können – oder wollen. Denn sie wissen, dass sie ohnehin besser sind.

Eine gute Grundlage für alle wären deshalb Labels, die von der Industrie unabhängig vergeben werden. Dass Verbraucher diesen Labels vertrauen, beweisen neben dem Bio-Siegel für Lebensmittel auch der vom Umweltministerium verliehene Blaue Engel und das TransFair-Siegel, hinter dem verschiedene Nichtregierungsorganisationen stecken.

Eine Art Stiftung Warentest müsste Labels für einzelne Branchen kreieren und kontrollieren. Davon könnte die gesamte Industrie profitieren. Nur wer strengere Kriterien möchte, dürfte darüber hinaus eigene Standards setzen. Das Greenwashing und der damit verbundene Labelwildwuchs wären damit beendet.