Kitzbühel: "Cash macht fesch!"
Keine Stadt repräsentiert Reichtum und Schickeria so ausgeprägt wie Kitzbühel. Doch der Ausverkauf hat dem Ort die Seele geraubt.
© Daniel Jarosch für DIE ZEIT

Pelzmäntel und Sektflöten: In Kitzbühel darf sich die Schickeria noch selbst feiern.
Ohne die winterliche Ausgehuniform tanzt hier niemand an beim jährlichen Snowpolo-Turnier in Kitzbühel: Pelz umhüllt die verwöhnten Körper, Waschbär schmiegt sich an Chinchilla, Wolf und Nerz. Hier frönen Großverdiener und hauptberufliche Erben ihrem Wohlstand, erfüllen ungeniert die Klischees aus dem Regenbogenpressewunderland. Man ist unter Gleichgesinnten, also auf sicherem Boden.
Für den Sport des britischen Adels interessieren sich allerdings nur wenige am vergangenen Wochenende. Der Platz vor dem Spielfeld ist spärlich gefüllt, das beheizte VIP-Zelt hingegen berstend voll. »Ich bin seit sechs Jahren hier, aber um was es beim Polo geht, weiß ich nicht«, gesteht eine blonde Münchnerin mittleren Alters, die auf den gut 15 Zentimeter hohen Absätzen ihrer Designerstiefel balanciert. Mit einer Sektflöte in der Hand freut sich neben ihr Georg Weiss, Bauunternehmer aus Rosenheim, seines Baby-Schimmerlos-Glücks. »Genannt werde ich Bussi-Schorschi«, sagt er. »Polo ist mir wurscht, ich bin zum Fressen und Saufen hier und vor allem, um gesehen zu werden – weil, wer warad scho schöner als wir?« – »Vier Tage dauert das«, stöhnt eine, um deren Hals ein Ausweis des Eventmanagements baumelt: »Das muss man erst mal aushalten mit diesen Menschen.« Doch so sieht der Alltag aus, wenn in dem kleinen Städtchen Hochsaison herrscht. Kitzbühel steht für Geldadel und neureiche Lebensfreude. Hier flaniert, was sich zur Creme der Oberliga zählt, hier wirft sich die Hautevolee in Pose, suchen die Klatschreporter nach prickelnder Beute.
Kaum sind die Polopferde wieder abgereist, rückt schon der Tross des Skiweltcups zum Hahnenkamm-Wochenende an. Während sich Abfahrtsläufer über die Steilhänge der Streif talabwärts stürzen, gibt sich der Wanderzirkus der High Society bei den zahllosen exklusiven Lustbarkeiten ein weiteres Stelldichein.
Den Ruf, ein Nobelvorort von München zu sein, hat sich Kitzbühel mit seinen 8.200 Einwohnern redlich erarbeitet: Vom Charme einer alpinen Kleinstadt ist wenig übrig. Vieles wurde zur reinen Werbefläche wie der Sportpark, den der Name eines deutschen Limousinenbauers schmückt. Haubenrestaurants und Fünfsternehotels sorgen für standesgemäßes Leibeswohl, fast fünfzig Ärzte und private Krankenanstalten für die Gesundheit der noblen Klientel. Dazu kommen 70 Immobilienmakler im ganzen Bezirk und 31 Rechtsanwälte – pro Einwohner doppelt so viele wie in Wien. Ein Gymnasium gibt es hingegen nicht, und das öffentliche Krankenhaus wurde bereits vor zwei Jahren zugesperrt.
Wer hier wohnen möchte, muss tief in die Tasche greifen, nirgendwo in Österreich lebt es sich teurer. Unter 5.000 Euro pro Quadratmeter ist nicht einmal eine bescheidene Eigentumswohnung zu bekommen, meist beginnen die Angebote bei 10.000 Euro (im Wiener Nobelbezirk Döbling liegt dieser Wert im Schnitt bei 3.500 Euro). Den Aufstieg zur Luxusoase verdankt die mittelalterliche Bergbaustadt einem verwöhnten Gast: Als Edward Windsor, der Prince of Wales, im Februar 1935 zwei Wochen Winterurlaub in Kitzbühel verbrachte, begründete der Besuch des Lebemannes den Nimbus eines mondänen Alpendorados.
In den kargen Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg trugen dann Skilegenden wie Ernst Hinterseer, Anderl Molterer oder Toni Sailer den Ruf von Kitz in die Welt, die Skilehrertruppe der »Roten Teufel« schaffte es sogar auf die Heimatfilmleinwand. Schon bald verlegten besonders Betuchte einen ihrer Landsitze in den Ort: Der Feinkost-Patriarch Julius Meinl ließ in den fünfziger Jahren auf einem acht Hektar großen Anwesen eine Villa errichten. Andere wie die Milliardärinnen Maria-Elisabeth Schaeffler und Heidi Horten, Franz Beckenbauer oder die Quandt-Erbin Susanne Klatten folgten. Sie alle zog das malerische Städtchen mit seinen bunten Bürgerhäusern, den sanften Wiesenbergen, dem Blick auf den Wilden Kaiser und der Moorlandschaft rund um den Schwarzsee an. Und sie sorgten dafür, dass die glitzernde Marke der Stadt bis heute funktioniert. Taxifahrer bieten heute Rundfahrten zu den Häusern der Prominenz an, und vor allem in den besseren Kreisen von München gehört es zum guten Ton, in Kitzbühel zu entspannen. Wer in der Schickeria-Disco P1 in der Prinzregentenstraße etwas gelten will, sollte sich von Zeit zu Zeit am Hahnenkamm blicken lassen.






Kitzbühel hat zweifelsfrei seine hohe Zeit im Winter und an wenigen Tagen im Hochsommer. Kommen Sie als Feriengast jedoch im Mai oder Juni nach Kitzbühel, dann sind nicht nur einige Hotels geschlossen. Der Ort zeigt sich dann von seiner anderen Seite und Sie können ohne die ganzen Attituden des Geldadels ganz gemütlich am Samstagmorgen auf dem Marktplatz sich an Gernküchle mit Sauerkraut laben und in flanierender Weise die leergefegte Gassen den Charme von Kitzbühel genießen.
Wollen Sie es sportlich angehen, dann steht einem Gipfelsturm des Hornbühlsmit einem Mountainbike nichts mehr im Wege. Bei der rasanten Abfahrt bilden nur die übergroßen Busse mit niederländischen Kennzeichen ein ernstzunehmendes Hindernis.
Wählen Sie für die Gipfeleroberung die Seilbahn, ersehen Sie mit direktem Blick die uniformen Landsitze der Schönen und Reichen.
Dabei kommt zumindest bei mir unweigerlich die Frage auf, ob es wirklich ein erstrebenswertes Ziel ist, in der Einflugschneise einer Seilbahn sich solch ein immobiles Statussymbol ans Bein zu binden.
... kommt einem die Galle hoch.
und wenn man das verinnerlicht, kann die Galle bleiben, wo sie ist und diese Zwei aussehen wie sie und zuprosten wem sie wollen.
Und man sollte nicht vergessen, dass von diesen Leuten nicht wenige Menschen leben.
jener Weisheit, dass sich Mode kaufen lässt - man Stil jedoch haben muss...
und wenn man das verinnerlicht, kann die Galle bleiben, wo sie ist und diese Zwei aussehen wie sie und zuprosten wem sie wollen.
Und man sollte nicht vergessen, dass von diesen Leuten nicht wenige Menschen leben.
jener Weisheit, dass sich Mode kaufen lässt - man Stil jedoch haben muss...
und wenn man das verinnerlicht, kann die Galle bleiben, wo sie ist und diese Zwei aussehen wie sie und zuprosten wem sie wollen.
Und man sollte nicht vergessen, dass von diesen Leuten nicht wenige Menschen leben.
Weshalb eine jede Galle das recht hat, sich frei zu bewegen.
Amen
...diese Menschen würden bestimmt auch ohne die beiden Leben. Was war zuerst da Huhn oder Ei?
Zitat: Und man sollte nicht vergessen, dass von diesen Leuten nicht wenige Menschen leben.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Diese Menschen leben von nicht wenigen anderen.
Weshalb eine jede Galle das recht hat, sich frei zu bewegen.
Amen
...diese Menschen würden bestimmt auch ohne die beiden Leben. Was war zuerst da Huhn oder Ei?
Zitat: Und man sollte nicht vergessen, dass von diesen Leuten nicht wenige Menschen leben.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Diese Menschen leben von nicht wenigen anderen.
nicht zuende gelesen- unerträglich. Erinnert mich daran, wie bestimmte Menschen als Antwort, zum Beispiel auf Probleme mit Kriminellen, gerne einen Kommentar wie "alle abknalln'" parat haben. Ja. Erinnert mich daran.
Weshalb eine jede Galle das recht hat, sich frei zu bewegen.
Amen
sollte man ihn nicht aufhalten.
Mir ist nicht klar, was daran so schlimm ist, wenn seltsame Menschen ihr Geld ausgeben und dabei auch noch den einen oder anderen Drink zu sich nehmen.
Ähnliche Bilder kann man von diversen Ecken der Welt schießen, an denen in ehemals bäuerlichen Gegenden oder auf Inseln, die wenig bevölkert waren mit einem Mal Menschen einfielen und deren Anwesenheit diese völlig umgestaltete.
So etwas ähnliches hat der Kleinbürger an den Spanischen Küsten, auf Malle und an diversen anderen Orten ebenfalls hin bekommen, bleibt unter sich, trinkt deutsches Bier und verschandelt mit seiner Reiselust Land und Leute....
Kein großer Unterschied für die Galle.... ob man nun mit dem Strohhalm aus dem Eimer oder mit der Sektflöte im im Schnee "genießt".
sollte man ihn nicht aufhalten.
Mir ist nicht klar, was daran so schlimm ist, wenn seltsame Menschen ihr Geld ausgeben und dabei auch noch den einen oder anderen Drink zu sich nehmen.
Ähnliche Bilder kann man von diversen Ecken der Welt schießen, an denen in ehemals bäuerlichen Gegenden oder auf Inseln, die wenig bevölkert waren mit einem Mal Menschen einfielen und deren Anwesenheit diese völlig umgestaltete.
So etwas ähnliches hat der Kleinbürger an den Spanischen Küsten, auf Malle und an diversen anderen Orten ebenfalls hin bekommen, bleibt unter sich, trinkt deutsches Bier und verschandelt mit seiner Reiselust Land und Leute....
Kein großer Unterschied für die Galle.... ob man nun mit dem Strohhalm aus dem Eimer oder mit der Sektflöte im im Schnee "genießt".
sollte man ihn nicht aufhalten.
Mir ist nicht klar, was daran so schlimm ist, wenn seltsame Menschen ihr Geld ausgeben und dabei auch noch den einen oder anderen Drink zu sich nehmen.
Ähnliche Bilder kann man von diversen Ecken der Welt schießen, an denen in ehemals bäuerlichen Gegenden oder auf Inseln, die wenig bevölkert waren mit einem Mal Menschen einfielen und deren Anwesenheit diese völlig umgestaltete.
So etwas ähnliches hat der Kleinbürger an den Spanischen Küsten, auf Malle und an diversen anderen Orten ebenfalls hin bekommen, bleibt unter sich, trinkt deutsches Bier und verschandelt mit seiner Reiselust Land und Leute....
Kein großer Unterschied für die Galle.... ob man nun mit dem Strohhalm aus dem Eimer oder mit der Sektflöte im im Schnee "genießt".
»Das muss man erst mal aushalten mit diesen Menschen.«
Ich find in Ordnung, wenn die feschen Typen sich dort schön konzentrieren, da "fehlen" sie wenigstens anderswo.
Ach das Jammern auf hohem Niveau (was die Steuererträge und die wirtschaftlichen Synergien anbelangt) ist doch komisch. Erstens zeigt sich jeder Ort abseits der "Saison" von anderen Seiten und zweitens sollten sich die Kitzbühler doch freuen, wenn hier Leute gern Geld zeigen und vorallem ausgeben. Sicher, es sollte ja kein sinnfreies Reichenpauschalbashing sein, aber jeder Ort hat eine Entwicklung, auch Hamburg-Blankenese war mal ein Fischerdorf. Es gibt ja genügend ruhige (oder auch langweilige, je nach Perspektive) Orte in den Alpen oder "günstigere" Party-Gemeinden... Auch "naturnah" kann man in anderen Orten sicher wohnen.
Die Kritiker sollten bedenken (wenn es denn in Kitzbühl viele davon gibt, was ich bezweifle) dass sonst so eine Marke nicht einfach "erarbeitet" werden kann, so etwas wächst, nimmt dann manchmal, dank Russen und sonstiger Balkan-Geldproleten, unschöne Züge an, aber am Ende kommen doch die Leute gerne in "Ihr" Kitzbühl und holen den Nerz (um im journalistischen Bildern zu bleiben) raus. Ähnlich Sylt, wenn dort nicht das Gunillchen und Sachs etc. auf die Pauke gehauen hätten, sähe es mit der Wirtschaft dort auch anders aus. Wer Ruhe will findet diese auf Sylt in vielen Ecken, auf Amrum oder Föhr. Ähnlich Kitzbühl, dort sieht es sicher eine Gemeinde weiter ganz anders aus.
Und wie "christgype" schreibt, der Kleinbürger mit Sangriaeimer ist nicht immer die bessere Wahl ;-)
Also Probleme kann man haben: Hilfe! Leute geben hier Geld aus!
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