Es gibt Sachen, die tut man nicht. Wenn der Hosengürtel braun ist, dann greift der Kenner niemals zu schwarzem Schuhwerk. Ein Smoking vor sechs Uhr, nö – oder: geht gar nicht, wie man heute sagt. Andersherum: Nicht alles, was geht, ist auch okay. Womit wir ein ernstes Thema bereits nach wenigen Umdrehungen am Wickel haben.

Der Audi RS5 besitzt am Heck einen Spoiler, der normalerweise automatisch ausfährt, nämlich dann, wenn das Fahrzeug schneller als 100 Stundenkilometer rollt. Dann beginnt ein leises Surren, wenn es endet, ragt der knapp einen Meter breite Stabilisator quer über den Kofferraum. Was aber ist vorher, unter hundert? Es ist nämlich möglich, den Spoiler auch schon bei Tempo 40 oder 50 auszufahren – manuell. Ist das in Ordnung, oder geht das gar nicht?

Um es deutlich zu sagen: Es gibt im Leben Wichtigeres als einen Spoiler, selbst dann, wenn er der Silhouette des Fahrzeugs auch im unausgefahrenen Zustand sehr schmeichelt. Dezent harmoniert er mit den doch etwas wuchtig geratenen Ofenrohren links und rechts am Heck, hinter denen die Auspuffanlage des Fahrzeugs verbaut wurde. Der Wagen macht spielend 250, worunter der Komfort unterwegs allerdings recht merklich leidet.

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Sportmodus ist hier kein leeres Wort. Wer sich dafür entscheidet und den zuständigen Schalter drückt, der erlebt einen Motor, der dankbar aufheult. Ein Zucken, dann verknappen sich die Schaltwege, das Fahrwerk strafft sich und den Fahrer gleich mit. Beim Bremsen nach vorn in den Gurt und beim Beschleunigen zurück in den Sitz geworfen – man fragt sich jedes Mal, für welche Sünden man gerade büßt. Zumal das Auto äußerlich nur wenig hermacht. Wenn es nicht rot lackiert die linke Autobahnspur entlanggaloppiert, sondern, sagen wir, innerorts Kurs auf die Eisdiele nimmt, dann geht der RS5 fast unter. Und mit ihm der Fahrer. Das muss jeder wissen, der sich mit dem Kauf eines Autos auch eine Steigerung der eigenen Persönlichkeit und deren Überholprestiges erhofft. Nach Grenzbereich, nach Noch-einmal-davongekommen sieht das Auto nicht aus. Allenfalls ein Hauch von Steve McQueen . Fahrer, die dem Cockpit entsteigen, genießen, gerade bei durchnässtem Hemd, keinen nennenswerten Kredit, schon gar keinen besonderen Blick. Wie gesagt, der Spoiler am Heck wäre eine Möglichkeit. Der hebt, vielleicht. Oder eben nicht.

Technische Daten

Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 331 kW (450 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 4,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 252 g/km
Durchschnittsverbrauch: 10,8 Liter
Basispreis: 77.700 Euro

Hanns-Bruno Kammertöns ist verantwortlich für die Titelgeschichten der ZEIT