Dass sie begehrt ist, die Promotion , steht außer Frage. Unklar ist: bei wem? Öffnen sich mit dem Doktortitel die Karrieretüren, sind die Unternehmen begeistert davon? Oder handelt es sich um einen hübschen Namensschmuck, der vor allem der Eitelkeit des Trägers dient?

Die Antwort hängt von fünf Faktoren ab, erstens: Worüber wird promoviert? Wer eine Doktorarbeit mit starkem Praxisbezug schreibt, etwa über Medikamentenforschung oder über die Zukunft eines bestimmten Marktsegments, der hat ungleich bessere Chancen bei einer Bewerbung, als wenn er nur ein hochtheoretisches Steckenpferd seines Professors neu gesattelt hat.

Zweitens: Wie groß ist die angestrebte Firma? Familienbetriebe und Mittelständler werten den Doktortitel oft als Überqualifikation. Sie fragen sich: Was will ein Rennwagen in der Tempo-30-Zone? Das Minderwertigkeitsgefühl angesichts der eigenen Qualifikation, gerade bei Nichtakademikern, manifestiert sich möglicherweise auch in dem Verdacht, der Promovierte könnte lediglich ein praxisferner Theoretiker sein.

Drittens: Über welche Branche sprechen wir? Lessings Satz »Kein Mensch muss müssen« trifft fürs Promovieren auf viele Berufe zu, nicht aber auf alle. Wer in der Pharmabranche als Chemiker ohne Doktortitel etwas werden will, der könnte auch versuchen, ohne Eintrittskarte beim Wiener Opernball einen Logenplatz zu ergattern. Dagegen ist der Doktortitel für praxisnahe Berufe, etwa Ingenieure oder Betriebswirte, allenfalls ein Plus – aber keine Notwendigkeit.

Viertens , ganz wichtig: Wie verkauft der Bewerber seine Promotion? Verschanzt er sich hinter der hohen Mauer seiner Expertise? Oder macht er deutlich, welche Schlüsselqualifikationen er dafür gebraucht hat – etwa Ausdauer, ein gutes Auge für Zusammenhänge, schriftliches Ausdrucksvermögen sowie die heutzutage so wichtige Fähigkeit, aus einem Berg von Informationen gezielt die richtigen zu greifen? Diese Kompetenzen können der wahre Türöffner sein.

Fünftens: Um welches Karriereziel geht es? Für die meisten mittleren Führungskräfte ist der Doktortitel locker verzichtbar. Doch unter den Dax-Vorständen ist die Quote der Promovierten auffallend hoch; der Titel erleichtert den Zugang zur obersten Etage.

Fazit: Wer sich für eine Promotion entscheidet, sollte damit einen tieferen Sinn als nur eine Karriere verfolgen. Aber wer promoviert ist, kann den Doktortitel im Beruf durchaus nutzen. Sogar auf profane Weise, etwa bei der ersten Gehaltsverhandlung: In größeren Unternehmen und Konzernen sind für Promovierte bis zu zehn Prozent höhere Einstiegsgehälter drin.