WeiterbildungDas Zitat... und Ihr Gewinn

Gotthold Ephraim Lessing: »Kein Mensch muss müssen« von 

Dass sie begehrt ist, die Promotion , steht außer Frage. Unklar ist: bei wem? Öffnen sich mit dem Doktortitel die Karrieretüren, sind die Unternehmen begeistert davon? Oder handelt es sich um einen hübschen Namensschmuck, der vor allem der Eitelkeit des Trägers dient?

Die Antwort hängt von fünf Faktoren ab, erstens: Worüber wird promoviert? Wer eine Doktorarbeit mit starkem Praxisbezug schreibt, etwa über Medikamentenforschung oder über die Zukunft eines bestimmten Marktsegments, der hat ungleich bessere Chancen bei einer Bewerbung, als wenn er nur ein hochtheoretisches Steckenpferd seines Professors neu gesattelt hat.

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Zweitens: Wie groß ist die angestrebte Firma? Familienbetriebe und Mittelständler werten den Doktortitel oft als Überqualifikation. Sie fragen sich: Was will ein Rennwagen in der Tempo-30-Zone? Das Minderwertigkeitsgefühl angesichts der eigenen Qualifikation, gerade bei Nichtakademikern, manifestiert sich möglicherweise auch in dem Verdacht, der Promovierte könnte lediglich ein praxisferner Theoretiker sein.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Drittens: Über welche Branche sprechen wir? Lessings Satz »Kein Mensch muss müssen« trifft fürs Promovieren auf viele Berufe zu, nicht aber auf alle. Wer in der Pharmabranche als Chemiker ohne Doktortitel etwas werden will, der könnte auch versuchen, ohne Eintrittskarte beim Wiener Opernball einen Logenplatz zu ergattern. Dagegen ist der Doktortitel für praxisnahe Berufe, etwa Ingenieure oder Betriebswirte, allenfalls ein Plus – aber keine Notwendigkeit.

Viertens , ganz wichtig: Wie verkauft der Bewerber seine Promotion? Verschanzt er sich hinter der hohen Mauer seiner Expertise? Oder macht er deutlich, welche Schlüsselqualifikationen er dafür gebraucht hat – etwa Ausdauer, ein gutes Auge für Zusammenhänge, schriftliches Ausdrucksvermögen sowie die heutzutage so wichtige Fähigkeit, aus einem Berg von Informationen gezielt die richtigen zu greifen? Diese Kompetenzen können der wahre Türöffner sein.

Fünftens: Um welches Karriereziel geht es? Für die meisten mittleren Führungskräfte ist der Doktortitel locker verzichtbar. Doch unter den Dax-Vorständen ist die Quote der Promovierten auffallend hoch; der Titel erleichtert den Zugang zur obersten Etage.

Fazit: Wer sich für eine Promotion entscheidet, sollte damit einen tieferen Sinn als nur eine Karriere verfolgen. Aber wer promoviert ist, kann den Doktortitel im Beruf durchaus nutzen. Sogar auf profane Weise, etwa bei der ersten Gehaltsverhandlung: In größeren Unternehmen und Konzernen sind für Promovierte bis zu zehn Prozent höhere Einstiegsgehälter drin.

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Leserkommentare
  1. Der Doktor ist nur relevant im akademischen Umfeld, sprich Universität. Und dort würde niemand seinen Doktortitel vor sich her tragen, das wäre extrem lächerlich. Und außerdem sind Doktoren an der Uni eher die untere Schublade.

    Ein Doktor in der Chefetage ist dagegen ziemlich fehl am Platz. Warum hat er/sie überhaupt einen Doktor gemacht? Hat er/sie es dann nicht weiter geschafft an der Uni? Oder wollte er/sie von vornherein eh nicht in der Akademie bleiben? In dem Fall waren die 3-5 Jahre reine Zeitverschwendung. Niemand braucht eine akademische Ausbildung für einen Job in einer Firma.

    Fazit: Doktor in der Chefetage hat irgendwas nicht richtig verstanden.

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    • Ranjit
    • 22. Januar 2012 13:54 Uhr

    Ich kann ihnen da nicht zustimmen.

    Zum einen ist der Doktortitel ein Status"objekt". Es macht die Qualifikation auf jedem Briefkopf sichtbar und der Inhaber setzt sich ab von jenen, die "nur" studiert haben.

    Jedoch ist der Doktor auch ein echtes Plus an (wissenschaftlicher) Kompetenz. Das Studium ist hilfreich, keine Frage. Wissenschaft beginnt man aber (wenn überhaupt) erst kapp vor dem Abschluss zu verstehen und anzuwenden. Der Doktor ist meines Erachtens die eigentliche Qualifikation als Wissenschaftler. Einfach dadurch, dass man endlich selbst Wissenschaft betreibt und Übung bekommt.

    Das Entwertet ein Studium für viele Tätigkeiten nicht. Aber auch die Praxis braucht zum Teil direkte Wissenschaftler. In Forschung und Entwicklung sicherlich, aber auch als Entscheidungshilfe, Gutachter, PR-Bonus oder als Brücke nach Akademia.

    Noch ein Aspekt ist, dass der Deutsche Doktortitel im Ausland weitaus problemloser anerkannt wird, als viele Studienabschlüsse.

    schon mal zu einer besonderen intellektuellen Leistung fähig ist. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung für Tätigkeiten, die nicht in einem ganz besonderem Praxisbezug stehen. Ein Maschinenbauing mit Doktortitel wird in der Betriebstechnik wohl eine krasse Fehlbesetzung sein. In der Werkplanung hingegen kann eine Person mit dem Titel durchaus für das Unternehmen von Nutzen sein.

    ...kommt mir bei ihrem Kommentar in den Sinn.

    Sie Uni ist nicht der einzige Platz mit Relevanz für den Doktor.

    ... dass die Jobsituation an den Unis in Deutschland so extrem schlecht ist, wird es viele geben, die es an der Uni nicht weiter geschafft haben, obwohl sie eigentlich gut genug gewesen wären.

    Das muss also kein schlechtes Zeichen sein.

    Lassen Sie mich raten: Sie sind nicht promoviert, wäre es aber gerne? Seltsame Logik: Da wo Doktoren Ihrer Ansicht nach hingehören, sind sie nichts wert. Und da wo sie gegenüber dem Umfeld ein Ausweis besonderer zusätzlicher Leistung wären, da gehören sie nicht hin? Das typische Neidposting.

    Sie sich doch mal fachlich über ein praxisrelevantes Thema mit jemandem, der sich die letzten drei Jahre, im Zuge einer Dissertation, intensivst auseinandergesetzt hat.

    Jemand, der etwa im Controlling 3 Jahre lang in einem Unternehmen tätig war versteht wohl die diesbezüglichen Prozesse des Unternehmens weitaus besser, als ein Promovierter. Allerdings macht es das tagtägliche operative Geschäft unmöglich tiefere Einblicke über den Tellerrand zu gewinnen. Die Kombination aus beiden kann für Unternehmen sehr wertvoll sein.

    Promovierte haben ein bestimmtes Thema intensiv aus verschiedenen Blickwinkeln komplett durchleuchtet(auch oft kritisch, was beispielsweise Unternehmensberater kaum tun). Sie verstehen die Thematik, sowie Zusammenhänge und Interdependenzen und können potentielle Gefahren und Chancen besser einschätzen. Wieso sollte dieses (auch gesellschaftlich) wichtige Wissen NUR an der Uni hilfreich sein???

    • Ranjit
    • 22. Januar 2012 13:54 Uhr

    Ich kann ihnen da nicht zustimmen.

    Zum einen ist der Doktortitel ein Status"objekt". Es macht die Qualifikation auf jedem Briefkopf sichtbar und der Inhaber setzt sich ab von jenen, die "nur" studiert haben.

    Jedoch ist der Doktor auch ein echtes Plus an (wissenschaftlicher) Kompetenz. Das Studium ist hilfreich, keine Frage. Wissenschaft beginnt man aber (wenn überhaupt) erst kapp vor dem Abschluss zu verstehen und anzuwenden. Der Doktor ist meines Erachtens die eigentliche Qualifikation als Wissenschaftler. Einfach dadurch, dass man endlich selbst Wissenschaft betreibt und Übung bekommt.

    Das Entwertet ein Studium für viele Tätigkeiten nicht. Aber auch die Praxis braucht zum Teil direkte Wissenschaftler. In Forschung und Entwicklung sicherlich, aber auch als Entscheidungshilfe, Gutachter, PR-Bonus oder als Brücke nach Akademia.

    Noch ein Aspekt ist, dass der Deutsche Doktortitel im Ausland weitaus problemloser anerkannt wird, als viele Studienabschlüsse.

    Antwort auf "Definitionsproblem"
  2. schon mal zu einer besonderen intellektuellen Leistung fähig ist. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung für Tätigkeiten, die nicht in einem ganz besonderem Praxisbezug stehen. Ein Maschinenbauing mit Doktortitel wird in der Betriebstechnik wohl eine krasse Fehlbesetzung sein. In der Werkplanung hingegen kann eine Person mit dem Titel durchaus für das Unternehmen von Nutzen sein.

    Antwort auf "Definitionsproblem"
  3. steht ihm bestimmt gut zu Gesicht und wird ihn keinesfalls in irgendeinen Verdacht bringen.
    Gerade wo über den Titel doch nur in bestem Kontext berichtet wird.

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    • Cando
    • 23. Januar 2012 20:58 Uhr

    ... zeigt doch viel eher wie sehr sich Menschen heutzutage von der Berichterstattung einiger Medien lenken lassen.

    Der Doktorgrad ist nach wie vor eine Bescheinigung für wissenschaftliches Arbeiten und zugleich eine Honoration für eine herausstehende Leistung. Er wird nicht anrüchig, weil einige wenige ihn sich ganz offensichtlich erschlichen haben. Und auch nicht in jedem Vorstand sitzen die wahren Schurken der Gesellschaft. Dieser Schluss von einem auf viele scheint sich wohl in letzter Zeit immer weiter in der Gesellschaft zu festigen. Ein Neidphänomen?

    Was das Thema anbelangt mag ich wohl in der Grundannahme zustimmen, dass der Doktor in einigen Künsten durchaus zu vernachlässigen wäre. Was beispielsweise unter Juristen jedoch auch relevant wäre, wäre die Erwähnung des Staatsdienstes. Hier ist der Doktor anders als bei den genannten Mittelständlern nämlich durchaus nicht hinderlich. Gerade für höhere Beamte und Richter ist der Doktorgrad keinesfalls nur Eitelkeit sondern auch ein nicht zu verachtendes Karrieretriebwerk.

  4. Der Dr. ist kein Titel und es wäre ein erster Schritt gegen den Missbrauch unserer Universitäten, wenn dies auch in der Umgangssprache ankommt. Dann ist nämlich die Suggestion dahin, dass der "Dr." adelt.

    Abgesehen davon: in diesem Artikel steht doch nichts, was auch in der ZEIT schon tausend Mal durchgekaut wurde.[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie trotz Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  5. Anschluss an Nr.1, der akademische Grad ist notwendig im wissenschaftlichen Umfeld relevant.
    Außeruniversitär kann der Titel auch "verwendet" werden, dazu bedarf es "Abnehmer", also solche, die daraus einen Wert, z.B. betrieblichen Nutzen, konstruieren.
    Heisst: erstens die Firma ist titelgläubig (in Österreich schlimmer und anderswo, etwa USA/ UK ist der Dr.-Titel irrelevant/ wird nicht erwähnt, sonst macht man sich bei der Bewerbung lächerlich). In diesem Fall lässt sich auf die Firma und deren (fragliche) Betriebskultur schliessen.
    Zweitens die Firma ist statusgläubig, in dem Fall können wirtschaftliche Gründe vorliegen. Etwa bei stark repräsentationsabhängigen Firmen oder solchen mit titelgläubigen Kunden, etwa Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, auch Politik.

    Fazit: im sozialen Spiel zwischen bestimmten Teilnehmern außerhalb der Universitäten und nur innerhalb dieses Umfeldes kann der Dr.-Titel entgegen seiner akademischen Sinngebung mißbräuchlich in gemeinschaftlicher Vereinbarung mißverwendet werden.
    Buh!

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    • serins
    • 22. Januar 2012 15:15 Uhr

    also in Nordamerika wird der akademische Grad PhD schon erwähnt, er steht halt nur hinter dem Namen, sonst könne sie meist 5 (MINT) - 10 Jahre (Geisteswiss) ihres Lebens nicht nachweisen, denn solange dauert im Durchschnitt ein PhD Studium hier. Und wenn Leute einen nicht näher kennen, sprechen sie einen auch als doctor nach dem Lesen der business card an. Hat was mit Höflichkeit und akademischem Anstand zu tun. Man stellt sich nur meist nicht als Dr. XY vor.
    Und bei Ihnen wie auch bei anderen Kommentatoren hier, scheint der Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem akademischen Grad des Doktors zu bestehen. Über die Gründe möchte ich lieber nicht spekulieren.

    @Thema
    Wer den Titel für die Karriere macht, macht meist einen Wischiwaschi Dr. Und das sieht man auch an den zur Zeit aufgefliegenden Größen (sind ja meist Geistes- und Sozialwissenschaftler,zähle da Juristen und Ökonomen dazu). Und die machen ja auch den Großteil der Chefs der Dax Unternehmen aus.
    In Pkt. 2 hat Herr W. mal Recht, die Minderwertigkeitskomplexe sind in D stark ausgeprägt, leider verschenken imho viele KMU dadurch Potential und Wachstumchancen, denn die Netzwerke besonders im Auslandpromovierter (aufgrund der student body Zusammensetzung der Unis dort) sind nicht zu verachten. Und da reicht manchmal schon ein Anruf bei einem anderen Alumni z.B. in Indien aus um Türen zu öffen.

    wie soll man so etwas nicht erwähnen. Was erwähnt man den anstelle des Doktorstudiums im Lebenslauf?

    • wilkem
    • 22. Januar 2012 14:33 Uhr
    7. [...]

    Auf solchen sachfremden Coach verzichtet man besser und holt sich wirtschafts- bzw. industrieerfahrene Meinungsbildner an den Tisch. Seine Einschätzung ist ja derart wischi-waschi, industriefremd und auch nicht zutreffend.
    Liebe Zeit, was muss ich tun, einen relevanten Artikel zu verfassen, der den Leser wenigstens weiterbringt?

    Titel entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  6. ...kommt mir bei ihrem Kommentar in den Sinn.

    Antwort auf "Definitionsproblem"

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