Zoran Zarics Arm zuckt über den Tisch. Vor, zurück, vor, zurück. In der Hand hält er eine Computermaus, sie hat die Form eines Autos, kleine schwarze Räder, Scheinwerfer und eine aufgemalte Windschutzscheibe. Wäre das Kabel nicht, das sie mit Zarics Laptop verbindet, könnte man meinen, der 27-Jährige ziehe gerade ein Spielzeugauto auf. Vor, zurück, vor, zurück.

Zaric, schlabbriger Pulli, Kinnbart und eckige Brille, ist im Stress. Vor ihm flackern Zahlen über den Bildschirm, endlose Reihen. Irgendwo hier muss das Loch versteckt sein, die Lücke im Code, Zaric muss sie finden, um beim Gegner einzubrechen und so Punkte zu holen für sich und sein Team. Wizards of Dos nennen sie sich, wie das US-amerikanische Kinderbuch, nur dass anstelle des Königreichs Oz das Computer-Betriebssystem Dos steht. Denn die Zauberer sind Hacker .

Es ist Samstagabend, kurz vor sieben, 17 »Zauberer von Dos« sind heute gekommen, alles Männer Mitte 20, Kapuzenpulli, Metal-T-Shirt und vor ihnen ein Laptop. Die perfekte Besetzung für einen Film über Hacker, nur dass sie dann in einem chaotischen Zimmer sitzen würden und nicht in einem nüchternen Büro der Technischen Universität Darmstadt .

Seit mehr als zehn Jahren wird den Informatikstudenten an dieser Hochschule beigebracht, wie man fremde Rechner ausspäht und Sicherheitscodes knackt. Hacker Contest nennt die TU Darmstadt diesen Kurs, ein provokanter Name, denn Hacker, könnte man meinen, bewegen sich im anonymen Untergrund, wenn nicht gar im Illegalen.

Behörden warnen davor, dass die Internetkriminalität seit Jahren zunimmt, 2011 sorgten Einbrüche in die Systeme von Sony , Rewe oder der IT-Sicherheitsfirma HBGary für Schlagzeilen. Und weil auch Regierungen angegriffen werden, warnen Experten längst vor einem »Cyber-War« . Die Bundesrepublik hat vergangenes Jahr ein Nationales Cyber-Abwehrzentrum eingerichtet.

Umso erstaunlicher also, dass Studenten gleich an mehreren deutschen Universitäten das Hacken ganz offiziell lernen können: an der Ruhr-Universität Bochum zum Beispiel, der FH Aachen , der FH Regensburg oder eben der TU Darmstadt . 1999 wurde dort der erste Hacker-Kurs angeboten. »Schon damals gab es Proteste«, sagt Martin Mink , »weil die Leute dachten, hier werden Hacker ausgebildet.« Mink saß damals als Student im ersten Kurs, mittlerweile leitet er ihn selber. Zwischen den Studenten fällt er kaum auf, sein Gesicht wirkt immer noch jugendlich, er trägt T-Shirt und Jeans.

Seinen Kurs, sagt Mink, brauche man heute mehr denn je. Denn Computer und Internet würden seit Jahren zwar immer unersetzlicher, gleichzeitig aber nicht sicherer. »Webseiten werden heute so gebaut, dass sie funktionieren, nicht, damit sie sicher sind«, sagt Mink. Vielen Programmierern und Informatikern sei dabei nicht klar, wie groß die Sicherheitslücken sind, die sie hinterlassen. Und genau hier setzten die Hacker-Praktika an.