Hochschulkarriere Netzwerke für den Nachwuchs

Förderprogramme für Doktoranden und Postdocs sollen eine Karriere an der Uni sichern – oder den Weg nach draußen ebnen

Eine wissenschaftliche Karriere aufzubauen kostet Zeit, Geld und Kraft. Darum bieten immer mehr Hochschulen Programme an, die junge Wissenschaftler dabei unterstützen sollen. Auf dem Weg zur Professur müssten Nachwuchsforscher vor allem »ihr persönliches Wissenschaftsmanagement entwickeln und umsetzen«, sagt Ulrike Senger, Erziehungswissenschaftlerin und Herausgeberin einer Buchreihe mit dem Titel »Doktorandenbildung neu gestalten«. Dabei sollen ihnen die Förderprogramme helfen.

Ingenium nennt sich beispielsweise ein Programm für Nachwuchsforscher an der TU Darmstadt. Es besteht aus Zusatzkursen unter anderem zum Zeit- und Projektmanagement. Bei sogenannten Kaminabenden mit Professoren und Vorstandsvorsitzenden können die Teilnehmer sowohl Kontakte zur Wissenschaft als auch zur Industrie knüpfen – für den Fall, dass es mit der wissenschaftlichen Karriere nicht klappen sollte.

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Einer der Teilnehmer ist Max Bierwirth, 31, er promoviert in BWL. Im Rahmen von Ingenium hat er mit 40 Doktoranden anderer Universitäten eine Woche bei einem Seminar in einem Kloster verbracht. »Vernetzt euch, sucht euch Leute zum pushen«, habe die Trainerin ihnen empfohlen. Also haben sie Vierergruppen gebildet, seit 2009 treffen sie sich regelmäßig. »Wir präsentierten uns unsere Ergebnisse und sprechen die nächsten Schritte miteinander ab.« Das gegenseitige Coaching zeigt Erfolg: In wenigen Wochen will Bierwirth seine Doktorarbeit abgeben. Die Zeit der Promotion sieht er rückblickend als sinnvoll an, auch wenn er gemerkt hat, dass er nicht unbedingt an der Uni bleiben will. »Das Schreiben meiner Doktorarbeit hat mir dabei geholfen, meine Arbeitsweise zu strukturieren und besser zu verstehen, wie ich arbeite, was mir schwerfällt und was mir eher leichtfällt.«

Neben Programmen wie Ingenium gibt es auch Angebote speziell für Frauen. »Es zeigt sich immer wieder, dass der Anteil von Frauen mit höherem wissenschaftlichen Status abnimmt, sodass sie auch in ihrer eigenen Statusgruppe in der Minderheit sind«, sagt Helga Rudack. Sie koordiniert ein Programm zur Unterstützung von Nachwuchsforscherinnen an den Universitäten Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund: mentoring3. Hier werden im jährlichen Wechsel Doktorandinnen und Postdocs gefördert. »Akademikerinnen sehen den Weg in die Wissenschaft trotz gleicher Qualifikation häufig nicht als reale Möglichkeit«, sagt Rudack. Schließlich fehlten ihnen Vorbilder und Gesprächspartnerinnen.

Das soll sich durch mentoring3 ändern. Pro Durchlauf nehmen 45 Wissenschaftlerinnen am zweijährigen Programm teil. Gemeinsam besuchen sie vier bis fünf Seminare zu fachlichen Themen sowie Netzwerkabende. Vor allem aber sucht sich jede Teilnehmerin eine Mentorin, die ihre Forschungsarbeit betreut.

Julia Eggermann ist promovierte Biologin. Die 32-Jährige hat in Bochum studiert und promoviert und nimmt nun als Postdoc bei mentoring3 teil. Als Mentorin hat sie sich eine Professorin der Uni Siegen ausgesucht. »Ich wollte auf jeden Fall eine Professor in«, sagt sie mit Betonung auf der letzten Silbe. Diese habe schließlich ähnliche Hürden überwinden müssen, wie sie ihr selbst bevorstünden. Ihre Mentorin beriet sie zum Beispiel in strukturellen Fragen wie den Abläufen bei der Habilitation oder der Einwerbung von Drittmitteln. Zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie fand Eggermann Vorbilder bei vielen Mit-Mentees, die schon Kinder hatten oder während der Förderzeit bekamen. Das habe sie ermutigt. »Es ist nicht einfach, aber es funktioniert.«

Ulrike Senger listet in ihrer Buchreihe eine Vielzahl von Programmen auf. Eine gezielte Nachwuchsförderung durch die Hochschulen sei wichtig, zum einen, um den Wissenschaftsstandort Deutschland als forschungsstark auszuweisen. »Und zum anderen, um Promovierende auch über die universitären Berufsfelder hinaus auf verantwortungsvolle Positionen vorzubereiten.«

 
Leser-Kommentare
  1. wenn die Arbeit der Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler erst mal antändig bezahlt werden würde?
    Viele in den Naturwissenschaften promovieren auf halben Stellen oder auf irgendwelchen Stipendien ohne Sozialabgaben und Krankenversicherung, andere sind sogar gezwungen auf Arbeitslosengeld ihre Arbeiten weiterzuführen, wenn die Finanzierung der Stelle bzw. des Forschungsprojekt wegbricht.

    Das ist keine Nachwuchsförderung, das grenzt an Ausbeutung.

    • Mailer
    • 22.01.2012 um 16:56 Uhr

    Jetzt gibts ja etliche Postdoc-Artikel hier bei ZEIT ONLINE, sogar einige kritische. Mehr davon - von den kritischen selbstverständlich. Dieser Artikel hier ist ja ganz nett, wichtiger ist aber tatsächlich der erste Kommentar dazu.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. "...ihr persönliches Wissenschaftsmanagement entwickeln und umsetzen"

    Auch wenn ich den Forschungsbetrieb kenne; Kann das vielleicht bitte mal jemand auf deutsch übersetzen? Ich verstehe es so:
    "Deine Uni hat kein Geld, also schau selbst, wo du die Kohle für deine Stelle auftreibst, wenn du Glück hast, geht der DFG-Antrag deines Chefs durch."

    Ansonsten kann ich 1 nur beipflichten. All die Programme mit schicken englischen Namen schaffen zwar Pöstchen für Verwaltungsfuzzis und ein paar Pädagogen/Soziologen/Politikwissenschaftler. Mit dem Geld hätte man aber einfach auch eine Reihe Stellen für die Wissenschaftler finanzieren können.
    Auf diesen sowie den ganzen Gender-Kram könnten zumindest NaWis sehr gut verzichten, wenn langfristig sichergestellt wäre, dass man sich nach 10 Stunden Laborarbeit abends ein paar Nudeln leisten kann.

    • Rumple
    • 22.01.2012 um 18:24 Uhr

    "Ihre Mentorin beriet sie zum Beispiel in strukturellen Fragen wie den Abläufen bei der Habilitation oder der Einwerbung von Drittmitteln."

    Also eine Habilitation wird wohl kaum geschlechtsspezifisch ablaufen. Wenn das Geschlecht bei der Drittmittelvergabe ebenfalls eine Rolle spielt hat die Forschung ganz andere Probleme.

    Ein Mentorenprogramm mag ja sinnvoll sein, aber warum steht das dann nicht allen Geschlechtern offen ? Wenn Frauen nicht in der Forschung landen liegt das sicherlich nicht daran daß beim akademischen Werdegang keiner Händchen hält.

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    • Lotte2
    • 22.01.2012 um 18:48 Uhr

    @Rumple: Haben Sie den Artikel überhaupt ganz gelesen? "Neben Programmen wie Ingenium", die allen Geschlechtern offen steht, "gibt es auch Angebote speziell für Frauen." Dabei geht es um weibliche Vorbilder und Gesprächspartnerinnen, das Knüpfen von Netzwerken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Klingt doch ganz sinnvoll. Im allgemeinen hält einem als Frau beim akademischen Werdegang nämlich keiner Händchen.

    • Lotte2
    • 22.01.2012 um 18:48 Uhr

    @Rumple: Haben Sie den Artikel überhaupt ganz gelesen? "Neben Programmen wie Ingenium", die allen Geschlechtern offen steht, "gibt es auch Angebote speziell für Frauen." Dabei geht es um weibliche Vorbilder und Gesprächspartnerinnen, das Knüpfen von Netzwerken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Klingt doch ganz sinnvoll. Im allgemeinen hält einem als Frau beim akademischen Werdegang nämlich keiner Händchen.

    • Lotte2
    • 22.01.2012 um 18:48 Uhr

    @Rumple: Haben Sie den Artikel überhaupt ganz gelesen? "Neben Programmen wie Ingenium", die allen Geschlechtern offen steht, "gibt es auch Angebote speziell für Frauen." Dabei geht es um weibliche Vorbilder und Gesprächspartnerinnen, das Knüpfen von Netzwerken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Klingt doch ganz sinnvoll. Im allgemeinen hält einem als Frau beim akademischen Werdegang nämlich keiner Händchen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Mentorenprogramm"
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    • Bastie
    • 24.01.2012 um 12:29 Uhr

    Und warum sollte dann das Mentoring in diesen Gruppen nur für Frauen offen sein? Weibliche Vorbilder werden wohl auch in für beide Geschlechter offenen Mentoringprogrammen vorhanden sein und die von ihnen angesprochenen Probleme haben Männer im gleichen Maße. Oder glauben Sie, daß es Männern egal ist wie sie Kind und Familie mit ihrer Karriere vereinbaren können?

    zum Artikel:
    Das knüpfen von Netzwerken, insbesondere wenn es nur zum Selbstzweck geschieht, sehe ich ohnehin in keinster Weise für förderungswürdig an. Letztendlich unterstützt man damit doch nur, dass freie Stellen nicht nach Qualifikation, sondern nach Beziehungen vergeben werden. Ich denke, daß solche Programme hauptsächlich den Zweck erfüllen, daß sie wenig kosten, im Moment für gute Publicity sorgen und letztendlich das Geld in total falsche Richtungen pumpen. Zudem frage ich mich, was bitte ein Mentor in der Promotion soll, wenn man doch eigentlich den eigenen Doktorvater hat, um einen zu beraten. Oder ist der plötzlich durch sein Mentordasein so ausgelastet, daß er keine Zeit mehr für seine Doktoranden hat?

    Ein sinnvolles "Förderprogramm" wäre wohl eher eine sinnvolle Strukturierung des akademischen Mittelbaus (wie es sie übrigens bereits gab, vor vielen Jahren), mit sicheren angemessen bezahlten Stellen. Das wäre nur wesentlich teurer und Leute, wie die gute Frau Senger, könnten sich dann nicht einfach ein dickes Stück vom Kuchen abschneiden ohne etwas tatsächlich sinnvolles beizutragen.

    • Bastie
    • 24.01.2012 um 12:29 Uhr

    Und warum sollte dann das Mentoring in diesen Gruppen nur für Frauen offen sein? Weibliche Vorbilder werden wohl auch in für beide Geschlechter offenen Mentoringprogrammen vorhanden sein und die von ihnen angesprochenen Probleme haben Männer im gleichen Maße. Oder glauben Sie, daß es Männern egal ist wie sie Kind und Familie mit ihrer Karriere vereinbaren können?

    zum Artikel:
    Das knüpfen von Netzwerken, insbesondere wenn es nur zum Selbstzweck geschieht, sehe ich ohnehin in keinster Weise für förderungswürdig an. Letztendlich unterstützt man damit doch nur, dass freie Stellen nicht nach Qualifikation, sondern nach Beziehungen vergeben werden. Ich denke, daß solche Programme hauptsächlich den Zweck erfüllen, daß sie wenig kosten, im Moment für gute Publicity sorgen und letztendlich das Geld in total falsche Richtungen pumpen. Zudem frage ich mich, was bitte ein Mentor in der Promotion soll, wenn man doch eigentlich den eigenen Doktorvater hat, um einen zu beraten. Oder ist der plötzlich durch sein Mentordasein so ausgelastet, daß er keine Zeit mehr für seine Doktoranden hat?

    Ein sinnvolles "Förderprogramm" wäre wohl eher eine sinnvolle Strukturierung des akademischen Mittelbaus (wie es sie übrigens bereits gab, vor vielen Jahren), mit sicheren angemessen bezahlten Stellen. Das wäre nur wesentlich teurer und Leute, wie die gute Frau Senger, könnten sich dann nicht einfach ein dickes Stück vom Kuchen abschneiden ohne etwas tatsächlich sinnvolles beizutragen.

  3. Postdoktorandinnen Gesprächspartnerinnen fehlen halte ich für ein Gerücht. Schliesslich sind in den meisten Studiengängen mindestens die Hälfte der Graduierten weiblich.

    Überhaupt stößt das Mentoring schnell an seine Grenzen. Das "Coaching" von Doktoranden durch andere Doktoranden bei ingenium ist sicherlich nicht besonders effektiv. Als "Erfolg" des Coachings wird im Artikel dann auch die Absicht zur baldigen Abgabe der Dissertation genannt. Bravo!
    Und sicherlich sehen viele Professorin gerne ihre Namen auf der Mentorenliste. Verpflichtet ja zu nichts. Wieviel Zeit sie dann für den lästigen "Mentee" erübrigen prüft dann sowieso niemand.

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  4. ch denke, das Problem der Billigbezahlung (bzw Not-Transferleistung) wird die Uni nicht alleine lösen. Weil es sie alleine nicht betrifft. Es betrifft mittlerweile viele Bereiche, nicht nur in D oder EU. Egal ob Dienstleistung, Produktion, Forschung oder sonstwas. Wobei die jüngere Generation hier richtig die A-Karte gezogen hat.
    Wenn die arbeitende Bevölkerung es nicht schafft, ihre Aufspaltung zu überwinden und sich zu einer größeren Bewegung zusammen zu tun, wird es nur noch schlimmer werden. Wobei ich schwarz sehe, dass der nötige Impuls von den Akademien ausgehen wird, weil da offenbar gegenseitige Antipathie sondergleichen zwischen den einen (Natwis) und den anderen (Ges/Sozwis) besteht (siehe Kommentar 3 exemplarisch), was alle vergessen zu lassen scheint, dass sie im selben Laden arbeiten. divide et impera - mission accomplished. Schade daran ist, dass die Akademien mehr politische Macht haben als zb. die Hermessklaven, Friseure, Krankenfleger etc, diese power aber in einem immer absurder werdenden internen Krieg gnadenlos verpulvern. Als ich mit em Sutdium begann (Nat) dachte ich: Hort des Wissens. Als ich sah, wie bulemisch-autoritär das organisert ist, hab ich in eine Soz gewchselt. Was aber nahezu genauso bulemisch-autoritär war, nur versnobbter. Dafür nicht so konkurrenzgeil. Pest oder Cholera eben. Heute denke ich nur noch: was für eine schreckliche Institution. Und bei diesen internen Krieg denke ich: was eine leicht hinters Licht zu führende Arbeiterschaft.

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  5. ... im Artikel werden aber mal wieder nur ein paar Programme zur Forschung erwähnt.

    Letztendlich muss an den Hochschulen ein strukturelles Umfeld geschaffen werden, dass es dem Nachwuchs ermöglicht, zeitnah eine Diss fertigen zu können, ein gesichertes Einkommen zu haben, Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können, beim Erwerb von wissenschaftsspezifischen Kompetenzen (Drittmittelanträge, Curriculumsentwicklung, Lehrportfolio etc.) unterstützt zu werden...

    Ich bezweifel, dass dies alles in den hergebrachten Lehrer-Schüler-Strukturen und den ständigen Befristungen funktioniert.

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