Was die wenigsten seiner Studenten über diesen Dozenten wissen: Marian Kogler ist bis zu zehn Jahre jünger als sie. Der Österreicher, gerade erst 20 geworden, ist der wohl jüngste Doktorand an einer deutschen Universität.

Von Medien ist er als »Wunderkind« , » Österreichs jüngster Uni-Absolvent« und das »Wunder von Halle« gefeiert worden. Er selber rasselt seinen Lebenslauf selbstbewusst, aber ohne hörbare Sensationslust herunter: »Mit 8 Gymnasiast, mit 13 Student, mit 15 die Matura, mit 16 Bachelor der Informatik, mit 17 Diplom-Ingenieur. Es geht schnell bei mir, auch wenn die Promotion etwas länger dauern wird.«

Seit eineinhalb Jahren ist Kogler Doktorand an der Uni Halle und schreibt seine Doktorarbeit in Theoretischer Informatik. An der Uni werde er sehr selten auf sein Alter angesprochen, sagt er. Nur gelegentlich erhalte er eine E-Mail von Eltern hochbegabter Kinder, die ihn um Rat fragen, oder er werde gebeten, einen Vortrag zu halten.

»Man bespricht sich mit anderen Forschern, tauscht Ideen mit seinem Professor aus, und wenn eine Idee gereift ist, schreibt man einen wissenschaftlichen Aufsatz darüber«, sagt Kogler. Forschung sei der Löwenanteil seiner Arbeit und das, was ihm am meisten Spaß mache. Die restliche Zeit widmet er der Lehre : per E-Mail Fragen von Studenten beantworten, Klausuren korrigieren, Kurse geben.

Er beherrschte schon mit vier das große Einmaleins

Marian Kogler steht in einem Seminarraum an der Tafel. Er bittet die Studenten nach vorn, damit sie ihre Hausaufgaben vorrechnen. Er gibt leise Tipps, wenn einer nicht weiterweiß. Er macht einen Witz, wenn ein Handy klingelt. Souverän und unverkrampft – bei den Studenten kommt seine Art gut an. »Der Unterricht macht Spaß«, sagt der 30 Jahre alte Ralf Lindau hinterher, »auch wenn der Dozent manchmal weiter ausholt und ich das dann nicht immer verstehe.« – »Er ist sehr locker«, lobt Juliane Pölzing, 21, das sei nicht bei vielen Informatikdozenten der Fall. »Er ist eben recht jung und dadurch näher an den Studenten dran. Man hat keine Angst, etwas vorzurechnen.« Dass sie einen Hochbegabten vor sich haben – der schon mit zweieinhalb Jahren lesen, mit drei schreiben konnte und mit vier das große Einmaleins beherrschte –, wissen die Kursteilnehmer nicht. Juliane Pölzing schätzt ihn auf 25.

Marian Kogler ist froh, dass er inzwischen als Mittzwanziger durchgeht. Das erspart ihm Hänseleien und Angriffe, wie er sie aus seiner Schulzeit kennt. »Wenn man die ganze Zeit mit 25 bis 30 Jahre alten Kollegen zu tun hat und auch mit ihnen befreundet ist, passt man sich automatisch an«, sagt er, »mit der Kleidung, der Sprechweise und seinem Verhalten.« Kogler trägt schwarze Glattlederschuhe, Jeans, ein gestreiftes Hemd und Brille. Er spricht schnell und bestimmt und nimmt dabei seine Hände zu Hilfe. Gleichaltrige Freunde habe er nicht, weil die meisten 20-Jährigen ihm jünger vorkämen. Manchmal fühle er sich wie 20, manchmal älter – besonders wenn er an der Tafel stehe. »Und wenn ich zu lange auf dem Stuhl gesessen habe und mir der Rücken schmerzt, dann fühle ich mich wie 50.«

Nach dem Masterstudium in Computational Intelligence an der TU Wien war ihm klar, dass er »völlig frei Dinge erforschen« wollte. Deswegen bewarb er sich mit 18 auf eine Mitarbeiterstelle an der Uni Halle und wurde eingestellt. In einem Alter, in dem andere noch zur Schule gehen, zog der Wiener mit einem Laptop und einem Koffer voller Kleidung und Bücher von zu Hause aus und suchte sich in Halle seine erste eigene Wohnung.