Nebenberuflich promovierenGeht doch!

Doktorarbeit und Vollzeitjob – so gelingt das Promovieren neben dem Beruf von Wiebke Toebelmann

Voll berufstätig zu sein und obendrein noch seinen Doktor zu machen ist eine besondere Herausforderung. Ungefähr 17 Prozent der Doktoranden stellen sich dieser Doppelbelastung und promovieren extern, wie eine Untersuchung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) zeigt. Wer Promotion und Job unter einen Hut bringen will, muss vorausschauend planen, einen starken Willen und vor allem viel Durchhaltevermögen mitbringen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie finde ich als externer Doktorand ein passendes Thema?

Grundsätzlich gilt: Je enger der Kontakt, der noch zur Universität besteht, desto leichter auch die Themenfindung. Denn nur, wer nah an der Wissenschaftsszene dran ist, weiß, welche Themen im jeweiligen Forschungsbereich aktuell sind und für einen selbst infrage kommen könnten. Von Vorteil ist es dann, wenn das Thema der Doktorarbeit direkt oder indirekt auch mit den eigenen beruflichen Aufgaben in Verbindung steht. »Es ist wichtig, sich vor der Themenfindung die Frage zu stellen, warum man promovieren möchte, und sie ehrlich zu beantworten«, sagt Norman Weiss, Vorsitzender des Doktorandennetzwerks Thesis. Wenn die Motivation nur aus dem Wunsch nach einem Titel bestehe, gehe das Vorhaben oft nicht gut. »Ein derartiges Projekt sollte man nicht aus reinem Geltungsbedürfnis angehen«, sagt Weiss. Stattdessen sei das Interesse fürs Forschungsthema entscheidend. »Sich jahrelang intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, das einen nicht interessiert, ist reine Quälerei.«

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Wie finde ich eine Doktormutter oder einen Doktorvater?

Im Idealfall besteht noch ein Kontakt, der sich wieder aktivieren lässt. Wer aber schon ein paar Jahre im Berufsleben steckt, hat den Draht zur Uni oftmals verloren. Dann ist es ratsam, einer Professorin oder einem Professor von einst dennoch eine E-Mail zu schreiben und zu fragen, ob sie oder er das Vorhaben betreuen würde oder andernfalls einen Kollegen empfehlen könne. Hier hilft es, sich entgegenkommend zu zeigen, denn wer sich auf ein Thema versteift und versucht, ausschließlich dafür eine Betreuung zu finden, hat meist schlechte Karten.

Ich will promovieren, aber wie sage ich’s meinem Chef?

Es ist in jedem Fall ratsam, den Arbeitgeber nicht nur davon zu überzeugen, wie viel die Promotion der eigenen Karriere nützt, sondern auch zu erklären, wie die Firma davon profitieren wird. Ein Doktortitel kann zum Beispiel die Reputation gegenüber Kunden steigern, was gerade für mittelständische Unternehmen wertvoll sein kann. Vor allem große Firmen sehen Doktorandenprogramme häufig als wichtiges Personalentwicklungselement. Einige Unternehmensberatungen, Anwaltskanzleien oder Unternehmen mit eigenen Forschungsabteilungen werben damit bereits in der Personalgewinnung. »Bei der klassischen Industriepromotion kann man sich sogar oftmals für eine Weile freistellen lassen oder bei vollem Gehalt in Teilzeit weiterarbeiten«, sagt Weiss. Schwieriger wird es, wenn die Promotion eher ein Freizeitvergnügen ist. Dann bleibt zu verhandeln, ob die Stelle beispielsweise auf 80 Prozent reduziert werden kann.

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

Das kommt auf das eigene Arbeitstempo und die Art der Promotion an. Selbst jene, die an der Uni eine Vollzeitstelle haben, klagen über zu wenig Zeit für die »Diss«. Sie müssen meist nebenbei auch noch lehren, Vorträge vorbereiten, auf Tagungen fahren, Drittmittelanträge schreiben. Auch bei ihnen kann sich eine Doktorarbeit über sechs Jahre erstrecken. Da kann eine Industriepromotion, für die drei Jahre fest eingeplant sind, schneller gehen. So manche nebenberufliche »Hobby-Promotion« dauert dagegen auch schon mal an die acht bis zehn Jahre.

Leserkommentare
  1. Der Artikel ist in soweit ungenau, da er eine externe Promotion mit einer nebenberuflichen Promotion gleichsetzt. Hier irrt der Autor:

    Bei einer Externen Promotion handelt es sich vielmehr um eine Promotion, welche ausschließlich aus einem reinem Betreuungsverhältnis für die Dissertation besteht. Was der Doktorand ansonsten macht bzw. wie er sein Geld verdient ist hierbei unerheblich

    Eine externe Promotion kann neben einem Vollzeitjob her laufen, aber genauso kann eine externe Promotion auch durch ein Stipendium oder Erspartes finanziert werden.

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    Ergänzend zu Ihrer (korrekten) Anmerkung:
    Gerade im ingenieurswissenschaftlichen Bereich gibt es auch eine ganze Reihe von Promotionsprogrammen in der Industrie, bei denen typischerweise mehr oder weniger promotionsnahe Projektarbeit verrichtet wird (und extern promoviert).

    Ansonsten hat Palamedes ja das Wichtigste schon abgesteckt - einzig das mit dem Komfort bei 4 Jahren mag ich nicht ganz unterschreiben (was aber an einer Reihe unglücklicher Umstände liegt)

  2. Ich bin auch einer davon, seit 3 Jahren. Fertig in 09/2012 Haut auch hin :)

    1) Man sollte ein Thema oder eine Vorstellung zu einem konkreten Themenfeld mitbringen. Wenn man bei einem Prof. aufschlägt und eröffnet, dass man extern seinen Doc machen will und dann noch ohne Themenvorstellung kommt, ist in den meisten Fällen schon im Sondierungsgespräch schluss.

    2) Wissenschaftliches Schreiben sollte einem liegen und die Art zu arbeiten (freies wiss. Arbeiten) sollte einem Spaß machen. Sonst wird es motivationstechnisch sehr schnell sehr eng. Die eigenen Seminararbeiten / Bachelor- / Masterthesis oder Diplomarbeit sind gute Indikatoren. Jeder der da im Schnitt glatt 2 oder besser ist, kann grundsätzlich auch eine Diss schreiben.

    3) Ausdauer. Theoretisch geht es in 1 Jahr. "Beraterpromotionen" haben oft so ein Intervall. Merkt man denen aber auch an (keine oder extrem schwache Empirie) und das funktioniert meist nur an Lehrstühlen, die aus welchen Gründen auch immer meist sehr viele Berater in sehr kurzer Zeit betreuen. Meist auch immer aus derselben Beratung. Coincidence. 2 Jahre ist sehr sportlich, 3 Jahre klappt ganz gut, 4 Jahre bieten zusätzlich gewissen "Komfort". Da muss man dann auch nicht alle Hobbies & Kontakte aufgeben.

    4) Keine Kinder sind hilfreich. Familiäre Verpflichtungen kann man vielleicht in einer "overlap"-Phase der Diss stemmen, aber komplett...ist vielleicht möglich, aber dass muss dann schon ein Superdisziplinator sein.

  3. 4) Psychische Belastungen abkönnen und damit rechnen, dass einem auf der Arbeit trotzdem nichts erleichtert oder geschenkt wird. Man darf eine Sache nicht unterschätzen: das Thema ist die gesamte Zeit präsent. Man hat keinen Urlaub mehr, auch wenn man Urlaub hat (geht meistens eh drauf für schreiben). Die Diss wird zum allgegenwärtigen Damoklesschwert, das "Abschalten" ziemlich zuverlässig verhindert. M.E. eine der größten Belastungen in diesem Zusammenhang.

    5) "Gute Organisation"...kann vielleicht funktionieren, glaube ich aber eher nicht. "Flexibel sein" ist m.E. der bessere Ansatz. Man kann Ideen und Erkenntnisse leider nicht steuern. Im Zweifel sitzt man "den einen Tag in der Woche" rum und nix kommt dabei raus. Dafür aber an einem X-beliebigen Tag nach 22 Uhr mit einem mal ohne Ende...

  4. Ergänzend zu Ihrer (korrekten) Anmerkung:
    Gerade im ingenieurswissenschaftlichen Bereich gibt es auch eine ganze Reihe von Promotionsprogrammen in der Industrie, bei denen typischerweise mehr oder weniger promotionsnahe Projektarbeit verrichtet wird (und extern promoviert).

    Ansonsten hat Palamedes ja das Wichtigste schon abgesteckt - einzig das mit dem Komfort bei 4 Jahren mag ich nicht ganz unterschreiben (was aber an einer Reihe unglücklicher Umstände liegt)

  5. wie lustig - doch sicherlich ganz im sinne des gender mainstream. allerdings empfinde ich die verwendung des begriffes doktormutter VOR dem bergiff doktorvater als diskriminierend dem männlichen geschlecht gegenüber.

    ich schlage daher daher für beide die neutrale bezeichnung "doktorelternteil" vor.

    • Zack34
    • 22. Januar 2012 17:46 Uhr
    Antwort auf "My 2 Cents"
    • Zack34
    • 22. Januar 2012 17:50 Uhr
    Antwort auf "doktormutter?"

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