Love-Parade-Unglück Einer muss schuld sein

Nach der Love-Parade-Katastrophe traf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland selten den richtigen Ton. Nun droht ihm die Abwahl.

Adolf Sauerland stützt sich auf das Rednerpult, und wie immer, wenn er öffentlich redet, beginnt seine Stimme vom ersten Moment an zu ringen mit dem gespannten Warten, das in der Stille liegt. Das Warten, ob er darüber sprechen wird. Oder ob er darüber schweigen wird.

Wo Adolf Sauerland auch auftritt, das Love-Parade-Unglück begleitet ihn, auch heute, auf den Neujahrsempfang der Stadt Duisburg. Seit vor eineinhalb Jahren 21 Menschen im Gedränge bei der Massenparty erdrückt wurden, ist Sauerlands Name untrennbar mit der Katastrophe verbunden. Weil er Oberbürgermeister ist, immer noch, obwohl er nach der Katastrophe wieder und wieder unangemessen reagierte. Obwohl die Staatsanwaltschaft gegen elf Mitarbeiter seiner Verwaltung ermittelt. Obwohl eine Bürgerinitiative fast 80.000 Unterschriften gegen ihn sammelte.

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Die Unterschriften reichten, um ein Abwahlverfahren einzuleiten. Am 12. Februar entscheiden die Duisburger, ob Adolf Sauerland abtreten muss. Dies könnte Sauerlands letzte große Rede sein, rund 500 Vertreter der Stadt, der Sparkasse, der Vereine, Verbände und Kirchen hören ihm zu.

Sauerland spricht über Optimisten, die Duisburg brauche, und Macher. Damit meint er auch sich selbst. Dann erwähnt er die Love-Parade. Ein Rückschlag sei das für die Stadt gewesen, für ihr Selbstverständnis, ihre Außenwirkung. Duisburg müsse sich jetzt auf seine positiven Seiten besinnen. Sauerlands Unterstützer sagen hinterher, dass er genau die richtigen Worte gefunden habe: Man müsse nach vorne schauen, die Kritiker ließen die Stadt nicht zur Ruhe kommen. Sauerlands Gegner sagen, dass die Stadt nicht zur Ruhe komme, solange Sauerland sie repräsentiere.

Es geht ein Graben durch Duisburg, der am Tag der Love-Parade aufbrach und seitdem wächst. Wie tief er ist, wird sich am Tag der potenziellen Abwahl zeigen. Klar ist nur, wo die Stadt gespalten ist: in ihrer Meinung über Adolf Sauerland.

»Wenn 75 Prozent nicht für die Abwahl stimmen, sind sie dagegen«

Sauerland eröffnet das Buffet, dann lehnt er sich entspannt auf einen Bistrotisch. Es ist ein guter Tag, die Gäste haben Schlange gestanden, um ihm die Hand zu schütteln. Dem 12. Februar sehe er gelassen entgegen, sagt er. Seine Gegner brauchen 92.000 Stimmen, 25 Prozent der Wahlberechtigten. »Für mich ist das eine einfache Rechnung«, sagt Sauerland, »wenn 75 Prozent der Duisburger nicht für die Abwahl stimmen, sind sie dagegen.«

Seine Partei, die CDU, ruft zum Wahlboykott auf. Selbst wenn die Stimmen gegen Sauerland reichen sollten, werden sie so sagen können, die Mehrheit sei ihrem Aufruf gefolgt. Es ist diese Ignoranz, die Sauerlands Gegner so wütend macht: dass er nicht einsieht, dass 92.000 Stimmen vielleicht nicht die Mehrheit wären, aber in einer Stadt wie Duisburg, wo bei Kommunalwahlen die Beteiligung unter 50 Prozent liegt, ein eindeutiges Votum. Mehr Stimmen, als Sauerland jemals erhalten hat.

Leser-Kommentare
  1. ...und dann in Brüssel guttenbergen. So geht das heute!

    16 Leser-Empfehlungen
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    bei einem rücktritt hätte er alle pensionsansprüche aufgegeben. einer abwahl kann er daher gelassen entgegensehen. da bleiben sie ihm nämlich erhalten.

    Er wird als Opfer hochstilisiert, an den Pranger gestellt und danach durch's Dorf getrieben. Peinlich aus meiner Sicht, auch für die, die ihn treiben.

    Und einem wird dies überhaupt nicht gerecht, der Wahrheitsfindung und den Opfern.

    bei einem rücktritt hätte er alle pensionsansprüche aufgegeben. einer abwahl kann er daher gelassen entgegensehen. da bleiben sie ihm nämlich erhalten.

    Er wird als Opfer hochstilisiert, an den Pranger gestellt und danach durch's Dorf getrieben. Peinlich aus meiner Sicht, auch für die, die ihn treiben.

    Und einem wird dies überhaupt nicht gerecht, der Wahrheitsfindung und den Opfern.

  2. steht eben für einen bestimmten Typ Poliiker, wie ihn die aufgeklärte Bevölkerung nicht mehr mag.
    Es geht nicht um das jur. Recht oder Unrecht.

    Es geht um Werte und Wertevermittlung und um Anstand.

    Wie sagte unser BP kürzlich: nicht alles was juristisch richtig ist, ist auch richtig (frei zitiert).
    Und damit haben deas System BP Wulff und OB Sauerland etwas gemeinsames. Sie stehen an der Spitze ihrer jeweiligen Institution und haben Vorbild zu sein.
    OB und BP halten sich starren Blickes lieber an ihrem Amt fest als einmal den Kopf zu heben, uns anzu schauen und demütig zu verstehen, was jetzt besser zu tun ist.

    Sauerland mach die Käßmann!
    Endlich!

  3. für jedes Unglück jemanden hätten, den wir dafür verantwortlich machen könnten.

    Es gibt ihn aber oftmals nicht, weil viele Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen und falsches Handeln des Einzelnen dazu beitrugen, dass ein Ereignis eintrat.

    Nicht alle werden hart angegangen, viele hat man aus der Verantwortung bereits entlassen und ich kann diesen Bürgermeister verstehen, der für die vielen anderen an der Sache ebenfalls beteiligten, die ebenfalls Fehler machten, nicht allein verantwortlich sein will und sich auch nicht so fühlt.

    Dass er ein gutes Feindbild abgibt ist schon lange klar und wird auch im Artikel gut heraus gestellt. Dass er aber den Tod und die Verletzungen der Menschen zu verantworten haben soll, ist meiner Meinung nach falsch und übers Ziel hinaus.

    Für mich hat diese medial über lange Zeit begleitete Suche nach Verantwortlichen seltsame Züge, denn es scheint mir nicht richtig, einem das Leben ruinieren zu wollen, während die anderen weiter machen dürfen wie gehabt, um Angehörigen ein gutes Gefühl zu vermitteln.

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    ...natürlich mag es für das emanzipatorische Ego immer ein gutes Gefühl zu sein, sich einer selbsttoleranten Opportunität hinzugeben.

    Faktisch sind es jedoch meist die selben Leute, die ihr Gehalt und die Pension mit der "Verantwortung" rechtfertigen. Und sich hier an Summen bedienen, die fernab jeglicher Vernunft liegen - ebenso wie diese Personen dann auch fernab des Unglücks sind, wenn Rettungs- und Sicherheitskräfte mit den Unfällen konfrontiert werden oder gar selbst in Unterdrückung oder Posttraumata geraten. Also keine Sorge, die kleinen Fische werden schon geschlachtet.

    Und zur Information im glorreichen Deutschen Kaiserreich gab es sehr wohl so etwas wie Verantwortung und Vorbild. Und das obwohl es systembedingt weniger notwendig war. Aber es war auch ein System, welches für Menschen gedacht war und nciht für Rendite und Popshow...

    • sudek
    • 22.01.2012 um 14:46 Uhr

    Ich glaube, dass dieser Begriff, der in den ersten Zeilen des CDU-Grundsatzprogramms steht, einigen dieser christlichen PolitikerInnen nicht mehr bekannt ist.

    um Verantwortung zu übernehmen.

    Das ist es, was sie alle antreibt, diese Politiker, die den Klebstoff gleich mitbringen. Verantwortung für eine Stadt. Verantwortung für ein Land, für die Bürger, für eine Sache.

    Suchen Sie sich einen beliebigen Wahlkampf und hören Sie genau zu, wie oft der entsprechende Herr/die Dame das Wort "Verantwortung" nutzt. Und schauen Sie sich an, wie oft gerade dieses Wort unmittelbar nach Ende des Wahlkampfes, zu einem Fremdwort mutiert. Eines ohne Inhalte oder Definitionen.

    Ein Oberbürgermeister ist verantwortlich. Er ist umso mehr verantwortlich, wenn sich im Nachgang herausstellt, dass er bei einer Sache geschickt so agiert hat, dass man ihn juristisch für nichts verantwortlich machen kann, wenn man nicht wirklich will.

    Und eine ganz wichtige Frage sollte man sich gerade bei Sauerland stellen: Nehmen wir an, die Loveparade wäre ein Erfolg gewesen. Wer wäre dann in erster Linie als Verantwortlicher für den Erfolg hochgelobt worden? Der, der die Unterschrift geleistet hat? Ein Feuerwehrmann oder Polizist? Einer von den Sicherheitskräften? Irgendeiner der 17 Beschuldigten?

    Verantwortung geht einher mit Moral, mit Anstand. Und mit dem Wissen um das, was Richtig ist. Richtig ist nicht immer rechtlich nachweisbar. Aber fühlbar.

    Im vorliegenden Fall vor allem für die Opfer und Angehörigen.

    ...natürlich mag es für das emanzipatorische Ego immer ein gutes Gefühl zu sein, sich einer selbsttoleranten Opportunität hinzugeben.

    Faktisch sind es jedoch meist die selben Leute, die ihr Gehalt und die Pension mit der "Verantwortung" rechtfertigen. Und sich hier an Summen bedienen, die fernab jeglicher Vernunft liegen - ebenso wie diese Personen dann auch fernab des Unglücks sind, wenn Rettungs- und Sicherheitskräfte mit den Unfällen konfrontiert werden oder gar selbst in Unterdrückung oder Posttraumata geraten. Also keine Sorge, die kleinen Fische werden schon geschlachtet.

    Und zur Information im glorreichen Deutschen Kaiserreich gab es sehr wohl so etwas wie Verantwortung und Vorbild. Und das obwohl es systembedingt weniger notwendig war. Aber es war auch ein System, welches für Menschen gedacht war und nciht für Rendite und Popshow...

    • sudek
    • 22.01.2012 um 14:46 Uhr

    Ich glaube, dass dieser Begriff, der in den ersten Zeilen des CDU-Grundsatzprogramms steht, einigen dieser christlichen PolitikerInnen nicht mehr bekannt ist.

    um Verantwortung zu übernehmen.

    Das ist es, was sie alle antreibt, diese Politiker, die den Klebstoff gleich mitbringen. Verantwortung für eine Stadt. Verantwortung für ein Land, für die Bürger, für eine Sache.

    Suchen Sie sich einen beliebigen Wahlkampf und hören Sie genau zu, wie oft der entsprechende Herr/die Dame das Wort "Verantwortung" nutzt. Und schauen Sie sich an, wie oft gerade dieses Wort unmittelbar nach Ende des Wahlkampfes, zu einem Fremdwort mutiert. Eines ohne Inhalte oder Definitionen.

    Ein Oberbürgermeister ist verantwortlich. Er ist umso mehr verantwortlich, wenn sich im Nachgang herausstellt, dass er bei einer Sache geschickt so agiert hat, dass man ihn juristisch für nichts verantwortlich machen kann, wenn man nicht wirklich will.

    Und eine ganz wichtige Frage sollte man sich gerade bei Sauerland stellen: Nehmen wir an, die Loveparade wäre ein Erfolg gewesen. Wer wäre dann in erster Linie als Verantwortlicher für den Erfolg hochgelobt worden? Der, der die Unterschrift geleistet hat? Ein Feuerwehrmann oder Polizist? Einer von den Sicherheitskräften? Irgendeiner der 17 Beschuldigten?

    Verantwortung geht einher mit Moral, mit Anstand. Und mit dem Wissen um das, was Richtig ist. Richtig ist nicht immer rechtlich nachweisbar. Aber fühlbar.

    Im vorliegenden Fall vor allem für die Opfer und Angehörigen.

    • k2
    • 22.01.2012 um 10:21 Uhr

    Rockkonzerte wurden von eigenen Ordnungsdiensten - ich organisiere noch heute eine Reihe von solchen Diensten ehrenamtlich - mit wenigen Toten innerhalb eines ansehlichen Zeitraums ausgerichtet.
    Durch einen Polizeikessel bei der Tunneltraverse am Eingang des Love Concert
    in Duisburg kam es zu vielen Toten.

    Soviel zur so genannten "Stampede" oder
    dem angeblichen "Drängeln".

    Eine Leser-Empfehlung
  4. ...natürlich mag es für das emanzipatorische Ego immer ein gutes Gefühl zu sein, sich einer selbsttoleranten Opportunität hinzugeben.

    Faktisch sind es jedoch meist die selben Leute, die ihr Gehalt und die Pension mit der "Verantwortung" rechtfertigen. Und sich hier an Summen bedienen, die fernab jeglicher Vernunft liegen - ebenso wie diese Personen dann auch fernab des Unglücks sind, wenn Rettungs- und Sicherheitskräfte mit den Unfällen konfrontiert werden oder gar selbst in Unterdrückung oder Posttraumata geraten. Also keine Sorge, die kleinen Fische werden schon geschlachtet.

    Und zur Information im glorreichen Deutschen Kaiserreich gab es sehr wohl so etwas wie Verantwortung und Vorbild. Und das obwohl es systembedingt weniger notwendig war. Aber es war auch ein System, welches für Menschen gedacht war und nciht für Rendite und Popshow...

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    denn was wäre ein Antwort ohne eine wohlgesetzte Beleidigung?

    Ich habe keine Pension zu erwarten und begründe mein Gehalt auch nicht auf solche Weise

    Ich sehe jedoch, dass es mehr Verantwortliche gab, wie z.B. die erwähnte Polizei an dem Druchgang, der zur Falle für viele wurde. Und soweit ich mich erinnere, wurde die Polizei aus der Verantwortung offiziell entlassen und niemand dort mußte seinen Posten räumen, seine Altersvorsorge aufgeben oder sich um die Sicherheit seiner Familie sorgen, weil diese massiv bedroht wurden.

    Dieses Unglück und seine Folgen haben nichts mit dem Kaiserreich zu tun und man sollte vielleicht gerade an hochemotionale Themen mit einem kühlen Kopf ran gehen, statt sich auf Lynch-Emotionen zur Wahrung der Gefühlsstabilität Einzelner einzulassen, denn Gerechtigkeit, die von diesen Menschen erwartet wird, wird es dafür nicht geben.

    denn was wäre ein Antwort ohne eine wohlgesetzte Beleidigung?

    Ich habe keine Pension zu erwarten und begründe mein Gehalt auch nicht auf solche Weise

    Ich sehe jedoch, dass es mehr Verantwortliche gab, wie z.B. die erwähnte Polizei an dem Druchgang, der zur Falle für viele wurde. Und soweit ich mich erinnere, wurde die Polizei aus der Verantwortung offiziell entlassen und niemand dort mußte seinen Posten räumen, seine Altersvorsorge aufgeben oder sich um die Sicherheit seiner Familie sorgen, weil diese massiv bedroht wurden.

    Dieses Unglück und seine Folgen haben nichts mit dem Kaiserreich zu tun und man sollte vielleicht gerade an hochemotionale Themen mit einem kühlen Kopf ran gehen, statt sich auf Lynch-Emotionen zur Wahrung der Gefühlsstabilität Einzelner einzulassen, denn Gerechtigkeit, die von diesen Menschen erwartet wird, wird es dafür nicht geben.

  5. > Einer muss schuld sein <

    Es muss heißen "Einer ist auf jeden Fall schuld".

    Wie beim Unglück der Costa Concordia ist der "Chef" schuld. Der Kapität kann sich auch nicht herausreden, dass seine Leute schuld sind und er nichts davon mitbekommen hat. Herr Sauerland ist Kapitän von Duisburg und damit schuld. Ganz einfach. Die Betonung liegt auf "ist" und nicht auf "muss".

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    in die Verantwortung genommen werden soll, ist er natürlich unschuldig. Seine Parteikollegen, die nach wie vor zu ihm halten, hätten das genauerb prüfen müssen. Ein Mann ganz ohne Rückgrat fällt auch in der Politik bei schwierigen Situationen auf. Nun komme keiner mit "wir sind alle Menschen." Ja, aber wir wollen nicht alle Bürgermeister einer größeren Stadt sein.

    in die Verantwortung genommen werden soll, ist er natürlich unschuldig. Seine Parteikollegen, die nach wie vor zu ihm halten, hätten das genauerb prüfen müssen. Ein Mann ganz ohne Rückgrat fällt auch in der Politik bei schwierigen Situationen auf. Nun komme keiner mit "wir sind alle Menschen." Ja, aber wir wollen nicht alle Bürgermeister einer größeren Stadt sein.

  6. oder häufen sich die Skandälchen, Affären und handfesten Skandalel auf CDU-/CSU-Seite? Selektive Wahrnehmung?

  7. Er war der letzte Entscheidungsträger!! Er wusste genau wie gefährtlich die Sache ist!! Experten haben ihm dringend abgeraten!!! Das sind alles Fakten. Ich kann die Lügen nicht mehr hören und auch diese Visage nicht mehr sehen!!

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