Wo gibt es so was noch? Der Gartenmöbelhersteller MBM verspricht Anlegern, die ihm bis 2016 Geld leihen, satte 7,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei der Firma Apassionata, einem Veranstalter von Artisten- und Reitgalas, gibt es 8,25 Prozent für die neueste Anleihe der Firma. Und die angeschlagene Fluglinie Air Berlin zahlt sogar 11,5 Prozent.

Verglichen mit Tages- und Festgeldzinsen ist das üppig. Anleihen von soliden Staaten werfen nur zwei Prozent oder weniger ab. Auch der Aktienmarkt dümpelt seit Monaten vor sich hin. Und so setzen viele Privatanleger derzeit auf Unternehmensanleihen. Corporate Bonds, wie sie im Finanzenglisch heißen, entwickelten sich zum »neuen, heißen Anlagetipp«, beobachtet Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen . Das Vermögen von Investmentfonds, die Anlegergelder in Unternehmensanleihen stecken, hat sich seit 2008 mehr als verdoppelt. Inzwischen gibt es fünf Regionalbörsen, an denen Investoren Schuldscheine von Mittelständlern kaufen können: in Stuttgart, München , Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg . Die Handelsplätze werben gezielt um Kleinanleger. Und die Großbäckerei Heberer aus Mühlheim am Main vertreibt ihre Sieben-Prozent-Anleihe seit August sogar direkt an der Brötchentheke: Wo sonst Backwaren den Besitzer wechseln, liegen Werbeblätter aus: »Trotz Finanzkrise 7 Prozent Festzins sichern.«

Anleger würden Regierungen heute weniger vertrauen als Unternehmenschefs, sagt Christian Lange , Anlageberater beim VZ Vermögenszentrum in München. »Staaten sind in Verruf geraten, Unternehmen dagegen haben nach der Krise ihre Hausaufgaben gemacht«, so Lange. Während der Ertrag auf Schuldscheine von Regierungen vor der Euro-Krise noch als »risikoloser Zins« galt, ist nun die Rede vom »zinslosen Risiko«. Ein solider Weltkonzern wie der Autobauer Daimler hingegen könne seine Schulden auch in zehn Jahren noch ziemlich sicher zurückzahlen, glaubt Lange.

Eine Anleihe ist ein Kredit , den der Schuldner – in diesem Fall heißt er Emittent – in viele kleine Verbriefungen aufteilt, auch Inhaberschuldverschreibungen genannt. Auch Privatleute können sie kaufen. Am einfachsten geht das über spezielle Anleihe-Fonds, bei denen Profis den Kauf und Verkauf der Papiere erledigen. Anleger können ihr Geld auch direkt in einzelne Anleihen stecken – über den Online-Broker oder die Hausbank, sofern sie ein Wertpapierdepot besitzen. Dafür verlangen die Vermittler Order- und Depotgebühren. Das aber ist etwas für Fortgeschrittene.

Der Zins, den die Unternehmen ihren Gläubigern versprechen, auch »Kupon« genannt, ist mehr eine theoretische Größe. Sinkt der Kurs einer Anleihe, steigt die rechnerische Rendite. Oder sie fällt, wenn der Kurs steigt. Dem Auf und Ab entgeht nur, wer das Papier bis zum Ende seiner Laufzeit behält. Denn dann zahlt das Unternehmen den Ausgabepreis in voller Höhe zurück.

Der Kupon, das Zinsversprechen, zeigt an, wie dringend ein Unternehmen Geld braucht und wie riskant die Sache für den Gläubiger ist. »Wer Gläubigern sieben oder acht Prozent anbietet, hat dafür ja Gründe«, sagt Vermögensberater Lange. Ist eine Anleihe dann im Handel, lässt ihr aktueller Preis erkennen, wie hoch der Markt das Risiko einschätzt, dass der Schuldner ausfällt, seine Schulden also nicht mehr begleichen kann.

Experten unterscheiden drei Arten von Unternehmensanleihen: Erstens Schuldverschreibungen großer Konzerne mit sehr hoher Kreditwürdigkeit, etwa Volkswagen. Der Autobauer hatte Mitte November eine 750-Millionen-Euro-Anleihe ausgegeben. Die Renditen solcher Anleihen liegen je nach ihrer Restlaufzeit unter zwei Prozent – also auf dem Niveau zehnjähriger deutscher Staatsanleihen. »Dafür sind sie sicherer«, sagt Lange.

Die zweite Klasse bilden Anleihen von großen Mittelständlern und Unternehmen, die stark vom Auf und Ab der Konjunktur abhängen. Dazu gehören der Stahlkonzern ThyssenKrupp , der Medizintechniker Fresenius oder der Autozulieferer Continental . Ihr Rating – also die Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit – liegt knapp unter »Investment Grade«. Das bedeutet, dass Analysten das Unternehmen nicht mehr für einen Top-Schuldner halten. Solche Anleihen bieten Renditen von 3,5 bis 6 Prozent, haben aber ein etwas höheres Ausfallrisiko.