UnternehmensanleihenGläubiger der Bosse
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"Es sollte nie die Frage im Vordergrund stehen, wie viele Zinsen ich erhalte"

Ein weiteres Problem ist, dass es diese Schuldscheine genau wie die Top-Anleihen mitunter nur in Stückelungen von mindestens 50.000 Euro gibt. VW hat bei seiner November-Anleihe sogar Scheine im Wert von 100.000 Euro ausgegeben. Für viele Privatanleger ist das zu viel Geld auf einmal.

Bleibt die dritte Anlageklasse, wo Anleihen schon in einer Stückelung von 1.000 Euro zu haben sind. Nur sind die eben deutlich riskanter. Sie werden von Unternehmen wie Apassionata und MBM ausgegeben, die oft gar kein Rating haben, welches Aussagen über ihre Kreditwürdigkeit zulässt. Dass Investoren bei diesen Anleihen vorsichtig sind, lässt sich an deren Kursen ablesen. Je riskanter, desto niedriger der Kurs. Die Anleihen an der Stuttgarter Mittelstandsbörse BondM etwa fielen zwischen Juli und Dezember 2011 um rund 14 Prozent. Investoren fürchten, dass Unternehmen während der Laufzeit der Anleihen die Puste ausgeht.

Beim hessischen Großbäcker Heberer fehlt dieser Risikoindikator völlig, denn das Unternehmen ist gar nicht an einer Börse gelistet. Anleger können also nicht einmal an den Kursen ablesen, wie andere Investoren das Risiko einschätzen.

Wie unsicher Mittelstandsanleihen sein können, zeigt das Beispiel des Sonnenkraftwerksbauers Solar Millennium. Im März 2011 hatte das Unternehmen eine Anleihe mit sechs Prozent Festzins herausgegeben. Kurz vor Weihnachten musste es Insolvenz anmelden. Bis zu 15.000 Kleinanleger müssen Schätzungen zufolge nun um ihr Geld bangen. Bei einer Pleite zählen die Inhaber von Anleihen zwar zu den Gläubigern, allerdings sichern sich viele Banken ein Vorrecht, dass ihre Kredite zuerst bedient werden. Anleihekäufer erhalten unter Umständen nur einen Teil ihres Geldes zurück. Bis es so weit ist, kann es zudem Jahre dauern.

Bisweilen ist die Pleitefirma nicht immer selbst die Schuldnerin der Anleihe, warnt Klaus Stopp, Anleihespezialist der Baader Bank: »Wer es mit Anleihe-Investments ernst meint, muss solche Dinge im Prospekt genau prüfen.« Bei Solar Millennium war die AG Emittentin. Bei der aktuellen VW-Anleihe ist es die Leasing-Tochter des Konzerns.

Selbst wenn Anleger sich zutrauen, das Pleiterisiko einer Firma einzuschätzen und es auf sich nehmen zu können: »Sie müssten in jedem Fall ein ausreichend breites Portfolio aufbauen«, sagt Bernd Hashemian, Anleiheexperte und Vorstand der Vermögensverwaltung Kroos aus Münster. Er rät zu einem hohen Anteil von Top-Anleihen als Grundstock, dazu einige höher verzinste Papiere und höchstens eine Handvoll der riskanten Mittelstandsanleihen. 40 bis 50 Anleihetitel, sagt Hashemian, seien das Minimum, um sich gegen die Gefahr abzusichern, dass eine Anleihe ausfällt. Folgen Privatanleger dieser Logik, ist ein Portfolio mit Unternehmensanleihen für die meisten kaum erschwinglich. Die soliden Konzernanleihen, von denen sie möglichst viele zeichnen sollten, gibt es nur zu hohen Stückpreisen.

Bleiben eigentlich nur Corporate-Bond-Fonds. »Ein Fonds ist ein Sondervermögen, das in vielen Anleihen investiert und somit diversifiziert«, wirbt Allan Valentiner, Geschäftsführer des auf Anleihen spezialisierten Vermögensverwalters Johannes Führ. »Dadurch werden für den Anleger die Risiken gesenkt.« Das koste zwar Gebühren, doch Fondsmanager hätten – anders als viele Privatinvestoren – eben den zentralen Grundsatz des Anleihemarktes verinnerlicht. »Es sollte nie die Frage im Vordergrund stehen, wie viele Zinsen ich erhalte«, sagt Valentiner. »Sondern die Frage, ob ich mein Geld wieder zurückgezahlt bekomme.«

Und wer keinen Fonds kaufen will? Bernd Hashemian hat einen überraschenden Tipp parat: Privatleute, sagt der Anleiheexperte, könnten ihr Erspartes auch in Festgeld anlegen: »Die Zinsen sind zwar nicht berauschend«, sagt er. »Aber wenn man das Risiko dagegenhält, schlägt Festgeld ein Direktinvestment in Unternehmensanleihen allemal.«

 
Leserkommentare
  1. "Der Zins, den die Unternehmen ihren Gläubigern versprechen, auch »Kupon« genannt, ist mehr eine theoretische Größe."

    Mit Verlaub, aber das ist doch völlig falsch. Ein Anleger, der die Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, erhält real diesen Zins.

    Außerdem muss der Emittent ja den Kupon in Geld bezahlen. Das emittierende Unternehmen macht also erst dann mit der Anleihe Gewinn, wenn der Verdienst höher ist als der Zins. Der Zins schneidet real die Marge herunter, das ist keine theoretische Größe. Bei 7% Kupon muss ein Unternehmen schon sehr gute Geschäfte mit dem geliehenen Geld machen, um noch zu verdienen. So etwas geht meistens nur bei hohen Teuerungsraten.

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    *Ein Anleger, der die Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, erhält real diesen Zins.*

    Vorausgesetzt, dass das Unternehmen bis dahin noch besteht.

    Wenn es sich um "gesunde" Unternehmen handelt, bekommen sie bei der Bank billigeres Geld; warum müssen sie denn Geld zu so ungünstigen Bedingungen aufnehmen????

    Merke: kein Unternehmen verschenkt Geld.

    @2: und wenn der Laden dann den Bach runtergegangen ist, klagen sie ihre Verluste beim Staat ein und erwarten dass die Allgem,einheit für ihre Dummheit zahlt. So wie die Hedgefonds die Ausfälle bei einem Schuldenschnitt der Griechen als menschenrechtswidrig sehen.

    Fazit: Dummheit und Geldgier von profitsüchtigen "Anlegern" gehen parallel zueinander und sollten nicht noch belohnt werden.

    *Ein Anleger, der die Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, erhält real diesen Zins.*

    Vorausgesetzt, dass das Unternehmen bis dahin noch besteht.

    Wenn es sich um "gesunde" Unternehmen handelt, bekommen sie bei der Bank billigeres Geld; warum müssen sie denn Geld zu so ungünstigen Bedingungen aufnehmen????

    Merke: kein Unternehmen verschenkt Geld.

    @2: und wenn der Laden dann den Bach runtergegangen ist, klagen sie ihre Verluste beim Staat ein und erwarten dass die Allgem,einheit für ihre Dummheit zahlt. So wie die Hedgefonds die Ausfälle bei einem Schuldenschnitt der Griechen als menschenrechtswidrig sehen.

    Fazit: Dummheit und Geldgier von profitsüchtigen "Anlegern" gehen parallel zueinander und sollten nicht noch belohnt werden.

  2. ... und wie an jedem Tag stehen bestimmt auch morgen früh wieder genug Dödel auf die sich mächtig schlau vorkommen, den Schund kaufen und dann allen, wenn der Laden in nem halben Jahr mal wieder den Bach runter gegangen ist, die Ohren volljammern weil ihre Ersparnisse weg sind.

    Nobody expects the spanish Inquisition!

    Eine Leserempfehlung
  3. 3. Rating

    Ja, das ist ganz wichtig mit den Bewertungen ("Rating") dieser Agenturen. Die wissen hinterher nämlich auch immer alles besser.
    Meiner Meinung nach lohnt sich gesunder Menschenverstand und ein Blick z.B. in die Jahresabschlüsse mehr.

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    werden Ihnen weder gesunder Menschenverstand noch Blick in die Bilanz etwas helfen. Vorausgesetzt beides steht überhaupt zur Verfügung, wo doch die hohen Zinsen locken.

    werden Ihnen weder gesunder Menschenverstand noch Blick in die Bilanz etwas helfen. Vorausgesetzt beides steht überhaupt zur Verfügung, wo doch die hohen Zinsen locken.

  4. werden Ihnen weder gesunder Menschenverstand noch Blick in die Bilanz etwas helfen. Vorausgesetzt beides steht überhaupt zur Verfügung, wo doch die hohen Zinsen locken.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Rating"
  5. Es fehlt noch jemand, der diese Anleihen als Linearkombinationen mit variablen mit dem Rating gleitenden Koeffizienten mischt, bündelt und verbrieft um das "Risiko zu streuen", vor allem aber, damit der Zusammenbruch um satter Gewinne so verschoben werden kann, dass bis dahin die Landesbanken alles an Kleinanleger verhökert haben können.

  6. sagt das doch genug über das Risiko aus. Offenbar bekommt die Firma, sprich Air Berlin das Geld ja nicht von den Banken - und das wird seine Gründe haben.

  7. *Ein Anleger, der die Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, erhält real diesen Zins.*

    Vorausgesetzt, dass das Unternehmen bis dahin noch besteht.

    Wenn es sich um "gesunde" Unternehmen handelt, bekommen sie bei der Bank billigeres Geld; warum müssen sie denn Geld zu so ungünstigen Bedingungen aufnehmen????

    Merke: kein Unternehmen verschenkt Geld.

    @2: und wenn der Laden dann den Bach runtergegangen ist, klagen sie ihre Verluste beim Staat ein und erwarten dass die Allgem,einheit für ihre Dummheit zahlt. So wie die Hedgefonds die Ausfälle bei einem Schuldenschnitt der Griechen als menschenrechtswidrig sehen.

    Fazit: Dummheit und Geldgier von profitsüchtigen "Anlegern" gehen parallel zueinander und sollten nicht noch belohnt werden.

  8. von seriösen und liquiden Unternehmen.

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    Der Kupon, das Zinsversprechen, zeigt an, wie dringend ein Unternehmen Geld braucht und wie riskant die Sache für den Gläubiger ist. »Wer Gläubigern sieben oder acht Prozent anbietet, hat dafür ja Gründe«, sagt Vermögensberater Lange. Ist eine Anleihe dann im Handel, lässt ihr aktueller Preis erkennen, wie hoch der Markt das Risiko einschätzt, dass der Schuldner ausfällt, seine Schulden also nicht mehr begleichen kann.
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    Verrehrter Herr Selbach !

    es gibt auch noch andere Gründe dafür, warum Unternehmen (selbst liquide Unternehmen mit einem sehr guten bis hervoragenden Rating) Anleihen mit einem hohen Zinsversprechen ausgeben.

    Und zwar nicht zuletzt auch darum:
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    (Auszug aus der FAZ)
    Prinzipiell haben Unternehmen bei der Begebung von Anleihen eine wesentlich größere Gestaltungsfreiheit als bei Krediten. Denn der Gang an den Kapitalmarkt bringt die Unabhängigkeit von den Hausbanken. Zudem ist bei dieser Finanzierung ein Eingriff in die Unternehmenspolitik oder gar eine direkte Geschäftskontrolle - wie beim Kredit häufig über Aufsichtsratmandate der Hausbankvertreter - nicht gegeben. Dagegen verbreitern Unternehmen ihre Finanzierung auf eine breitere Investorenbasis.
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    Das hier angesprochene Problem dürfte also nicht zuletzt bei den hohen Anforderungen von Basel I-III, was für viele Mittelständler mittlerweile einem Spiesrutenlauf gleicht, sowie der Anhängigkeit zu den Banken sein.

    Gruss

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    Das hier angesprochene Problem dürfte also nicht zuletzt bei den hohen Anforderungen von Basel I-III, was für viele Mittelständler mittlerweile einem Spiesrutenlauf gleicht, sowie der Anhängigkeit zu den Banken sein.
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    Richtig:
    Das hier angesprochene Problem dürfte also bei den hohen Anforderungen von Basel I-III, was für viele Mittelständler mittlerweile einem Spiesrutenlauf gleicht, sowie der Anhängigkeit zu den Banken sein.

    Gruss

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    Das hier angesprochene Problem dürfte also nicht zuletzt bei den hohen Anforderungen von Basel I-III, was für viele Mittelständler mittlerweile einem Spiesrutenlauf gleicht, sowie der Anhängigkeit zu den Banken sein.
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    Richtig:
    Das hier angesprochene Problem dürfte also bei den hohen Anforderungen von Basel I-III, was für viele Mittelständler mittlerweile einem Spiesrutenlauf gleicht, sowie der Anhängigkeit zu den Banken sein.

    Gruss

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