GesellschaftskritikÜber Männerunterhosen

Vor Jahren steigerte sein gestählter Körper den Absatz von Armani-Unterhosen. Jetzt entwirft David Beckham selbst Unterwäsche und wirbt dafür. Sollte er aber nicht.

Mit diesem Bild wirbt David Beckham für seine neue Unterwäschekollektion.

Mit diesem Bild wirbt David Beckham für seine neue Unterwäschekollektion.

David Beckham hat sich in Unterhosen fotografieren lassen. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Es ist noch nicht lange her, da war er in Emporio-Armani-Unterhosen zu sehen, glänzend wie eine polierte Bronzestatue, mit Sixpack. Die Unterhose sah aus, als habe man, Zitat Kollege, »eine Banane und zwei Äpfel« hineingesteckt. Es war übertrieben. Es war so, wie Italiener sich Sex-Appeal vorstellen. Aber es war auch toll. Victoria schmiegte sich an ihn, es sah aus, als sei er, nachdem sie ihm die Fingernägel angemalt und ihn in Röcke gesteckt hatte und freundliche Sätze über seine homosexuellen Fans hatte sagen lassen, endlich wieder bei seiner Männlichkeit angekommen. Ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Männlichkeit. A man in full. Es war ein Traum. Der Absatz von Emporio-Armani-Unterwäsche verdoppelte sich von 16 auf 31 Millionen Euro, die Kampagne inspirierte eine ganze Fußballergeneration, es ihm gleichzutun, Didier Drogba, Cristiano Ronaldo, sogar Lionel Messi, sie alle haben sich in den letzten Jahren in Unterwäsche fotografieren lassen.

Jetzt hat er es noch einmal getan. Diesmal in Unterwäsche von H&M. Es heißt, dass er sie selbst entworfen habe, gemeinsam mit seinem Team. Wieder sind die Fotos schwarz-weiß, wieder handelt es sich um eng anliegende Unterwäsche, aber – etwas ist anders. David Beckham sieht nicht mehr aus wie ein Sexgott! David Beckham sieht aus wie ein Engländer, der gerade widerwilligst seinen Fernsehsessel verlassen hat, nachdem es an der Tür geklingelt hat, wobei er sich an sein Anti-Aggressions-Training erinnern muss, weil es nicht, wie erhofft, der Bote mit dem Sonderanschaffungskostenzuschuss vom Sozialamt ist, sondern der Bote mit dem Paket für die Nachbarin. Wir sehen: einen Mann am Rubikon, einen Mann am Übergang, der das Sixpack bald nicht mehr am Bauch, sondern in der Hand tragen wird. Ein Mann, der dabei ist, zum Unterhosen-Designer zu werden. (Na gut. Vielleicht ist das zu gemein. Vielleicht sehen wir auch David Beckham, dem sie an der Flughafenkontrolle seine Klamotten weggenommen haben und der jetzt langsam mal gerne seine Jeans wiederhätte.)

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Zwischen der Emporio-Armani-Kampagne und der H&M-Kampagne liegen gerade mal vier Jahre. Leute werden älter, darüber muss man sich nicht lustig machen, auch nicht bei Männern. Aber ist es nicht trotzdem erstaunlich? Dass Menschen alles wissen können, aber blind dafür sind, wann der Augenblick gekommen ist, sich nicht mehr in Unterhose fotografieren zu lassen?

 
Leserkommentare
  1. Die ZEIT Nutzerbedingungen binden uns als Leser und Kommentatoren an sogenannte Nutzerbedingungen. Sie weisen die Richtung für einen geordneten Austausch im Rahmen von Sitte und Anstand. Eine Kommunikation und sei sie auch digital braucht Normen und Respekt, Aufmerksamkeit dem Gegenüber und geschieht Kommunilkation im öffentlichen Raum das Bewusstsein, dass sie Teil eines gesellschaftlichen Dialogs ist. Nun fragt sich inwiefern dieser Artikel im Rahmen der Bedingungen lebt. Gar nicht! Er ist oberflächlich, zeichnet sich durch grandiose Einfachheit aus und hinterfragt mich als Leser welche Medien dieser Autor in der Regel konsumiert. Sicherlich einige, aber gewiss keine im Rahmen der ZEIT Nutzerbedingungen.

  2. den Gedanken hatte ich auch .... also las ich noch ein paar Male ...

    Der Artikel wollte einfach nicht ironischer werden.

    Antwort auf "ob aller "
  3. Ja, sicherlich, der Text ist kritisch und lässt sich Beckhams Weg nicht auf weitere Elemente unserer Gesellschaft beziehen?!
    Der Text bringt's witzig auf den Punkt: das Foto wirkt auf manch einen "komisch" und assoziiert benannte Gedanken.
    Letzlich geht es um den Aspekt wann und ob man sein Tun und Lassen auf den Prüfstand stellen sollte, könnte, möchte. Open end ;)

  4. Ich kann den vorangegangenen Kommentaren nur beipflichten. Ihr Artikel nimmt beinahe faschistoide Züge an. Das ist wahrlich ein Trauerspiel für das Zeitmagazin: Ein noch -wie ich als junge Frau finde- noch wirklich attraktiver Mann soll sich aufgrund seines Alters nicht nackt zeigen? Zusätzlich diskreditieren sie noch die italienische Erotik und den englischen Mann. Was ist da los? Das hat nun wirklich nichts mehr mit Sarkasmus und Ironie zu tun und ich schäme mich als Frau, dass die Debatte der Emanzipation (offensichtlich scheint dieser Artikel für sie ja durchaus abdruckbar zu sein, aber ein Artikel mit vertauschten Rollen wäre wohl kaum denkbar, da ja die political correctness und das gender mainstreaming gewahrt werden muss) in diesem Fall ganz klar von der Gleichheit zur Differenz umschlägt.

    Eine Leserempfehlung
  5. ...mit diesen Sticksi-Ärmchen sollte David Beckham nicht als Unterwäsche-Model arbeiten - oder der Fotograf sollte einen besseren Job machen. Sieht doch seltsam aus, alles ist einigermaßen durchtrainiert, und dann diese Sticksi-Arme!

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