GoogleWir begegnen uns nur noch selbst

Aus der Such-Maschine wird eine Ich-Maschine: Google verbindet sich mit Google+.

Google zeigt mit der Suchfunktion "Search Plus Your World" künftig auch "persönliche Ergebnisse".

Google zeigt mit der Suchfunktion "Search Plus Your World" künftig auch "persönliche Ergebnisse".

Sie wollen einen Rasenmäher kaufen, wissen aber nicht, welchen? Ab an den Rechner und losgoogeln. Der erste Treffer: ein Bild von Ihrem Freund Thomas, der auf seinem Rasenmäher sitzt und grinsend in die Kamera winkt. Der zweite: ein Post von Amelie, die verzweifelt versucht, ihren Sohn zum Rasenmähen zu bewegen. Schwachsinn? Nein, Realität. Vergangene Woche hat Google in den USA seine personalisierte Suche vorgestellt. Mit Search plus Your World will es die Suchenden enger an sich binden und kopiert das Erfolgsgeheimnis von Facebook, Amazon und Co.: Google menschelt. Die 1,5 Millionen Deutschen, die ein Google+-Profil haben, bekommen genau wie die weltweit 62 Millionen Nutzer von jetzt an auch Privates aus dem Netzwerk bei ihren Suchergebnissen serviert. Das ist, wie die New York Times schreibt, »eine der größten Veränderungen, die jemals bei Suchergebnissen im Internet vorgenommen wurden«.

Wer bei Google sucht, wird nicht mehr nur in der anonymen Weite der digitalen Welt fündig, er kriegt gleichzeitig alle News aus seinem eigenen kuscheligen Sozialen Netzwerk. Und das bedeutet: Wir sollen uns bei Google nicht mehr nur informieren, sondern dort auch plaudern und entspannen. Google will nicht mehr die Tür zur digitalen Welt sein, sondern ihr Wohnzimmer. Dazu dient Google+. Aus einer Suchmaschine für Inhalte soll eine Suchmaschine werden, die Menschen und Beziehungen versteht. Denn nur dort, wo Menschen sich wohlfühlen, breiten sie sich aus, konsumieren und geben viel von sich preis.

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Der Aufschrei war groß, als sich die Nachricht verbreitete. Der New Yorker Juraprofessor James Grimmelmann zog sofort die Reißleine: »Heute ist ein guter Tag, Google+ auszuschalten und dein Google-Profil zu löschen. Ich habe es gerade gemacht«, twitterte er. Der amerikanische Journalist John Battelle fragte in seinem Blog wehmütig: »Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der Google eine neutrale Instanz war, die das ganze Netz durchforstete? So traurig, diese Ära zu Ende gehen zu sehen.« Und der Autor Farhad Manjoo schrieb konsterniert: »Google zerstört seine Suchmaschine.«

Woher aber rührt diese Empörungswelle? Was verändert sich wirklich, wenn Google auch Google+-Profile mit durchsucht? Die rationale Antwort lautet: auf den ersten Blick gar nicht viel. Seit Jahren schon personalisieren die Kalifornier Suchergebnisse, machen einem Konservativen eher konservative Lektürevorschläge und einem Sozialisten eher sozialistische. »Filter Bubble« nennt der US-Autor Eli Pariser dieses Prinzip, nach dem Googles Rechner Nutzerprofile erstellen und so auf individuelle Vorlieben reagieren. Search plus Your World ist da nur der nächste logische Schritt. Und jedem Nutzer ist freigestellt, diesen Weg mitzugehen oder die Funktionen abzuschalten, andere Suchmaschinen und Soziale Netzwerke zu nutzen. Warum also diese Empörung?

Uns verstört der Blick in den Spiegel, zu dem Google mit der neuen Trefferliste zwingt. Wir kriegen es mit der Angst zu tun, wenn wir visualisiert bekommen, was Google alles über uns weiß – und wer wir laut unserer Google-Suchhistorie sind. Denn die Google-Suche wird zu einer persönlichen Suche, bei der wir einem digitalen Bild von uns selbst begegnen. In einer permanenten Spirale verstärkt der Suchalgorithmus menschlich bequemes Verhalten und gibt dem Nutzer immer mehr von dem, was er ohnehin schon kennt und will: ähnliche Musik, ähnliche Bücher und ähnliche Freunde. Unsere Suchergebnisse zeichnen so das Bild von egozentrischen Konsumenten.

Leserkommentare
  1. Ist es bei den Medien nicht ähnlich? Ein Beispiel dafür ist z.B. die Zeit: Liest man die Print- und die Onlineversion, dann stellt man frappierende Unterschiede fest. Welche Themen halten sich kurz oder lang in der Berichterstattung und wie hängt das mit den generierten Seitenaufrufen zusammen?
    Sicher ist die Berichterstattung damit nicht personalisiert, aber sie ist doch mittlerweile sehr stark an die Interessen der Mehrheit der Konsumenten angepasst. Nur so lassen sich Klicks erzeugen und damit auch Geld verdienen.
    Die Gefahr das damit Mehrheitsmeinung verstärkt werden und kritische Berichterstattung hinten runter fällt ist groß.

    11 Leserempfehlungen
  2. Where the only winning move is NOT TO PLAY.

    Google als Suchmaschine ist nett, aber weder google noch apple sollte man eine valide ID von sich geben.

    6 Leserempfehlungen
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    Richtig!

    und

    If you can't stand the heat, stay out of the kitchen

    Und Google hat ne valide ID von mir, allerdings ohne mein CV. Und die hat nur Google, nicht Microsoft oder Apple. Quasi von Anfang an seit 10 Jahren (gmail). Generale Abschottung ist unvernünftig in der heutigen Netzwelt

    Richtig!

    und

    If you can't stand the heat, stay out of the kitchen

    Und Google hat ne valide ID von mir, allerdings ohne mein CV. Und die hat nur Google, nicht Microsoft oder Apple. Quasi von Anfang an seit 10 Jahren (gmail). Generale Abschottung ist unvernünftig in der heutigen Netzwelt

    • Atan
    • 21.01.2012 um 12:43 Uhr

    Bezieht sich diese Einschränkung der Suchfunktion nur auf namentlich erfasste User, die auch gooogle+ nutzen, oder aber ist der Suchalgorithmus so angelegt, dass auch anonyme Nutzerprofile angelegt werden, die nach (vermuteten? tatsächlichen?) Vorlieben die Ergebnisse filtern.
    Im ersteren Fall entscheidet der Nutzer bewusst, dass er die Realität im Klatschblatt-Format präsentiert haben will, im zweiten Fall versucht google uns diese Realität aufgrund seiner (wie verkläßlichen?) Daten aufzudrängen. Was ist nun genau der Fall?

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    Die Neuerung betrifft zunächst nur eingeloggte Google+-Nutzer. Aber da Google über Cookies Suchanfragen speichert, werden diese natürlich auch längst individualisiert. Wer das nicht sitzungsübergreifend will, sollte anschließend immer den Browser-Cache leeren. Mehr Sicherheit bieten da allerdings VPN-Anbieter.

    Schöner Artikel. Interessant werden dürfte auch, wie sich die Neuerungen auf die E-Commerce-Branche auswirken werden. Mit zunehmender Individualisierung wird es den soganannten SEOs immer schwerer fallen, Einfluss auf die Platzierungen in den Suchergebnissen zu nehmen.

    Die Neuerung betrifft zunächst nur eingeloggte Google+-Nutzer. Aber da Google über Cookies Suchanfragen speichert, werden diese natürlich auch längst individualisiert. Wer das nicht sitzungsübergreifend will, sollte anschließend immer den Browser-Cache leeren. Mehr Sicherheit bieten da allerdings VPN-Anbieter.

    Schöner Artikel. Interessant werden dürfte auch, wie sich die Neuerungen auf die E-Commerce-Branche auswirken werden. Mit zunehmender Individualisierung wird es den soganannten SEOs immer schwerer fallen, Einfluss auf die Platzierungen in den Suchergebnissen zu nehmen.

  3. Richtig!

    und

    If you can't stand the heat, stay out of the kitchen

    Und Google hat ne valide ID von mir, allerdings ohne mein CV. Und die hat nur Google, nicht Microsoft oder Apple. Quasi von Anfang an seit 10 Jahren (gmail). Generale Abschottung ist unvernünftig in der heutigen Netzwelt

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    Nachgeben im obersten Layer kommt oft durch Faulheit und Bequemlichkeit zustande -- das ist nicht unfreundlich gemeint. Es geht mir genauso.

    Firmen wie Apple, Amazon und Google nutzen dies auch aus: Button liegen so, dass man schnell "ausversehen" darauf klickt und Kredikartendaten Abfragen stehen vor jeder frischausgepackten Gerätenutzung. Die Schwelle wird gesenkt.

    Die Firmen wissen genau wie man das 8te Layer manipulieren muss. Weiß es das 8te Layer auch? Oder verdrängt man die Abhängigkeit nur?

    Google+Dienste und Facebook nicht gut zu finden ist keine generelle Abschottung -- im Gegenteil. Es macht einen offener als es einem die eigenen engen Kreise und Selbstzensur vorspielen ...

    Nachgeben im obersten Layer kommt oft durch Faulheit und Bequemlichkeit zustande -- das ist nicht unfreundlich gemeint. Es geht mir genauso.

    Firmen wie Apple, Amazon und Google nutzen dies auch aus: Button liegen so, dass man schnell "ausversehen" darauf klickt und Kredikartendaten Abfragen stehen vor jeder frischausgepackten Gerätenutzung. Die Schwelle wird gesenkt.

    Die Firmen wissen genau wie man das 8te Layer manipulieren muss. Weiß es das 8te Layer auch? Oder verdrängt man die Abhängigkeit nur?

    Google+Dienste und Facebook nicht gut zu finden ist keine generelle Abschottung -- im Gegenteil. Es macht einen offener als es einem die eigenen engen Kreise und Selbstzensur vorspielen ...

  4. Wenn man über Scroogle sucht, bekommt man die Google-Ergebnisse. Scroogle sucht bei Google und gibt die Ergebnisse an den User weiter. Google erfährt also von mir garnichts.

  5. Die Neuerung betrifft zunächst nur eingeloggte Google+-Nutzer. Aber da Google über Cookies Suchanfragen speichert, werden diese natürlich auch längst individualisiert. Wer das nicht sitzungsübergreifend will, sollte anschließend immer den Browser-Cache leeren. Mehr Sicherheit bieten da allerdings VPN-Anbieter.

    Schöner Artikel. Interessant werden dürfte auch, wie sich die Neuerungen auf die E-Commerce-Branche auswirken werden. Mit zunehmender Individualisierung wird es den soganannten SEOs immer schwerer fallen, Einfluss auf die Platzierungen in den Suchergebnissen zu nehmen.

  6. Man sollte schon auseinander halten können, was "das Netz mit einem macht" und was man selbst macht. Jegliche Personalisierungen bei Google sind abschaltbar, wo ist also das Problem? Es gibt keinen Grund für Mythologisierungen, "eine Maschine versteht" nichts. Grund zum Fürchten bietet z.B. immer noch Mikrosoft, die konkret im Leben der Nutzer schnüffeln. Windows beinhaltet seit langem eine einzige, sehr effiziente Schnüffelsoftware, die weitreichende Informationen zum Konzern trägt. Wohin noch? Und es gibt durchaus Hinweise darauf, dass Windows subliminale Suggestionen unter seine Nutzer trägt ("tu dies, tu jenes, tu dies nicht, tu jenes nicht" etc.). Es ist Zeit, aufzuwachen und freie Betriebssysteme zu nutzen.

  7. Einerseits: Das nutz einem ja alles auch, und man kann es abschalten, wenn man es nicht mag.

    Andererseits: Auch in der riesigen Datenmenge von Google kann man sich nicht verstecken. Wenn interessierte Parteien Zugang zu den Daten bekommen oder sich verschaffenn und diese auswerten können, kommt da ganz schön viel zusammen an Dingen, die das eigene Innerste nach außen kehren.

    Wie sehen Sie das? Pollphin hat mal wieder ein Umfrage dazu:
    http://www.pollphin.de/po...

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