Der alte Traum vom großen Überblick
Nicht die »neue Unübersichtlichkeit« (Jürgen Habermas) setzt Gursky ins Bild, sondern den alten Traum vom großen Überblick, von einer heroischen Moderne mit all ihren Glücksversprechen. Die abstrakte, technisch kalte Moderne erscheint auf seinen Bildern wie verzaubert: geheimnisvoll und voller Verheißung. Gurskys Kunst erzählt von einem Universalismus, in der die Technik kein Feind und der Mensch nicht länger einsam und verloren ist. Er geht auf im Kollektiv, ist ein Pünktchen in der Menge, aber ein Pünktchen mit Gesicht, ein erkennbares Individuum.
Gurskys eigentliche Kunst besteht aber darin, mit seiner Schönheit die Träume der Moderne zu reaktivieren, ohne die Traumata zu unterschlagen. Vom Helikopter herab fotografiert er die Autorennstrecke in Bahrain, ein schwarzes Gekräusel im Wüstensand, reines Ornament, das aussieht, als hätte es ein Maler wie K. O. Götz auf die Leinwand gezaubert. Die blanke Technikeuphorie – Autorennen in der Wüste! Bei Gursky dürfen wir noch einmal darüber staunen. Je länger man aber hinschaut, desto verknoteter kommt einem das Ganze vor. Und plötzlich erscheint es einem als Sinnbild: dafür, dass die Moderne sich hoffnungslos verfahren hat und feststeckt in einer rabenschwarzen Endlosschleife.
In Gurskys Bildern gibt es viele solcher Kippmomente, auch in seinen jüngsten, die sich ganz ins Abstrakte aufzulösen scheinen. Mehr denn je wird er zum fotografierenden Maler, zeigt mal düstere, mal beißend bunte Farbwellen – die man erst auf den zweiten Blick als bewegte Wasseroberfläche erkennt, mit glitzerndem Benzinfilm überzogen, von Schampooflaschen, Autoreifen, dem ganzen Zivilisationsschrott durchsetzt.
Das mag ein wenig didaktisch sein, doch seltsam berührt es einen, wie viel Unperfektes in seiner perfekten Hochglanzwelt lauert. Es sind die Stillleben einer globalisierten Gesellschaft, durchsetzt von Vanitas-Motiven: Als wäre er ein Meister des 17. Jahrhunderts, zeigt er uns die Gegenwart als köstlichste Pfirsiche, funkelnde Trauben. Und die Maden zeigt er auch.
Bis zum 13. Mai 2012, www.louisiana.dk
- Datum 25.01.2012 - 19:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 19.1.2012 Nr. 04
- Kommentare 9
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










... es geht um etwas Visuelles. Architektur, Fotografie, o.ä. Es gibt einen großartigen Text wie diesen über Gursky. Aber dann gibt es gar kein oder nur ein einziges Bild und der ganze Artikel funktioniert nicht richtig.
... und Sie haben Gursky soweit das Auge reicht.
Es ist nicht so einfach, Abdruckgenehmigungen für Kunstwerke zu erhalten und manchmal kriegt sie die Zeit für die Druckausgabe, aber nicht für online etc.
Google-Bilder ist auch bei Architektur etc. eine unerschöpfliche Quelle.
Danke an Herrn Rauterberg für die Besprechung! Bin Gursky-Fan.
wir in diesem Fall sogar glücklich sein können, die Bilder nicht als komprimierte Mini-JPGs am Artikelrand zu finden. Ich fürchte jeder, der Gurskys Arbeiten nicht kennt, würde einen völlig falschen Eindruck bekommen.
Der Artikel ist hervorragend und drückt vieles aus, was einem bei der Betrachtung seiner Bilder selbst durch den Kopf geht. Vielen Dank dafür.
... und Sie haben Gursky soweit das Auge reicht.
Es ist nicht so einfach, Abdruckgenehmigungen für Kunstwerke zu erhalten und manchmal kriegt sie die Zeit für die Druckausgabe, aber nicht für online etc.
Google-Bilder ist auch bei Architektur etc. eine unerschöpfliche Quelle.
Danke an Herrn Rauterberg für die Besprechung! Bin Gursky-Fan.
wir in diesem Fall sogar glücklich sein können, die Bilder nicht als komprimierte Mini-JPGs am Artikelrand zu finden. Ich fürchte jeder, der Gurskys Arbeiten nicht kennt, würde einen völlig falschen Eindruck bekommen.
Der Artikel ist hervorragend und drückt vieles aus, was einem bei der Betrachtung seiner Bilder selbst durch den Kopf geht. Vielen Dank dafür.
... und Sie haben Gursky soweit das Auge reicht.
Es ist nicht so einfach, Abdruckgenehmigungen für Kunstwerke zu erhalten und manchmal kriegt sie die Zeit für die Druckausgabe, aber nicht für online etc.
Google-Bilder ist auch bei Architektur etc. eine unerschöpfliche Quelle.
Danke an Herrn Rauterberg für die Besprechung! Bin Gursky-Fan.
wir in diesem Fall sogar glücklich sein können, die Bilder nicht als komprimierte Mini-JPGs am Artikelrand zu finden. Ich fürchte jeder, der Gurskys Arbeiten nicht kennt, würde einen völlig falschen Eindruck bekommen.
Der Artikel ist hervorragend und drückt vieles aus, was einem bei der Betrachtung seiner Bilder selbst durch den Kopf geht. Vielen Dank dafür.
!!!
Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/lv
inszenierter anspruch, zuviel photoshop.
perfekt vermarketete, technisch fast unauffällig umgesetzte idee.
neidich, ehrlich, ein bischen.
ps. wenn schon, dann hr. olafur eliason > http://infranetlab.org/bl...
oder selber 3h ackern > http://commonman.de/wp/?p...
pps. das meiste wird überbewertet.
Er lässt mit einer Paintbox manipulieren. Das ist noch ein wenig anders und "handwerklicher".
Er lässt mit einer Paintbox manipulieren. Das ist noch ein wenig anders und "handwerklicher".
eliason ist installation.
sie verdeutlichen mit ihren fotos warum sie gursky nicht verstehen.
für den anfang empfehle ich einen uv filter.
LG
Er lässt mit einer Paintbox manipulieren. Das ist noch ein wenig anders und "handwerklicher".
wohl eher einfältig.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren