Modebranche Neue Deutsche Welle
Dürfen wir vorstellen: Vierzehn Deutsche, die in der Modewelt 2012 eine wichtige Rolle spielen.
Die Bonnerin
»Ich habe wahnsinnigen Hunger!«, ruft Karla Otto, als sie ein paar Tage vor Weihnachten ihr Londoner Büro betritt. Sie trägt einen schmucklosen Wollpulli, eine Samthose und Plateauschuhe. Die schmale Frau in den Fünfzigern wirkt mädchenhaft und überraschend bodenständig.
Karla Otto führt eine der weltweit einflussreichsten PR-Agenturen, und man kann sagen, sie ist eine der mächtigsten Frauen der Modebranche. Normalerweise regieren hier Italiener und Franzosen – wie hat es ausgerechnet eine Deutsche an die Spitze geschafft? Gut, ein paar deutsche Eigenschaften wie Fleiß und Disziplin mögen geholfen haben. Vor allem aber erklärt Karla Otto ihren Erfolg damit, intuitiv zu handeln. Ihre Strategie kommt aus dem Bauch heraus. »Ich habe nur Kunden, mit deren Kollektionen ich mich identifizieren kann«, sagt sie. Alle passen irgendwie zueinander, der Kreis ist in sich extrem stimmig. Das italienische Label Marni gehört dazu und Céline, das französische Traditionshaus, das von der britischen Designerin Phoebe Philo zum aufregendsten Label der Modeszene befördert wurde. Ottos jüngster Zugang heißt Giambattista Valli und ist Liebling des jungen Jetsets. Karla Ottos Verständnis von Mode ist von der bildenden Kunst geprägt. Sie arbeitet am Image von Designern wie Viktor & Rolf oder Hussein Chalayan, die kommerziell zwar weniger erfolgreich, künstlerisch jedoch sehr anerkannt sind. Zudem wird sie immer häufiger damit beauftragt, Events auf den Kunstmessen in Venedig oder Miami zu organisieren.
In ihrem Londoner Büro verweisen lediglich ein paar uralte Merian-Hefte im Bücherregal auf Ottos deutsche Herkunft. Aufgewachsen in Bonn, verließ sie ihre Heimat nach dem Abitur für ein »Gap-Year« in Tokio. Dort landete sie über den Umweg als Model in der PR-Branche. Heute beschäftigt sie rund 170 Angestellte und führt Büros in Mailand, London, Paris, Los Angeles, New York und Hongkong. Fast überall, wo sie arbeitet, lässt sie die Wände als Schutz gegen Hochfrequenzstrahlung mit Wandfarbe aus Graphit streichen. Zudem sorgt sie, soweit möglich, für Mülltrennung. Ihr ausgeprägtes Umweltbewusstsein zählt sie neben ihrer Sympathie für Alternativmedizin zu ihren deutschen Wurzeln: »Ich kann nicht wegschauen, wenn irgendwo das Licht brennen bleibt.«
ZEITmagazin: Welche typisch deutschen Eigenschaften mögen Sie an sich nicht?
Karla Otto: Wir Deutschen nehmen alles wahnsinnig ernst, versuchen immer alles zu erklären und sind sehr rational, das ist oft nicht gerade charmant. Uns fehlt manchmal eine gewisse Leichtigkeit.
ZEITmagazin: Inwiefern hat die Zeit im Ausland Sie verändert?
Otto: Ich bin weniger pragmatisch und nüchtern geworden, gehe die Dinge ein bisschen verspielter an.
ZEITmagazin: Was am deutschen Stil gefällt Ihnen, und was ist die schlimmste Modesünde der Deutschen?
Otto: Bei deutscher Mode denke ich sofort an Jil Sander: Das Strenge gefällt mir. Deutsche Mode ist oft ein bisschen alltagsnäher als die anderer Designer. Andererseits sind Deutsche oft zu pragmatisch und wenig mutig. Sie suchen in der Mode vor allem Qualität und Komfort.
ZEITmagazin: Sehen Sie Ihr Heimatland heute anders als früher?
Otto: Ich mag es lieber als früher: Das Land ist viel internationaler geworden, und die deutschen Tugenden haben sich ein bisschen abgeschliffen.
- Datum 19.01.2012 - 12:55 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 19.1.2012 Nr. 04
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FÜR MICH wird das einst so
lesenswerte DZ MAGAZIN
journalistisch immer dürftiger.
Beispiele: die MAGAZINE 2012- 3 & 4.
Die Küchenerlebnisse der Glamour-
Fotografin Lina Scheynius (musste
googeln, wer die ist), interessieren
mich nicht. Selbst meine 19-jährige
Tochter findet dieses affektierte
„Tagebuch einer jungen Frau“ als
„unterirdisch“. Zu der Kolumne von
Herrn Prüfer: Produktplacement für
Designerstühle zu schlappen 4200
Euronen interessieren mich noch
weniger. Über den - von KFZ-Freaks
gern verdonnerten - aber amüsanten
Autotest indes, kann ich nur schmunzeln.
Die - von „Besseressern“ letzthin oft
verhöhnten - Beiträge von „uns Siebeck“,
vermisse ich. Siebeck`s Beitrag über seine
Reise in die Bresse war ein Genuss (weshalb
schreibt W.S. inzwischen kaum noch im
ZEIT MAGAZIN ? Wäre schade, falls W.S.
sich aufs „Altenteil“ zurück gezogen hätte).
Kurzum: Wo bleiben die großartigen Reportagen,
wie sie früher im ZEIT MAGAZIN zu lesen
waren ? Wobei ich zugleich ein Lob aussprechen
möchte, für den Beitrag von Sandra Roth, "Dass
es dich gibt“. Immer öfter sind unser "einziger
Trost“ bei der Lektüre des ZEIT MAGAZINES:
Martenstein, versteht sich; von Uslar`s
„99-Fragen“. Zum Schluss werde ich erneut
polemisch: Die unvermeidlichen, saisonalen
Modehefte gehen MIR auf die Nerven, gilt auch
für selbige des Magazines der Süddeutschen
(jaja, weiss schon, diese Modehefte sind Pfründe
für die Anzeigen-Akquisiteure...;-))))
Allerbeschte Grüsse aus der Hoheloische Provinz
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