MumienfundÄgyptische Tonkonserve

Im Tal der Könige stießen Forscher auf das Grab einer Sängerin. von 

Fast 3.000 Jahre alter Sarkophag: Nur kurz haben die Entdecker reingeschaut, die Mumie ist intakt.

Fast 3.000 Jahre alter Sarkophag: Nur kurz haben die Entdecker reingeschaut, die Mumie ist intakt.  |  © Ägyptologisches Seminar der Universität Basel

DIE ZEIT: Sie haben im Tal der Könige den Sarkophag einer angeblichen Sängerin entdeckt. Woran haben Sie denn sofort erkannt, dass es sich um das Grab einer Künstlerin handelt?

Susanne Bickel: Das steht auf ihrem Sarg. Mit ihrem Namen Nehmes Bastet ist auch mehrfach ihr Titel vermerkt. Sie war eine Sängerin des Amun, des altägyptischen Sonnengottes. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um den Titel einer Priesterin.

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ZEIT: Haben Sie denn schon nachgesehen, was in dem Sarkophag drin ist?

Susanne Bickel

ist Professorin für Ägyptologie in Basel.

Bickel: Vor ein paar Stunden haben wir ihn erstmals geöffnet, aber nur für einen kurzen Moment. Um festzustellen, wie es drinnen aussieht – damit wir den Transport planen können. Die Dame ist sehr schön eingewickelt, die Mumie ist völlig intakt.

ZEIT: Passt die Mumie also zur Inschrift?

Bickel: Das nehmen wir an, wir konnten sie ja noch nicht röntgen. Der Sarg war zumindest original verschlossen. Sehr wahrscheinlich ist es die Sängerin.

ZEIT: Wohin wollen Sie die sterblichen Überreste von Nehmes Bastet transportieren?

Bickel: Nach Luxor in ein Magazin, wo sie in Sicherheit ist und in aller Ruhe untersucht werden kann. Auf den ersten Blick sieht die Mumie unbeschädigt aus, weder Insekten noch Schimmel scheinen ihr zugesetzt zu haben. Aber falls nötig, wird sie restauriert.

ZEIT: Und danach geht sie auf Tournee?

Bickel: Das entscheiden nicht wir, sondern die ägyptischen Behörden. Vielleicht landet sie in einem Depot, oder sie kommt in ein großes Museum.

ZEIT: Welche Untersuchungen planen Sie?

Bickel: Röntgen ist sicher das Einfachste und Naheliegendste. Auf jeden Fall werden wir nicht invasive Methoden wählen. Ob eine DNA-Untersuchung etwas bringt, davon bin ich noch nicht überzeugt.

ZEIT: Wie groß ist die Dame?

Bickel: 155 Zentimeter – für die damaligen Verhältnisse eine durchschnittliche Körpergröße.

ZEIT: Es ist das bislang 64. Grab, das im berühmten Tal der Könige gefunden worden ist. Ursprünglich war das Grab aber wohl nicht für die Sängerin vorgesehen gewesen.

Bickel: Ja, sie gehörte zur 22. Dynastie und wurde im 9. Jahrhundert vor Christus begraben. Das Grab ist jedoch älter, es stammt aus dem 15. Jahrhundert. Es wurde mit Sicherheit bereits zur Zeit der 18. Dynastie benutzt.

ZEIT: Warum nahm man den alten Leichnam raus und begrub stattdessen eine Sängerin?

Bickel: Das war am Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends durchaus üblich. Man baute oft keine neuen Gräber, sondern nutzte die alten ein weiteres Mal. Die Erstbegrabenen ließ man meistens drin liegen. Im vorliegenden Fall ist sehr viel Schutt hineingeraten. Vielleicht hatten Raubgräber als Erste die Stätte heimgesucht, danach ist sie offen geblieben. Irgendwann kam die Decke runter. Ein guter Meter Schutt liegt in der Grabstätte, und wir vermuten, dass darunter noch die originale alte Ausstattung liegt – zumindest teilweise. Wir werden in den kommenden Wochen versuchen, das herauszufinden.

Leserkommentare
  1. "Der gut gebaute Sarkophag war damals in jedem Fall ein Luxusobjekt""

    Das ist es auch noch heute. Fragen sie mal jemand, der erst jüngst einen Bestatter bezahlt hat. Kein Verhältin vom Aufwand der Herstellung zu den Kosten, die dann berechnet werden.

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    • ibm
    • 19. Januar 2012 14:27 Uhr

    hat sich aber der Aufwand wirklich gelohnt.
    Die sind erstens sehr schön und zweitens haben sie ein paar tausend Jahre gehalten.

    • ibm
    • 19. Januar 2012 14:27 Uhr

    hat sich aber der Aufwand wirklich gelohnt.
    Die sind erstens sehr schön und zweitens haben sie ein paar tausend Jahre gehalten.

    Antwort auf "Damals und Heute"

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  • Schlagworte Bestattung | Dynastie | Röntgen | Sänger | Altertum | Jesus
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